12. April

„Das alles ist nicht mein Bereich –
Was soll ich mir viel Sorgen machen?
Die Fische schwimmen glatt im Teich
und kümmern sich nicht um den Nachen.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Ertappst du dich auch dabei, dass du dir öfters mal über das Leben anderer Gedanken machst? Du stellst dir vor, wie du ihre Probleme lösen, dich in ihrer Situation verhalten würdest. Du hinterfragst in Gedanken ihr Tun und Sein. Die Frage, die sich stellt: Warum? Und: Wozu?

Das eigene Leben bietet oft genügend Gelegenheit, dir den Kopf zu zerbrechen, überlass das Leben anderer denen. Das bedeutet nicht, dass du ihnen nicht bestehen sollst, wenn sie dich um Hilfe bitten. Wenn du dann denkst, einen hilfreichen Beitrag leisten zu können, ist dies der richtige Zeitpunkt, dir Gedanken zu machen.

11. April

„Man muss den Dingen gegenüber Gleichmut bewahren und sich das Leben nicht mit überflüssigem Grübeln und Philosophieren verbittern.“ (Maxim Gorki)

Eine Situation lief nicht, wie sie sollte, jemand sagte etwas zu uns, das wir nicht mochten. Und schon geht es los: Das Gedankenkarussell dreht sich, wir käuen immer und immer wieder, was passiert ist, stellen uns vor, was dahinter stehen, was daraus folgen könnte. Wir malen uns in allen düsteren Farben das Leben aus und stecken in einer Gedankenspirale fest.

Wenn du wieder einmal in einer solchen Gedankenspirale sitzt, reicht es vielleicht nicht, dir einfach nur vorzunehmen, nicht mehr daran zu denken, weil es nichts bringt. Helfen kann in dem Moment, etwas anderes zu machen, etwas, von dem du weisst, dass es dir gut tut, dich ablenkt, dir Freude bereitet: Musik oder Sport machen, spielen, malen, Freunde treffen (um über anderes zu sprechen und nicht in den gleichen Gedanken weiter zu drehen), einfach etwas, bei dem du im aktuellen Tun aufgehst, so dass das Grübeln von selber aufhört.

10. April

„Freu dich, Herz am Heute, das Morgen lasse ruh’n, und mit gleichgültigem Lächeln mildre was dich kränkt; vollkommen Beglücktes gibt es nirgend auf Erden.“ (Horaz)

Wie oft gehen wir durch den Tag, denken dabei an einen Streit von gestern, eine Erledigung von Morgen und merken gar nicht, dass das Heute ungesehen an uns vorbei zieht. Statt in Ruhe unseren Kaffee zu trinken und ihn zu geniessen, weil wir ihn auch wirklich schmecken, machen wir innerlich eine Liste, was morgen alles zu tun ist. Oder weil wir uns in Gedanken an die Vergangenheit verlieren.

Es mag nicht alles immer eitel Sonnenschein sein, trotzdem gibt es immer Schönes in der Welt. Wir können nicht nur blind in den Tag hineinleben, ab und an ist auch Planung nötig.: Aber es gibt etwas, das wir geniessen können, wenn wir genau hinschauen und uns auch mal die Zeit nehmen und geben, es zu tun. Gestern ist vorbei, Morgen kommt noch schnell genug, was heute zählt ist das Heute. Das ist das einzige, was wir wirklich geniessen können, denn das Morgen ist noch nicht da. Und sollte es dann da sein, ergeht es ihm womöglich wie dem Heute heute, wenn wir nicht aufpassen.

9. April

„Die Gesundheit des Leibes und die Beruhigtheit der Seele ist die Erfüllung eines seligen Lebens.“ (Epikur)

Wir kennen es alle: Kaum schmerzt ein Zahn, der Kopf oder der Bauch, geht alle Aufmerksamkeit dahin und die Ruhe ist es ebenfalls: Dahin. Wir leiden, überlegen, was wir tun können, damit die Schmerzen aufhören, bemitleiden uns ein wenig vielleicht. Die Gedanken rasen hin und her, kommen nicht zur Ruhe. Ebenso ist es, wenn etwas unsere Seele plagt. Wir befinden uns im Strudel der Gedanken und davon ausgelösten Gefühlen. Weit weg vom inneren Frieden.

