Gerald Hüther: Würde

Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft

Wir alle wollen in Würde sterben, aber sollten wir nicht erst einmal in Würde leben?

Der erste Artikel des Grundgesetzes besagt, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Was aber meint man, wenn man von Würde spricht, und wie kann man diese schützen. Wie müssen wir miteinander und jeder für sich leben, dass wir unsere Würde bewahren und die des anderen nicht antasten?

41eEyy5txmL._SX311_BO1,204,203,200_Diesen Fragen geht der bekannte Neurobiologe im vorliegenden Buch nach. Anhand von Beispielen aus der Biologie erläutert er, wie die Vorstellung der Würde beim Menschen überhaupt entstanden ist, weswegen wir eine solche Vorstellung brauchen und wie ein Bewusstsein für die eigene Würde entsteht. Ziel ist es, den Menschen für den Begriff der Würde wieder zu sensibilisieren und ihn damit in die Lage zu versetzen, ein würdevolles Leben zu leben.

Hüther schreckt in seinem Buch nicht davor zurück, einmal mehr Schule und Erziehung zu hinterfragen, Diagnosen wie ADHS und die Gesellschaft kritisch zu beleuchten.

Fazit:
Ein wichtiges Thema gut lesbar, informativ und kompetent umgesetzt. Leseempfehlung.

Zum Autor und Mitwirkenden
Gerald Hüther, geboren 1951, zählt zu den bekanntesten Hirnforschern in Deutschland. Der Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung schreibt Sachbücher, hält Vorträge, berät Politiker und Unternehmer und ist häufiger Gesprächsgast in Rundfunk und Fernsehen. Er versteht sich als Brückenbauer zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlicher bzw. individueller Lebenspraxis mit dem Ziel, günstige Voraussetzungen für die Entfaltung der menschlichen Potentiale zu schaffen.

Für „Würde“ arbeitete Gerald Hüther wie auch bei dem Bestseller „Jedes Kind ist hoch begabt“ mit dem „Stern“-Autor Uli Hauser zusammen.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (5. März 2018)
ISBN-Nr.: 978-3813507836
Preis: EUR 20 ; CHF 29.90

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Jean-Francois Mallet: Das einfachste Dessertbuch der Welt (Rezension)

Richtig gute Rezepte mit maximal 6 Zutaten

MalletDessertIch war das Kind, das nicht gerne Schokolade hatte und das nach dem Essen fragte, ob e,s statt auf das Dessert zu warten, auf den Spielplatz darf. Süssspeisen waren nie meine erste Wahl (die selber gebackenen Kuchen meiner Mutter ausgenommen) und so backe ich auch eher selten Süsses (Brot und Salziges schon eher).

Nun habe ich einen Sohn und der liebt Süsses, hätte es natürlich am liebsten von mir gebacken. Mir graute immer ein wenig vor dem Aufwand, doch dann stiess ich auf dieses Buch (aus dieser Reihe gibt es ja zu allen Themen was, das Nähbuch stellte ich kürzlich auch mal vor: HIER) und dachte, damit könnte es vielleicht besser klappen.

Die Rezepte sind wirklich simpel, die Bandbreite an möglichen Desserts riesig und klingen tun sie alle sehr lecker. Ob Schokotörtchen oder Crème Brûlée, Erdbeer-Litschi-Charlotte oder Apfeltarte, Waldbeerfladen oder Macrons: Kein Rezept hat mehr als 6 Zutaten und die Zubereitung ist einfach und wenig zeitintensiv.

Vielleicht stelle ich mich doch bald mal in die Küche und probiere mich durch ein paar Dessertrezepte.

Fazit:
Ein tolles Buch für alle, die Süsses lieben und schnell etwas selber gemachtes auf dem Tisch haben möchten. Sehr empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Edition Michael Fischer; Auflage: 1 (17. August 2017)
ISBN-NR: 978-3863558253
Preis: EUR: 19.99 ; CHF 29.90
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Stefanie Hiekmann: Partyfood – einfach gut

HiekmanPartyIch koche gerne und hole mir dazu auch immer wieder Inspiration aus Kochbüchern. Teileweise koche ich genau nach Rezept, oft hole ich mir einfach Ideen zu Kombinationen, Geschmäckern, die ich dann selber kreativ verarbeite. Zu diesem Zweck zog grad kürzlich dieses wunderbare Buch bei mir ein.

Egal ob das nächste Gartenfest ansteht, ein Geburtstag oder spontaner Besuch vor der Tür steht: Mit diesen Rezepten liegt man immer richtig. In diesem kleinen Büchlein finden sich 20 Rezepte für kleine Snacks, die man entweder einzeln anbieten oder aber zu einem grossen Buffet kombinieren kann. Damit man am Schluss nicht mit vielen Resten dasteht oder aber die Gäste mit knurrendem Magen wieder heimgehen, gibt Stefanie Heizmann auch gute Tipps, die richtige Menge abzuschätzen.

Auf einer Seite des Buches findet sich immer ein gekonnt in Szene gesetztes Bild, auf der anderen Seite das Rezept mit gut nachvollziehbarer Zubereitungsanleitung. Egal ob kleine Süppchen, Salate, Mini-Flammkuchen oder gesunder Knabberspass: Mit diesen Snacks wird die nächste Party ein voller Erfolg.

Fazit:
Das kleine Buch ist übersichtlich und sinnvoll aufgebaut sowie ästhetisch präsentiert. Auch ungeübte Köche und Bäcker werden damit Partyerfolge erzielen. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Stefanie Hiekmann ist Journalistin und Foodbloggerin. Im Mittelpunkt ihrer Rezepte stehen Saisonale Obst- und Gemüsesorten. Auf ihrem erfolgreichen Blog schmecktwohl zeigt sie kreative Rezeptideen und anspruchsvolle Foodfotografien, die Lust aufs Selberkochen machen.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 48 Seiten
Verlag: Edition Michael Fischer (11. April 2017)
Preis: EUR: 9.99 ; CHF 14.90
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Claudia Korthaus: Typografie und Layout (Rezension)

Schrift wirkt

Korthaus2Wenn ich an Layout und Typografie denke, geht meine Erinnerung weit zurück. Als Kind besuchte ich meinen Vater bei der Arbeit und lief dann zwischen seinen Bahnen Tischen durch, wo die einzelnen Seiten in Papierform lagen. Zu Hause hatten wir noch Bleisatz liegen. Seit da ist eine Menge passiert, die Arbeit passiert mehrheitlich am Bildschirm.

Es liegt auf der Hand, dass mein Interesse an der Typografie geblieben ist, auch wenn ich mich mehrheitlich mit dem Inhalt und weniger mit der Form beschäftige, so ist mir das Bild, der ästhetische Eindruck eines Textes immer auch wichtig.

Bei allem Wechsel im Bereich Gestaltung, ist der Grundsatz geblieben, dass Schrift Wirkung hat und man diese einsetzen sollte, um Inhalte zu transportieren.

Die Unterschiede und Ansprüche, die ein Werk entstehen und typographisch wachsen lassen, kann man grob unterteilen in

  1. den Inhalt, den es zu transportieren gilt, und
  2. die Lesart, mit der das Werk vom Leser erfasst wird.

