2. April

„Gelassenheit können nur jene erreichen, die ein unerschütterliches und klares Urteilsvermögen haben – der Rest hadert ständig mit seinen Entscheidungen schwankt hin und her zwischen Ablehnung und Akzeptanz.“ (Seneca)

Ich bin, um es gelinde auszudrücken, nicht immer sehr entscheidungsfreudig gewesen. Ich konnte sogar bei den banalsten Fragen hin und her überlegen, Argumente wälzen und zu keinem Schluss kommen. Bei den schwierigen Fragen war es umso schlimmer. Schlussendlich wollte ich die richtige Entscheidung treffen.

Ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist, zeigt sich meist erst hinterher. Oft sind aber nicht mal Argumente ausschlaggebend, man weiss tief drin, was man eigentlich will und was passt – eine innere Stimme, ein Bauchgefühl. Und wie oft sagen wir im Nachhinein: „Hätte ich nur drauf gehört.“

Was dazu kommt: Würden wir drauf hören, hätten wir unsere Entscheidung und damit auch wieder Ruhe. Dieses andauernde Wälzen von Argumenten, dieses Hin und Her im Geist bringt meist vor allem eines mit sich: Unruhe.

Wenn also wieder einmal eine Entscheidung ansteht: Eigentlich weißt du die Antwort. Wenn du ihr nicht traust, wirf eine Münze. Fällt sie und du bist enttäuscht, hast du die Antwort auch, fällt sie und du bist froh, ebenfalls.

Klimawandel – oder: Baby, it’s hot outside

In letzter Zeit habe ich einige Male gelesen, dass alles Jammern und Klagen und aufmerksam Machen auf eine Klimakatastrophe Unsinn wäre. Klimaerwärmung sei Humbug, denn wir hätten schon 1540 mal eine Hitze- und Dürrekatastrophe erlebt. Dazu fällt mir einiges ein:

  1. ICH habe das nicht erlebt.
  2. Dass das Klima Schwankungen unterliegt, ist nicht neu, es gab auch Eiszeiten, nur:
  3. weil es etwas schon mal gab, heisst das nicht automatisch, dass es toll ist.
  4. Es war auch damals eine Katastrophe
  5. Wir kennen die Gründe für damals nicht – oh, und wenn doch, bitte melden und anführen, ich lerne gerne dazu und bin zu faul zum googeln, da es mir um das Heute geht. Was 1540 war, können wir nicht mehr ändern oder irgendwie beeinflussen, das heute vielleicht schon.
  6. Es gibt Menschen, die tagein und tagaus wenig anderes tun, als zu forschen. Auf unterschiedlichen Gebieten. Ich tat es im Bereich der Philosophie. Andere tun es im Bereich Klima, Umwelt, Lebenswelten. Ich berufe mich dann darauf, wenn ich normativ argumentiere, wie man leben sollte. Und ich vertrau drauf, dass sie ihre Aufgabe wahrgenommen haben. Wenn aber irgendwer da draussen findet, er hätte bessere Argumente, bin ich interessiert, sie zu hören.

Betrachtet man den landläufigen Lebensstandard, ist augenfällig, dass wir mehr Ressourcen nutzen, als wir haben, dass wir mehr Abfall produzieren, als die Welt schlucken kann. Der ökologische Fussabtritt eines Jeden in der sogenannt zivilisierten Welt ist bedenklich.

Systeme passen sich an. Wir passen uns der Umwelt an, diese sich uns. Unsere „Fortschritte“ gingen wohl zu schnell. Systeme sind träge. Nur werden wir ohne System nicht überleben können. Entweder wir bremsen und besinnen uns, oder wir gehen Hand in Hand unter.

Mir könnte das egal sein, ich werde den Untergang wohl nicht mehr erleben. Zudem mag ich es warm, es käme mir also entgegen, wenn die Temperaturen stiegen. Und: Ich bin alt genug, die Folgen nicht mehr erleben zu müssen – denke ich mal. Aber: Ich bin überzeugt, dass wir eine Verantwortung der nachkommenden Generation gegenüber haben. Es wäre nur gerecht, eine Welt zu übergeben, die trägt. Es wäre nur gerecht, dafür zu sorgen, dass auch unsere Nachkommen leben können, dass sie eine Welt von uns übernehmen, die lebenswert und das Überleben ermöglichend ist. Eine Welt, wie wir sie auch von unseren Vorfahren übernahmen. Sie war nicht perfekt, aber sie trug. Bis heute. Der Rest liegt in unseren Händen.

Das Leben als Kunst

Was ist es, das das Leben zu einem guten Leben macht?
Wann ergibt das, was wir tun, Sinn?
Was streben wir an?
Wo wollen wir hin?
Wer wollen wir sein?

Leben ist eine Kunst. Wir können was tun, damit es gut ist. Es liegt in unserer Hand. Das heisst nicht, dass wir bestimmen können, was um und mit uns geschieht. Das heisst nur, dass wir es in der Hand haben, wie wir darauf reagieren.

Lebenskunst heisst, sein Leben zu gestalten. Lebenskunst ist die Kunst, das Leben bewusst anzunehmen mit allem, was es bietet und das beste draus zu machen. Lebenskunst heisst, dem Leben Sinn zu geben. Lebenskunst bedeutet, einen Weg zu gehen, der zum Glück führt, zu einem Leben also, das erfüllt.

Wege gibt es viele. Welchen man wählt, ist individuell verschieden. Was allen gemeinsam ist: Ich muss sie gehen. Auch wenn sie ab und an schwer sind – und gerade dann – muss ich dabei bleiben und weiter gehen. Wege hin zu einem guten Leben brauchen Ausdauer, Mut, Disziplin und Hingabe. Es wird uns nichts geschenkt dabei.

Und darum ist das Leben eine Kunst. Es fällt uns nicht einfach in den Schoss und ist gut, wir müssen etwas tun dafür. Picasso malte seine Bilder auch nicht einfach so, dahinter steckten Jahre und Jahrzehnte der permanenten Übung und Auseinandersetzung. Genauso ist das in der Lebenskunst. Wir müssen einfach mal den ersten Pinselstrich tun – und dann weiter malen.

 

1. April

„Du musst dich (im Leben) wie bei einem Gastmahl benehmen. Es wird etwas herumgereicht, und du kommst an die Reihe.“ (Epiktet)

Wolltest du auch schon mal etwas um jeden Preis und es konnte dir nicht schnell genug gehen? Dein ganzes Denken drehte sich nur noch um diese eine Sache, du fandest keine Ruhe mehr, kaum noch Ablenkung, konntest dich auch nicht wirklich an anderen Dingen freuen, da all dein Denken und Fühlen und Sein von diesem einen Wunsch erfüllt war.

Wir können den Lauf des Lebens nicht beschleunigen. Viele Dinge brauchen und haben ihre Zeit. Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht. Wenn wir aber nur noch wie besessen Dingen hinterher rennen, die wir doch nicht beeinflussen können, verpassen wir dabei das, was wir hätten: Das Leben, wie es hier und heute ist. Und das ist das einzige, was wir haben und gestalten können.

30. März

„Kein Mensch weiß, was in ihm schlummert und zutage kommt, wenn sein Schicksal anfängt, ihm über den Kopf zu wachsen.“ (Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach)

Wir alle wollen glücklich sein, wollen möglichst Leid vermeiden. Und doch sind es oft die schwierigen Stunden, in denen uns bewusst wird, was in uns für Kräfte schlummern. Nietzsche prägte einst den Spruch, dass uns das, was uns nicht umbringt, stärker mache. Oft dachte ich so bei mir, dass ich so stark gar nicht werden wollte, und doch war ich immer wieder überrascht, dass es immer weiter geht. Irgendwo kommt immer noch ein Stückchen Kraft her, das hilft, weiter zu machen. Und je mehr wir daran glauben, dass es so ist, desto mehr Kraft zeigt sich.

