Angepasst verblasst

Ich wollt’ es doch
nur recht dir machen,
wollte keinen
Streit entfachen.

Nahm mich zurück.
Dachte: „Zum Glück!“

Nie hätt’ ich gedacht,
was dieses entfacht;
dieses mich Anpassen,
dieses mich selbst Verlassen.

Nahm mich zurück,
so Stück für Stück.

Angst hat regiert,
mich selber negiert,
machte mich klein,
eliminierte mein Sein.

Nahm mich zurück,
damit das Glück.

Was blieb denn noch,
so unterm Joch
der Furcht allein?
Wer könnte da noch

glücklich sein?

©Sandra Matteotti

Lied der armen Leute

Ich habe nichts
und taug’ drum nichts,
was kann ich denn
schon bieten?

Denn wer nichts hat,
der gilt auch nichts.
So geht es
kleinen Leuten.

Man rümpft die Nase,
hebt die Stirn,
und schaut verächtlich
dann herab.

Was will so wer
denn überhaupt,
was meint er,
wer er sei?

Die Antwort, die
ist schnell bereit:
Ein Nichts und Niemand, nur
ein Fehler im System.

©Sandra Matteotti

Staunend vom Leben lernen

Es war einmal ein kleines Kind,
das fragte viel, wie Kinder sind.
Wieso ist die Banane krumm?
Wer ist gescheit und wer schlicht dumm?

Wo kommt die Liebe her, wo geht sie hin?
Will ich da sein, wo ich jetzt bin?
Haben Tiere auch Gefühle,
gibt’s in Jerusalem genügend Stühle?

Was sehe ich, was du nicht siehst,
Wer ist nun schön und wer das Biest?
Wer muss gehorchen, wer hat Macht?
Was ist ein Krieg, was nur ne Schlacht?

Wieso sind Früchte so gesund,
was macht den Mond oft kugelrund?
Wie melkt man eigentlich die Mäuse
und wie kriegt man schlussendlich Läuse?

Was macht im Sommer Blumen bunt,
und wer bestimmt die letzte Stund’?
In welchem Alter ist man wirklich alt
und wie viel Grad sind bitterkalt?

So fragt das Kind ganz munter weiter,
von bewölkt bis richtig heiter.
Man sitzt so da und staunt gar gross,
woher nimmt es die Fragen bloss?

Es sind die Fragen schlichtes Streben,
zu verstehen, ganz zu leben,
mit jeder Blume, allem Schönen,
der Lebensfreude neu zu frönen.

Drum seid euch sicher, eins ist klar:
Was richtig ist, und was ist wahr,
das findet nur, wer Fragen stellt,
weil sich dann die Welt erhellt.

Bewahre drum das Staunen dir:
Sind zwei mal zwei auch wirklich vier?
Denn was wir glauben oder sehen,
eines bleibt: Wunder geschehen!

@Sandra Matteotti

In Liebe

Ich möchte dir
nur liebe geben
nicht nur neben
mit dir leben
dich erkunden
tief empfunden
sinn ergeben
deinem leben
und daneben
eng verbunden
all die Stunden

glück erleben

dich gefunden
unumwunden
zu nur geben
dass mein leben
dir verbunden
wie beim weben
strang um strang
dem band entlang
den faden schlagen
dass es hält
ein leben lang

©Sandra Matteotti

Augenwischerei

Oft denken wir
das Gute nur
vergessen gern
den Rest.

Es bleibt am Schluss
die Sahne bloss,
vergessen ist
der Mist.

Und was dann kommt
misst sich an dem,
was denken grad
gerückt.

So hat es dann
gar schweren Stand,
die Latte ist
schlicht einfach hoch.

Man setzt das Mass
vergisst alsdann,
die Augen-
wischerei

Und macht sich so
das Hier und Jetzt
kaputt mit dem,
was nie so war.

©Sandra Matteotti

Öffne die Tür

Ich komme als Mensch
und ich will zu dir.
Lass mich herein,
öffne die Tür.

Nimm mich ganz an,
so wie ich halt bin,
sieh meinen Kern,
so den ganz tief drin.

Oft sind wir nur so,
wie’s and’ren gefällt,
wir passen uns an,
der ganzen Welt.

Vergessen dann schnell,
wer wir wirklich sind,
vergessen ganz schnell,
das innere Kind.

Dann spielen wir Rollen,
mal jene, mal die,
nur den, der wir sind,
den spielen wir nie.

Drum brauchen wir einen,
der uns so nimmt,
der uns erkennt,
wenn alles stimmt.

Und wie er bei uns,
so wir auch bei ihm,
von Mensch zu Mensch,
es führt nichts umhin.

So sitzen dann ich
und du vis-à-vis,
hätt’ ich nen Wunsch:
Es wär nur dies!

©Sandra Matteotti

Grenzen überschreiten

Wandeln im Raum,
die Zeit durchschreitend
luftleer und zwischen
Glockenschlägen.

Fahren durch Strassen
wir alle gemein
und doch ein jeder
für sich allein.

Suchen nach Worten und
Antworten gar.
Haben nur Fragen,
doch davon zuviel.

Wandeln im Rahmen
und drüber hinaus,
fallen aus diesem
und nirgends hinein.

Fliegen zum Mond
und sitzen dahinter,
sehen die Welt,
verstehen sie nicht.

Nur dann und wann
hebt sich ein Schleier
und zeigt dir das Eine:
Es gibt noch viel mehr.

©Sandra Matteotti

ich und du

ich bin ich
und du bist du.
und ich bin ich
nur weil du bist.

ohne dich
bin ich schlicht nicht,
nicht nur nicht ich.
gilt auch für dich.

denn erst das du
macht mich zum ich.
und ich mach dich
zum du durch mich.

drum einer nur
ist keiner denn
ein jemand ist
nur der zu zweit.

Zu zweien ist
ein jeder ich
und zeugt das du
durch dieses ich.

Das Leben leben

Nie werde ich wissen,
was gewesen wäre, wenn.
Auch kann ich nie sagen,
was geworden wäre, denn:

Was nicht ist, bleibt ewiglich
ein Bild der Illusion.
Was nie war, existiert als
blosse Imagination.

Und in jedem wenn und wäre,
in jedem hätte, täte und so fort,
zeigt sich bloss mit jedem Wort:
Das was ist, ist nicht gewollt.

So suhlt man sich im Konjunktiv
und malt mit Farben bunte Bilder
von alledem, was man nicht wollte,
und redet es sich schön.

Viel besser wäre doch,
man schaute da, wo man grad steht,
prüfte, welcher Wind jetzt weht,
um dann die Segel neu zu setzen.

©Sandra Matteotti

Sinn des Lebens

Was hat das Leben
für einen Sinn?
Was ist der Lohn,
was der Gewinn?

Ist es nur Geld,
oder auch Ruhm?
Muss ich was tun
oder wer sein?

Ist Kunst nur Krempel,
braucht es sie?
Brauchen Götter Tempel,
wozu bauen wir die?

Wer definiert die Werte
wieso zerstören wir sie?
Gibt es noch Hoffnung?
Und: Wo finden wir sie?

©Sandra Matteotti

Selbstgerechtigkeit

Vom weichen Sessel. Sitzend
richten und sich lustig machen.

Vom warmen Bett her. Lästern,
spotten. Witze reissen.

Das können alle kleinen Pisser.
Und: Sich grösser fühlen.

Im Vernichten, aburteilen,
alles dessen, was nicht sein darf.

Weil’s nicht passt in sture Köpfe,
voll von Regeln, Normen, Zwang!

Voll von Dogmen und Doktrinen,
liegen sie längst tot darin.

Sie haben’s nicht gemerkt.

©Sandra Matteotti