Es lebe die Disziplin, oder: Ein selbstbestimmtes Leben

Einfach mal loslassen, dann wird das Leben leichter. Einfach mal Disziplin haben, dann erreichst du auch, was du willst. Einfach mal mit Liebe agieren, dann lieben dich auch die anderen und dir geht es gut. Einfach mal vergeben, was passiert ist, dann fühlst du dich gleich besser. Einfach mal….

Es gibt so viele gute Ratschläge und ja, sie haben alle recht. Man liest sie immer wieder, denkt bei sich, wie wahr sie sind. Und weiss es eigentlich. Und dann… kommt das Leben so real und man tut, was man immer tat und merkt hinterher: Mist, das wusste ich doch besser. Eigentlich.

Unser Leben findet ganz oft auf unbewussten Bahnen statt, indem wir reagieren, bevor wir eigentlich realisiert haben, was Sache ist. Das ist der Evolution geschuldet, wo es nicht förderlich war, lange zu überlegen, ob man nun als Gazelle davonrennen sollte, wenn ein Löwe kommt.

Einiges an Mustern kriegen wir schon durch die Gene mit, anderes lernen wir aus Erfahrung. Ganz selten reagieren wir direkt aus dem Moment heraus. Wir sind quasi eingefahren in vorgefrästen Spuren, die wir abspulen wie eine Schallplatte ihre Rillen hat, die dann von der Nadel verfolgt werden.

Nun sind wir nicht blöd und lesen und lernen, und merken, was uns gut tun würde. Und wir stimmen allen Theorien zu, propagieren sie oft gar… und merken dann im Leben, dass es nicht ganz so einfach ist. Ein Vorsatz ist schnell gefasst, ihn umzusetzen ist Knochenarbeit. Und ja, so geht es auch mir. Ich turne täglich mein Sportprogramm durch, im Wissen, dass ich mich danach besser fühle. Da ich dafür relativ früh aufstehen muss, um es vor meinem restlichen Tag durchzubringen (später hätte ich weder Zeit und noch weniger Lust dazu), gibt es jeden Morgen einen kurzen Moment, an dem ich (nicht wirklich positiv) innehalte und mich frage: „Muss das heute wirklich sein?“ Ich stelle mir die Frage nie ernsthaft, sondern stehe dann sofort auf und tue, was getan werden muss. Man nennt es Disziplin. Sie ist gross und wichtig und ich bin dankbar, sie zu haben. Gäbe es eine Tugend, die ich als fördernswert erachten würde, wäre es Disziplin. Mit ihr lässt sich eigentlich alles andere erreichen. Weil man durchbeisst.

Disziplin allein hilft aber nichts. Vor dieser steht die Frage:

Was will ich im Leben wirklich erreichen?

Und danach:

Welchen Preis kann und will ich dafür bezahlen?

Ganz oft ist der Preis, den wir bezahlen, viel zu hoch für das, was wir anstreben. Wie viele Frauen kauen lustlos auf geschmackslosen Salatblättern rum, um ja kein Gramm zuzunehmen? Und: Hätte je ein Mann sie von der Bettkante gestossen, nur weil der Bauch nicht nach innen, sondern nach aussen zeigte? Ich plädiere hier nicht für masslose Völlerei, sondern schlicht dafür, die eigenen Massstäbe mal zu hinterfragen.

Der Blick aufs eigene Leben ist wichtig und wertvoll: Was tue ich tagtäglich und was tue ich mir damit an? Tue ich mir was Gutes oder quäle ich mich ohne ersichtlichen Grund? Ein Leben, das nicht zu mehr Wohlgefühl führt, ist kein Leben sondern eine Plackerei. Schau also, was dir gut tut und tu es. Das heisst nicht, dass das immer einfach ist. Ab und an ist die Schokolade zuviel und der Salat wäre angemessener. Aber: Nur noch Salat kann kein Leben sein (und ja, ich liebe Salat, ich steh nicht so auf Süsses… und doch….).

Das Leben ist kein Ponyhof. Aber ab und an braucht es schlicht eine Selbstüberwindung. Man wird dafür mit einem guten Gefühl belohnt. Das lässt sich sogar chemisch messen mit gewissen Hormonen, die dann quasi im Dreivierteltakt tanzen und für Hochstimmung sorgen. Nur: Die Hochstimmung ist situativ und damit zeitlich begrenzt. Wichtig ist bei allem immer die Frage:

Ist der Preis, den ich dafür zahle, zu hoch?

Wenn auf mittlere und lange Frist die Lebensqualität leidet für ein kurzes Zwischenhoch, so berauschend es auch sein mag, ist er dies sicher. Dann befindet man sich im Grunde genommen auf der Stufe eines Süchtigen, der für einen selig machenden Schuss die Zukunft aufs Spiel setzt. Ob man das wirklich tun will, muss jeder selber entscheiden. Und ja, auch wenn man merkt, dass man es nicht will, ist der Weg, das zu ändern, nicht immer leicht.