Wir wachsen an unseren Herausforderungen. Wir mögen nicht immer glücklich sein darüber, dass sie da sind, doch hilft es, an die eigenen Kräfte zu glauben, um über sie hinwegzukommen.

Was ist meine Geschichte?

„Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben.“ (Joan Didion)

Wir gehen durchs Leben und erzählen uns und anderen unsere Geschichte. Es ist eine Geschichte unseres Lebens, die Aneinanderreihung von Erfahrungen und Erlebnissen, die schlussendlich das ausmacht, was wir „ich“ nennen. Wir sind uns dabei selten bewusst, dass wir nur eine mögliche Geschichte erzählen, dass es noch viele andere gäbe. Noch seltener sind wir uns bewusst, dass das, was wir aus der Erinnerung als unsere Geschichte erzählen, oft anders war, als wir uns erinnern, da unser Gedächtnis die phänomenale Gabe hat, Erzählungen so zu strukturieren, dass sie Sinn ergeben, dass sie in einem Kontext stehen und darin schlüssig und nachvollziehbar klingen. Das heisst nicht, dass wir lügen, schon gar nicht bewusst, es ist nur nicht die Wahrheit, schon gar nicht die ganze.

Das Gute daran ist: Wir können unsere Geschichten ändern. Auch das ohne zu lügen. Indem wir auf andere Erfahrungen und Ereignisse fokussieren, andere Perspektiven einnehmen, ergeben sich neue Geschichten. Gerade wenn wir mit unserer Geschichte hadern, kann das heilsam sein.

Vielleicht fragst du dich mal: Was ist meine Geschichte? Und dann schau genau hin, ob es die einzig mögliche ist oder ob du nicht noch mehr findest. Und vielleicht findest du sogar die Geschichte, die dir hilft, gut damit weiter zu leben, weil sie dir etwas mit auf den Weg gibt, das dir Kraft für die Zukunft gibt.

Peter Bieri: Wie wollen wir leben?

Bin ich der, der ich sein will?

Damit unser Wille und unser Erleben die unseren sind als Teil der persönlichen Identität, müssen sie in eine Lebensgeschichte eingebettet und durch sie bedingt sein, und wenn es da Selbstbestimmung gibt, dann nur als Einflussnahme im Rahmen einer solchen Geschichte, die auch eine kausale Geschichte ist, eine Geschichte von Vorbedingungen.

Wer bin ich und wie will ich leben? Diese zentrale Frage steht am Anfang von Peter Bieris schmalen Band Wie wollen wir leben? In der Folge tastet sich der Philosoph langsam vor, geht vom Ich als einem Subjekt aus, das mit sich und seiner Umwelt im Einklang leben will, dabei herausfinden muss, welchen Einfluss diese Umwelt hat, was durch sie bedingt ist und was wirklich aus einem selbst kommt. Es geht dabei um die Erkenntnis des eigenen Ichs und die Fähigkeit, über sich selber zu bestimmen. Dabei ist das Ich nie unabhängig von den Anderen, da jeder Mensch den anderen Menschen braucht, der eine Aussensicht bringt, an der die Innensicht gemessen werden kann. Daraus resultiert die Einsicht, ob das Selbstbild wirklich der Wirklichkeit entspricht.

Selbstbestimmt ist unser Leben, wenn es uns gelingt, es innen und aussen in Einklang mit unserem Selbstbild zu leben – wenn es uns gelingt, im Handeln, im Denken, im Fühlen und Wollen der zu sein, der wir sein möchten.

Ein selbstbestimmtes Leben, so Bieri, ist ein Leben in Würde, da Selbstbestimmung viel mit Würde zu tun hat. Dabei ist Würde immer abhängig von der Kultur, da je nach kultureller Identität andere Vorstellungen vom Leben in einer Gemeinschaft und als Individuum vorherrschen. Diese Vorstellungen sind dabei nie unveränderbar, sondern unterliegen einem stetigen Wandel, was einem Bildungsprozess entspricht, welcher nur erfolgreich ist, wenn diese Vorstellungen auch verinnerlicht sind, erlebt und erfahren werden.

