Susan Arendt: Sexismus

Geschichte einer Unterdrückung

Inhalt

«Dem Buch geht es darum, Sexismus als etwas Systemisches zu verstehen und entsprechend zu fragen, was ihn im Kern zusammenhält. Im Zentrum steht dabei die These, dass Sexismus an Macht gebunden ist, die auf dem Postulat der binären Zweigeschlechtlichkeit aufgebaut und dadurch patriarchalische Herrschaft ermöglicht.»

Die gesellschaftlich verteilte Macht an die heterosexuellen Männer führt zur Unterdrückung von Frauen, homo-, intersexuellen und transgeschlechtlichen Menschen. Susan Arndt versucht die dahinter liegenden Mechanismen zu analysieren, indem sie auf die biologische Erklärung der Zweigeschlechtlichkeit eingeht, die daraus resultierenden sozialen Deutungen herausarbeitet und die darauf fussenden Moral- und Rechtsvorstellungen beschreibt. In der Folge werden Massnahmen aufgezeigt, die helfen, das System zu durchbrechen, dies auf gesetzlicher, sozialer und individueller Ebene.

Weitere Betrachtungen
Anhand von persönlichen Erlebnissen und sachlichen Referenzen zeigt Susan Arendt, wie präsent Sexismus in der heutigen Gesellschaft ist. Es sind nicht nur die offensichtlichen (oft gewaltsamen) körperlichen Übergriffe, es fängt schon viel früher an.

«Sexuelle Belästigung umfasst also ein breites Spektrum von Handlungen. Physische Übergriffe und diskriminierende Vokabeln sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Auch verbale Übergriffe wie Witze, Kommentare, Erzählungen über Sexualität oder (vermeintliche) Komplimente gehören zum Gesamtbild.»

Wie oft hört man als Frau, wenn man sich wehrt, man sei empfindlich, das sei nur ein Witz? Auch die Aussage, man dürfe bald keine Komplimente mehr machen, wenn man nicht inhaftiert werden wolle, ist eine gern geäusserte. Aber: Will Mann wirklich sagen, dass er so dumm ist, so wenig Feingefühl hat, um nicht zu merken, wo etwas angebracht, gar gewünscht ist, und wo nicht? Ich traue Männern mehr zu. Leider lassen sich viele Frauen von solchen Aussagen einschüchtern oder fühlen sich gar schuldig, schämen sich. Ein Teufelskreis. Bücher wie das von Susan Arendt können da helfen, ein grösseres Bewusstsein zu schaffen dafür, dass es Grenzen gibt und diese eingehalten werden müssen.

«Bis in die letzten Zipfel der weissen deutschen Männer*gesellschaft hinein wissen die meisten offensichtlich sehr wohl, dass es sich nicht gehört, Frauen* anzugrapschen oder verbal übergriffig zu werden. Dennoch tun dies viel zu viele im Windschatten der sexistischen Sozialisation und der sie tragenden Institutionen und Strukturen, Wissensparadigmen und Grundsätze. »

Das grösste Problem bei all dem ist wohl, dass hinter jedem einzelnen Mann, der sich übergriffig verhält, ein System steht, welches ihn schützt. Dieses System ist über Jahre gewachsen und hat kein Interesse daran, gestürzt zu werden. Dass zum Selbstschutz also oft mit harten Bandagen, subtilen Mitteln und machtvollen Argumenten gekämpft wird, liegt auf der Hand.

«In konsequenter Fortführung des Anspruchs darauf, Diskriminierung in gegebenen Komplexitäten zu diskutieren, adressiert Intersektionalität in seiner aktuellen Dimension aber nicht nur die Verschränkung von Rassismus und Sexismus, sondern alle Facetten der Mehrfachdiskriminierung: Sexismus, rassistische Verortungen, Religion, soziale Schichten, Nation, Gesundheit, Dis*ability, Körpernormen, Ethnizität, Alter wirken ineinander, ohne auseinanderdividiert werden zu können.»

Nie aus den Augen verlieren dürfen wir aber, dass Frausein nicht der einzige Grund für Unterdrückung ist. Alles, was nicht der landläufigen Norm entspricht, läuft Gefahr, Diskriminierung zu erleben. Meistens kumuliert sich dies noch, wenn verschiedene Punkte in einem Menschen vereint sind.

Susan Arndt ist ein tiefgründiges, sachliches und fundiert recherchiertes Buch gelungen, das auf die Auswüchse des Sexismus in der heutigen Gesellschaft aufmerksam macht und diese durchleuchtet. Dass all dies nicht auf Kosten der Lesbarkeit geht, zeichnet das Buch zusätzlich aus aus.

Persönlicher Bezug

«Sexismus ist eine Machtstruktur mit System, in das alle strukturell und diskursiv eingebunden sind, ganz egal, ob das nun jemand will oder nicht. Alle durchlaufen in gemeinsam geteilten Räumen konkreter historischer Zeiten ähnliche Sozialisierungsmuster; alle werden unterschiedlich stark davon geprägt und gebrochen. Alle stecken ein und alle teilen aus… Es geht also nicht um Schuldzuschreibungen, aber es geht um MitVerantwortung.»

Ich war in meinem Leben oft Sexismus ausgesetzt. Vom übergriffigen Chefredaktor einer grossen Schweizer Zeitung über eine Professorin, welche fand, als Frau und Mutter könne ich keine Dissertation schreiben, bis hin zu Bemerkungen, ich hätte meine Prüfungen wohl nur aufgrund eines kurzen Rockes geschafft, war alles dabei (und noch so vieles mehr). Trotzdem denke ich, ist es zu kurz gegriffen, die alleinige Schuld dem Mann in die Schuhe zu schieben und ihn zum Summum Malum zu erklären.

Wir alle sind Kinder einer Zeit und einer Gesellschaft. Das Einzige, was wir tun können, ist hinschauen, bewusst wahrnehmen, was läuft und die Missstände angehen. Gemeinsam und nicht gegeneinander.

Fazit
Ein informatives, ausführliches, gut recherchiertes, sachliches Buch über Sexismus, was er bedeutet, wie er entstanden ist und was wir als Gesellschaft brauchen, die ihn befördernden Strukturen aufzubrechen. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Susan Arndt ist Professorin für englische Literatur- und Kulturwissenschaft und anglophone Literaturen an der Universität Bayreuth.

Angaben zum Buch
Herausgeber: ‎ C.H.Beck; 1. Edition (17. September 2020)
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
ISBN-Nr.: ‎ 978-3406757976

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Judith Sevinç Basad: Schäm dich!

Wie Ideologinnen und Ideologen bestimmen, was gut und böse ist

Inhalt

«Es scheint also nicht nur eine Sehnsucht danach zu geben, Weisssein per se zu verteufeln und abzuwerten. Bizarr ist auch, wie man sich auf die Suche nach einer Person macht, die ein noch grösseres Opfer ist als man selbst.»

Judith Sevinç Basad spricht von Meinungsmache, welche totalitären Charakter angenommen habe, wenn sie Themen wie #MeToo, die Stigmatisierung Weisser zu Rassisten, der Verurteilung alter weisser Männer, Cancel Culture und weitere behandelt. Die Social-Justice-Warriors verbreiten eine Ideologie, welche keinen Widerspruch duldet, weil diese die einzig mögliche Wahrheit darstellt. Wer trotzdem anderer Meinung ist, wird schändlicher Motive bezichtigt und er soll sich schämen – zusätzlich zur falschen Meinung auch für seine weisse Hautfarbe, denn die offenbart ihn schon als Rassisten, egal, was er tut oder sagt.

Weitere Betrachtungen
Judith Sevinç Basad hat mit diesem Buch einen Gegenentwurf entworfen zu der aktuellen Debatte um Feminismus und Rassismus. Sie kritisiert linke Kriegerinnen, die sich soziale Gerechtigkeit auf die Fahnen schreiben und die eigene Meinung als richtige definieren, welche keinen Widerspruch duldet. Sie werden damit dem vergleichbar, was Hannah Arendt als Methoden totalitärer Systeme bezeichnet: Man führe die verschiedenen Mitglieder einer definierten Gruppe auf einen typischen Vertreter derselben zusammen und teile dann das System in gut (die Eigenen) und schlecht (der definierte andere Gruppenmensch) zusammen. Eine so gleichgeschaltete Gruppe lässt sich in der Folge besser manipulieren.

Basad beschreibt auf eine unaufgeregte, sachliche und gut abgestützte und mit Beispielen belegte Art die heutigen Zustände an der Front der Social Justice Warroirs und ihren treuen Folgern. Sie weist auf die so entstehenden Gefahren und Missstände hin und sensibilisiert für einen bewussteren Blick auf Forderungen und Anschuldigungen der beschriebenen Kriegerinnen, welche zwar im Ansatz teilweise durchaus legitim erscheinen, in dieser Vehemenz und Verallgemeinerung aber zu einer Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen führt. Es sollen hier nur einige Beispiele angeführt werden:

In den letzten Jahren wurden Geschlechterzuschreibungen immer mehr hinterfragt und geöffnet. Die Überzeugung, dass es jedes Menschen Recht sein soll, seine eigene Geschlechtsidentität definieren zu können, setzte sich durch, was ein Durchbruch war und Menschen aus der Stigmatisierung (früher gar Kriminalisierung) befreien sollte. Aktuell scheint das extreme Züge anzunehmen:

«Zugespitzt heisst das: Die weisse heterosexuelle ‘Normalität’ muss zerstört werden, weil sie rassistisch und sexistisch ist.»

Alles, was man als frühere Norm definiert, wird nun verteufelt. Nach den weissen Männern kamen die Weissen überhaupt, nun sind die Heterosexuellen an der Reihe. Dass man dabei eigentlich mit umgekehrten Vorzeichen fortführt, was man bekämpfen wollte, nämlich die Diskriminierung von Menschen aufgrund einer zugeschriebenen Gruppenzugehörigkeit, wird vehement zurückgewiesen, da all die, welche zur Norm gehörten eben darum gar nicht diskriminiert werden könnten.

«Die gendergerechte Sprache dagegen hat nichts mit natürlichem Sprachwandel zu tun. Denn beim Gendern handelt es sich nicht um harmlose Ausdrücke, die neu auftreten, sondern um eine politische Agenda, die – wenn möglich – von oben durchgesetzt werden soll, um moralisch zu erziehen.»

Einen weiteren Angriff startet Basad auf die geforderten Sprachanpassungen. Das Argument, Sprache sei immer im Wandel, lässt sich dabei nicht gelten, sondern führt Studien an, welche widerlegen, dass sich Frauen früher nicht angesprochen fühlten bei der Nennung eines generischen Maskulinums. Sie führt (korrekt) an, dass dieses mit dem biologischen oder sozialen Geschlecht nichts zu tun hat, sondern eine grammatische Eigenschaft ist.

«Alle Weissen sind rassistisch. Ihre Gesten sind rassistisch. Ihr Verstand ist rassistisch. Ihre Emotionen sind rassistisch. Ihre Handlungen sind rassistisch. Alles an ihnen ist rassistisch, weil sie eine weisse Hautfarbe haben.»

Dieses Fazit zu den vorherrschenden Meinungen zieht Basad am Schluss. Sie bezieht sich dabei auf Aussagen, die behaupten, Weisse seien per se rassistisch und könnten keinen Rassismus erfahren, sondern sollten sich eher schämen dafür, weiss zu sein. Es gibt Schulprogramme, die weisse Kinder in eine «Identitätskrise» stürzen sollen, um sie von der Neurose des Konsens zu heilen, Rassismus sei zu verurteilen, da sie, als Weisse, nicht nicht rassistisch sein könnten. Man muss nicht sehr weit in der Geschichte zurückzugehen, um ähnliche Zuschreibungen und Verurteilungen zu finden – die grausamen Auswüchse damals sind sicher noch in vielen Köpfen präsent.

Persönlicher Bezug

«Weisse, so heisst es da, würden sich nur deswegen gegen den Rassismus-Vorwurf wehren, weil ihre ‘weisse Psyche’ an einer ‘weissen Neurose’ leide. ‘Weisse Emotionen’ seien krankhafter ‘emo-kognitiver Zustand’, der zu ‘weisser Angst’, ‘weisser Furcht’, ‘weisser Wut’, ‘weisser Traurigkeit’, ‘weisser Hilflosigkeit’, ‘weisser Schuld’ und ‘weisser Scham’ führe. Diese ‘weissen Emotionen’ seien ein ‘Motor von Rassismus’.»

Ich habe in letzter Zeit viele Bücher junger Frauen zum Thema Rassismus gelesen. Ich war erschüttert, betroffen, der tiefen Überzeugung, dass das nicht immer so weiter gehen darf, dass etwas getan werden muss, um Rassismus von Generation zu Generation weiterzugeben. Dass aber gerade diese Betroffenheit eine eigene Neurose sei, die mich zu einer psychisch Kranken herabsetzt, lässt meinen Mund doch offenstehen. Dass ich aufgrund meiner Hautfarbe per se ein Rassist sein soll, macht mich sprachlos, da eine solche Zuschreibung ohne Kenntnis meiner Person und meiner Einstellung als Unrecht erscheint, das ich nicht gewillt bin, hinzunehmen.

Ich bin überzeugt, dass Rassismus wie Sexismus (auch) ein strukturelles Problem ist, das wir mit vereinten Kräften angehen sollten. Ich sehe wenig Sinn darin, uns immer wieder in neue Gruppen zu teilen und die anderen zu bekämpfen. Ich sehe wenig Erfolg für die Sache, wenn unsachliche Behauptungen und individuelle Befindlichkeiten zu allgemeingültigen Wahrheiten verklärt und mit Vehemenz und blindem Eifer durchgesetzt werden sollen. Bücher wie dieses können helfen, den Blick wieder zu schärfen, in der Hoffnung, dass wir endlich aufhören, Fronten zu schaffen.

Fazit
Ein sachlicher, fundierter, intelligenter Gegenentwurf zu aktuellen, teilweise radikalen Positionen in Bezug auf Rassismus, Sexismus und Feminismus.

Autorin
Judith Sevinç Basad studierte Germanistik und Philosophie und schloss ihren Master mit einer Arbeit über totalitäre Tendenzen in der queerfeministischen Bewegung ab. Sie arbeitete für die Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, die einen geschlechtergerechten und liberalen Islam praktiziert und publizierte u.a. für WELT, FAZ, NZZ und den Autoren-Blog „Salonkolumnisten“. Im Jahr 2019 absolvierte Basad ein Zeitungsvolontariat im Feuilleton der NZZ. Seit 2020 erscheint ihre Online-Kolumne „Triggerwarnung“ im Cicero. Sie lebt als freie Autorin in Berlin.

Angaben zum Buch
Herausgeber: ‎ Westend; 1. Edition (29. März 2021)
Taschenbuch: 224 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3897713376

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bell hooks: Feminismus für alle

Inhalt

«Im Grunde meines Herzens wusste ich, dass es uns nie gelingen würde, eine erfolgreiche feministische Bewegung auf die Beine zu stellen, wenn wir nicht jede und jeden, weiblich wie männlich, Frauen wie Männer, Mädchen wie Jungen, zu ermutigen können, sich dem Feminismus zu nähern.»

Feminismus ist nicht neu – trotzdem wissen wenige, was der Begriff und die dahinterstehende Bewegung wirklich bedeuten. Klischeevorstellungen herrschen in den Köpfen vor und sorgen für Ablehnung. bell hooks möchte damit aufräumen und erklärt in diesem Buch auf leicht verständliche Weise, was Feminismus will und wieso es ihn braucht.

Sie ruft dazu auf, alle ins Boot zu holen, da nachhaltige Veränderungen für alle nur gemeinsam erreicht werden können. Stimmen, die behaupten, Feminismus sei nicht mehr nötig, da alles erreicht wäre, zeigt sie auf, dass es noch immer Gewalt und Ausbeutung an und von Frauen, Sexismus und ungerechte Arbeitsbedingungen gibt. Dem können wir nur mit vereinten Kräften entgegentreten.

Weitere Betrachtungen

«Alles, was wir in unserem Leben tun, hat eine theoretische Grundlage. Ob wir nun bewusst ergründen, warum wir eine bestimmte perspektive haben oder eine bestimmte Handlung ausüben, es gibt immer auch ein zugrundeliegendes System, das unsere Gedanken und Handlungen prägt. »

Es ist wichtig, dass sexistisches Verhalten nicht per se das Verhalten eines einzelnen Menschen, sondern dass er eingebettet in ein System ist. Genauso ist es auch mit anderen Verhaltensweisen und Denkarten. Diesen auf den Grund zu gehen, sie zu analysieren, um sie durchbrechen zu können, ist der erste Schritt zur Besserung.

«Klasse ist viel mehr als Marx’ Definition vom Verhältnis zu den Produktionsmitteln. Klasse umfasst dein Vergalten, deine grundlegenden Einstellungen, welches Verhalten dir beigebracht wird, was du von dir selbst und von anderen erwartest… In der Tat fällt es heute wie früher weitaus mehr Feministinnen leichter, ihre von weisser Vorherrschaft geprägten Ansichten abzulegen als ihren Klassenelitismus.»

