Bücherverbrennung – 88 Jahre später

„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ (Heinrich Heine, 1823)

Heinrich Heine hätte sich wohl nie träumen lassen, wie wahr sein Ausspruch schon ein gutes Jahrhundert später sein könnte. Und doch ist genau das passiert:

Heute jährt sich etwas wieder, das nie hätte geschehen dürfen. Man kann nun sagen, es waren nur Bücher, aber es ging ja um mehr: Die Gedanken, die in den Büchern waren, wollte man nicht mehr haben. Keiner durfte sie lesen, sie waren „systemfeindlich“. Erschreckend genug. Was ich aber auch erschreckend finde, ist, dass diese Aktion von Studenten ausging. Eine Gruppe von jungen Menschen also, die man als denkende Elite ansieht. Wo haben sie wirklich selber gedacht? Mal wirklich hingeschaut? Wie konnten sie so weit kommen? Sie waren im System. Wurden von diesem geprägt, bis sie so tief drin waren, es unbedacht hinzunehmen und zu einem Extrem zu führen. 

Wie oft haben „ganz normale, arme, ungebildete“ Menschen vor dem System fliehenden Menschen geholfen? Einfach aus einer Menschlichkeit heraus? Wir haben auf der einen Seite die geistige Elite, auf der anderen Seite den fühlenden Menschen. Nun gab es aber durchaus auch das andere: Unglaublich dumme, ungebildete Menschen, die in diesem System ihre Chance auf ein wenig Anerkennung sahen und drum blind ihre Nachbarn ans Messer lieferten. Oder aber im System integrierte Menschen, die sich besannen und halfen, wo sie konnten. 

Was ich damit sagen will? Wie oft lassen wir uns blenden von Status, Symbolen, Äusserlichkeiten? Was eigentlich zählt, ist der Mensch dahinter. Und: Ich hoffe, es kommt nie mehr so weit… Ich hoffe, wir dürfen uns immer trauen, hinzusehen, Missstände aufzudecken, gefährliches Gedankengut zu erkennen und einzudämmen. Für ein Miteinander in Frieden und Toleranz. 

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Ich freue mich sehr, dass dieser Text ins Projekt „Lesen gegen das Vergessen“ aufgenommen wurde und da von Peder W. Strux gelesen wurde: