Grenzen überschreiten

Wandeln im Raum,
die Zeit durchschreitend
luftleer und zwischen
Glockenschlägen.

Fahren durch Strassen
wir alle gemein
und doch ein jeder
für sich allein.

Suchen nach Worten und
Antworten gar.
Haben nur Fragen,
doch davon zuviel.

Wandeln im Rahmen
und drüber hinaus,
fallen aus diesem
und nirgends hinein.

Fliegen zum Mond
und sitzen dahinter,
sehen die Welt,
verstehen sie nicht.

Nur dann und wann
hebt sich ein Schleier
und zeigt dir das Eine:
Es gibt noch viel mehr.

©Sandra Matteotti

ich und du

ich bin ich
und du bist du.
und ich bin ich
nur weil du bist.

ohne dich
bin ich schlicht nicht,
nicht nur nicht ich.
gilt auch für dich.

denn erst das du
macht mich zum ich.
und ich mach dich
zum du durch mich.

drum einer nur
ist keiner denn
ein jemand ist
nur der zu zweit.

Zu zweien ist
ein jeder ich
und zeugt das du
durch dieses ich.

Das Leben leben

Nie werde ich wissen,
was gewesen wäre, wenn.
Auch kann ich nie sagen,
was geworden wäre, denn:

Was nicht ist, bleibt ewiglich
ein Bild der Illusion.
Was nie war, existiert als
blosse Imagination.

Und in jedem wenn und wäre,
in jedem hätte, täte und so fort,
zeigt sich bloss mit jedem Wort:
Das was ist, ist nicht gewollt.

So suhlt man sich im Konjunktiv
und malt mit Farben bunte Bilder
von alledem, was man nicht wollte,
und redet es sich schön.

Viel besser wäre doch,
man schaute da, wo man grad steht,
prüfte, welcher Wind jetzt weht,
um dann die Segel neu zu setzen.

©Sandra Matteotti

Sinn des Lebens

Was hat das Leben
für einen Sinn?
Was ist der Lohn,
was der Gewinn?

Ist es nur Geld,
oder auch Ruhm?
Muss ich was tun
oder wer sein?

Ist Kunst nur Krempel,
braucht es sie?
Brauchen Götter Tempel,
wozu bauen wir die?

Wer definiert die Werte
wieso zerstören wir sie?
Gibt es noch Hoffnung?
Und: Wo finden wir sie?

©Sandra Matteotti

Selbstgerechtigkeit

Vom weichen Sessel. Sitzend
richten und sich lustig machen.

Vom warmen Bett her. Lästern,
spotten. Witze reissen.

Das können alle kleinen Pisser.
Und: Sich grösser fühlen.

Im Vernichten, aburteilen,
alles dessen, was nicht sein darf.

Weil’s nicht passt in sture Köpfe,
voll von Regeln, Normen, Zwang!

Voll von Dogmen und Doktrinen,
liegen sie längst tot darin.

Sie haben’s nicht gemerkt.

©Sandra Matteotti

 

herbstnacht

herbst sei
abschied, sei
ein verlust.

es hiess,
die dinge enden,
fielen weg.

doch nein,
man kriegt so viel
dazu an:

farben und auch
laub, das tanzt, und
wind, der singt.

und irgendwann,
im klirrend kalt:
flocken aus schnee,

im stillen tanz,
sich niederlegend,
sanft bedeckend

die welt
in watte packend,
ruh dazu.

was einst hiess,
abschied nehmen,
war schlicht

neubeginn

©Sandra Matteotti

Dankbarkeit

Sonnenschein und Meereswogen,
Sternenhimmel, Traumesnacht,
Blaue Wellen, Windesflüstern,
und ein Mond, der oben wacht.

Strandessand und Kieselsteine,
Muschelmeer und Fischgesang,
und Libellen zirpen leise:
Lebenszeit nimmt ihren Gang.

Tagestraum und roter Wein,
Herzgefühl und auch Sehnsucht,
könnt es so doch immer bleiben,
dass es ist, lässt dankbar sein.

©Sandra Matteotti