In der heutigen Zeit sind die Stimmen, die Rassismus vor den Feminismus stellen, laut. Was aber auch den Vertreterinnen davon meist abgeht, ist der Blick auf die durch Armut benachteiligten Frauen in der Gesellschaft. Gerade die finanziellen Verhältnisse, die soziale Schicht, in der jemand aufwächst, hat einen sehr prägenden Einfluss auf das weitere Leben eines Menschen. Dieses sollte immer im Blick bleiben bei allem, was wir anstreben. Rawls meinte in seiner «Theorie der Gerechtigkeit», dass ein System dann gerechter wird, wenn eine Veränderung auch den am schwächsten Gestellten besser hinstelle.

«Die einzige Hoffnung auf feministische Befreiung liegt in der Vision eines sozialen Wandels, die dem Klassenelitismus den Kampf ansagt.»

Schon Simone de Beauvoir war anfangs der Ansicht, dass die Umsetzung des Sozialismus das Frauenproblem von selber lösen würde. Sie rückte später davon ab. Die Unterdrückung der Frauen fusst auf mehr Kriterien als nur dem Klassenproblem. Trotzdem ist Armut eines der zentralen Frauenprobleme. Das «Handbuch Armut Schweiz», von der Caritas herausgegeben, listet Zahlen auf, nach denen vor allem Frauen (alleinerziehende Mütter, Migrantinnen, alte Frauen) von Armut gefährdet sind. Dieses Problem gilt es anzugehen, nicht statt anderer feministischer Fragen, aber als eine und zwar eine wichtige.

Persönlicher Bezug

«Wir begannen, eine Vision von Schwesterlichkeit zu verbreiten, in der alle unsere Realitäten artikuliert werden konnten.»

Betrachte ich die Geschichte des Feminismus, zeigen sich drei Wellen. Nach jeder fing man von vorne an. Erreichtes der letzten Kämpferinnen ging verloren, vergessen oder wurde mit Füssen getreten. Heute zeigt sich uns ein Bild, in welchem junge Feministinnen die «Altfeministinnen» angreifen, schwarze gegen weisse schiessen, die einen sich mehr als Opfer verstanden haben wollen als andere – Fronten, wohin man schaut, anstatt das man hingeht im Sinn der Sache und gemeinsam den Dialog führt und Wege sucht, miteinander zum Ziel zu kommen.

Immer wieder kommt die Frage auf, wie es sein könne, dass Frauen, die doch die Hälfte der Menschheit ausmachen, von der anderen Hälfte unterdrückt werden: Vermutlich genau drum: Sie treten nicht vereint als Hälfte auf, sondern schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein, so dass am Schluss lauter kleine Grüppchen in die Welt rufen und damit weniger gehört werden, als möglich wäre.

Fazit
Eine leicht lesbare, sehr fundierte, tiefgründige und aufschlussreiche Einführung in den Feminismus, in seine Ziele und was es braucht, diese zu erreichen. Sehr empfehlenswert.

Autorin
hooks, bellbell hooks, geboren 1952 und gestorben 2021 in Kentucky, war Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Aktivistin. Schon als junge Studentin schloss sie sich der feministischen Bewegung an und machte sich 1981 gleich mit ihrem ersten Buch „Ain’t I a Woman: Black Women and Feminism“ einen Namen. In den nachfolgenden Jahrzehnten hat sie unzählige Werke veröffentlicht, in denen sie sich mit Rassismus, Sexismus und Klassismus beschäftigt, und ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden. Auf Deutsch erschien zuletzt 2020 „Die Bedeutung von Klasse“ im Unrast Verlag.

Angaben zum Buch
Herausgeber: ‎ Unrast; New Edition (5. Oktober 2021)
Taschenbuch: 148 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3897713376

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Emilia Roig: Why We Matter. Das Ende der Unterdrückung

Inhalt

«Das Patriarchat heisst für Frauen, sich so klein zu machen wie möglich, nicht zu viel Platz einzunehmen, nicht zu viel zu sprechen, nicht zu laut zu lachen, nicht zu klug zu erscheinen, nicht aufzufallen (ausser aufgrund der Schönheit). Klein zu bleiben, damit sich Männer nicht bedroht fühlen.»

Wir alle wünschen uns eine Welt, in der wir trotz unserer Unterschiede als Gleichberechtigte zusammenleben können. Leider sind wir davon noch weit entfernt, denn noch immer sind Unterdrückung und Diskriminierung an der Tagesordnung. Anhand von persönlichen Erfahrungen und sachlichen Erläuterungen beleuchtet Emilia Roig Themen wie Rassismus, Homofeindlichkeit, Antisemitismus, Queerness und Feminismus und erklärt, worauf eine gerechtere Welt achten müsste.

Weitere Betrachtungen

«Die Flexibilisierung der Geschlechternormen, die in der westlichen Welt im letzten Jahrhundert durch die feministische Bewegung in Gang gesetzt wurde, ging bisher vor allem in eine Richtung. Frauen durften allmählich ihre männliche Seite ausdrücken durch Kleidung, Verhalten und gesellschaftliche Rollen, die sich über die häusliche Sphäre hinaus erstrecken. Das Patriarchat überwinden, heisst aber auch, die Männer von den rigiden patriarchalen Erwartungen zu befreien. »

Das Patriarchat wird häufig als eine von Männern gemachte Welt wahrgenommen, die Frauen unterdrückt. Dies ist nicht nur falsch, aber es greift zu wenig weit. Auch Männer werden in Rollen gezwängt, denen sie kaum entkommen können. Um zu einer gerechteren Welt zu gelangen, in welchen alle frei entscheiden können, wie sie leben wollen, gilt es, auch die Männer in den Blick zu nehmen und für alle die Zwänge und Einschränkungen zu eliminieren. Wir werden das Ziel einer gleichberechtigten Welt nicht erreichen, wenn wir Fronten bauen und gegeneinander antreten.

«Auch wenn jede Form von Rassismus ihre spezifischen Eigenschaften hat, verfügt sie immer über zwei wichtige Merkmale: die Konstruktion der Gruppe als unterlegen und ihre Entmenschlichung bis hin zur Vernichtung.»

Rassismus ist ein grosses Thema, noch immer ist die Unterdrückung von Menschen anderer Hautfarbe und Herkunft sehr präsent in unserer Welt, in vielen Ländern kam es in den vergangenen Jahren zu einem Rechtsrutsch, was das Problem noch vergrössert. Wir sind alle gefordert, nicht wegzuschauen, hinzustehen, einzuschreiten. Es ist wichtig, dass wir rassistische Äusserungen und Handlungen als solche erkennen und nicht tolerieren. Das ist der einzige Weg hin zu einer Welt, in der wir alle als Gleiche und Freie zusammenleben können.

«Die Schäden, die Rassismus bei einem Menschen hinterlässt, können durch radikale Akzeptanz – durch Selbstliebe – geheilt werden. Dafür muss Rassismus als System der Entmenschlichung aber nicht nur anerkannt, sondern auch dekonstruiert werden.»

Der einzelne Mensch leidet unter Rassismus, was sich tief in seiner Seele festsetzt. Wenn man weiss, dass vom Krieg traumatisierte Menschen dieses Trauma durch ihre Genstruktur an ihre Kinder vererben, kann man davon ausgehen, dass auch das Trauma von rassistischer Gewalt und Unterdrückung nicht spurlos an den Betroffenen (und ihren Nachkommen) vorüber geht. Es wird Zeit, mit vereinten Kräften gegen ein System anzugehen, das Menschen in einer solchen Weise verletzt und im schlimmsten Fall zerstört.

Persönlicher Bezug

«Another world is not only possible, she’s on her way. Maybe many of us won’t be here to greet her, but on a quiet day, if I listen very carefully, I can hear her breathing. (Arundhaty Roy)»

Ein Thema, das mich wohl nie loslässt in meinem Leben. Von klein an war es mir wichtig, dass Dinge gerecht zu und hergehen, im Studium wurde es mein Schwerpunkt, in der Dissertation hatte ich mich im wahrsten Sinne der Gerechtigkeit verschrieben. Der Traum einer gerechten Welt ist alt, sie zu erreichen erscheint oft als Utopie. Ja, wir werden die perfekte gerechte Welt vielleicht wirklich nicht erreichen, zumal die Meinungen, wie diese auszusehen hätte, divergieren. Aber: Wir können uns auf den Weg machen und versuchen, als Menschen mit Menschen zu leben, diese in ihrer Unterschiedlichkeit anzunehmen und doch als Gleichwertige zu sehen. Das wäre ein grosser Schritt in eine gute Richtung. Noch sind wir nicht da – aber wer weiss, vielleicht atmet sie wirklich schon ganz in der Nähe, wie Arundhati Roy schrieb.