Peter Bieri gelingt in diesem dünnen Band ein Bogen von der Frage nach dem Ich aus sich selber heraus, dessen Auseinandersetzung mit dem Du hin zur Identitätsbildung in Abhängigkeit von der umgebenden Kultur. Dabei arbeitet er mit einer klar verständlichen Sprache, einer logischen Abfolge von Begriffen, die sich schlüssig auseinander entwickeln, und zeichnet so einen Weg auf, das Ich als der, der man sein möchte, zu erkennen, zu verstehen, umzusetzen.

Fazit:
Ein schmaler Band mit grossen Fragen. Gut lesbar führt Peter Bieri in komplexe Begriffe wie Selbsterkenntnis, Selbstbild, Würde und Identität ein. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Peter Bieri wurde 1944 in Bern geboren und ist Philosoph und Schriftsteller. Er lehrte an verschiedenen deutschen Universitäten Philosophie, hat verschiedene philosophische Werke veröffentlicht und sich unter dem Namen Pascal Mercier auch als Romanautor einen Namen gemacht (Nachtzug nach Lissabon, etc.). Er wurde sowohl für sein wissenschaftliches wie auch für sein literarisches Werk mehrfach ausgezeichnet. Von ihm erschienen sind unter anderem Das Handwerk der Freiheit

Angaben zum Buch:
BieriLebenTaschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. November 2.13)
ISBN-Nr.: 978-3423348010
Preis: EUR 7.90 ; CHF 13.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE oder BOOKS.CH

Lebenskunst

„Ist das schon Kunst,
kann das nicht weg?
Das könnt ich auch,
wenn ich Zeit hätt.“

„Was tust du denn
den ganzen Tag?
Ist es noch Freud,
ist es schon Plag?“

So kämpfen Menschen
an den Fronten
einer selbst gewählten
Lebensform.

Ein jeder stellt
die seine hin
als Massstab und
als gült’ge Norm.

Wir opfern Werte,
nehmen Würde,
schauen nur noch
nach Gewinn.

Wir streben alle
nach dem einen,
suchen alle
Lebenssinn.

Der Mensch ist Mensch
nur durch sein Schaffen,
nur wo er tätig,
ist er ganz.

Drum wähle klug
dein eignes Tun,
und lass dem andern
dieses auch.

Ein Keiner hat
das Mass erfunden,
ein Jeder strebt
nach seinem Sinn.

Und könnten wir
dies so belassen,
es wär uns allen
ein Gewinn.

©Sandra Matteotti

Fragestunde: 11 Antworten und 11 neue Fragen

Ich habe schon lange keine Nominierung mehr angenommen oder Fragen beantwortet. Heute wurde ich nicht nominiert, aber inspiriert. Und da ich grad lustig bin, mache ich mich doch mal ans Werk.

Stein des (durchwegs positiven) Anstosses war mein lieber Freund Arno mit diesem Beitrag: HIER

Und hier haben wir die 11 Fragen, alles aus Arnos Lieblingsbereich, wie mir scheint: Kochen und essen:

  1. Warum isst du Fleisch/ kein Fleisch?
  2. Welches Gesetz würdest du im Bundestag verabschieden, um Tiere besser zu schützen?
  3. Was ist der größte Irrtum bei Lebensmitteln, den du immer schon mal aufdecken wolltest?
  4. Gibt es einen genialen Küchentrick, welchen du noch nie verraten hast? Welcher ist das?
  5. Wenn du Gäste mit Essen beeindrucken willst, was zauberst du dann in der Küche?
  6. Erfindest du eigene Rezepte, und wie machst du das?
  7. Woher bekommst du deine Inspirationen? Kochbuch, TV, Internet?
  8. Du hast einen eigenen Garten. Was pflanzt du an? Blumen, Obst und Gemüse oder reicht dir eine schöne Wiese?
  9. Was ist derzeit dein Lieblingsrezept, egal von wem?
  10. Lässt du Besucher gerne in deine Kochtöpfe gucken oder bist du lieber alleine?
  11. Hast du ein ökologisches Projekt für 2019 oder die nahe Zukunft, und was wäre das?

