Pfauen und andere Tierchen

Sieht man das männliche Pfauentier mit stolz geschwellter Brust daher schreiten, den Schweif in bunter Farbenpracht gespreizt, förmlich schreiend nach Bewunderung, nimmt sich das eher blasse, kleine Weibchen daneben sehr unscheinbar aus. Ihn scheint das nicht zu stören, sie offensichtlich auch nicht, ist sie sich des Umstandes wohl auch nicht bewusst. Und so leben die beiden glücklich und einträchtig in ihren von der Natur zugedachten Rollen.

Da stehen wir Menschen und haben dieses Ding, das Bewusstsein heisst. Und wir merken all das, was die kleine Pfauenfrau nicht merkt. Und wir nehmen Anstoss daran. Zumindest heute und in unserer westlichen Zivilisation. Früher war auch hier die oben genannte Rollenverteilung normal, der Mann das grosse Tier nach aussen, die Frau im stillen Kämmerlein. Schulbildung war versagt, Weiterbildung sowieso. All das musste mühsam erkämpft werden. Dass dieser Kampf heute ab und an merkwürdige Blüten treibt, ist hier nicht Thema.

Der Mann[1] fühlte sich wohl in dieser Rolle, sah sich von den Frauen bewundert und in der starken Rolle des Ernährers, Beschützers und Mann von Welt. Er sonnte sich in seiner Rolle und noch mehr in der Bewunderung der Frau. Sie definierten sich und ihren Selbstwert dadurch. Durch die veränderten Bedingungen heute, in denen Frauen (rein theoretisch zumindest) dieselben Wege und Möglichkeiten offen stehen wie den Männern, sie diese auch gehen und ergreifen, kommt dieses Selbstverständnis ins Wanken. Was ist der Mann, wenn er nicht mehr der Grosse ist? Ist er dann noch ein Mann? Wird er noch als solcher wahr und ernst genommen?

Hannah Arendt hatte eine viel beschriebene Beziehung zu Martin Heidegger. Er der grosse und charismatische Professor, sie die kleine und unsichere Studentin. Die Beziehung blieb, als sie an eine andere Uni wechselte, auch später noch hatte sie Bestand. Zwischen den beiden galt die ungeschriebene Regel, dass sie ihm nie sagen durfte, dass sie auch nur eine Zeile selber geschrieben hatte. Nie durfte sie sich selber als (grosse oder erfolgreiche) Denkerin offenbaren, sie musste in der Beziehung die Kleine bleiben, die zwar seine Schriften kommentieren durfte (bevorzugt loben), selber aber nichts zustande bringt. Sie hat sich über viele Jahre daran gehalten. Als sie die Regel umging und ihm ein Buch von sich schickte, stiess sie auf Mauern.

Noch heute ist dieses Verhalten in vielen Köpfen drin. Der Mann als grosser Held möchte über der Frau stehen. Er möchte bewundert sein, denn daraus schöpft er noch immer seinen Selbstwert, damit identifiziert er noch oft sein Mannsein, weil es ds ist, was er kennt, das, was bislang die Regel war. Selbst wenn er das bestreitet, es drückt oft durch und ist mittlerweile auch Thema vieler Abhandlungen, Zeitungsartikel und psychologischen Studien geworden. Alte und hergebrachte Muster lassen sich nicht so einfach durch theoretische Wertänderungen ersetzen. All die Gedanken von Gleichberechtigung und Gleichstellung, von gleicher Augenhöhe und gleichen Möglichkeiten sind durchaus anerkannt und werden als wichtig erachtet. Im menschlichen Miteinander hinken wir emotional noch hinterher. Der Mann möchte tief drin immer noch seinen Federkranz mit geschwellter Brust präsentieren, die Frau soll bewundernd von unten aufschauen.

Die (menschliche) Natur ist träge in ihren Veränderungen und auch der Geist und das von diesem gesteuerte Verhalten reagiert nur langsam. Die Synapsen im Gehirn müssen sich erst neu bilden und festigen, bevor ein neues Verhalten in Fleisch und Blut übergegangen ist. Bis dahin hilft wohl nur, sich immer wieder bewusst zu werden, was man eigentlich will im Leben. Und das betrifft beide Geschlechter. Es sind nicht nur die Männer, die sich gerne brüsten, es gibt auch immer noch genug Frauen, die nur den als Mann achten, der genau das tut. Damit wird dieses Verhalten immer wieder von Neuem bestärkt und die Veränderung (auch der Gesellschaft und damit der tatsächlichen Möglichkeiten, nicht nur der theoretisch gedachten) wird nach hinten geschoben.


[1] Es ist durchaus klar, dass jeder Mensch anders ist und nicht jeder Mann dem anderen gleicht. Es geht hier mehr drum Tendenzen zu beschreiben als Individuen zu klassifizieren.

6 Comments

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  1. Aus der Evolution wissen wir, dass der Pfau seine Pracht nicht nur der Pracht willen trägt. Ursprung gemäss der Forschung ist mehr ein Darstellen seiner möglichen Leistung als Erbträger für erfolgreiche Nachkommen, im Detail – je prächtiger die Farben desto mehr Energie hatte er dafür, die Energie wurde nicht absorbiert durch andere Faktoren wie Krankheiten, Parasiten etc. Dies konnte soweit belegt werden, dass nach Untersuchungen des Blutes von Pfauen die Farbenpracht mit Gesundheit zusammen hängt, je gesünder desto prächtiger (da ein prächtiges Farbeinkleid Energie benötigt).
    Auf uns übertragen könnte dies einfach heissen – die ganze zur Schau Stellung des männlichen Verhaltens soll nur die Selektion des anderen Geschlechts beeinflussen.
    Wenn wir die Masse des männlichen zur Schau Stellung in der heutigen Gesellschaft betrachten scheint dies ja erfolgreich zu sein – sonst würden Artikel wie Ferrari oder Armani nicht so erfolgreich zu sein. Mit der „Käuflichkeit“ der Pracht wird aber von der wahren Qualität des Genoms abgelenkt – der Pfau könnte sich quasi ein neues Federkleid kaufen, in Wahrheit ist er aber nicht der fitteste…
    Die Frage stellt sich, ob der evolutionäre Druck dies irgendwann durchbrechen wird. Bei der komplexität der heutigen Gesellschaft denke ich aber nicht.
    Auf jeden Fall finde ich aber deine Sicht sehr wichtig – auf sich selber zu schauen was man will, was man kann – ich halte dies für ein glückliches Zusammensein sehr wichtig. Leider ist es nicht immer einfach – und ich als Mann weiss auch, dass prächtigere Federn verlockend sind.

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    • Ich denke, du zeigst selber auf, wo die Gesellschaft heute krankt – und wohl weiter kranken wird: Waren Schönheit und Pracht früher Zeichen von (natürlicher) Gesundheit, werden sie heute künstlich erzeugt, um von der Natur abzulenken. So steht dann plötzlich der am leuchtendsten da, welcher das teuerste Kleid vermochte. Dies zumindest bei den gekauften Luxusgütern, die doch sehr anziehend wirken können und es auch tun, sieht man sich mal um.

      Auch im Verhalten schlägt es sich wohl nieder, indem nach aussen gekehrt wird, was man gerne von sich preisgeben möchte. Man zeichnet von sich selber ein Bild, welches möglichst die eigenen Schwächen verdeckt, die Stärken heraushebt oder gar welche vorspielt. Die intuitiven Fühler, das zu durchschauen sind oft verkümmert, wo noch da, gern ignoriert, weil so sehr lockt, was sich leuchtend hell und prächtig präsentiert.

      Danke für deine Sicht aus männlicher und biologischer Sicht!

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  2. Entwicklung endet nie, egal ob sie schnell oder langsam fortschreitet. Es ist nur die Frage, wohin sie führt.

    Nachdem die Frau nicht mehr sein will, was die Natur ihr a n g e b l i c h ins federkurze farblosgraue Kleid gewebt hat, darf der Mann auch nicht mehr sein, was er genetisch in die Wiege gelegt bekommen hat?

    Ich verstehe diese Mann-Frau- Gender -Dinger wirklich nicht, wenn sie übertrieben werden.
    Längst geht es doch nicht mehr um Recht auf Bildung oder Selbstbestimmen der Frisur.

    Mammut-BlogDie Position des Mannes in der Familie, Gemeinschaft, Gesellschaft ist eine über Jahrtausende gewachsene. Immerhin ist er es gewesen, der die Mammuts erlegt hat. Mit Lanzen und Mut und List. Unter Lebensgefahr.
    Die Ernährung der Familie, Gemeinschaft ist existentiell gewesen. Damit auch die Fortpflanzung. Konnte statt ihm niemand für seine Sippe jagen, gab´s kein Sozialamt. Und während er gejagt hat, musste jemand das Mammut verarbeiten.

    Zu dieser Zeit, und daran sind die heute lebenden Männer nun wirklich nicht schuld, schnappte ein Mann ein Weib am Schopf, zog es in seine Höhle, zeigte auf Felle, Feuer und Mammutstücke und sie wusste Bescheid.
    Da gab´s keine Debatten um den richtigen Platz fürs Feuer. Es wurde nicht über neue Höhlenanstriche diskutiert und das nächste Nagelstudio lag so viele Jahrhunderte um die Ecke, da hat sie es zu Fuß eh nicht hingeschafft. Es wurde nicht aufgemuckt, wenn das Rauchzeichen der Nachbargemeinschaft zur Jagd gerufen hat. Quatschen oder Leben ist die Devise gewesen.

    Für die Erhaltung der Grundlagen des Lebens der gesamten Gemeinschaft wurde der Mann gefeiert, geschmückt und durfte ein Zeichen oder/und einen besonderen Namen tragen. »Ao, der Mammutjäger« Heute wird das Motivation genannt und gilt als wesentlicher Antrieb des Lebens.

    Zeitsprung.