Verhaltensänderungen sind immer schwer, brauchen Zeit, Geduld und Mut. Es sind oft Täler zu überwinden, kurzfristige Bestätigungen müssen ignoriert werden, Unangenehmes durchgezogen. Die gute Nachricht: Es ist möglich. Die schlechte: Keiner sagte, es sei leicht.

Umlernen ist ein Prozess. Das geht in Schritten:

  • Erkennen, was ist
  • Vergleichen, wie es in die eigenen Lebenseinstellungen passt
  • schauen, wie es wirklich passen würde
  • Wege finden, die Lücke zu schliessen
  • den Weg gehen
  • nach falschen Abbiegungen zurückkommen
  • weitergehen

Und das immer wieder neu. Und so stehe ich jeden Morgen auf, absolviere mein Sportprogramm, weil ich weiss, dass ich mich danach besser fühle. Zwar weiss ich das verstandesmässig schon beim Aufstehen, doch vom Gefühl her regiert noch die Bequemlichkeit und Trägheit. Da hilft nur eines: Augen zu und durch. Je länger ich das durchziehe, desto mehr wird es zur Gewohnheit, zu einer, die ich selber gewählt habe. Auf diese Weise werde ich zum Steuermann in meinem eigenen Leben und lasse mich nicht von unbewussten Gewohnheiten leiten.

Dinge erreichen, Gewohnheiten durch selbstgewählte ersetzen zu können gibt ein Gefühl der Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit. Zudem wächst das Selbstvertrauen und die Motivation, weitere Ziele anzupacken und die Zuversicht, sie auch erreichen zu können.

Herzblut

Erst wenn etwas in dir brennt,
und dich von allem andern trennt,
weisst du genau, was leben heisst,
weil dich dann etwas wirklich beisst

und weiter treibt und so gar sticht,
und es zu tun ist nicht mehr Pflicht.
Es ist Notwendigkeit sogar,
weil nie etwas so wichtig war.

Dann setze drauf und leb es aus,
und mach dem Rest schnell den Garaus,
denn nichts wird wirklich etwas werden,
das nicht das Wichtigste auf Erden.

Wo Herzblut trifft auf ein Talent,
sei keine Zeit mehr nur verschwendt
für anderes als dieses Eine,
von dem du weisst: „Das ist das Meine.“

©Sandra Matteotti

Das Ende einer Freundschaft

Menschen kommen, Menschen gehen,
manche bleiben für ein Jahr.
Manche bleiben auch für länger,
das ist selten anfangs klar.

Zählen tut, was man erlebt
und nicht wie lang es dauert.
Wer weiss, wenn einer wirklich geht,
ob nicht der nächste bereits lauert?

So mancher Freund betritt dein Leben,
macht es reich und macht es schön,
doch wenn er wieder gehen will,
dann sage tschüss und lass ihn gehn.

Zurück bleibt die Erinnerung,
auch Wehmut, das ist klar,
doch noch viel mehr die Dankbarkeit
für das, was einmal war.

©Sandra Matteotti

Der Strassenhund

Ein scheuer Blick von Weitem nur,
schon dreht er ab und geht.
Was mag ihm widerfahren sein?
Wo führt sein Leben hin?

Bei Sonne, Hagel, Schnee und Sturm,
ist stets die Strasse sein Zuhaus’.
er kennt die Härten dieser Welt,
kennt Hunger, Durst und Einsamkeit.

Statt Liebe kriegt er Steine ab,
er nimmt sie schweigend hin.
Im Blick ein wenig Sehnsucht noch,
im Herz ein leises Zieh’n.

©Sandra Matteotti

 

Ein Kopf voller Ideen

Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust?
Ach wären’s doch nur deren zwei.
Ein ganzes Rudel scheint zu hausen,
scheint sein Unwesen zu treiben.
Alle rufen durcheinander,
jeder will der Chef der andern sein.

So zieht mal dieser, dann mal der,
und allen folgen fällt oft schwer.
Ich gehe hier hin, dann auch dort,
versuche mich in Bild und Wort,
schreibe in Versen und auch klar,
bin mal fiktiv und oft auch wahr.

Zücke dann den Lichtbildkasten,
will damit die Welt abtasten,
mal in Farbe, mal schwarzweiss,
lebe meine Träume aus.
So lebe ich mit dieser Schar,
und finde sie auch wunderbar.

©Sandra Matteotti

Die Liebende

Ich denk an dich und sehne mich
Nach deinem Blick und deiner Nähe.
Bist du auch stur und unbeugsam,
bringst mich so oft um den Verstand,
die Liebe wiegt die Schwächen auf
und Eigensinn ist Wesenskern.

Was bleibt ist echt, was zählt ist Wert,
und meine Liebe, du mein Herz,
ist gross und warm und tief.
Ich danke dir für uns’re Zeit
und schreib dir dies Gedicht.

©Sandra Matteotti

Neue Wege

Einmal gemerkt, was wirklich zählt,
dann weisst du, wonach streben.
Wenn du einsiehst, was dich quält,
gestaltest du dein Leben

fortan ganz anders, deinem Sinn nach,
lässt du Dinge liegen,
an dem, was schon so lang liegt brach,
bleibst du nun nicht mehr kleben.

Das Dasein fordert manchmal Wenden,
zeigt dir Grenzen und was geht,
so mancher Weg muss schlicht verenden,
damit was Sinn macht dann besteht.

Halte nichts fest, lass auch mal los,
du hast dich schlicht verstiegen.
Was auf dich wartet, wird famos,
betraure nicht das Enden.

©Sandra Matteotti

Eva Strittmatter: Werte

Eva Strittmatter 8. Februar 1930 – 3. Januar 2011

Währung

Für alles zahlt man den Gegenpreis:
Für Güte, für Liebe, für Treue.
Dem Leben macht man nichts über sich weis:
Wenn ich nicht den Samen ausstreue,
Aus dem die menschliche Heilpflanze treibt,
Ist Öde um mich und Kälte.
Und was auf Erden von mir wirklich bleibt,
Ist: was ich anderen gelte.*

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Für das Projekt „Lyrische Helfer“ – Gedichte, wie man leben soll

Alles im Leben hat einen Preis und man muss sich immer fragen, ob man bereit ist, den zu zahlen. Zu denken, dass man Dinge einfach umsonst kriegt, greift zu kurz. Drum gilt es, gut zu prüfen, was man wirklich will im Leben, um dann darauf zu setzen. Und das, was ich als meine Werte bestimme, das strahle ich dann nach aussen aus, so wirke und gelte ich.

*zit. nach Eva Strittmatter, Sämtliche Gedichte

Lebensgedanken

Ich bin so die,
die in die Nacht
hinein
Gedichte schreibt,
mit Worten ihren
Unfug treibt.

Ich bin so die,
die ihren Witz
vom Schnabel weg
und wie geschlüpft
der Welt auf
drückt.

Ich bin so die,
die immer sich
erst hinterfragt
und dann besagt,
ich hab ver
sagt.

Ich bin so die,
die hierauf findt,
dass das Gesind,
so ich nur bin.
Dass ich nun mal
in meinem Sinn
im Argen
bin.

Ich bin so die,
die Kämpfe ficht,
und dann ganz schlicht,
doch schliesslich find’t,
dass nun mal gut,
das Leben schön,

und ich tief drin –
ganz einfach bin!

©Sandra Matteotti

Auf eigene Faust

Hier sitz ich nun
ich armer Tor,
und komme mir
gar einsam vor.

Habe ach Wein
Salami, Käs probiert,
doch schmeckt es nur
zur Hälfte mir,

wenn nicht der Eine
mit mir speist,
und ab und an
ein Witzchen reisst.

Mich mit den Augen
dann anlacht,
so dass verloren
ist die schlacht:

Ihm bös zu sein,
zu zürnen gar?
Nie und nimmer,
es ist klar:

Zu zweit ist’s Leben
wunderbar!

©Sandra Matteotti

künstlerdilemma

fehlt mir die kunst,
so fehlt auch mein leben.
müsst ich so leben,
ich sähe kein licht.

ein leben in normen
und festen grössen,
das ist nicht nur nicht leben,
es lohnt sich schlicht nicht.

nun muss man ja leben
und braucht dazu kohle,
man löscht schnell das feuer,
und sucht seine pflicht,

verbrennt sich die finger,
verbrennt haut und haar.
es bleibt nichts mehr übrig,
von dem was mal war.

oft ist die kunst brotlos
und darum verpönt.
es zählt nur der brotkorb
bei andren viel.

so liegt es an mir nun,
ich muss mich entscheiden,
denn was ich auch tu,
es hat seinen preis.

die kunst ist mir leben,
die pflicht ist die norm:
breche ich aus oder
geh ich konform?

©Sandra Matteotti

tief

dass ich dich liebe
ist die frage nicht
es ist ganz schlicht
was aus mir spricht
alles durchdringt
und dann da bleibt
und sich einschreibt
in haut und haar
und die geschicht
die nun wir zwei
zum leben bringen
und dabei auch
manchmal ringen
um ein wort
und für so vieles
für ein wir
und gegen ziele
die mit pfeilen
wir getroffen
da wo es grad
schwächen gab
allein es konnte nur
der eine treffen
der ganz tief auch
sonst eindringt
das bist schlicht du
ansonsten keiner
bist nur du
ich liebe dich

©Sandra Matteotti

Im Element

Es zieht der Schwan
in stillen Kreisen
auf dem See
den Lebensweg.

Gar edel bahnt er
seine Reise
stolz erhebt er
seinen Hals.

Der Schönheit Ausdruck
edel, weise
strahlt aus Federn,
Haltung, Pracht.

Doch dann am Land
bleibt bloss ein Watscheln,
unbeholfen
und nicht rund.

Drum: scheint dein Weg
mal harzig, schwierig,
schau genau,
wo du grad bist.

Ein jedes Wesen
braucht sein Umfeld,
denn daneben
läuft es schlecht.

©Sandra Matteotti