Die Information, die Art des Werkes, bedingt gleichzeitig eine Lesesituation […]

Claudia Korthaus legt mit dem vorliegenden Buch ein Standardwerk vor – es ist zum 10-jährigen Jubiläum eine Neuauflage ihres Klassikers in Farbe. Unterteilt ist das Buch in 8 Kapitel:

  1. Basiswissen Schrift: Hintergründe, Schriftfamilien und Einteilungen von Schriften
  2. Das Zeichen: Bleisatz, Grösse und Räume
  3. Wort und Zeile: Ausrichtung, Zeilenlänge und –abstand sowie gängige Fehler
  4. Anforderung und Wirkung: Leseformen und die Wirkung von Schriften
  5. Die Seite: Raumaufteilung, Format, Raster und mehr
  6. Die Gesamtkomposition: Bild und Text sowie schmückende Elemente
  7. Typografie im Web und mobil: Unterschiede zwischen Print und Web, webtaugliche Schriften und mehr
  8. Schrifttechnologien

Den Abschluss macht ein Glossar, das die wichtigen Fachbegriffe nochmals aufgreift.

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Dieser Grundkurs sollte in keinem Regal von Layoutinteressierten und auch –profis fehlen. Es ist umfassend, gut lesbar geschrieben und schön illustriert. Die Theorie ist so gut nachvollziehbar und es werden auch häufige Fehler thematisiert sowie deren Umgehung.

Das Buch selber ist bester Beweis, wie schönes Layout aussieht, das Papier ist hochwertig, die Leimung ist gut, so dass mit dem Buch wirklich gearbeitet werden kann, ohne dass das Buch auseinander fällt.

Fazit:
Ein informatives, schön gestaltetes Standardwerk im Bereich Typografie und Layout. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Claudia Korthaus
Claudia Korthaus ist mit Leib und Seele Gestalterin: Seit ihrer Ausbildung zur Schriftsetzerin arbeitet sie in verschiedenen Bereichen rund um das Thema Gestaltung. Seit 1994 unterrichtet sie in der Druckvorstufe und arbeitet als Promoterin für verschiedene Software-Firmen. Sie arbeitet als Redakteurin und Autorin für Fachzeitschriften, hat bereits Bücher zum Thema Gestaltung und Design veröffentlicht und lehrt an der Hochschule der populären Künste FH (Berlin).

Angaben zum Buch:
KorthausTypografieBroschiert: 344 Seiten
Verlag: Rheinwerk Verlag (28. Juli 2016)
ISBN-Nr.: 978-3836240857
Preis: EUR 29.80 / CHF 42.90
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Delia Fischer: Das grosse Buch der Wohnstile

Puristisch, klassisch oder glamourös?

fischerwohnstileWenn es draussen grau und unwirtlich ist, wird der Wunsch gross, sich drinnen schön einzurichten. Wer das gerne mit System machen möchte, so, dass das Bett auch zum Schrank und die Kissen drauf zum Teppich passen, der ist bei diesem Buch richtig. Auf über 200 Seiten lernt man verschiedene Wohnstile kennen, kann man sich in fremden Wohnungen umsehen und für sich heraussuchen, was einem gefällt.

 

Vorgestellt werden die Wohnstile

  • Boho
  • Puristisch
  • Country
  • Glamour
  • Girly
  • Klassisch
  • Scandi
  • Exzentrisch

Jedes Kapitel wird eingeleitet mit Stichworten, die den Stil beschreiben, mit Bildern, die als Moodboard fungieren und mit Farbpaletten, Mustern und Materialien, die diesen Stil ausmachen. In der Folge geht es zu einem Hausbesuch bei jemandem, der seine Wohnung in genau diesem Stil eingerichtet hat, so dass man einen guten Eindruck erhält, wie das Ganze umgesetzt aussehen könnte.

Im Anschluss zeigt Delia Fischer anhand eines Flurs, wie man diesen mit einfachen Mitteln in den verschiedenen Stilen gestalten kann. Dasselbe wiederholt sie mit einem Wohnzimmer und einem Schlafzimmer. Wem ein Stil nicht genug ist, der erhält auch noch Tipps, wie Stile gemixt werden können, ohne dass die Wohnung nach einem Sammelsurium aussieht.