Meine Antworten:

  1. Ich war viele Jahre/Jahrzehnte sogar Vegetarier, dies hauptsächlich aus ethischen Gründen. Heute esse ich gerne Fleisch, da es mir sehr schmeckt und ich auch merkte, dass mein Körper Fleisch braucht. Zudem bin ich immer der Meinung, dass ein bewusster Umgang mit Nahrung (und generell) sinnvoller ist als Ge- und Verbote.
  2. Bestimmungen, die generell dem Tierwohl zugute kommen. Tiere dürfen Nutztiere sein, aber sie sollen die Zeit, die sie leben, ein schönes und erfülltes Leben haben dürfen. Leben beinhaltet den Prozess des Sterbens immer mit. Ein Zuwiderhandeln sollte nach gleichen Massstäben wie entsprechende Strafen in Bezug auf Menschen geahndet werden: Tierquälerei ist Körperverletzung und soll entsprechend bestraft werden.
  3. Ich denke nicht, dass ich etwas neu aufdecken kann, da mir dazu das nötige Fachwissen fehlt. Was ich aber immer wieder anprangere, sind die nicht totzukriegenden Mythen, dass gewisse Lebensmittel gut, andere schlecht sind, einige dick machen, andere nicht. Es ist bei allem immer das Mass, das entscheidet.
  4. Vorbereitung ist alles. Ich koche praktisch jedes Essen frisch und mit frischen Zutaten und brauche kaum je länger als eine halbe Stunde (wenn keine langen Garzeiten nötig sind). Ein kurzes Überdenken des richtigen Ablaufs entkräftet jedes Argument, dass man leider keine Zeit zum kochen hätte.
  5. Selbstgemachtes Apéro-Gebäck kommt immer gut an (und ich liebe es selber sehr). Dann: Ich mag niedergegartes Fleisch sehr gerne, mariniere es immer wieder anders. Vorab einen nicht alltäglichen Salat, gerne auch eine Mischung aus fruchtig-süss und herzhaft, hinterher selbstgemachtes Eis.
  6. Ich lasse mich gerne von Geschmackskombinationen inspirieren und probiere diese dann auf meine eigene Weise aus. Auch kombiniere ich gerne Dinge, die ich mag zu neuen Menus.
  7. Kochbücher und Internet. Pinterest ist dafür eine Goldgrube. Würde ich all meine gesammelten Rezepte da mal kochen wollen, hätte ich mein Leben lang zu tun. Ich koche aber, um ehrlich zu sein, selten nach Rezept, sondern variiere dann immer hier und da.
  8. Ich habe einen Garten, aber keinen grünen Daumen. Das höchste der Gefühle sind Kräuter, die sogar teilweise wuchern. Ansonsten belasse ich es bei einer Wiese, träume aber jedes Jahr davon, doch mal einen Gemüsegarten haben zu wollen…
  9. Ich habe kein Lieblingsrezept. Aktuell liebe ich ganz schlicht Fleisch vom Grill (das ich selber mariniere) und Salat. Das könnte ich täglich essen. Für Gäste kochte ich kürzlich ein Schweinefilet in Whiskeymarinade – das war sehr lecker. Ebenso ein Kalbskotelett mit Kräuterkruste aus dem Ofen… Aber Lieblingsrezepte würde ich die nicht nennen. Geschmortes Kaninchen wäre das Lieblingsrezept des von mir mehrheitlich Bekochten.
  10. Unterhaltung und Gesellschaft habe ich gerne, aber in die Töpfe blicken oder gar Ratschläge geben gar nicht.
  11. Ich versuche nur, meine eigene Ökologiebilanz in einem akzeptablen Rahmen zu halten.

