9. Juni

„Das Undankbarste, weil Unklügste, was es gibt, ist Dank erwarten oder verlangen.“ Theodor Fontane

Hilfe, die nur darauf abzielt, als Held dazustehen und die grosse Dankbarkeit zu erwarten, ist eigentlich keine ehrliche Hilfe, sondern eine Selbstdarstellung. Zwar mag es durchaus sein, dass dem anderen dadurch trotzdem geholfen ist, aber das gute Gefühl bleibt oft bei beiden aus: Man selber weiss, dass das eigene Tun nicht von Herzen kommt, darum bringt es keine Freude. Der andere spürt dasselbe und fühlt sich in der Schuld.

Was ist die Motivation hinter meinem Tun? Wieso helfe ich anderen Menschen? Wieso bin ich für andere da? Tue ich es, weil es mir ein Anliegen ist, dass es ihnen gut geht, oder tue ich es nur, um selber besser dazustehen? Folge ich meinem Herzen oder dem Spruch „Tue Gutes und sprich darüber“?

8. Juni

„In jede hohe Freude mischt sich eine Empfindung der Dankbarkeit.“ Marie von Ebner-Eschenbach

Das Leben ist kein Ponyhof und nicht immer sind die Tage hell und heiter. Schicksalsschläge, schwierige Situationen und Lebensumstände können ganz schön auf dem Magen liegen und aufs Gemüt schlagen.

Wie schön sind dagegen die fröhlichen, beschwingten Tage. Wie gut fühlt es sich an, sich freuen zu können, zu lachen. Es sind Tage, an denen eine grosse Dankbarkeit mitschwingt, dass es sie gibt. Sie zeigen nicht nur das Leben von seiner schönen Seite und lassen dich lebendig fühlen, sie helfen auch, die anderen Tage zu tragen.

7. Juni

„Was ist vergesslicher als Dankbarkeit?“ Friedrich von Schiller

Wem wolltest du schon lange mal danke sagen, hast es aber immer vergessen? Wer war da für dich, als du jemanden brauchtest, und du hast ihm nie gesagt, wie viel dir das bedeutet hat? Wer hat dir einen Abend versüsst, einen wunderbaren Tag beschert, dir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert?

Heute wäre ein guter Tag, danke zu sagen.

6. Juni

„Wen die Dankbarkeit geniert,
Der ist übel dran;
Denke, wer dich erst geführt,
Wer für dich getan!“ Johann Wolfgang von Goethe

Warst du schon einmal in einer Situation, die dir peinlich war, in der du Hilfe benötigt und sie auch erhalten hast? Wie froh warst du um die Hilfe? Nur: Weil die Situation schon so peinlich war, wäre jede Erinnerung daran auch peinlich – und ein Danke hätte für dich die Peinlichkeit wieder geweckt. Und du dachtest, wenn du dich nun bedankst, nachdem alles vorbei ist, erinnerst du auch den anderen an deine Peinlichkeit. Und du unterliessest den Dank.

Wem war damit gedient? Keinem. Im Gegenteil. Situationen sind, wie sie sind, ab und an auch peinlich, schambehaftet, unangenehm. Hilfe ist immer ein wertvoller Dienst und in der Situation, in welcher man sie braucht, mehr als willkommen. Der Dank wird es beim Helfenden ebenso sein. Er wird nicht mehr oder weniger an deine Peinlichkeit denken, sondern sich freuen über die Wertschätzung, die du ihm durch deinen Dank zuteil werden lässt.

5. Juni

„Worauf wir auch immer warten mögen – Seelenfrieden, Zufriedenheit, Gnade, die innere Wahrnehmung der Fülle -, es wird kommen, doch nur dann, wenn wir bereit sind, es mit offenem und dankbarem Herzen zu empfangen.“ (Sarah Ban Breathnach)

Hast du schon mal ein Kind beobachtet, dass unbedingt eine Katze streicheln wollte, die nicht gestreichelt werden wollte? Es rennt der Katze hinterher und diese rennt davon. Das dauert, bis das Kind müde ist, sich hinsetzt oder abliegt. Und bei kleinen Kindern passiert es oft, dass sie dann einschlafen. Und: Nicht selten kommt dann die Katze und legt sich dazu.

Genauso ist es mit vielen Dingen in unserem Leben: Wir rennen ihnen verbissen und fast blind vor Eifer hinterher. Manche Dinge brauchen ihre Zeit und die richtige Haltung, dann passieren sie von selber. Das heisst nicht, man müsste nichts dafür tun, nur erzwingen kann man das meiste nicht.

4. Juni

„Ich bin dankbar, nicht weil es vorteilhaft ist, sondern weil es Freude macht.“ (Seneca)

Oft hört man, Menschen seien Egoisten. Sie täten nur, was ihnen nützt. Wieso also sollte man dankbar sein? Was man brauchte, hat man nun, alles weitere dient einem nicht mehr. Wobei: Tut es das wirklich nicht? Einerseits zeigt Dankbarkeit dem anderen Wertschätzung und macht ihn dadurch sicher geneigter, zu einem anderen Zeitpunkt wieder zu helfen.