Ein wunderbar buntes und informatives Buch, hochwertig gestaltet und mit sehr schönen Fotografien. Genau das Richtige, um an einem trüben Wintertag neue Pläne für das eigene Zuhause zu fassen.

Fazit:
Ein sehr inspirierendes Buch, das verschiedene Wohnstile gut erklärt und aufzeigt, wie man sie selber umsetzen kann. Wunderschön aufgemacht, eine wahre Augenfreude. Sehr empfehlenswert.

Autorin und Ko-Autorin
Delia Fischer ist Gründerin und Geschäftsführerin von Westwing Home & Living. Sie war lange Redakteurin bei Elle und Elle Decoration und gründete das Unternehmen aus reinem Eigennutz: Sie wohnte gern schön und hatte kein endloses Budget. Heute zählt sie zu den erfolgreichsten Start-up-Unternehmerinnen in Deutschland und Visionärin in der Home un- und Living-Branche.

Ko-Autorin Nora von Westphalen studierte Modejournalismus. Nach einigen Jahren als freie Autorin ist sie seit 2005 als Redakteurin bei Elle und Elle Decoration. In dieser Zeit avancierte sie zu einer der Stil-Instanzen im deutschen Lifestyle-Bereich. Nora von Westphalen lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in München.

Angaben zum Buch:
Broschiert:224 Seiten
Verlag: Verlag Georg D.W. Callwey (2. Auflage, 2016)
ISBN-Nr.: 978-3766721105
Preis: EUR 36 / CHF 41.50

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Rezension: Frank Berzbach – Formbewusstsein

Eine kleine Vernetzung der alltäglichen Dinge

Erst [die] Beschränkung ermöglicht Freiheit. […] Zerstreuung hingegen ist eine Urfom der Formlosigkeit: sie lässt uns den Halt verlieren, macht Menschen zu ferngesteuert agierenden Wesen, die ihren Rhythmus verlieren, nur noch um sich selbst kreisen und schliesslich verrohen und erkranken. Alles, was stirb, verliert seine Form. Formlosigkeit erzeugt Leid.

Frank Berzbach richtet im vorliegenden Buch seinen Blick auf die alltäglichen Dinge, die uns umgeben. Obwohl wir täglich mit ihnen zu tun haben, nehmen wir sie selten bewusst wahr, sondern erledigen sie nebenbei, quasi formlos. Egal, ob es sich um Ernährung, Liebe oder Kleidung handelt, ob es den Umgang mit den Medien oder dem eigenen Besitz betrifft, wir haben die bewusste Steuerung unseres Verhaltens im Umgang damit oft verloren und agieren quasi fremdgesteuert (zwar selber agierend, aber nicht wahrnehmend, worauf gründend). Erst, wenn wir Achtsamkeit den Dingen und unserem Verhalten zu ihnen entwickeln, werden wir wieder Herr unseres Verhaltens, dann geben wir unserem Leben eine Form – und zwar die von uns gewünschte Form.

Wir sind dem Alltag nicht passiv ausgesetzt, sondern können aktiv formend in ihn eingreifen.

Wir lernen durch das bewusste Tun, im Hier und Jetzt zu sein, in der Gegenwart zu leben und uns nicht in Vergangenheit oder Zukunft zu verlieren. Ein solches aktives Tun führt wiederum zu mehr Wohlgefühl und Gesundheit, es lässt uns wachsen, weckt unsere Kreativität.

Formbewusstsein kann als Anknüpfung an Frank Berzbachs Buch Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen gesehen werden. Wieder geht es Berzbach darum, den Blick auf die Haltung im und zum Leben zu richten und eine Achtsamkeit zu entwickeln. Durch diese Achtsamkeit dem eigenen Tun gegenüber gewinnen die Dinge ihren Wert und ihre Form und prägen unser Denken, Fühlen und Handeln. Das bewusste Hinsehen und die Formgebung lassen uns zu agierenden Menschen werden im Gegensatz zu bloss ausführenden Marionetten, die von Gewohnheitsmustern gesteuert werden.