Nominieren werde ich niemanden. Ich würde mich aber natürlich freuen, wenn jemand die folgenden Fragen interessant fände und sie beantwortet:

  1. Hast du ein Hobby, etwas, bei dem plötzlich alles wie von selber fliesst, du alles um dich vergisst?
  2. Hast du einen Wohlfühlort, von dem du weißt: Wenn ich da bin, dann fühle ich mich wohl, dann geht es mir gut?
  3. Wenn es dir nicht gut geht, was tust du, um das zu ändern?
  4. Fallen dir auf Anhieb drei Stärken von dir ein?
  5. Bist du nachtragend oder denkst du eher schnell „vergeben und vergessen“?
  6. Hast du einen Traum, den du gerne noch verwirklichen würdest?
  7. Gibt es etwas, das du bereust in deinem Leben?
  8. Wenn dir eine Fee drei Wünsche (egal was) erfüllen würde, du aber etwas von dem, was du hast (nicht zwingend materiell) abgeben müsstest, ohne zu wissen was, würdest du es tun?
  9. Kämpfst du lieber dafür, Unrecht aus der Welt zu schaffen, oder aber dafür, Gutes in die Welt zu bringen?
  10. Bist du frei in deinem Tun und wollen? Wenn nicht, wer bestimmt?
  11. Wenn du noch einen Tag zu leben hättest, wie würdest du ihn verbringen?

 

Ich bin, wie ich bin – und bleibe offen

Ich sei zu weichgespült in meinen Gedanken. Hörte ich heute. Ja, das mag sein in einer Welt voller Fisherman’s-Kerle. Ich kaufte mir kürzlich Fisherman’s… sie waren mir nicht zu stark, eher auch etwas weich, nur: sie schmeckten mir nicht. Ich mag lieber so die lieblichen Fruchbonbons, die dem Rachen schmeicheln, etwas Süsse ins Leben bringen, in mir ein Gefühl von Wohlbefinden erwecken.
Ja, ich lebte auch mal in der Welt der rein rationalen Gedanken. Ich setzte mehr Fussnoten unter den Text als ich Text über den Fussnoten hatte. Alles musste akkurat sein, alles musste passen und abgestützt sein. Mich ja nicht angreifbar machen. Mich ja nicht aussetzen. Um Gottes Willen nicht den Anschein machen, als ob ich allein stünde mit meinen Gedanken.
Aber he: Ich denke, wie ich denke, und ich bin genau so. Und wem das nicht passt, der darf mir das sagen. Und er darf dann auch gehen. Und wenn er dann doch bleibt, finde ich das schön, denn was wäre die Welt, wenn wir alle gleich dächten? Sie wäre nur grau und ein Einheitssumpf. Unterschiedliches Denken und andere Sichtweisen machen das Leben bunt. Nur: Man muss sie zulassen. Gegenseitig. Dann ist etwas nicht einfach nur weichgespült, sondern schlicht anders, als selber gedacht. Und vice versum passt auch ein Fisherman’s in meinen Cassisbonbon-Genuss.

Gefahr Internet – der Dieb lauert hinterm Bildschirm

Kürzlich hörte ich, dass man vorsichtig sein müsse. So mit den sozialen Medien. Wenn man schreibe, dass man in den Ferien sei, locke das Diebe an. Die Polizei warnt. Das ist nicht neu, natürlich wusste ich das. Aber doch. Ich fragte mich. Was mach ich denn nun? So bildtechnisch? Nehme ich hier Bilder auf, die ich dann reinstelle, wenn ich woanders bin, um dann dort Bilder von hier reinzustellen? Bin ich damit so klug, die potentiellen Diebe zu irritieren? Noch besser: Ich mache nur noch Blumenbilder – kein Mensch weiss, wo die Blume steht. Nur bin ich nicht Florist. Vielleicht sollte ich ganz aus den Sozialen Medien raus. Sind ja eh so virtuell und kaum real. Blöderweise habe ich ganz viele wunderbare Kontakte hier, die durchaus real sind. Auch in der Virtualität. Im Zeitalter der Digitalisierung ist die Unterscheidung virtuell – real sowieso ein wenig wie wenn man sagt, dass nur das ganz sauber ist, das man von Hand wäscht, nie die Maschinenwäsche.