Was wir also tun können, wollen wir diesen finden: Darauf achten, bei möglichst guter Gesundheit zu bleiben (und diese auch zu schätzen, wenn wir sie haben) und immer wieder den Geist zur Ruhe bringen. Kleine Oasen der Achtsamkeit und des Innehaltens können schon ausreichen, wir müssen uns die Zeit dazu nur nehmen. Eine gute Methode kann ein Wecker sein, der in gewissen Abständen klingelt und uns daran erinnert, dass es Zeit ist, kurz ruhig durchzuatmen.

8. April

„Was ohne Ruhepausen geschieht, ist nicht von Dauer.“ (Ovid)

Wenn man im Sport Muskeln aufbauen will, muss man ein gezieltes Training einhalten, zu welchem auch die nötigen Pausen gehören, damit die Muskeln regenerieren können. Hält man die nicht ein, frisst sich der Muskel quasi selber auf, weil ihm die Energie von aussen fehlt für den Aufbau, er also Energie aus sich selber holt.

Ressourcen sind immer beschränkt. Es gilt, sie zu nutzen und immer darauf zu achten, sie auch wieder aufzufüllen. Denn: Woher soll Energie kommen, wenn alle aufgebraucht ist? Immer mal wieder Innezuhalten, Kraft zu tanken, ist keine verlorene Zeit, sondern der Schlüssel zum Erfolg.

7. April

„Man muß bisweilen fünf gerade sein lassen.“ (Deutsches Sprichwort)

Es gibt so Tage, da wachsen die Listen der zu erledigenden Dinge in den Himmel. Wir stehen davor und denken: Wie soll ich das nur alles schaffen. Und ja, vielleicht ist nicht alles zu schaffen, vor allem nicht alles an einem Tag. Und wenn wir dann etwas nicht geschafft haben, gehen wir mit uns ins Gericht.

Aber: Statt zu verzweifeln oder hinterher zu schimpfen, hilft es, Prioritäten zu setzen:

  • Was duldet keinen Aufschub?
  • Was kann auch noch morgen erledigt werden?
  • Was kann ich delegieren?
  • Was ist eigentlich generell überflüssig und könnte gestrichen werden?
    • Muss die Wohnung wirklich auf Hochglanz poliert sein oder reicht sauber auch?
    • Müssen auch Unterhosen gebügelt werden, damit man im Falle eines Unfalls einen guten Eindruck macht?

Und dann heisst es: Nichts wie los mit gutem Mut und Zuversicht.

6. April

„Wir werden alles unserem Nutzen Widerstrebende, das uns begegnet, mit Gleichmut ertragen, wenn wir uns bewußt sind, daß wir unsere Pflicht erfüllt haben, und daß das Vermögen, welches wir haben, sich nicht soweit erstreckt, daß wir es hätten vermeiden können, und daß wir nur ein Teil der Natur sind, deren Ordnung wir folgen.“ (Baruch de Spinoza)

Wenn wir vor einer Aufgabe stehen, die knifflig erscheint, kommen schnell auch mal Ängste auf: „Was, wenn ich es nicht schaffe?“, „Bin ich gut genug?“ Und wir malen uns aus, wie wir durch Prüfungen fallen, uns blamieren bei einem Vortrag, eine gestellte Aufgabe nicht bewältigen und vielleicht sogar ausgelacht werden.

Nur: Wir sind Menschen mit Stärken und Schwächen. Wenn wir eine Aufgabe angehen, kann sie gelingen oder misslingen, das liegt in der Natur der Sache. Ein Misslingen ist aber kein Scheitern, denn das wäre es erst, würden wir die Aufgabe meiden aus Angst, sie nicht zu meistern. Wenn wir also alles tun, was wir können, um uns einer Aufgabe zu stellen, ist das genug. Egal, wie es dann rauskommt. Wir haben uns nichts vorzuwerfen und jeder, der darüber lachen würde, wäre es nicht wert, dass wir ihn ernst nehmen.

