2013 – Das Jahr, das war

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und man kann davon halten, was man will, irgendwie bringt diese Zeit doch immer einen Rückblick mit sich. Man denkt an das, was war, zieht Bilanz, ist einfach einen Moment lang still. Das nennt man dann wohl die besinnliche Zeit, in der die Sinne sich zurückziehen, sich nach innen wenden, um zu sehen, was sich über die Zeit angesammelt hat, wer man heute ist, nachdem all das passiert ist, was man eben erlebte das Jahr durch.

Angefangen hat mein Jahr als Zitterpartie. Schon zu Weihnachten kam die Hiobsbotschaft, dass mein Papa im Spital sei, dass operiert werden müsse. Nach etlichen Stunden auf dem Op-Tisch folgte ein künstliches Koma, das Zittern hielt an. Als er aufwachte, war er so klein und schwach, erinnerte kaum an den Mann, den ich kannte. Doch Schritt für Schritt ging es aufwärts und ich freue mich von Herzen, dieses Weihnachtsfest wieder mit ihm zusammen feiern zu können. Ich bin von Herzen dankbar dafür.

Auch sonst war dieses Jahr keine gerade Strasse, es hatte viele Kurven, Abhänge, Abgründe. Es war eine Zitterpartie, bei der ich nicht immer sicher war, ob ich die nächste Kurve auch schaffe. Es war, wie es immer ist: Es ging dann doch irgendwie und jedem Tiefgang folgte ein Aufwärtstrend. Wenn ich so zurück blicke, lassen sich gar nicht mehr alle Tiefschläge, Hindernisse und Rückschläge benennen, selbst wenn sie es täten, hätte ich wenig Lust dazu. Es würde wohl nichts bringen und irgendwie scheint das Auf und Ab auch zum Leben dazu zu gehören. Wäre das Leben nur mehr eine ausgezogene Linie, wäre es wohl wie beim Herzfrequenzmessbild: zu  Ende.

Es war ein Jahr, das sehr nach innen wies, ich suchte nach Antworten auf die grossen Fragen „Wer bin ich?“ und „Was will ich im und vom Leben?“, versuchte, mich ihnen zu stellen und sah, dass jede Antwort neue Fragen aufwarf. Ab und an dachte ich mir, dass es wohl einfacher gewesen wäre, schon die erste Frage nicht zu stellen, sondern das Leben einfach anzugehen und zu nehmen, was kommt. Dass ich es nicht konnte, gibt mir schon die Antwort, dass ich bin, wie ich bin und tun muss, was ich tue. Es gibt mir die Antwort, dass ich mich den Fragen stellen will und muss, dass dies mein Weg ist.

Eine Antwort auf die Frage, was ich wirklich will im Leben, ergab sich aus dem glücklichen Umstand, dass mein Körper sich so weit erholt hat, dass ich wieder ins Yoga eintauchen konnte. Dafür bin ich sehr dankbar, auch wenn der Weg zurück nicht nur einfach ist und war, er auch immer wieder Fragen aufwarf und mir meine eigene Ungeduld oft im Weg stand. Vermutlich ist auch das eine Lehre, die ich auf meinem Weg durchlaufen muss, etwas, an dem ich wachsen muss, wie ich es auch an der Pause musste.

Ich habe viel gelernt in diesem Jahr, über mich, über das Leben. Etwas, was ich schon wusste und das sich auch heuer wieder bestätigte: Man kann nicht alles haben im Leben und meist ist es nicht der Weg des geringsten Widerstandes, der zum erwünschten Ziel führt. Der Weg, das Leben einfach locker flockig, ohne viele Fragen, nur auf der Strasse von Genuss und Sinnesfreuden anzugehen, wäre verlockend und schön, ich käme damit aber wohl nicht zu dem Ziel, zu dem ich für mich gelangen möchte. Trotzdem haderte ich ab und an genau an dem Punkt. Schielte verstohlen zur Leichtigkeit und schimpfte auf die Steine, die ich trug. Ich hoffe, dass ich mit den Steinen nach und nach das Haus bauen werde, in dem ich mich Zuhause fühle, das hält und tragende Wände hat.

Ab und an ertappte ich mich dabei, dass ich mehr besorgt war über die Frage, wer oder was ich für die anderen bin, denn darüber, wer ich wirklich bin und wie es mir selber dabei geht. Ich ertappte mich dabei, dass ich Massstäbe an mich legte, von denen ich dachte, andere Menschen würden sie haben und mich danach bemessen, und wie ich dabei vom Gefühl zerfressen wurde, diesen Massstäben nicht zu genügen. Wenn das erste Hadern vorbei war und ich wieder klar sehen konnte, malte ich mir aus, was ich an mir und meinem Leben ändern müsste, um den angenommenen Massstäben zu genügen. Dabei stellte ich fest, dass ein solches Leben mir nicht entspräche und ich eigentlich genau das lebte, was ich immer leben wollte und noch immer will.  Der Gedanke erfüllt mich immer wieder mit Dankbarkeit, da ich weiss, dass es nicht nur selbstverständlich ist, das tun zu können, was einem am Herzen liegt, weil der Weg dahin nicht immer leicht und eben auch nicht immer mit andern Massstäben konform läuft.

Wenn ich nun Bilanz ziehe, so fällt diese positiv aus. Die Schwierigkeiten, denen ich begegnete, waren zum grossen Teil hausgemacht, weil nicht alles lief, wie ich es gerne gehabt hätte, weil ich mit mir und der Welt unzufrieden war und den Blick mehr auf das richtete, was fehlte, als auf das, was da war. Ich habe das grosse Glück, Menschen um mich zu haben, die mir wichtig sind, die mir gut gesinnt sind und für mich da sind, denen ich wichtig bin. Ich habe das grosse Glück, mein Leben selber gestalten und wählen zu können, welchen Massstab ich auf dasselbe anwende. Und ich bin in der glücklichen Lage, Fragen stellen zu können sowie ab und an Antworten zu finden.  So gehe ich den Weg nun ins 2014, werde noch mehr Fragen stellen, an einigen nagen, mich über andere freuen und an allen wachsen.

15 Comments

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    • Lieber Hubert, mir gehts da ähnlich … du hast es ehrlich, ‚plastisch‘ und Liebevoll formuliert ❤ 🙂
      … obwohl ich geneigt bin, meiner 'Chefin', – angesicht solcher Metaphern und Sätze ( '… Wäre das Leben nur mehr eine ausgezogene Linie, wäre es wohl wie beim Herzfrequenzmessbild: zu Ende.'), 'Guttenbergsche Ungenauigkeiten' bei der Quellenangabe zu unterstellen … 😉 🙂
      (… weil eine 'meiner Standardmetaphern')
      Habe ein Fried- und Freudvolles Fest im Kreis Deiner Lieben … 🙂

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      • Mathias, einigen wir uns darauf: Wir arbeiten so gut zusammen, weil wir ähnlich denken 🙂 Das zeigt sich dann an den gemeinsam genutzten Metaphern.

        Frohe Weihnachten!

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      • Lieber Matthias… nun, ich bin Stammgast auf dieser Seite und der Autorin halt mit dem Herzen sehr verbunden. Ist doch schön, dass du und Sandra so gut literarisch zusammenarbeitet 😉
        Ich wünsche dir ebenfalls friedliche, besinnliche und frohe Weihnachten.

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      • DANKE liebe Sandra und DANKE, dass du uns solch tiefen Einblick in dein Leben und dein Empfinden gewährst. Ich begleite dich ja hier schon länger auf deinem Weg; nehme Anteil… und das alles sehr gerne. Ich weiss da um einige Momente in 2013, die mir auch nicht gefallen und nicht recht sind…
        Dein Vater… letzte Weihnachten… mhhh… das wusste ich allerdings nicht. Sowas geht auch beim lesen nahe. Umso mehr freue ich mich, dass ihr jetzt gemeinsam Weihnachten feiern könnt. So wünsche ich dir und deinen Lieben noch einmal schöne und friedliche Weihnachtsfeiertage… „digital“ sozusagen… „analog“ hab ich’s ja schon gemacht 😉 Heb Sorg…

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  1. Ihr Lieben,
    auch mir macht es feuchte Augen und ein warmes Herz, von so viel Licht, Liebe und Zuneigung – unter- und füreinander – auf dieser Seite lesen zu können (und zu dürfen) …
    Glück, Liebe, AnTeilNahme und Freude ‚vervielfältigen‘ sich ja- ‚wider‘ die ‚Vernunft‘ – duch ‚Teilen‘ …
    Einen Herzensgroßen Dank Dir, lieber Hubert, für das Deine und Deine FürSorgende Nähe, mit der Du Sandra bedenkst (Da muss ich mir weniger Sorgen machen … 😉 🙂 ) …
    Ja, es war – so galube ich – im Besten Sinne ein Lebendiges Jahr 2013 und Dank dir, Liebe Sandra, für die Wunderbare Zusammenarbeit … Der Lohn war so groß, dass ich auch ‚freiwillig‘ (trotz anderslautenden Tarifvertrag 😉 ) gern auf jedwede ‚Weihnachtsgratifikation‘ verzichte …
    Mögen ‚Puzzleteile‘ 2014 Bilder werden und Worte (nicht nur ‚metaphorisch‘ .. 😉 ) Wege (uns Allen) …
    Mathias

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  2. ‚Kulinarischer‘ Nachtrag und ‚Vor’Trag für 2014 (über einen ‚befreundeten‘ Facebook-Link):

    Rezept für das neue Jahr

    Man nehme 12 Monate,
    putze sie ganz sauber von Bitterkeit,
    Geiz, Pedanterie und Angst,
    zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile,
    so dass der Vorrat genau für ein Jahr reicht.
    Es wird jeden Tag einzeln angerichtet
    aus einem Teil Arbeit
    und zwei Teilen Frohsinn und Humor.
    Man füge drei gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu,
    einen Teelöffel Toleranz,
    ein Körnchen Ironie und eine Prise Takt.
    Dann wird die Masse reichlich mit Liebe übergossen.
    Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen
    kleiner Aufmerksamkeiten
    und serviere es täglich mit Heiterkeit
    und mit einer Tasse Schokolade.
    Catharina Elisabeth von Goethe (1731-1808)

    ~ Thx Bernhard Kristner“ (via Taita)

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  3. Liebe Sandra,
    deinem Vater wünsche ich, dass er wieder zu seinen alten Kräften kommt! Und dir wünsche ich, dass du noch oft mit ihm Weihnachten feiern kannst!
    Die wesentlichen Fragen zu stellen ist wohl das Wichtigste im Leben. Und den Mut, sie zu stellen – auch ohne Antworten, die das Fragen nur behindern würden.
    Ich freue mich, dass du dich erholt hast (ohne zu wissen wovon). Ich kenne dich noch nicht, aber ich fühle, dass es gut ist, so wie du bist!
    Die Massstäbe sind ein grosses Problem. Aus der Quantenphysik wissen wir, dass messen so viel wie feststellen heisst und das Gemessene dann nicht mehr das ist, was es vorher war. Auch wenn es oft notwendig erscheint, wir dürfen nie vergessen, was vor der Messung war. In der Physik (und nicht nur da) ist das die nahezu unendliche Potenzialität, für die wir immer offen sein müssen. Vorsicht ist auch geboten beim Messen der anderen. Wer einmal weiss, wer der/die andere ist – hat die Beziehung bereits beendet.
    Freue mich, dass deine Bilanz positiv ausgefallen ist. 2014 hast du jedenfalls einen Menschen dazu gewonnen, für den du – sogar auf Distanz – wichtig bist! Lass die Massstäbe und schau, dass du immer mehr du selbst wirst.

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