Dankbarkeit gibt auch mir selber ein gutes Gefühl. Ich habe die Möglichkeit, dankbar zu sein, das bedeutet, mir ist etwas Gutes widerfahren. Das aktive Wahrnehmen desselben verdoppelt noch das Gefühl des „Mir geht es gut.“

Nun nur aus diesen Gründen einen Dank auszusprechen, wäre aber nicht nur berechnend, es würde auch wenig bringen, denn: Was nicht gefühlt ist, zeigt auch keine Wirkung. Nie bei einem selber, selten bei anderen.

3. Juni

„Die Kälte der Welt rührt daher, dass wir das, was wir an Dankbarkeit empfinden, denen, denen sie gilt, nicht genugsam kundgeben.“ (Albert Schweizer)

Wann hast du das letzte Mal „Danke“ gesagt? Wenn uns jemand etwas gibt, Gesundheit wünscht, in dem Moment geholfen hat, geht ein Danke noch schneller von den Lippen. Wie oft danken wir aber den Menschen, die tagtäglich um uns sind, für uns sind, mit uns sind? Danken einfach dafür, dass sie da sind, dass sie uns gut tun, dass sie uns Gutes wünschen?

Wem könntest du heute „Danke“ sagen?

2. Juni

„Denken und danken sind verwandte Wörter; wir danken dem Leben, in dem wir es bedenken.“ (Thomas Mann)

Ich habe in einer schwierigen Zeit damit begonnen, jeden Abend den Tag Revue passieren zu lassen und drei Dinge zu suchen, für die ich dankbar bin. Und: Egal, wie schwierig der Tag war, ich fand immer drei Dinge. Nicht immer grosse, ab und an kleine, fast schon banale, aber doch wohltuende.

Diese Praxis der aktiven Dankbarkeit hat mir sehr geholfen, das Leben umfassender zu sehen. Sie hat mir geholfen, auch in dunklen Momenten die lichtvollen Momente wahrnehmen zu können. Und über die Zeit hinweg merkte ich, wie ich besser mit den Herausforderungen umgehen konnte, die das Leben brachte, einfach, weil tief in mir immer auch Dankbarkeit mitschwang für das Gute, das jeden Tag präsent ist – wenn man es sieht.

1. Juni

„Wäre das Wort „Danke“ das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen.“ (Meister Eckhart)

Es gibt ein Lied, in welchem es heisst: „Danke für diesen guten Morgen, danke, für jeden neuen Tag….“ Und ja, es ist kein hochstehendes Lied, eher so ein banales mit einer simplen Melodie, einem einfachen Text. Sowas belächelt man gerne. Bis man innehält und denkt: Wie, wenn nicht so?

Ist nicht jeder neue Tag ein Geschenk? Eines, mit dem man eigentlich nicht rechnen kann und es doch tut? So selbstverständlich? Und wenn dann nicht alles so läuft wie geplant, hadert man noch. Ohne zu überlegen, dass schon der Tag eigentlich ein Geschenk war.

Wir müssen nun nicht alle mit einem Dauergrinsen durch die Welt laufen, gewisse Tage sind schwieriger als andere, und doch: Jeder Tag ist ein Geschenk und keiner ist selbstverständlich. Wir haben jeden Tag einen Grund, dankbar zu sein.

Fragen, nicht Antworten

„Wichtig ist, nie aufzuhören zu fragen.“ (Albert Einstein)

„Wieso ist die Banane krumm?“
„Wo geht die Liebe hin, wenn sie geht?“
„Was passiert mit dem Licht im Kühlschrank, wenn die Tür schliesst?“

Wann haben wir aufgehört, Fragen zu stellen? Wann haben wir aufgehört, Antworten zu suchen zu den Fragen und stattdessen im Internet zu suchen? Wann haben wir aufgehört, Phantasie zu haben und stattedessen Autoritäten zu folgen?

Für uns ist es nicht mehr wichtig, wichtig ist nur noch, wie wir wieder zurück kommen. Unsere Kinder hätten noch eine Chance, das Fragen nicht zu verlernen und das Phantasieren zu behalten. Wollen wir sie ihnen nicht geben? Und mit ihnen wieder dahin zurück kommen?

Wer glaubt, alle Antworten zu kennen, ist kaum mehr als ein Besserwisser, sicher aber kein Weiser. Wenn schon Sokrates wusste, dass er nichts weiss, er drum Fragen stellte und keine Antworten lieferte, wer würde es besser können? Zumal: Das Orakel von Delphi sah Sokrates als klügsten Menschen….vermutlich gerade drum, weil er Fragen stellte.

Wenn du also wieder einmal denkst, alles zu wissen: Stell dir die einfache Frage: Weiss ich das wirklich? Ist es nicht bloss eine Meinung? Und wenn dir wieder mal jemand weismachen will, dass er alles weiss und das noch besser: Frag dich auch: Weiss der das wirklich, oder ist es nicht schlicht seine Meinung?

31. Mai

„Recht sehen und hören ist der erste Schritt zur Wahrheit des Lebens.“ Johann Heinrich Pestalozzi

Siehst du, was wirklich da ist, oder nur das, wovon du denkst, dass es da wäre, weil du es täglich gesehen hast und eigentlich gar nicht mehr wirklich hinschaust?

Hörst du, was wirklich gesagt wird, oder hörst du nur das, wovon du denkst, dass der andere es sagt, weil du denkst, ihn zu kennen und zu wissen, was er sagen will?

Und denkst du, dass du mit dem, was du siehst und hörst, wirklich die Welt da draussen wahrnimmst, oder nur immer deine eigene (beschränkte) Sicht derselben? Und wie wäre es wohl, wenn du den Blick und die Ohren öffnen würdest für das, was wirklich ist?

30. Mai

„Aufmerksamkeit, mein Sohn, ist,
was ich dir empfehle;
bei dem, wobei du bist, zu sein mit ganzer Seele.“
Friedrich Rückert

Ich habe kürzlich einen Kuchen gebacken. Sieben Zutaten waren zu verwenden, zwei habe ich vergessen, da ich – husch husch – noch nebenher andere Dinge machte. Nun war das kein Drama, es gab einfach keinen Kuchen zum Kaffee, dafür viel Gelächter über das Versäumnis, aber:

Manchmal geht auch etwas in die Hosen, weil wir schlicht zu viel nebenher tun, das gravierende Konsequenzen hat. Und wie leicht wäre es gewesen, das zu vermeiden, hätten wir uns nur ganz auf das konzentriert, was wir gerade taten.

29. Mai

„Alles läßt sich überwinden durch Standhaftigkeit; alles läßt sich vergessen, wenn man seine Aufmerksamkeit auf einen andern Gegenstand heftet.“ Adolph Freiherr von Knigge

Jemand hat dich geärgert? Wieso schenkst du ihm noch mehr von deiner Zeit, indem du über ihn nachdenkst? Jemand hat dir Unrecht getan? Wieso vergeudest du deine Zeit mit Racheplänen, statt dir etwas Gutes zu gönnen? Das Schicksal meinte es nicht gut mit dir? Du kannst es nicht ändern, aber indem du nur noch daran denkst, wird auch die Zeit, die du mit Schönem füllen könntest, davon beeinträchtigt.

Das Leben ist nicht immer schön und bunt und wunderbar, mitunter setzt es uns zu. Das können wir oft nicht ändern. Was aber in unserer Hand liegt, ist, wie viel Energie wir an das weniger Schöne verschenken.

28. Mai

„Jede Minute, die wir damit verschwenden, uns um die Zukunft zu sorgen oder die Vergangenheit zu bedauern, ist eine Minute, in der wir unsere Verabredung mit mit dem Leben verpassen.“ (Thich Nhat Hanh)

Was war, war, wir können es nicht ändern. Ebensowenig wissen wir wirklich, was kommt – wir werden es sehen, wenn es eintrifft. Alles, was wir haben, ist das heute. Nur heute können wir wirklich leben, heute können wir was bewirken.

Das bedeutet nicht, dass man sich nicht an gestern erinnern darf. Ebenso kann man sich mal hinterfragen in seinem Tun von gestern, um nicht heute ähnliche Fehler wieder zu machen. Auch können wir durchaus Pläne schmieden für die Zukunft, damit wir heute wissen, in welche Richtung wir gehen wollen, um unsere Ziele auch zu erreichen.

Was aber sicher wenig bringt, ist, wenn wir uns den Kopf zermartern wegen Dingen, die schlicht ausser unserer Reichweite sind. Horrorszenarien ausmalen, was alles passieren könnte, wird uns weder davor schützen, dass es passiert, noch gibt es uns etwas an die Hand, dann angemessen zu reagieren. Alles, was wir können, ist, das Heute so zu leben, dass wir das uns Mögliche getan haben, dass es ein gutes Morgen wird.

27. Mai

„Nimm dich voll Menschenhuld der Kleinsten willig an. Auch wisse, daß dir oft der Kleinste nützen kann.“ Karl Wilhelm Ramler

Wieso kümmerst du dich um andere Menschen? Weil es dir ein Anliegen ist? Weil du hoffst, dass auch was zurück kommt? Weil du dir etwas für dich davon versprichst?

Wirkliche Anteilnahme ist nicht berechnend. Wenn ich etwas gebe, muss ich dafür nicht auch etwas kriegen. Ich bin aber überzeugt, dass der, welcher von ganzem Herzen und wirklich anteilnehmend gibt, immer genug zurück bekommt. Vielleicht nicht von dem, dem er gegeben hat, sondern durchs Leben von anderen. Und dies vielleicht gerade drum, weil sie einen als einen Menschen erkennen, der ohne auf den eigenen Profit zu achten, Anteil nimmt. Und gibt.

Und nicht zuletzt: Gutes tun tut immer auch einem selber gut. Insofern kriegt man immer sofort etwas zurück, wenn man Gutes tut.