Das Buch wirkt ab und an unstrukturiert und lose zusammengewürfelt, es reiht Geschichten, Einsichten und Anleitungen quasi formlos aneinander, die einzig durch das Thema des Kapitels, in welchem sie stehen, verbunden sind. Dem Anspruch einer durchdachten Philosophie wird das Buch so nicht gerecht, wobei es diesen Anspruch wohl auch nicht erfüllen sollte. Ab und an klingt ein moralisierender und leicht tadelnder Unterton an, der wenngleich sicher nicht ganz unberechtigt, so doch etwas bemühend ist. Diese Kritikpunkte – wenn sie denn solche sind – nur am Rande, der guten Ordnung halber.

Das Buch ist inspirierend, weckt den Blick auf das eigene Verhalten, lässt einen dieses hinterfragen und dem eigenen Tun auf die Schliche kommen. Frank Berzbach gelingt es, in einer leicht lesbaren Sprache aufzuzeigen, wie man mit kleinen Veränderungen im eigenen Leben wieder Steuermann werden kann und grosse Wirkung erzielen. Die weiterführenden Literaturtipps im Hintergrund können zudem dazu dienen, den ersten Kritikpunkt auszumerzen, so dass jeder, der tiefer tauchen will in bestimmten Bereichen, weiss, wo er das tun kann.

Fazit:
Ein inspirierendes und motivierendes Buch, das den Leser mitnimmt auf eine Reise zu sich selber und ihm Wege aufzeigt, das Leben lebendiger zu gestalten. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Frank Berzbach
Frank Berzbach, geboren 1971, hat in Köln und Bonn Pädagogik, Psychologie und Literaturwissenschaft studiert und an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main promoviert. Nach einigen jahren in der Bildungsforschung war er Fahrradkurier für einen schönen Buchladen. Er unterrichtet Psychologie und Kulturpädagogik an der ecosign/Akademie für Gestaltung und an der Fachhochschule Köln. Auch von ihm erschienen: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen.

Angaben zum Buch:
BerzbachFormbewusstseinBroschiert:192 Seiten
Verlag: Verlag Hermann Schmidt (29. Juni 2016)
ISBN-Nr.: 978-3874398725
Preis: EUR 29.80 / CHF 41.90

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Valeska Réon – Nachgefragt

ReonValeskaValeska Réon kommt 1962im Rheinland zur Welt und wächst in einer Hippie-Kommune in Renesse (NL) auf. Nach dem Abitur beginnt sie eine Friseurlehre und arbeitet als Model. Sie schreibt drei erfolgreiche Ratgeber und wendet sich dann der Belletristik zu. Neben ihrer Schriftstellerei arbeitet Michaela Marwich, wie sie im realen Leben heisst, als Privatdetektivin und ist als Vortragsrednerin im deutschsprachigen Raum unterwegs. Von ihr erschienen sind unter anderem unter dem Pseudonym Ela M. Das kleine Grüne (1997), Nie mehr wieder – oder doch? Der Mann, das unbekannte Wesen (1998) und als Valeska Réeon Blumen für ein Chamäleon (2012), Das falsche Spiegelbild (2013).

Valeska Réon hat mir einige Fragen beantwortet und damit persönliche und nachdenkliche Einblicke in die verschiedenen Facetten ihres bunten Lebens gewährt.

Wer sind Sie? Wie würden Sie Ihre Biographie erzählen?

Eine echt gute Frage, die ich an manchen Tagen selbst kaum beantworten kann, weil so viele Persönlichkeiten in mir schlummern. Das Chamäleon im Buchtitel beschreibt mich besser als jedes Adjektiv es könnte. Beste Freundin, Kumpel, Diva, Fashion-Süchtige und beste Ratgeberin für gute Freunde – alles Dinge, die ich mit leichter Hand bewerkstellige.

Sie schreiben unter Pseudonym, wieso haben Sie sich dazu entschlossen? Wie kam es zu diesem Pseudonym?

Wenn man hier in Deutschland Sachbücher geschrieben hat, nehmen die Verlage einen nicht mehr allzu gerne als Roman-Autorin. Und so habe ich mir den Namen gegeben, den ich als Kind schon so gerne gehabt hätte. Viele sind enttäuscht wenn sie hören, dass es nicht mein eigentlicher Name ist – und bestehen darauf, mich weiterhin Valeska zu nennen. Witzig!

Sie haben mit Blumen für ein Chamäleon Ihre Lebensgeschichte in einen Roman verpackt. Wieso war es Ihnen wichtig, diese Geschichte zu erzählen?

Es war mir gar nicht bewusst, wie wichtig es tatsächlich war. Aber nachdem ich dann die Resonanz der Leser gesehen habe, wusste ich, dass es das Beste war, was ich machen konnte. Und wenn es dann auch noch ins Kino kommen sollte, erreicht es noch mehr Leute und kann die von mir immer propagierte „Freude am Mut“ in die Welt hinaus tragen. Als Film wird es übrigens Transmorphose heißen.

Wie präsent ist Ihre Vergangenheit heute noch? Ist es für Sie wichtig, dass man Ihre Geschichte kennt? Wäre es nicht ab und an einfacher, im Hier und Jetzt als die wahrgenommen zu werden, die Sie heute sind?

Vielen Leuten wurde erst nach dem Chamäleon-Roman bewusst, mit wem sie es zu tun haben. Und da wurde mir erst klar, wie sehr ich im Jetzt und Hier lebe. Außerdem habe ich noch nie in der Vergangenheit gelebt. Wenn ich andere in meinem Alter treffe, die den Spruch loslassen „Ach ja, das waren noch Zeiten“ (zumeist begleitet von einem tiefen Seufzer), wundere ich mich immer wieder. Ich werde im September 51 und habe mich nie wohler und authentischer gefühlt!

Sie haben Ratgeber verfasst, eine Autobiographie, einen Krimi, arbeiteten als Model, Friseurin, Visagistin, sind Privatdetektivin und wohl noch vieles mehr. Woher stammt diese Vielseitigkeit? Ist es die Suche nach dem wirklich Richtigen oder sind es die vielen bunten Facetten Ihres Wesens?

Wenn man schon als Kind auf der Suche nach sich selber ist, hat man natürlich eine ganz andere Ausgangssituation und probiert auch Dinge aus, auf die kein „normaler“ Mensch kommen würde – *lach*! Aber tatsächlich sind es all die Facetten meiner Persönlichkeit, die sich zum Gesamt-Puzzle Valeska Réon zusammensetzen. Gerade erst habe ich das Angebot erhalten, in einer Werbekampagne für eine Buchmesse eine Baronin zu spielen, die in ihrem Schloss oder auch in ihrem Bentley am liebsten eines macht: Bücher lesen. Wieder eine neue Aufgabe, auf die ich mich riesig freue!

Wie kamen Sie dazu, als Privatdetektivin zu arbeiten? Wie wird man eigentlich Privatdetektivin und was für Menschen treten an Sie heran?

Da kamen mehrere Dinge zusammen. Schon als Kind konnte ich eine Lüge erkennen, sobald sie den Mund des Lügners verlassen hatte. Und der Gerechtigkeit zu ihrem Recht zu verhelfen ist eine extrem befriedigende Aufgabe. Hauptsächlich treten große Konzerne an mich heran, bei denen irgendetwas im Argen liegt: Weitergabe von Betriebsgeheimnissen, Unterschlagung, Mobbing etc. Und dann laufe ich dort als „Sekretärin“ auf, immer mit so schönen Namen versehen wie „Karin Sommer“ oder „Elke Schneider“, hübsch im dunkelblauen Kostüm mit blondem Bob, und mische mich unter die Belegschaft. Das ist für mich Inspiration pur. Und das Perückenzimmer in meiner Detektei würde selbst Lady Gaga die Sprache verschlagen!

Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?

Schon in der Schule war ich strohdoof in Mathe, konnte aber super Aufsätze schreiben. Meine Zeit als Model war interessant und ich möchte sie nicht missen, aber ich habe eine tiefe Abneigung gegen hohlen Hedonismus. Was lag daher näher, als für den nächsten Abschnitt meines Lebens auf die Schreiberei zu setzen?

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt zu schreiben?

Einmal habe ich ein solches Seminar besucht, habe aber schon nach einer halben Stunde gemerkt, dass mich das eher blockiert als inspiriert. Die Geschichten müssen aus einem herausfließen, und ich sehe, dass ich mich von Buch zu Buch gesteigert habe. Mein neuer Krimi Das falsche Spiegelbild bewegt sich sprachlich auf einem ganz anderen Niveau als die vier vorangegangenen Bücher.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen?

Von allem etwas. Zuerst einmal lasse ich mir einen knackigen Buchtitel einfallen. Bislang hatte ich immer das Glück, dass die Verlage diesen dann letztendlich auch für das fertige Buch benutzt haben. Dann mache ich ein Inhaltsverzeichnis, richte die einzelnen Kapitel im Word-Dokument ein und fange an zu schreiben. Seit einigen Wochen habe ich immer ein kleines schwarzes Büchlein dabei, und sobald ich einen guten Spruch höre oder einen interessanten Satz lese, schreibe ich ihn auf, um es später in der Geschichte zu verwenden.

Die Recherchearbeit kommt dann mitten in der Geschichte, wenn ich merke, dass ich Hilfe brauche. Beim letzten Buch habe ich mir Unterstützung bei DEM deutschen Gehirnwäsche-Papst geholt, Dr. Hans Ulrich Gresch. Ich wusste zwar, wie eine Gehirnwäsche funktioniert, aber es war für den Plot wichtig zu erfahren, ob und wie man sie wieder rückgängig machen kann.

Für die Fortsetzung des Buches habe ich mich bereits mit dem TV-Metereologen Sven Plöger getroffen, denn diesmal geht es u.a. um künstlich gemachtes Wetter.

Wann und wo schreiben Sie?

Bevorzugt abends in meinem Arbeitszimmer. Meine Wauzis liegen links und rechts neben mir, vor mir dampft eine Tässchen Tee, und schon kann es losgehen. Ich tippe alles direkt in den Computer, keine Handnotizen.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?

Während des Entstehungsprozesses eines Buches kann ich gar nicht abschalten. Meine Figuren sind immer mit so viel Liebe ausgedacht und mit einer solch umfangreichen Lebensgeschichte versehen, dass ich aufpassen muss, sie nicht wirklich vor mir zu sehen. Sobald ein Buch fertig ist, kann ich jedoch ganz wunderbar abschalten. Dann fahre ich mit Freunden in mein Haus nach Renesse, wir kochen zusammen, lachen viel, machen lange Strandspaziergänge – und dann erwische ich mich auch schon wieder dabei, wie sich all diese Inspirationen bereits in einem neuen Buch manifestieren.

Was bedeutet es für Sie, Autor zu sein? Womit kämpfen Sie als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Das Leben als Autor ist das Ziel all meiner Träume – und was ich mir für die nächsten fünfzig Jahre durchaus vorstellen könnte. Die Freuden sind natürlich die vielen Mails von den Lesern die mir berichten, was meine Geschichten in ihrem Leben bewirkt haben. Oder wie sie sie zum nachdenken angeregt haben. Das war anfänglich ein etwas komischer Gedanke: Meine Ideen ziehen auf Papier gedruckt in den Alltag von anderen ein und entwickeln dort ein Eigenleben. Heute weiß ich: So muss das sein. Was mich etwas beunruhigt ist, dass immer weniger, gerade junge, Leute Bücher lesen. Daran müssen wir arbeiten.

