Glaube, Liebe, Hoffnung

Die Scheidungsrate liegt momentan bei 50%. Trennungen sind es noch viel mehr, da nicht jeder, der sich bindet, dies auch gleich vertraglich tut. Einer Trennung geht immer Leid voraus. Ohne Leid keine Trennung. Und das Leid muss gross sein, denn die Beziehung war, was man wollte, suchte. Und als man es fand, war man glücklich, sah sich so bis ans Ende der Tage. Fühlte so. Lebte es. Strahlte. Über alle Backen. Dann starb das Strahlen bei einer Backe nach der anderen. Zurück blieb grau. Nebel. Ab und an Gewitter. Welches nicht erhellte. Eher bedrohte. Angst  machte. Aufhörte. Um wieder zu beginnen. Bis man sich trennte. Dem Leiden ein Ende machte. Das Ende des Schreckens suchte, das selber wieder Schrecken in sich trug: Was nun? Wie weiter?

Im ersten Moment die Erleichterung über die Ruhe. Kurz drauf die Trauer über die Ruhe. Anschliessend die Verzweiflung ob all der Ruhe. TV und Radio helfen, Ablenkung durch Parties, Hobbies, Menschen ebenso. Die Ruhe in einem selber schreit förmlich. Man sucht wieder. Wollte man nie mehr anfänglich, will man plötzlich sofort. Doch wer suchet, findet dieses Mal nicht. Sieht in jedem Beutepotential Beziehungsmöglichkeiten, um immer und immer wieder auf die Nase zu fallen – oder gar nicht so weit zu kommen. Bis – ja bis – wieder ein passendes Objekt auf der Bildfläche erscheint. Meist passt es nicht. Manchmal doch. Das Glück zwinkert, man lacht. Ist glücklich. Bis – ja bis…. kleine Wölkchen am Himmel erscheinen, Gewitterwolken werden… hier könnte der Blog enden, man wieder von vorne zu lesen beginnen.

Man darf Fehler machen. Einmal. Zweimal… immer wieder? Denselben? Wieso will Mensch Beziehung, wenn man meistens damit scheitert? Erkennt, dass es alleine doch besser ist als zu zweit? Sieht, was man alles tun kann, was vorher nicht möglich war? Keine Rechenschaft, keine Zwänge, kein fremder Dreck. Keine Hemden. Kein aufwändiges Geköch. Keine Kritik. Nur Sein – wie man will. Einsam sein…Und man sucht. unbewusst, bewusst. Der Blick auf den Finger. Thomas Mann beschrieb ihn meisterlich, beschrieb die verheiratete Hand, die den Bart, den Mann, die Frau dahinter, das Bett, den Tisch, die Wärme mitverheisst. Das Suchen geht weiter… wir standen bei der Frage: Warum?

Was lässt uns vor der Einsamkeit fliehen? Die Gesellschaft, die immer nach dem Partner fragt, ohne den man sich in der Folge als Versager, als nicht gewollt, als sehr allein fühlt? Man selber, der man denkt, keinen abzukriegen, was einen selber beschämt? Der Mangel? An Austausch, Gegenüber, Geborgenheit? Doch die Biologie, die sich weitergeben will? Was, wenn man das nicht mehr will oder kann? Dann sucht man immer noch. Biologie ausgeschaltet? Theoretisch ja.

Goethe schrieb:

Nur wer die Sehnsucht kennt, weiss, wie ich leide.

Vermutlich ist es diese Sehnsucht tief in einem drin, die suchen lässt. Die hofft auf ein Gegenüber, das teilt, was man teilen will, das kennt, was man fühlt, das versteht, wo man ansteht, das trägt, wo man fällt. Und da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, sucht man nach jeder Enttäuschung weiter. Im Glauben, dass es so etwas geben muss, im Wissen, dass ohne Liebe alles nichts ist und in der Hoffnung, dass man genau diese Liebe findet. Denn:

Wer suchet, der findet.

Eben doch. Glaube, Liebe Hoffnung:

“Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten jedoch unter ihnen ist die Liebe.”

3 Comments

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    • Das sehe ich auch so, weil nur sie einen immer wieder aufstehen lässt. Nur sie ist es, die immer wieder neuen (Lebens)Mut mit sich bringt, es einen nochmals versuchen lässt. Immer mit dem Wunsch, die Liebe zu finden, die hält, immer auch im Glauben, dass es sie gibt. Immer eben hoffend, dass der Glaube stimmt, die Liebe eintrifft, die Liebe halten könnte. Hinter allem steht Hoffnung. Und vielleicht auch ein wenig Weltvertrauen, dass es gut kommen muss. Irgendwie. irgendwann.

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