    So wie die Frau erstmal erkennen musste, wie wichtig Bildung für sie ist, so musste Mann begreifen, das mit dem Mammutjagen ist vorbei. Beides sind keine leichten Prozesse gewesen und unterschiedliche Einflüsse haben dazu beigetragen. Es haben nicht die Frauen die Welt verändert und nicht die Männer den Fortschritt aufgehalten. Es haben die Menschen gelernt, anders miteinander umzugehen.

    Und sollten Frauen in den Vordergrund gehievt werden wollen, so nicht wir. Wir bekommen nicht mal mehr nasse Hände beim Bodenwischen und bedienen Knöpfe von Maschinen, die vom Waschen bis Kaffeekochen alles können. Wir haben längst in allem das letzte Wort.

    Denken wir mal kurz daran: Neben den Suffragetten sind weltweit viele Frauen aufgestanden und haben berechtigte Ansprüche, Beteiligungen, Anteile, angemeldet. In den USA ist meines Wissens z.B. im Zuge des Kampfes gegen die Sklaverei einigen Frauen aufgefallen, es kann nicht nur um die Freiheit der Männer, sondern auch um unsere gehen. Hier finden wir Vorreiterinnen, Kämpferinnen. Da war Kampf auch noch notwendig. Da ging es auch um Leben und Tod- bei den Kämpfen. Da schützte noch kein Gesetz. Im Gegenteil.

    Zeitsprung.

    Mit der Arbeitslosigkeit ist dem Mann das genetische Genick gebrochen worden. Seine Familie, seine Gemeinschaft darf er nicht mehr ernähren. Er hat damit die Federn abgenommen bekommen. Sie liegen an der Kasse der Gesellschaft, bei der ARGE. Der Mann trägt nur Abbilder seiner Federn. Manchmal. Wenn Frau es gestattet.

    Zeitsprung.

    Frauen haben vor vielen Jahren darum »gekämpft«, der Mann möge sich seinem Nachwuchs mehr widmen. Kinderwagenschiebende Männer wurden von Frauen gefeiert und von Männern verlacht. Später sind die Männer mit in den Kreisssaal gezerrt worden. Es gibt inzwischen Vaterjahr und allerhand alleinerziehende Väter.

    Schwuppdiwupp ist genau das inzwischen zur Waffe geworden. Damit erlegen Frauen keine Mammuts, sondern sie zeigen Männern, wie deren sowieso nur noch angeklebten Federn schmerzhaft gestutzt werden.
    Und der Vater, der alles tut, um sein Kind wenigstens zu sehen, muss sich in Acht nehmen, nicht noch als Storker verurteilt zu werden. Alleine die hingehauchte Bemerkung der Frau, es könne sein, er habe das Kind angefasst- reicht aus- um nicht nur die Federn raus-, sondern die Haut auch noch abzuziehen. Und Frauen wissen das sehr genau und gut. Männer auch. Deshalb zerreissen sie artig unaufgefordert auch noch ihre Pfauenfedernbilder.

    Ich fürchte, es wird nicht erkannt, -wann- die Grundlage für Kampf um Rechte einfach die Basis verliert. Ist unterhalten über Bedürfnisse nicht zeitgemäß?

    Das ewige: »Frauen und Kinder zuerst« sollte überdacht werden.
    Alleinerziehende Mutter ist zur gesellschaftlichen Formel geworden. Frauen und Kinder kranken daran.

    Wie viele Mütter sind alleinerziehend und wie viele wären es wirklich- liessen Mütter endlich den Vätern das Vatersein.

    Das ganze gendertechnische Gehabe mal in die Waagschale des Lebens zu legen und NICHT unter dem Gesichtspunkt betrachten, ob Frau wirklich Siegerin ist. Eher hinschauen, was tut uns gut?

    Wer übernimmt die Verantwortung für ganze Generationen »vaterloser« Kinder, denen mittels Manipulation nicht mal mehr das Rechtsempfinden ihrer Väter bewusst werden kann.

    Ich denke, Frauen sollten vorher genauer hinschauen, wie sie nachher leben und nicht vorher den angeln, den sie sich nachher zurechtbiegen wollen.

    Manchmal kommt es mir vor, Frauen wollen solche Einheitskerle wie die aktuellen Schauspieler und Sänger, die sowieso alle wollen. (Ich werde nie verstehen, wieso) Und weil -die- -sie- nicht wollen nehmen sie den, dem sie dann ewig vorwerfen, nicht so zu sein, wie diese Einheitskerle.

    Hey Schwestern, es sind die Pfauenfedern der Einheitskerle auf die Ihr fliegt.

    Nach vielen Lebensjahren, die ich nicht nur mit einem Mann verbracht habe, ist mir der Mann wesentlich lieber, der seine genetischen Pfauenfedern nicht stutzt und schon gar nicht stutzen lässt. So zu sein, wie eine Frau den Mann macht, ist für den Mann nicht spassig und für sie auch nicht.

    Auf der Suche nach Vervollkommnung dürfen, sollen, müssen beide bunt und klug sein. Jedenfalls ist das die Erkenntnis meines Lebens.

    (ACR)

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