Was mach ich denn nun? Klar: Gefahren gibt es, die Polizei warnt. Aber auch wenn mein Haus dunkel bleibt, wenn ich weg bin, sind das Zeichen. So reale. Wenn jemand vor Ort beobachtet, hat er Zeichen. Mehr als virtuell, denn ich bewege mich doch durchaus mehr zu Fuss als über die Tasten – man glaubt es kaum. Sicher ist es nicht ganz geschickt, öffentlich lesbar zu schreiben, dass man an dieser oder jener Adresse wohnt, nun von jetzt bis dann weg ist, um dann irgendwann wiederzukommen. Man könnte das als Einladung lesen als Dieb: Komm doch vorbei, es steht dir alles zur Verfügung, keiner greift ein.
Früher gab es ähnliche Warnungen. Es wurden Alarmanlagen, Lichtzeitschaltuhren, regelmässig vorbeischauende Nachbarn empfohlen, wenn man in die Ferien fuhr. Diebe beobachten Gewohnheiten und reagieren auf sich verändernde. Am besten wäre es, man hätte keine Gewohnheiten, sondern lebte sein Leben so ziemlich unnachvollziehbar – eine regelmässige Arbeit fiele da auch flach. Man hat sich selten an all die Ratschläge gehalten, sondern sein Leben gelebt und gehofft, dass nichts passiert. Und statistisch lag man damit gut. Es wird in weniger Haushalten nicht eingebrochen als eingebrochen wird.
Daran hat sich nichts geändert, allerdings sind halt die Möglichkeiten der Diebe durch die Digitalisierung andere geworden. Und damit änderten sich auch die Ratschläge. Nun würde ich natürlich niemandem zu einem leichtsinnigen Verhalten raten, nur: Wenn wir uns in allem, was wir tun und machen, einschränken, weil jemand das ausnutzen könnte, machen wir uns schon im Vorfeld zum Opfer eines Täters, von dem wir noch nicht mal wissen, ob er einer wird bei uns. Vorsicht ist geboten. Aber: Wenn diese das eigene Leben so einschränkt, dass man es nicht mehr leben kann, ist der Preis eventuell zu hoch.
Klar kann man sich aus den sozialen Medien zurückziehen. Klar kann man alles verschweigen, was das eigene Leben betrifft. Klar kann man zurück zu analog gehen oder aber Lügenkonstrukte aufbauen, um die Welt da draussen zu irritieren. Nur: Wo bleibt dann noch die Authentizität? Wo das eigene freie Leben?
Was man ins Netz stellt, steht da. Man muss sich also sicher klar sein, ob man das da haben will oder nicht. Und wieso. Im Zeitalter der Digitalisierung muss uns aber schlicht bewusst sein: Es ist kaum mehr was versteckt und privat. Wir hinterlassen Spuren und die werden getrackt. Wirklichen Schutz bringt da wohl nur eine abgelegene Alphütte ohne Empfang. Nur: Wollen wir so leben?
Das Leben ist und bleibt ein Risiko. Ich würde nun auch nicht alle Türen offen lassen, vor der Hütte eine Tafel mit der Aufschrift „Immer nur reinkommen und bedienen“ – aber: Ich möchte mein Leben weiter frei leben. Und ich mag meinen Austausch auf menschlicher Ebene im Netz, zumal daraus immer auch ganz wunderbare Beziehungen entstanden sind. In ganz unterschiedlichen Ausprägungen: Reichend von Schreib- und Herzensverbindungen, hin zu Freundschaften vor Ort bis hin zu Lebensbeziehungen. All das wäre wohl durch verschleiernde Bilder und kryptische Botschaften nicht passiert. Was für ein Verlust.
Drum: Es gilt sicher, achtsam zu sein, was man ins Netz stellt, aber: Die Authentizität darf nicht leiden. Wir müssen uns den neuen Gefahren stellen. Der Weg kann nicht Selbstverleugnung sein, sondern Reaktion auf neue Gefahren. Da sind wir heute gefordert. Wie gehen wir mit den Geistern um, die wir riefen.