Kürzlich sass ich im Zug zurück nach Hause und hörte dieses Lied. Es gefiel mir, es war eingängig, bewegte was in mir. Auf den Text hörte ich nicht wirklich, was ich aber zu Hause nachholte.
Man geht durchs Leben, möchte wohl meist ein guter Mensch sein. Zumindest kann ich mir kaum vorstellen, dass ein Mensch aktiv beschliesst, er müsse ein schlechter Mensch sein. Vielleicht bin ich da naiv, aber ich möchte das gerne so glauben. Nur: So ganz scheint das nicht zu klappen, sonst wären mir seine Gedanken nicht so vertraut. Die Angst, man könnte ausgenutzt werden oder das Gesicht verlieren, ist nicht fremd. Was, wenn man jemandem sagt, dass man ihn mag, der aber nur lachen würde und fände: Ich dich aber nicht? Hielte man nicht besser zurück? Was, wenn man jemandem hilft, der aber, wenn man selber im Schlamassel sitzt, einfach wegschaut? Wäre man dann schlicht blöd gewesen?
Verliere ich das Gesicht, wenn ich zu meinen Gefühlen stehe? Bin ich der Dumme, wenn mein Mitgefühl und meine Hilfsbereitschaft ausgenutzt werden? Ich denke nicht. Und doch befürchten wir es im Alltag wohl immer wieder. Wir halten zurück mit unseren Gefühlen, um nicht das Gesicht zu verlieren. Wir wollen keine Schwäche zeigen und schon gar nicht der Dumme sein. Und wir verpassen damit wohl ganz viel, das eigentlich dazu gut wäre, das Leben schön zu machen.
Ohne Liebe ist alles nichts.
Das ist ein Spruch, der mich seit Jahren begleitet. Ich denke, ihn erfunden zu haben, aber es gab ihn wohl schon vor mir. Er ist zu gross, als dass ihn ein Mensch erst heute erfunden haben könnte. Liebe und Mitgefühl sind nie falsch. Wenn sie nicht erwidert werden, ist das sicher nicht schön, aber immer noch weniger schlimm, als wenn man nicht lieben könnte. Man könnte sich dann ja wohl selber nicht lieben.
Während ich hier so schrieb, ging meine Musikliste weiter, wir sind nun bei dem Lied:
Dazu überlege ich mir ein anderes Mal was….

Rilke, einer der wohl grössten deutschen Dichter, hat ein Thema immer wieder in seine Verse gepackt: Die Liebe. Aus seiner Feder stammen Gedichte, welche daraufhin über Jahrzehnte zwischen Liebenden ausgetauscht wurden. Es sind Gedichte, welche die Liebe feiern, sie hochheben. Es sind aber auch Gedichte eines Mannes, der selber einerseits zeitlebens auf der Suche nach (mütterlicher) Liebe war, sie andererseits aber nie auf Dauer leben konnte.
Thomas und Mary sind seit 30 Jahren verheiratet. Sie leben ihr Leben in einer Routine, die sich über die Jahre gebildet hat. Das wirklich Verbindende sind wohl die Kinder, welche aber nun gross sind – die Tochter ist schon ausgezogen. An ihrer Stelle zieht ein Hund ein. Es ist mit ihm wie mit allem: Es ist nicht ganz klar, ob er der Ehe von Thomas und Mary eher zu- oder abträglich ist. Die beiden reden schon lange nicht mehr miteinander, was aber gar nicht neu zu sein scheint.
Taschenbuch: 288 Seiten
Taschenbuch: 288 Seiten
Taschenbuch: 304 Seiten