Impfen: Ich war böse

Ich war böse. Ich habe auf Facebook über Impfungen geschrieben. Und mich als Befürworterin geoutet. Das sollte man – um des lieben Friedens Willen – unterlassen. Sonst steht man bald da (oder sitzt, wenige haben ja ein Stehpult) und wird die Geister nicht mehr los, die man rief.

So passiert. Es hagelte. Links, Videos und sonstiges Material aus zweifelhaften Quellen, das Stunden gefüllt hätte, es alles zu sichten. Und es wurde alles gebracht. Von bösen Profitgeiern über Verschwörungstheorien, welche die Übernahme der Weltmacht propagierten, bis hin – wobei, geht es noch schlimmer? Wohl schon, ich habe es nicht mehr angeschaut.

Ich bin durchaus nicht unkritisch. Impfschäden sind tragisch und hätte es mich und mein Kind getroffen, wäre es ein Drama. Nur: All die Schäden sind im Vergleich dazu, was vor diesen Impfungen war, ein Klacks. Nicht im Einzelfall (leider!!), sondern im grossen Ganzen. Darum ziehen all die herbeigezogenen Einzelfälle der Impfgegner nicht als Argumente gegen Impfung. Sie zeigen nur, dass die Welt leider nicht perfekt ist.

Masern konnten dank Impfung fast ausgerottet werden. Gerade jetzt kommt es in Deutschland wieder zum Aufleben der Krankheit – und ein kleines Kind ist daran gestorben. Das Schlachtfeld der Argumentationen ist eröffnet. Und ich sage es auch hier: Nicht zu impfen ist keine Lösung. Nicht bei Masern (und bei einigem mehr).

Impfgegner bringen immer wieder die Profitgier der Pharmariesen ins Spiel. Leider ist diese nicht zu verleugnen. Die Schweinegrippe ist ein Zeugnis dafür. Allerdings sollte man dadurch nie aus den Augen verlieren, worum es geht. Ja, Impfungen bergen Risiken. Und es gibt Impfschäden. Die sind zahlenmässig jedoch in keinem Verhältnis zur wirklichen Krankheit. Jedes einzelne Schicksal ist traurig. Aber man darf nie das grosse Ganze aus den Augen verlieren. Und ich gebe es gerne zu: Wäre mein Sohn von einem Impfschaden betroffen (ich erlebte nur wieder abklingende Komplikationen, die mich so schon sehr trafen), wäre das ein Drama. Wäre er aber das an Masern soeben gestorbene Kind, wäre das nicht besser.

Wir werden das Leben nie ganz sicher machen können, der Tod lauert immer irgendwo. Alles, was wir können, ist mit Wahrscheinlichkeiten spielen. Das ist nicht perfekt, aber mehr bleibt nicht. Sich von allen Impfungen freisagen kann der, welcher irgendwo auf einer einsamen Insel lebt. Da gefährdet er niemanden und wird auch selber nicht getroffen. Das Leben in einer Gesellschaft erfordert gewisse Massnahmen, um das Miteinander lebbar zu machen. Man gibt – auch hier wieder meine ewig gleiche Leier – gewisse Freiheiten auf, um andere zu gewinnen. Die Wahrscheinlichkeit, zu überleben, nicht an Masern zu erkranken und daran zu sterben, ist mit einer Impfung um einige Faktoren höher, als die, an Nebenwirkungen der Impfung zu leiden. Klar ist es für den Einzelnen, der für das Ganze leidet, nicht fair. Allerdings ist es der Preis des Miteinanders. Und jeder, der impft, könnte ihn bezahlen, er trägt das Risiko. Wer nicht impft, lässt die anderen für sich mittragen und setzt diese einem höheren Risiko aus. Fair ist das auch nicht.

12 Comments

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  1. Ein Problem bei der Schweingrippe und anderen Epidemien ist, dass im zuständigen Gremium der WHO Experten sitzen, die mit der Pharmaindustrie verbandelt sind und daher der Glaubwürdigkeit der WHO schweren Schaden zufügen.
    Und ohne jetzt die Pharmaindustrie in Schutz nehmen zu wollen, sind es halt auch die Regierungen, die (auf Anraten der WHO) Impfmittel zu horrenden Preisen einkaufen, um kein Risiko einer „Durchinfektionierung“einzugehen, da sie befürchten, dass die ihnen bei einem wirklich fatale Verlauf als Unterlassung oder Unfähigkeit um die Ohren gehauen wird.
    Hat jetzt nur mit einem Teilaspekt deines Artikels zu tun, spielt aber auch bei mancher Einzelentscheidung Pro oder Kontra Impfungen eine Rolle.

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    • Das spielt bei denen eine Rolle, die auf Teufel komm raus ein Argument gegen Impfungen per se suchen. Ich kritisiere die Schweinegrippeimpfung selber. Und ich bin nicht die, welche sagt: Einfach mal alles impfen, das kommt schon gut. Aber es gibt Krankheiten, die man mit Impfungen (die über Jahre getestet wurden) in den Griff gekriegt hat. Krankheiten, die vorher schwerwiegende Folgen für XXXXXX Menschen hatten. Und da stellt sich in meinen Augen die Frage eben nicht mehr. Und da will ich auch kein Video von irgend einer sektiererischen Organisation sehen, die selber von irgendeinem pseudoirgendwas Verein finanziert wird.

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  2. Ja, da hast Du wohl ein sensibles Thema angesprochen, das aus aktuellem Anlass viele interessiert…
    Ein schwieriges Thema bzw. eine schwierige Frage, die wohl kaum jemand einfach mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann, da es eben sowohl positive als auch negative Argumente gibt. Ich denke, jeder muss für sich entscheiden, ob er sich oder seine Kinder impfen lässt oder nicht. Impfen ist wie eine Art Versicherung, aber man kann sich nicht eben nicht gegen alles versichern, und es werden immer mehr Impfungen, die man vermeintlich haben sollte. Wer will/kann da noch den Überblick behalten? Kein Wunder, dass die Menschen/wir verunsichert sind, schließlich geht es um unsere Gesundheit, unsere Angst.
    Meine Kinder sind gegen manches, aber nicht gegen alles geimpft. Werde gleich nochmal im Impfpass nachsehen, ob Masern dabei sind! LG Birthe

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    • Ich gebe dir recht, dass es schwer ist, zu unterscheiden, was wirklich nötig ist und wo Profitgier hinter der Empfehlung steckt. Das macht die ganze Angelegenheit noch sensibler und in meinen Augen wären da auch die Pharmamultis in die Pflicht zu nehmen. Ich bleibe bei meiner Meinung: Es gibt Impfungen, die in meinen Augen Pflicht sein müssten, da die Krankheiten, die man damit bekämpft, die Nebenwirkungen der Impfungen um ein Vielfaches übertreffen. ABER: Es gibt ganz viele Impfungen, die schlicht einfach geimpft werden, weil man ja impfen kann – und es wäre einfach nicht nötig, da a) die Krankheit nicht schlimm wäre, b) der Impfstoff nicht wirklich erprobt ist.

      Da zu unterscheiden, das ist schwer. Je mehr Schindluderei betrieben wird, desto schwerer wird es und es gibt Fronten gegen Impfungen, die nötig wären – was ich verstehe.

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  3. Nun, ich bin komplett auf Sandras Seite, aus verschiedenen Gründen. Erstmal hatte ich als Kind Masern und Windpocken und ich kann jedem versichern, dass dagegen Impfnebenwirkungen zu verharmlosen sind (jedenfalls diejenigen, die nur in abgeschwächter Form auftreten), und zum Zweiten klärt das Robert-Koch-Institut schon seit geraumer Zeit über die Risiken des Impfens auf. Gerri hat ja schon auf die Verbandelungen zwischen den Pharmakonzernen und der WHO hingewiesen, aber das ist kein Grund für diese Fasthysterie. Denn dieselben Eltern, die eine Impfung verurteilen, kaufen ihren Kindern billige Schuhe (die mit Chrom6 behandelt wurden und das Erbgut schädigen), gehen in Fastfood Läden, oder kaufen die billigsten Lebensmittel, die überhaupt erhältlich sind, und machen sich da anscheinend keine Sorgen. Ich würde mich auch nicht gegen alles behandeln lassen, aber den Tod von Kindern würde ich, nur aus einer unwissenden Antihaltung heraus, nicht hinnehmen.

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  4. Täglich sterben Tausende von Kindern an _vermeidbaren_ Krankheiten, die wir hier dank Impfungen nicht mehr fürchten müssen.
    Schlimm und zynisch finde ich vor allem Impfverweigerer, die es sich dann doch nicht nehmen lassen, in Drittweltländer oder Länder wie Rumänien zu reisen, weil sie selbst sich im Falle eines Falles in Spitälern nach westlichen Standards behandeln lassen können (was manchmal auch nicht reicht, wie dieses Kind in Berlin zu tragischerweise belegt). Das Verweigern von Impfungen wie Polio oder Masern durch die Einen kann das Todesurteil für Andere sein! Impfen ist eine soziale Handlung und das Verweigern egoistisch und kurzsichtig.
    Just my 2cts.

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    • Da kommen mir unweigerlich die Massaker unter der indigenen Bevölkerung Nord, Zentral- und Süamerikas durch eingeschleppte (und später gezielt eingesetzte) Krankheiten von Besatzern und Missionaren in den Sinn. So gehts ja teilweise immer noch, nur hat sich die Behandlung auch in diesen Ländern verbessert, so dass es nicht mehr zu den ganz grossen Katastrophen kommt.

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  5. http://www.der-postillon.com/2015/02/impfgegner-entwickeln-erste-impfung-die.html

    … enough said 😉

    PS: … oder doch nicht: Bei aller berechtigten Kritik an der Pharma-Industrie – aber im Kapitalismus muss eben ALLES zu Geld gemacht werden, auch und gerade die Dinge, die man am dringendsten zum Leben braucht wie Gesundheit, Ernährung, Wohnung … diese fanatischen Impfgegner stehen für mich auf einer Stufe mit den Kreationisten, die an ein „Intelligent Design“ (und also einen „intelligent designer“) der Welt glauben. – Gegenargument: Wenn es einen intelligenten Designer gegeben hätte, hätte dieser sicherlich nicht Menschen erschaffen, die so dumm sind, an einen intelligenten Designer zu glauben 😉

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  6. Danke für diesen reflektierten Beitrag, Sandra. Ich bin da voll bei dir und freue mich über jeden, der sich für das Impfen einsetzt. Und ich bin für eine Impfpflicht bei einigen Krankheiten (Ausnahme sind natürlich Kinder, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können). Das ist eigentlich nicht meine Art, ich bin immer dafür, den Menschen so viel Freiheit wie möglich zu lassen. Aber so lange Dummheit und Ignoranz derartig durchschlagen, dass in unserem wohlhabenden Land Kinder an vermeidbaren Infektionskrankheiten sterben, sehe ich keinen anderen Weg.

    Gefällt 2 Personen

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