Wir sind nicht perfekt und müssen es nicht sein. Wenn wir tun, was wir tun können, reicht das. Es ist genug.

5. April

„Lerne loslassen, das ist der Schlüssel zum Glück.“ (Buddha)

Prüfung verhauen, vom Freund verlassen worden, ins Fettnäpfchen getreten, einen dummen Fehler gemacht – wer hat es nicht schon erlebt und sich danach in Gedanken gewälzt und gedreht und im Selbstmitleid gebadet oder sich mit Selbstvorwürfen beschossen? Wozu? Was passiert ist, war der erste Pfeil, der uns traf und schmerzte, wir schiessen nun den zweiten hinterher und treffen uns damit erneut, indem wir das Leiden weiterziehen.

Was passiert ist, ist passiert, das können wir nicht mehr ändern. Wir können analysieren, wie es dazu kam, und für die Zukunft was lernen. Aber dann gibt es nur noch eines, was wir tun können: Loslassen und weiter gehen.

4. April

„Wir müssen die Dinge, die in unserer Macht stehen, möglichst gut einrichten, alles andere aber so nehmen, wie es kommt.“ (Epiktet)

Der Dalai Lama wurde einmal gefragt, wie er es schafft, trotz allem, was er erlebt hat, immer freundlich und zufrieden zu wirken. Seine Antwort war, dass er das Geschehene nicht hätte ändern können, aus dem Leid der Vertreibung und des Exils aber auch Chancen und Möglichkeiten gewachsen seien, die ihn dankbar sein lassen. Er lächelte dabei.

Nun sind wir nicht alle der Dalai Lama und mitunter sind Dinge, die nicht so laufen, wie wir sie gerne hätten, schwer zu ertragen. Und doch hilft es vielleicht im Ärger über etwas nicht Gewolltes innezuhalten und sich zu fragen, ob man etwas daran ändern könnte. Wenn nicht, haben wir zwei Möglichkeiten: Wir ärgern uns weiter oder wir lächeln. Es ist erwiesen, dass man sich, wenn man lächelt, besser fühlt. Wir haben die Wahl, welche der zwei Möglichkeiten wir wählen.

3. April

“ Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
(Reinhold Niebuhr)

Es ist eine Tatsache, dass wir nicht alles im Leben in der Hand haben. Ganz viel entzieht sich unserer Kontrolle, beruht auf Zufällen oder ist von etwas abhängig, das ausserhalb unserer Macht liegt. Wenn wir uns nun über diese Dinge aufregen und uns daran aufreiben, passiert nur eines: Wir ärgern uns, ändern aber nichts am Grund für den Ärger.

Es gibt aber durchaus Dinge, die wir selber in der Hand haben. Da dann einfach abwartend zu sitzen und zu hoffen, dass sich alles zum Guten wendet, wäre mehr als schade. Dinge zu verändern ist nicht immer nur einfach, Gewohnheiten wiegen mitunter schwer, und doch: Es wäre schade, es nicht zu tun, da wir damit das Steuer unseres Lebens aus der Hand geben und auf etwas verzichten, das wir insgeheim (wir würden uns sonst nicht ärgern) wollen.

Es ist nicht immer einfach, zwischen beiden zu unterscheiden, aber was sicher ist: Der Ärger an sich bringt wenig. Entweder gilt es, sich in die Situation zu schicken und das Beste draus zu machen, oder aber die Ärmel hochzukrempeln und das Leben anzupacken.

2. April

„Gelassenheit können nur jene erreichen, die ein unerschütterliches und klares Urteilsvermögen haben – der Rest hadert ständig mit seinen Entscheidungen schwankt hin und her zwischen Ablehnung und Akzeptanz.“ (Seneca)

Ich bin, um es gelinde auszudrücken, nicht immer sehr entscheidungsfreudig gewesen. Ich konnte sogar bei den banalsten Fragen hin und her überlegen, Argumente wälzen und zu keinem Schluss kommen. Bei den schwierigen Fragen war es umso schlimmer. Schlussendlich wollte ich die richtige Entscheidung treffen.

Ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist, zeigt sich meist erst hinterher. Oft sind aber nicht mal Argumente ausschlaggebend, man weiss tief drin, was man eigentlich will und was passt – eine innere Stimme, ein Bauchgefühl. Und wie oft sagen wir im Nachhinein: „Hätte ich nur drauf gehört.“

Was dazu kommt: Würden wir drauf hören, hätten wir unsere Entscheidung und damit auch wieder Ruhe. Dieses andauernde Wälzen von Argumenten, dieses Hin und Her im Geist bringt meist vor allem eines mit sich: Unruhe.

Wenn also wieder einmal eine Entscheidung ansteht: Eigentlich weißt du die Antwort. Wenn du ihr nicht traust, wirf eine Münze. Fällt sie und du bist enttäuscht, hast du die Antwort auch, fällt sie und du bist froh, ebenfalls.

1. April

„Du musst dich (im Leben) wie bei einem Gastmahl benehmen. Es wird etwas herumgereicht, und du kommst an die Reihe.“ (Epiktet)

Wolltest du auch schon mal etwas um jeden Preis und es konnte dir nicht schnell genug gehen? Dein ganzes Denken drehte sich nur noch um diese eine Sache, du fandest keine Ruhe mehr, kaum noch Ablenkung, konntest dich auch nicht wirklich an anderen Dingen freuen, da all dein Denken und Fühlen und Sein von diesem einen Wunsch erfüllt war.

Wir können den Lauf des Lebens nicht beschleunigen. Viele Dinge brauchen und haben ihre Zeit. Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht. Wenn wir aber nur noch wie besessen Dingen hinterher rennen, die wir doch nicht beeinflussen können, verpassen wir dabei das, was wir hätten: Das Leben, wie es hier und heute ist. Und das ist das einzige, was wir haben und gestalten können.

31. März

„Nicht der äußere Mensch, sondern der innere hat Spiegel nötig. Man kann sich nicht anders sehen als im Auge eines fremden Sehers.“ (Jean Paul)

Werden wir gefragt, wer oder wie wir sind, fallen uns Antworten oft schwer. Während wir bei unseren Freunden und bei der Familie bei jedem sofort Eigenschaften im Kopf hätten und von spezifischen Eigenheiten und Verhaltensweisen erzählen könnten. Dies können wir unter anderem deswegen, weil sie sich uns gegenüber verhalten, wir sie in ihrem Sein erleben und wahrnehmen.

Das funktioniert auch andersrum: Wie wir der Spiegel der anderen sind, sind sie unserer. Wir brauchen also Beziehungen, um uns selber zu erkunden und kennenzulernen. Erst in einer Beziehung, in unserem Verhalten mit- und untereinander offenbaren sich unsere Wesens- und Eigenarten.

30. März

„Kein Mensch weiß, was in ihm schlummert und zutage kommt, wenn sein Schicksal anfängt, ihm über den Kopf zu wachsen.“ (Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach)

Wir alle wollen glücklich sein, wollen möglichst Leid vermeiden. Und doch sind es oft die schwierigen Stunden, in denen uns bewusst wird, was in uns für Kräfte schlummern. Nietzsche prägte einst den Spruch, dass uns das, was uns nicht umbringt, stärker mache. Oft dachte ich so bei mir, dass ich so stark gar nicht werden wollte, und doch war ich immer wieder überrascht, dass es immer weiter geht. Irgendwo kommt immer noch ein Stückchen Kraft her, das hilft, weiter zu machen. Und je mehr wir daran glauben, dass es so ist, desto mehr Kraft zeigt sich.

Wir wachsen an unseren Herausforderungen. Wir mögen nicht immer glücklich sein darüber, dass sie da sind, doch hilft es, an die eigenen Kräfte zu glauben, um über sie hinwegzukommen.