Woher holen Sie die Ideen für Ihr Schreiben? Natürlich erlebt man viel, sieht man viel. Aber wie entsteht plötzlich eine Geschichte daraus? Was inspiriert Sie?

Alles, was ich sehe, ist Inspiration pur für mich. Was andere glatt übersehen haben in ihrem Alltag, beschäftigt mich tagelang und wird zu einer Geschichte gesponnen. Witzigerweise liegt meinem neuen Buch Das falsche Spiegelbild keine einzige reale Begegnung zugrunde, es ist vielmehr die Summe aller Eindrücke der letzten Jahre, allerdings „remixed and re-recorded“.

Selfpublishing und E-Books haben den Buchmarkt in Aufregung versetzt. Man hört kritische Stimmen gegen Verlage wie auch abschätzige gegen Selfpublisher. Wie ist Ihre Meinung dazu?

In Amerika funktioniert das schon ganz gut, ich für meinen Teil bin jedoch froh, bei einem der größeren Verlag untergekommen zu sein, der die ganze Werbemaschinerie für mich rührt und die entsprechenden Pressekontakte hat.

Goethe sagte, alles Schreiben sei autobiographisch. Das stimmt sicher in Bezug darauf, dass man immer in dem drin steckt in Gedanken, was man schreibt. Wie viel von Ihnen steckt in ihren Geschichten? Stecken Sie auch in Ihren Figuren? Gibt es eine, mit der Sie sich speziell identifizieren?

Na klar, meistens entdeckt man mich in den Hauptfiguren. Im neuen Krimi geht es, ohne zu viel zu verraten, um eine Frau, die nach einem Sturz von der Tower Bridge ihr Gedächtnis verloren hat und ein komplett neues Leben bekommt. Meine Freundinnen, die es vorab schon gelesen haben, sagen alle unisono: „Das bist ganz klar du!“ Aber auch die Frau, die sie früher einmal war und deren Leben in einem Rückblick erzählt wird, trägt viele Züge von mir, das ist dann der traurige und nachdenkliche Teil von mir. Beim Schreiben wurde mir wieder einmal klar, wie spannend die Frage ist: Wie viele Leben kann das Schicksal für uns eigentlich bereithalten?

Viele Autoren heute und auch in der Vergangenheit haben sich politisch geäussert. Hat ein Autor einen politischen Auftrag in Ihren Augen?

Oh je, erwischt, ich bin gänzlich unpolitisch – Asche auf mein Haupt! Wenn andere Autorenkollegen sich für ihre politischen Ziele einsetze, bewundere ich das umso mehr!

Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht?

Entweder superspannender Krimi oder einer dieser wundervollen Selbsthlfe-Ratgeber, die einen aus jedem Lebens-Tief herausholen.

Gibt es Bücher/Schriftsteller, die Sie speziell mögen, die sie geprägt haben?

Mein Lieblings-Buch: „You can heal your life“ von Louise L. Hay. Und ganz verliebt bin ich in die französische Trilogie „Die gelben Augen der Krokodile“ von Katherine Pancol.

Wenn Sie einem angehenden Schriftsteller fünf Tipps geben müssten, welche wären es?

  1. Lass dich nicht verbiegen.

  2. Schreib nur Geschichten, die aus dem Herzen kommen.

  3. Such Dir einen Verlag, der Deine Wünsche umsetzt.

  4. Mach Deinen Lektor / -in zu Deinem besten Freund.

  5. Und niemals vergessen: keine Publicity kann so gut sein wie die, die man selber für sein Buch macht. Sei Vorbild, zeig Deinen Lesern wie toll Literatur ist – und zieh Dir was Ordentliches an.

Waren, glaube ich, mehr als fünf Ratschläge!

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview.