Von Sofamotzern und anderen Querulanten

Einer meiner Freunde teilte einen Beitrag eines Vaters, der mit seinem Sohn im Baumarkt war und beim Rauskommen merkte: Das geliebte Like-a-bike des Sohns war weg…

Was mir aufstiess? Es wurde in den Kommentaren nicht gegen den Dieb geschossen, sondern gegen den Vater. Dieser hatte zwar weder eine Anzeige gemacht, sondern nur die Rückgabe (sogar gegen Entgelt) gewünscht, und auch sonst keine wirklich bösen Worte gefunden, aber: Er hatte das Bike nicht abgeschlossen, mit dem Nennen des Markennamens Werbung gemacht und noch vieles mehr. Vom heimischen Sofa wurde geurteilt und geschossen.

Ich lese das oft in letzter Zeit. Wenn jemand ein Unrecht aufzeigt, wird das Unrecht zwar nicht negiert, aber gleich der Aufzeigende beschossen. Er zeige nur auf, täte aber nichts. Das Urteil ist zwar nicht fundiert, nur angenommen, aber es kommt als Angriff daher. Die eigenen Taten des Angreifers bleiben aussen vor, dass er nicht mal auf das Unrecht hinwies war wohl nicht nur Bequemlichkeit oder Ignoranz, sondern sicherlich einem guten Grund geschuldet. Aber:

Schon das Hinschauen ist eine Haltung. Aus dem Hinschauen können mehr Hinschauende gewonnen werden, daraus eine Handlungsabsicht und daraus eine Handlung. Irgendwo muss man mal anfangen. Wenn aber schon der Anfang belächelt, verurteilt und abgeputzt wird, sind wir bald da, wo alles sang- und klanglos durch geht. Weil die, welche an allem was rumzumeckern haben, das Terrain geebnet haben.

6 Comments

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  1. Tatsächlich gibt es in Deutschland sogar ein Gesetz, welches verbietet es Dieben zu leicht zu machen, dennoch weiß ja derjenige, dass er eine strafbare Handlung begeht. Im Falle eines Fahrradklaus ist die Wahrscheinlichkeit geschnappt zu werden relativ gering, es sei denn man entdeckt das gute Stück in einer Online Auktion oder in den hiesigen Zeitungsanzeigen. Und wenn wir schon mal beim Thema Fahrrad sind. Mein schwarzes Peugeot Rennrad wurde 1982 vom Hof des Dorfpfarrers entwendet und ich warte auch noch auf die Rückgabe – freiwillig. Es war übrigens abgeschlossen 😉

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  2. Meines wurde anno dazumal vom Bahnhof Wabern „entlehnt“ und vom „Entlehner“ beim Eichholz in die Aare geschmissen. Nach Wochen im Wasser war es natürlich futsch.
    Ich kann mich daran erinnern, dass die Versicherung nichts bezahlt hat, weil ich es nicht „richtig“ abgeschlossen hatte, sondern nur das eingebaute Pseudoschloss benutzt hatte.

    Das Kritisieren der Opfer von Kriminalfällen ist leider Gang und Gäbe und in der Sozialpsychologie wohl bekannt, der Fachbegriff heisst „victim blaming“. Es ist eine Art Selbstschutzmechanismus all jener, die nicht Opfer wurden, aber hätten werden können. Durch das Zuweisen der Verantwortung an das Opfer können sie die Illusion von Kontrolle aufrecht erhalten, die Illusion, dass ihnen „so etwas“ nie passieren kann. „So etwas“ kann von Kind bei einem Unfall gestorben über vergewaltigt werden bis hin zum Fahrraddiebstahl so ziemlich alles sein .

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