Fazit
Eine fundierte, ausführliche, informative und doch lesbare Analyse der heutigen Gesellschaft mit ihren Mechanismen von Diskriminierung und Abwertung im Hinblick darauf, etwas daran zu ändern für eine gerechtere Gesellschaft. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Emilia Zenzile Roig (*1983) ist Gründerin und Direktorin des Center for Intersectional Justice (CIJ) in Berlin. Sie promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Science Po Lyon. Emilia Roig lehrte in Deutschland, Frankreich und den USA Intersektionalität, Critical Race Theory und Postkoloniale Studien sowie Völkerrecht und Europarecht. Sie hält europaweit Keynotes und Vorträge zu den Themen Intersektionalität, Feminismus, Rassismus, Diskriminierung, Vielfalt und Inklusion und ist Autorin zahlreicher Publikationen auf Deutsch, Englisch und Französisch. Sie ist Interviewpartnerin in Sibylle Bergs Bestseller „Nerds retten die Welt“ und war Mitglied der Jury des Deutschen Sachbuchpreises 2020.

Angaben zum Buch
Herausgeber: ‎ Aufbau Verlag; 3. Edition (15. Februar 2021)
Gebundene Ausgabe: 397 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3351038472

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Hannah Arendt: Denken ohne Geländer

‚Denken ohne Geländer’, das ist es in der Tat, was ich zu tun versuche.

Das vorliegende Buch beinhaltet zentrale Texte aus Hannah Arendts Schriften sowie Auszüge aus Briefen zu Themen, die Hannah Arendt bewegten und ihre Auseinandersetzung damit zeigen. Das Buch bietet damit eine Einführung in zentrale Gedankengänge, offenbart die klare Strukturiertheit von Hannah Arendts Denken und ihre Genauigkeit bei der Analyse von Zusammenhängen und Verwendung von Begriffen.

Denken ohne Geländer ist in fünf Teile gegliedert, von denen der erste die Philosophie allgemein behandelt. Es werden Fragen behandelt wie wo wir sind, wenn wir denken, was Denken überhaupt ist und wie es mit der Sprache zusammenhängt.

„Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste“ – weil Denken Lebendigsein ist, so wie Arbeiten Leben ist.

Arbeiten – Denken – Lieben sind die drei Modi des schieren Lebens, aus denen nie eine Welt entstehen kann und die daher eigentlich welt-feindlich, anti-politisch sind.

Der zweite Teil ist Arendts politischem Denken gewidmet. Der historische Sinn des Politischen liegt, so Arendt, in der Freiheit. Der Staat als Gewaltmonopol ist dazu legitimiert, dieses zu nutzen um dieselbe für seine Bürger zu gewähren – als ein Nicht-beherrscht-Werden und Nicht-Herrschen. In der Gegenwart stellt sich allerdings eher die Frage, ob Politik überhaupt noch Sinn ergebe, was den Erfahrungen von Totalitarismus und Terror geschuldet sei. Die Auseinandersetzung mit den Begriffen Macht, Stärke, Gewalt, Kraft und Terror zeigen Arendts Wertlegung auf präzise Begrifflichkeiten.

Nirgends tritt das selbstzerstörerische Element, das dem Sieg der Gewalt über die Macht innewohnt, schärfer zutage als in der Terrorherrschaft, über deren unheimliche Erfolge und schliessliches Scheitern wir vielleicht besser Bescheid wissen als irgendeine Zeit vor uns. Terror und Gewalt sind nicht dasselbe. Die Terrorherrschaft löst eine Gewaltherrschaft ab, und zwar in den, wie wir wissen, nicht seltenen Fällen, in denen die Gewalt nach Vernichtung aller Gegner nicht abdankt.

Der dritte Teil über das politische Handeln widmet sich hauptsächlich der jüdischen Geschichte, der jüdischen Armee, dem Kampf gegen den Antisemitismus und der Eichmann-Kontroverse. Daneben findet sich ihr Artikel zu Little Rock, der Frage nach des gleichberechtigten Schulbesuchs von schwarzen und weissen Kindern in einer Schule in den USA.

Im vierten Teil finden sich Texte über die Situation des Menschen und das, was den Menschen als solchen ausmacht an Fühlen und Handeln. Lebensthemen wie die Liebe, Treue, Schmerz und das Alter werden feinfühlig und durchdacht behandelt.

…für die Meinung, dass nur die Liebe die Macht hat zu vergeben, spricht immerhin, dass die Liebe so ausschliesslich auf das Wer-jemand-ist sich richtet, dass sie geneigt sein wird, Vieles und vielleicht Alles zu verzeihen.

Den abschliessenden fünften Teil füllen Lebensgeschichten aus. Es finden sich neben Texten zu Rahel Varnhagen, Jaspers und Heidegger Briefausschnitte aus Arendts vielfältigen Briefwechseln mit Heinrich Blücher, Mary McCarthy und Gertrud und Karl Jaspers.

…wie ich auf Deinen Brief gewartet habe, kannst Du Dir gar nicht vorstellen. Das ist das Band, das mir immer wieder klarmacht, dass ich nicht verlorengehen kann. Denn wenn Du nicht da bist, bin ich gleich wieder so verletzbar wie früher.

Fazit:
Eine breite Zusammenstellung von Texten zu den verschiedensten Themen, die Hannah Arendt in ihrer klaren Art zu denken behandelt hat. Macht Lust auf mehr. Absolut empfehlenswert.

Zur Autorin:
Hannah Arendt
(eigentlich Johanna Arendt)
Geboren am 14. Oktober 1906 in Linden bei Hannover als Tochter jüdischer Eltern. Obwohl sie sich keiner religiösen Gemeinschaft anschloss, sah sie sich immer als Jüdin.
Studium bei Martin Heidegger (die Liebschaft ist wohlbekannt) und später Promotion bei Karl Jaspers. 1933 Flucht nach Frankreich, 1940 Internierung im Lager Gurs, aus welchem ihr die Flucht gelang. 1941 Ankunft in New York. Verschiedene Tätigkeiten fürs Überleben und auch aus Überzeugung, daneben Publikation mehrerer Artikel. Später Lehrtätigkeit und mehrere für die Philosophie herausragende Werke (Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Eichmann in Jerusalem, Vita Activa). Sie stirbt am 4. Dezember 1975 in New York.

ArendtDenkenGeländer

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Piper Verlag (6. Auflage 1. Oktober 2006)
ISBN-Nr: 978-3492248235
Preis: EUR 9.99; CHF 16.90

Julia Korbik: Oh, Simone!: Warum wir Beauvoir wiederentdecken sollten

Inhalt

«Auf Vorbilder kann sie… kaum zurückgreifen: Noch haben es nicht viele Töchter aus gutem Hause gewagt, ihren eigenen Weg zu gehen. Ihr Geburtsmilieu und die damit verbundenen Erwartungen hat Simone hinter sich gelassen – ohne allerdings zu wissen, worauf sie ihr Leben stattdessen aufbauen soll. .»

Simone de Beauvoir war wahrlich eine spannende Frau. Sie strebte nach Freiheit und Unabhängigkeit, sie wollte lesen, lernen, lieben, so, wie sie es wollte. Sie akzeptierte keine Einschränkungen, ging lieber den schwierigeren Weg als klein beizugeben. Und sie analysierte genau, was Frauen im Weg stand, genau dieses freie und unabhängige Leben zu leben. Sie lebte in einem anderen Jahrhundert, in anderen Zeiten und Umständen. Und doch auch wieder nicht.

Wieso sollte sie uns heute noch interessieren? Der Frage geht Julia Korbik in diesem Buch nach und kommt zum Schluss: es gibt viele Gründe dafür!

Weitere Betrachtungen

«Schon mit neunzehn Jahren war ich überzeugt gewesen, dass es dem Menschen zusteht, und nur ihm allein, seinem Leben einen Sinn zu geben, und dass er dieser Aufgabe gewachsen ist.»

Simone de Beauvoir wuchs in sehr kontrollierten Verhältnissen auf, in welchem grossen Wert auf Status und Etikette gelegt wurde. Die Bewegungsgrenzen waren entsprechend eng gesteckt, ausbrechen kam kaum in Frage. Das Schicksal der familiären Finanzkrise sowie ein eigenwilliges Wesen kamen ihr zu Hilfe.

«Es ergibt sich für jeden Einzelnen eine ethische Verpflichtung, an einer Welt mitzuarbeiten, in der alle Menschen die Möglichkeit haben, ihre Entwürfe in eine offene Zukunft hin zu verwirklichen. Eine Aktivität ist dann ‘gut, wenn sie darauf abzielt, für sich und andere […] die Freiheit zu befreien.’ »

Simone de Beauvoir wollte immer schreiben – und sie schrieb. Und sie dachte, frei und wild und tief. Sie hatte ihren Partner im Geiste, Jean Paul Sartre, mit dem sie eine langjährige Beziehung verband. In späteren Jahren begann sie auch zu kämpfen – für mehr Gerechtigkeit, gegen Unterdrückung. Und immer wieder stand sie ein für andere, half, unterstützte.

«Frei sein wollen bedeutet wollen, dass auch andere frei sind…»

Man ist nie allein, man kann ohne den anderen nicht leben. Simone de Beauvoir war sich dessen bewusst und dieses Wissen war wohl mit Antrieb, nicht nur für sich, sondern auch für andere zu schauen. Es gibt kein Gut für einen allein, ein wirkliches Gut ist es erst, wenn es ein geteiltes ist.

Julia Korbik ist ein gut lesbarer Überblick über Simone de Beauvoirs Leben und Schaffen gelungen, der nichts Neues, aber für den, der noch nichts von Simone de Beauvoir kennt, einen guten Einstieg bietet. Man kann zu Julia Korbiks Verteidigung sagen, dass Simone de Beauvoir selber so viel von ihrem eigenen Leben beschrieben hat, dass es wenig Neues gibt für einen Autoren, der über sie schreiben will. Die Analyse müsste sehr tief gehen, wie das einige Biographen durchaus taten. Das wäre eine zu grosse Erwartung an dieses Buch, die nicht erfüllt würde.

Persönlicher Bezug

«Die Philosophie stellt Fragen und vor allem hinterfragt sie vermeintlich natürliche Gegebenheiten… Bei der Philosophie, glaubt Simone, geht es um das Wesentliche: ‘Immer hatte ich alles erkennen wollen: Die Philosophie würde mir möglich machen, dieses mein Verlangen zu erfüllen…’»

Ich habe in diverse Fächer reingeschaut, bis ich meine schlussendliche Kombination hatte. Zwar war Philosophie im Gymnasium eines meiner liebsten Fächer, dies aber nur, weil ich nichts tun musste, es flog mir förmlich zu. Das lag wohl daran, dass mir die Philosophie lag, ich sie nie als Arbeit auffasste. Im Studium stiess ich per Zufall quasi auf die Philosophie – durch ein interdisziplinäres Seminar. Das war der Anfang einer grossen Liebe, weil ich nun wirklich merkte: Das liegt mir, da kann ich eintauchen, da geht es um verstehen, denken, lernen, analysieren –  da kann ich wachsen.

Beim Lesen von Simone de Beauvoirs Biographie habe ich so viele bekannte Gedanken entdeckt, so viele Lebensziele, -wünsche und auch die Zweifel am eigenen Sein und Tun. Sie ist aktuell, sie ist inspirierend, sie ist für mich eine sehr spannende Frau.

Fazit
Eine gute Einführung in das Leben und Schaffen einer spannenden Frau. Als Erstlektüre zu Simone de Beauvoir sehr empfehlenswert.

Autorin
Julia Korbik wurde 1988 im Ruhrgebiet geboren und arbeitet heute als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Ihre journalistischen Schwerpunkte sind Politik und Popkultur aus feministischer Sicht, aber auch europäische und französische Themen – egal, ob politisch, gesellschaftlich oder kulturell. Korbik studierte European Studies, Kommunikationswissenschaften und Journalismus und pendelte dafür im Jahresrhythmus zwischen dem nordfranzösischen Lille und dem westfälischen Münster. Sie ist ehrenamtlich für das sechssprachige Europa-Onlinemagazin cafébabel aktiv, vor allem als Vize-Präsidentin von Babel Deutschland e.V. und als Vorstandsmitglied des Vereins Babel International. 2014 erschien ihr erstes Buch Stand Up. Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene (Rogner & Bernhard). 2016 rief Korbik den Blog Oh, Simone ins Leben, der einzige deutschsprachige Blog, der ganz Simone de Beauvoir gewidmet ist.

Angaben zum Buch
Herausgeber: Rowohlt Taschenbuch; 5. Edition (15. Dezember 2017)
Taschenbuch: 320 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3499633232

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Hilkje Hänel: Wer hat Angst vorm Feminismus

Warum Frauen, die nichts fordern, auch nichts bekommen

Inhalt

«Wir werden auch feststellen, dass die sozialen Rollen und die Plätze, die wir im Machtgefüge einnehmen können, viel damit zu tun haben, welches Geschlecht wir haben und/oder welches Geschlecht uns andere zuschreiben.»

Feminismus ist ein Reizwort, auch nach so vielen Jahren noch. In vielen Köpfen herrschen mehr Klischeevorstellungen als wirkliche Tatsachen, worum es geht. Damit will Hilkje Hänel aufräumen, indem sie aufzeigt, was Feminismus ist, ob es den EINEN Feminismus überhaupt gibt. Sie erklärt Zusammenhänge von Sexismus und Feminismus, beleuchtet die Hintergründe von strukturellem Sexismus und plädiert für einen Feminismus, der alle angeht, weil alle davon profitieren, weil das Ziel ist, eine gerechtere Gesellschaft ohne vorgefertigte Rollenmodelle und Rollenzwänge zu schaffen.

Weitere Betrachtungen

«Sexismus ist strukturell…Sexismus hängt an uns dran.»

Sexismus ist nicht einfach eine singuläre, individuelle Erfahrung, sie steckt tief drin in unserer Gesellschaft, im kollektiven Denken und Handeln. Durch die lange Zeit seiner Präsenz in unserer Gesellschaft sind wir ihn so gewohnt, dass er oft nicht mehr auffällt – oder aber damit abgetan wird, dass das doch immer so war.

«Sexuelle, sexualisierte und häusliche Gewalt sind soziale Praktiken, die in vielen Fällen mehr oder weniger akzeptiert sind. Je mehr die spezifische Gewalthandlung von dem abweicht, was – fälschlicherweise – als paradigmatische Vergewaltigung gilt (nämlich dem körperlich gewalttätigen Überfall durch einen Fremden), desto weniger löst diese Handlung Entsetzen in uns aus. Je weniger Empörung die Tat auslöst, desto weniger müssen die Täter rechtliche und soziale Konsequenzen fürchten. »

Sexuelle Gewalt ist an der Tagesordnung, vor allem in Familien und innerhalb der häuslichen Wänden kommt er oft vor, wird dabei aber (zu) selten belangt, weil häusliche Gewalt nicht dem entspricht, was man allgemein davon annimmt: Der böse Fremde hinter dem Baum, der wehrlose Frauen überfällt. Viel zu oft sind es die engsten Vertrauten, von denen diese Gewalt ausgeht. Wir dürfen nicht wegschauen, es darf nicht weiter passieren, dass diese Täter mehrheitlich straffrei davonkommen.

«Aussagen über sexuelle Gewalt nicht zu glauben bedeutet nicht einfach nur, nicht zu reagieren oder sich abzukehren. Es ist vielmehr die zweite erniedrigende Verletzung des Opfers.»

Sexuelle Gewalt ist belastend für die Opfer, die Tat selber und auch das Leben danach. Sie lässt sich nicht einfach abschütteln, sie hinterlässt einen Menschen, der hilflos und ausgeliefert war und dadurch in seiner Würde und Integrität verletzt wurde. Dies muss ernst genommen werden, das Opfer muss in seiner Verletzung wahr- und ernstgenommen werden. Dies nicht zu tun, hinterlässt den Menschen ein zweites Mal in einer Hilflosigkeit und macht ihn so zum zweiten Mal zu einem Opfer.

Womit ich wirklich Mühe hatte, war die Sprache des Buches. War es auf der einen Seite wirklich sachlich, stellte es sich auf der anderen zu gewollt cool dar mit Begriffen wie «sexistischer Kackscheisse». Überhaupt wurde das Wort «Kackscheisse» oft verwendet und das wäre schlicht nicht nötig gewesen. Es mag sein, dass gewisse Menschen so sprechen, lesen möchte ich das nicht zwingend.

Persönlicher Bezug

«Formen der Ungerechtigkeit und Ungleichheit können also nicht im Vakuum beobachtet oder einzeln bekämpft werden, sondern vielmehr in ihrem Zusammenspiel. Wir können nicht erst Sexismus, dann Rassismus und am Schluss noch Kapitalismus bekämpfen. Um wirkungsvoll zu sein, müssen wir die ismen in Interaktion wahrnehmen und angehen.»

Es gibt viel zu tun, packen wir es an – so oder ähnlich könnte man alles zusammenfassen. Zwar blickt die Frauenbewegung auf eine lange Zeit zurück, doch noch immer sind wir weit davon entfernt, eine Gesellschaft ohne Unterdrückung zu haben. Frausein ist dabei nicht das einzige Kriterium für Unterdrückung, auch die Hautfarbe, Religion, sexuelle Ausrichtung und vieles mehr tragen dazu bei, diskriminiert zu werden – in Kombination der nicht als Norm gesetzten Varianten exponentiell.

Gerechtigkeit war mir immer ein Anliegen, es gab Zeiten, in denen ich lieber schwieg, weil ich die Konfrontation fürchtete oder aber zu wenig Kraft dazu hatte. Das soll wieder ändern, denn ich bin des Zusehens müde. Als schreibender Mensch ist meine Tat der Wahl immer das geschriebene Wort. Wenn jeder seine Fähigkeiten einsetzen würde, könnte gemeinsam viel erreicht werden. Das wünsche ich mir. Dafür sind solche Bücher wichtig, denn sie helfen, zu verstehen, worum es geht.

Fazit
Ein informatives, sachliches Buch über Feminismus, was er bedeutet, was er will und wieso er wichtig ist. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Hilkje Charlotte Hänel, geboren 1987, hat ihr Psychologiestudium nach nur 14 Tagen abgebrochen und stattdessen begonnen, Texte fürs Theater zu schreiben. Später hat sie Englische Literatur und Philosophie in Göttingen, Berlin, Sheffield und Boston studiert. Heute lebt sie als feministische Philosophin und Schriftstellerin in Berlin.

Angaben zum Buch
Herausgeber: C.H.Beck; 1. Edition (18. März 2021)
Taschenbuch: 192 Seiten
ISBN-Nr.: ‎ 978-3406741814

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Rebecca Solnit: Unziemliches Verhalten: Wie ich Feministin wurde

Inhalt

«Ich fühlte mich eingeengt, gejagt. Wieder und wieder wurden Frauen und Mädchen angegriffen, und zwar nicht wegen irgendwas, was sie getan hätten, sondern weil sie gerade zur Stelle gewesen waren…sondern dafür, was sie waren. Was wir waren. Tatsächlich allerdings deshalb, weil er war, was er war: ein Mann, der das Verlangen und, wie er meinte, auch das Recht hatte, Frauen etwas anzutun.»

Aufgewachsen in einem gewaltsamen Umfeld, ist Gewalt an Frauen für Rebecca Solnit an der Tagesordnung in der Umgebung, in welcher sie später lebt. Alles, was sie über Übergriffe an Frauen liest, könnte auch ihr passieren. Frauen haben weniger Rechte, sind schutzlos, müssen sich einschränken, um nicht zum Opfer zu werden und werden, wenn sie es werden, nicht ernst genommen. Nichts davon wird hinterfragt, es wird hingenommen in einer Gesellschaft, die diese Mechanismen seit Jahren und Jahrzehnten so vervollkommnet hat. So kann es nicht weiter gehen.

Als junge Frau findet sie ihre Stimme, schafft sich Raum zum Denken, zum Schreiben, um Aufmerksamkeit zu erlangen für das, was vorher im Verborgenen stattfand: Unterdrückung und Unrecht.

«Unziemliches Verhalten» ist ein eindrücklicher Bericht über eine Frau, die nicht länger hinnehmen wollte, was nicht sein darf.

Weitere Betrachtungen

«Sexuelle Belästigung ist der männliche performative Akt schlechthin, die Handlung, durch die ein Mann sein Objekt nicht nur davon überzeugen will, dass er die Macht hat – was stimmt –, sondern auch, dass seine Macht und seine Sexualität ein und dasselbe sind.»

Die männliche Machtstellung innerhalb der Gesellschaft ist über Jahrzehnte gewachsen, die Marginalisierung der Frau hat also System. Ein solches zeigt sich auf verschiedenen Ebenen des Lebens, unter anderem auch in der Sexualität, in welcher einer Rechte hat, der (die) andere quasi in der Pflicht steht. Dem Mann steht es nach dieser Logik zu, sich zu nehmen, was er will, während die Frau dieses geben muss.

«Sie waren Kultur: bestimmte Personen und ein System, das ihnen freie Hand liess, wegschaute, erotisierte, entschuldigte, ignorierte, abtat und trivialisierte. Diese Kultur und somit die Verhältnisse zu verändern schien mir die einzig angemessene Reaktion. Und das sehe ich noch genauso. »

Es hängt von der Stellung im System ab, wie sicher man in diesem leben kann, davon, zu welchem Geschlecht, zu welcher ethnischen Kultur man gehört, welche sexuelle Orientierung man hat. Dieses System zu ändern sollte das Ziel sein. Aber es gibt auch etwas bei sich selber, das man ändern kann, das man entwickeln kann, um diesem System und den Übergriffen, die in diesem passieren, entgegenzustehen:

«Vertrauen in dich selbst und deine Rechte, Vertrauen in deine Version, deine Wahrheit, deine Reaktionen und Bedürfnisse. Vertrauen darauf, dass da, wo du stehst, dein Platz ist. Vertrauen darauf, dass du wichtig bist.»

In einer Gesellschaft, in welcher man durch das eigene Geschlecht benachteiligt ist, in welcher einem weniger geglaubt wird, weil man eine Frau ist, in der man weniger Rechte und Möglichkeiten hat, ist es wichtig, an sich selber zu glauben und sich nicht in die untergebene Rolle zu fügen. Nur wenn man als einzelne Frau und als Frauen zusammen hinsteht und den eigenen Platz behauptet, sich dafür einsetzt, dass dieser nicht unter dem des Mannes ist, sondern diesem gleichwertig, gibt es eine Chance auf eine Veränderung der Lebensumstände hin zu einer Welt, in welcher Frauen und Männer als gleichwertige Menschen leben können.

Persönlicher Bezug

«Unsere Glaubwürdigkeit hängt nicht zuletzt davon ab, welches Bild von uns in der Gesellschaft vorherrscht, und es hat sich wieder und wieder gezeigt, dass eine Frau, mag sie objektiv gesehen auch noch so glaubwürdig und ihre Aussage durch Zeug*innen, Beweise und unser Wissen um hinlänglich dokumentierte Verhaltensmuster geschützt sein, bei all jenen, die Männer und ihre Privilegien schützen wollen, keinen Glauben finden wird. Im Patriarchat rechtfertigt die Definition der Frau per se schon ihre Ungleichbehandlung, und das betrifft auch ihre Glaubwürdigkeit.»

Beim Lesen dieses Buches ist mir einmal mehr bewusst geworden, womit ich als Frau oft lebe, ohne es wirklich zuordnen zu können, nur mit der leisen Ahnung, dass etwas daran nicht in Ordnung ist. Wie oft wird mir weniger Glauben geschenkt, wenn ich etwas wusste. Dinge, sogar aus meinem Fachgebiet, mit welchem sich der andere – wie er selber zugibt – noch wenig auseinandergesetzt hat, werden automatisch in Zweifel gezogen, man(n) muss sie nochmals nachprüfen. Wie oft, wenn ich es anspreche, werde ich obendrauf belächelt, weil der Mechanismus wohl so tief sitzt, dass er dem, der ihn lebt, wohl selber nicht auffällt. Und genau da liegt das Problem:

Es ist so viel so tief in unseren Köpfen verankert, dass wir ein eigentlich krankes System, welches verschiedene Gruppen (es sind ja nicht nur Frauen, es sind auch Schwarze, Behinderte, Homosexuelle und mehr) aufgrund verschiedener Kriterien unterdrückt und ausschliesst, nicht mehr als solches erkennen, dass wir unseren eigenen Beitrag dazu nicht wahrnehmen. Es gilt, hier mehr Bewusstsein zu schaffen, den Finger drauf zu halten und dafür einzustehen, dass sich etwas ändert. Nur so können wir den Weg hin zu einer gerechteren Welt gehen.

Fazit
Ein eindrückliches, persönliches und doch auch sachliches Buch darüber, was es heisst, in einem patriarchalischen System Frau zu sein, über die aus diesem Frausein entstehenden Missstände, und die Notwendigkeit, diese anzugehen für eine gerechtere und gleichberechtigtere Welt. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Rebecca Solnit, Jahrgang 1961, ist eine der bedeutendsten Essayistinnen und Aktivistinnen der USA. Sie ist Herausgeberin des Magazins Harper’s und schreibt regelmäßig Kolumnen für den Guardian. Für ihre Werke erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Bei Hoffmann und Campe erschienen unter anderem ihre Bände Wenn Männer mir die Welt erklären (2015) und Die Dinge beim Namen nennen (2019). Rebecca Solnit lebt in San Francisco.

Angaben zum Buch
Herausgeber: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH; 1. Edition (1. September 2021)
Taschenbuch: 272 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3455009521

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Jahresrückblick in Büchern – meine Highlights

Ein Jahresübergang bietet sich immer an, zurückzuschauen auf das, was war. Bücher haben in meinem Leben natürlich eine grosse Rolle gespielt. Es war ein sehr abwechslungsreiches Jahr, das einer Reise glich. Ich startete sehr intensiv mit Lyrik, konzentrierte mich dann bald auf die dichtenden Frauen – und auf Rilke. Es folgte eine Zeit, die hauptsächlich Ingeborg Bachmann gewidmet war, ich las ihre Gedichte, Biographien, Kurzgeschichten – und ich war fasziniert von dieser Frau, mit der ich doch in verschiedenen Punkten Parallelen zu haben schien.

Dann verschob sich der Fokus langsam hin zu Romanen, erst noch bunt gemischt, dann immer mehr darauf blickend, wer das Buch geschrieben hat. Ich kann nicht mal sagen, woher diese Ausrichtung kam. Es kamen verschiedene literaturtheoretische Bücher dazu und dann bewegte ich mich weiter auf meiner Reise, der Feminismus kam in den Fokus und er hat mich gepackt – mit allen Themen, ohne die er kaum zu denken ist: Sexismus, Rassismus, Patriarchat, Klasse – Intersektionalität also. Da bin ich noch, die Reise führte mich also hin (oder zurück, wie man es auch sehen könnte) zur Philosophie, daneben auch mit einer Faszination für Soziologie (und einem kleinen Bedauern, das damals nicht studiert zu haben – bleibt das Selbststudium, das mir sowieso am meisten liegt).

Zu meinen Lesehighlights, dies ohne den Anspruch, dass es wirklich die besten Bücher waren, aber es sind die, welche mir spontan im Sinn waren, als ich danach suchte:

  • Rainer Maria Rilke: Gesammelte Gedichte – Rilke ist wohl mein Lieblingsdichter, wenn man eine Rangliste machen wollte. Ich habe im Frühjahr dieses ganze Buch durchgearbeitet, habe mich mit der Interpretation einzelner Gedichte und deren Verbindung zum Leben Rilkes beschäftigt. Eine sehr spannende Zeit.
  • Mascha Kaléko: Mein Lied geht weiter – ich liebe diese Lyrikerin für ihre Melancholie, ihren versteckten und teilweise auch offensichtlichen Witz.
  • Edgar Rai: Ascona – einer der ersten Romane, mit denen ich in die nächste Phase stieg. Edgar Rai ist eine packende Romanbiographie über Erich Maria Remarque gelungen, die von der ersten bis zur letzten Seite spannend zu lesen ist und Lust auf Remarque macht.
  • Erich Maria Remarque: Drei Kameraden – das war dann das Resultat, für mich eine Entdeckung, da ich zwar den Namen kannte, aber noch nie etwas von ihm gelesen hatte. Diese Geschichte über drei Freunde und eine Liebe hat er in Edgar Rays Roman geschrieben – ein grossartiges Buch mit sehr viel Witz, Tiefe und Zeitkolorit.
  • Kate Kirkpatrick: Simone de Beauvoir – ein fundierter Einblick in Leben und Werk einer inspirierenden Frau, die mich ziemlich in ihren Bann zog, ich las viel von ihr und über sie danach, auch Alois Prinz’ Biographie, die ich ebenfalls empfehlen kann.
  • Franziska Schutzbach: Die Erschöpfung der Frau – ein wichtiger Einblick in die Situation der Frau in der heutigen Gesellschaft, ihre Kämpfe, ihre Rollen, ihre Erschöpfung, die daraus resultiert. Ein deutliches Bild, dass wir noch nicht erreicht haben, wonach wir schon so lange streben: Gleiche Rechte, gleiche Entlöhnung, gleiche Chancen, gleiche Sichtbarkeit, gleiche Anerkennung.
  • Nicole Seifert: Frauenliteratur – ein Blick auf die Welt der Literatur, auf die Frauen, die vergessen gingen, auf die, welche nicht berücksichtigt werden, auf die Abwertung, Ignoranz, die ungerechte Verteilung von Sichtbarkeit und Bewertung.
  • Daniel Schreiber: Allein – sehr persönliche Einblicke in ein zwiespältiges Lebensmodell, sein Ruf in der Gesellschaft und das persönliche Erleben.
  • Alice Schwarzer: Lebenslauf – durch ein Interview wurde ich auf sie aufmerksam und war in ihren Bann gezogen. Ich hatte sie vorher völlig anders, falsch eingeschätzt und lernte durch das Interview, vor allem aber auch durch dieses Buch eine grossartige Frau, die mit Mut und Leidenschaft ihren Weg ging und geht, kennen. Den zweiten Band werde ich sicher auch noch lesen (Lebenswerk).
  • Gisèle Halime: Seid unbeugsam – aufgewachsen in Tunesien merkte sie schon bald, dass für Mädchen andere Regeln gelten als für Jungen. Da sie das nicht wollte, begehrte sie auf – mit Erfolg. Sie ging ihren Weg gegen alle Widerstände: Eine beeindruckende Frau, die dafür kämpfte, als Frau Rechte zu haben – für sich und für andere.

Ich freue mich auf mein Lese-Jahr 2022, viele Bücher liegen schon bereit, die thematische Ausrichtung wird da ansetzen, wo das Jahr 2021 aufhörte: Die Gesellschaft und die darin vorherrschenden Verteilungen, Intersektionalität, (soziale) Gerechtigkeit – und sicher werden auch der eine oder andere Roman und ein paar Gedichte Platz finden. Ich hoffe, ihr begleitet mich weiter durchs 2022.

Was waren eure Buchhighlights?





Juliane Frisse: Feminismus

Inhalt

«Feminismus (von lateinisch ‘femina für Frau):
umfasst als Oberbegriff alle politischen, geistigen, gesellschaftlichen und akademischen Strömungen, die sich kritisch mit Geschlechterordnungen auseinandersetzen und die für die Gleichberechtigung der Frau sowie gegen Feminismus eintreten.»

Zwar würde ich die Definition etwas anders schreiben, den Begriff «Frau» durch einen weiteren, die ganze Menschheit in all ihren Ausprägungen inkludieren wollen, aber er bringt doch gut zur Geltung, worum es geht – in diesem Buch und beim Feminismus.

Juliane Frisse hat eine gut verständliche und leicht lesbare, dabei trotzdem fundierte und aufschlussreiche Einführung in ein noch heute aktuelles Thema geschrieben. Neben der Klärung einschlägiger Begriffe stellt sie Feministinnen und Frauenrechtlerinnen vor, richtet den Blick auf die einzelnen Geschlechter und die jeweiligen Zuschreibungen, aus welchen (unter anderem) Rechte, Pflichten und Stellung resultieren und richtet den Blick auf verschiedene Themen im privaten wie öffentlichen Leben: Quoten, Liebe und Sexualität, Gewalt, und mehr.

Das Buch richtet sich an ein jugendliches Zielpublikum, ist aber auch für Erwachsene durchaus ein Gewinn.

Weitere Betrachtungen

«Denn dass unsere und andere Kulturen zwischen verschiedenen Geschlechtern unterscheiden – oft zwischen genau zwei Geschlechtern, Männern und Frauen -, beeinflusst viele Dinge: wie wir als Menschen leben, wie wir handeln, wer Macht hat und wer nicht.»

Der Begriff ‘Feminismus’ legt es nahe, dass es dabei um die Frau geht. Ihre Anliegen sollen behandelt werden, Missstände in der Gesellschaft, die sie betreffen, beseitigt werden. Dabei ist, auch darauf weist das Buch gut hin, zu sagen, dass es nicht nur einen Feminismus gibt, sondern deren viele. Sie unterscheiden sich in der Ausgangslage, indem sie Geschlechterzuschreibungen anders sehen, und auch im Hinblick auf die Ziele und die Methoden, die zu erreichen. Nun ist aber das biologische Geschlecht nicht der einzige Grund, weswegen es zu Diskriminierungen kommen kann, es ist darf folgendes nicht vergessen werden

«…, dass Menschen aus vielen Gründen Benachteiligung erfahren, nicht nur wegen ihres Geschlechts, sondern beispielsweise auch wegen ihrer Staatsangehörigkeit, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Religion. »

Auch mit der Intersektionalität, der Begriff für die Betrachtung verschiedener Gründe für Diskriminierung, befasst sich das Buch. Daneben werden Begriffe wie Patriarchat, Bodyshaming, Rape Culture, Queer und einige mehr ausführlich behandelt und in einem Glossar am Schluss des Buches nochmals kurz definiert. Die verwendeten Quellen werden im Anhang aufgeführt und bieten so die Möglichkeit der Überprüfung oder auch der vertiefenden Lektüre. Ein wirklich informatives Buch für eine solide Einführung in ein aktuelles und wichtiges Thema.

Persönlicher Bezug

«Feminismus ist die radikale Auffassung, dass Frauen Menschen sind.»

Was so offensichtlich klingt, ist es in Tat und Wahrheit nicht und vor allem noch nicht lange. War früher in Büchern vom Menschen die Rede, waren Männer gemeint, meist wurde sogar das noch mehr eingegrenzt und es waren nur freie und weisse impliziert. Es gab zu allen Zeiten Frauen, die sich dagegen auflehnten, manchmal konnten sich einzelne auch durchsetzen, doch in der Gesellschaft verfestigte sich nach und nach eine Struktur der männlichen Dominanz, die sich in alle Bereiche des täglichen Lebens ausbreitete. Das zu ändern ist das Hauptanliegen des Feminismus: Eine Gesellschaft aus gleichwertigen und gleich freien Menschen zu schaffen, denen die gleichen Chancen und Möglichkeiten offenstehen, sich ihr Leben einzurichten und zu leben – unabhängig vom Geschlecht, von der Hautfarbe, Herkunft, Religion oder sonstigen individuellen oder auch kollektiven Zuschreibungen. 

Ich habe lange nicht gemerkt, wie sehr mich das Thema betrifft – auf persönlicher wie auch auf sachlicher Ebene. War Gerechtigkeit schon immer ein Thema, das mir am Herzen lag (im Leben und in der Forschung), so habe ich Missstände unserer Gesellschaft am eigenen Leib erfahren müssen durch die Jahre hindurch. Ich bereue, mich dem Thema nicht früher angenommen zu haben, denke aber: Besser jetzt als nie!

Fazit
Eine Einführung ein immer noch aktuelles Thema, gut lesbar, informativ und aufschlussreich. Nicht nur für junge Menschen. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Juliane Frisse hat in Berlin Soziologie und Politikwissenschaft studiert und wurde an der Deutschen Journalistenschule in München ausgebildet. Seit September 2017 ist sie Redakteurin bei ZEIT ONLINE. Davor hat sie beim Bayerischen Rundfunk, bei jetzt.de und beim DUMMY VERLAG gearbeitet, zuletzt als redaktionelle Leitung für fluter.de. Für ein Radiofeature über das Frauenbild im Film wurde sie mit dem Juliane Bartel Medienpreis ausgezeichnet.

Angaben zum Buch
Herausgeber: Carlsen; 4. Edition (22. März 2019)
Taschenbuch: 208 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3551317445

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Julian Barnes: Vom Ende einer Geschichte

Was kann man vom eigenen Leben wissen?

„Das letzte Bild habe ich nicht wirklich gesehen, aber am Ende ist das, was man in Erinnerung behält, nicht immer dasselbe wie das, was man beobachtet hat“.

Tony Webster denkt über sein Leben nach, reist in der Zeit zurück bis zu seiner Schulzeit, der Zeit, in der Adrian Fynn in seine Klasse gekommen ist und sich ihm und seinen beiden Freunden anschloss, aus dem Dreier- in Vierergespann machte. Oder haben sich die drei Adrian angeschlossen? Wer war Ziehender, wer Gezogener? Die Geschichte scheint nicht so eindeutig, wie man sie gerne hätte. So oder so veränderte sich mit Adrian vieles im Leben der Jugendlichen.

„Natürlich waren wir prätentiös – wozu ist Jugend sonst da?“

Neben der Ausbildung, den Auseinandersetzungen mit Geschichte

„Geschichte ist ein Sandwich mit rohen Zwiebeln, Sir. […] Sie stösst einem immer wieder auf, Sir. Sie rülpst.“

Literatur und vielem mehr, was den Weg Jugendlicher säumt, spielen Sex und mögliche und unmögliche Beziehungen eine grosse Rolle im Leben der drei.

„Gewöhnlich verspricht die erste Liebe, selbst wenn sie nicht gut ausgeht – vielleicht gerade wenn sie nicht gut ausgeht -, dass wir nun endlich wüssten, was das Leben lebenswert macht und rechtfertigt.“

Nach der Schule trennen sich ihre Wege, bis eines Tages die Nachricht von Adrians Selbstmord die ehemaligen Freunde ereilt und neue Fragen aufwirft. Allen voran immer wieder die nach der eigenen Erinnerung, nach dem, was man eigentlich vom eigenen Leben weiss und wissen kann.

Auf sehr engem Raum entwickelt Julian Barnes eine tiefgründige Geschichte, die nachdenken lässt, mehr Fragen als Antworten liefert und Abgründe menschlichen Seins und Tuns offen legt. Ein packendes Buch, ein tiefes Buch, eines, das man schnell lesen möchte und dabei doch immer wieder innehält, in Gedanken versinkt, weiter liest und am Schluss ergriffen ist, weil die Geschichte nach der letzten Seite noch nicht zu Ende ist – zumindest nicht die eigene Auseinandersetzung damit.

Dazu passt ein Zitat von Max Frisch:

„Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält, oder ein ganze Reihe von Geschichten.“

Fazit:
Nachdenklich, dicht, sprachlich und inhaltlich packend. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Julian Barnes
Julian Barnes, 1946 geboren, arbeitete nach dem Studium moderner Sprachen als Lexikograph, dann als Journalist. Von Barnes, der zahlreiche internationale Preise erhielt, zuletzt den David-Cohen-Prize, liegt ein umfangreiches erzählerisches und essayistisches Werk vor, darunter die Romane „Flauberts Papagei,“ „Eine Geschichte der Welt in 10 ½ Kapiteln“ und „Darüber reden“. Julian Barnes lebt in London. Gertraude Krueger, 1949 geboren, lebt als Dozentin und freie Übersetzerin in Berlin. Zu ihren Übersetzungen gehören u.a. Sketche der Monty-Python-Truppe und Werke von Julian Barnes, Alice Walker, Siri Hustvedt, Jhumpa Lahiri und E.L. Doctorow.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & WitschVerlag (1. Dezember 2011)
ISBN-Nr.: 978-3462044331
Preis: EUR  18.99 / CHF 29.90

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Jasmina Kuhnke: Schwarzes Herz

Inhalt

«Schleichend verfestigte sich ein Selbstbild, gegen das ich nicht ankam, weil ich den Zuschreibungen von aussen nichts mehr entgegensetzen konnte. Ein Selbstbild, das nicht nur sagte: Ich kann nichts, sondern auch: Ich bin nichts.»

Am Rande des Ruhrgebiets wächst Anfang der neunziger Jahre ein Mädchen auf. Es ist eine Kindheit, wie man sie keinem Kind wünscht: Ein gewalttätiger Stiefvater, Ausgrenzungen in der Schule und Alltagsrassismus prägen ihr Leben. Während sie heranwächst, fühlt sie sich immer kleiner, rechnet immer und überall mit Gefahren. Als sich plötzlich ein Mann ernsthaft für sie interessiert, übersieht sie die Alarmzeichen, begibt sich in eine Beziehung, die bald zum Gefängnis wird. Und wieder prägen Gewalt und Herabsetzungen ihren Alltag. Sie weiss nur eines: Sie muss einen Ausweg finden, denn sonst wird sie das alles nicht überleben.

Weitere Betrachtungen

«Meine Oma, mein Onkel und meine Tante, mein Cousin und meine Cousine, wir hatten ein gutes Verhältnis zueinander. Wenn sie mir das Gefühl gaben, anders zu sein, dann nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil sie es nicht besser wussten. Oft war ihr Vergalten eine Strategie, um mit den eigenen Kränkungen umzugehen, die das Leben bereithielt.»

Jasmina Kuhnke erzählt einerseits eine Geschichte, andererseits deutet sie auf gesellschaftliche Strukturen. Sie zeigt auf, wie Menschen mit anderen Menschen umgehen, wenn die nicht ihrer Norm entsprechen. Die Schwarze Hautfarbe ist dabei ein deutlich sichtbares Zeichen für eine Abweichung derselben, der Umgang damit vielfältig, im besten Falle gut gemeint oder schlecht durchdacht, im schlimmsten Fall ausgeprägter und verachtender Rassismus. Während der zweite offensichtlich ist, sind es die anderen Formen nicht. Das macht sie umso gefährlicher, weil sie unter der Oberfläche ein Milieu bereiten, auf welchem der Rest wachsen kann.

«Das Gefühl, richtig zu sein, wie ich war, ist mir schon als Kind abhanden gekommen. Als Teenagerin richtete ich mich nur darin ein, falsch im Leben zu sein.»

Wenn man von klein auf spürt, dass man anders ist, richtet das etwas mit einem an: Sich nicht dazugehörig zu fühlen gibt das Gefühl der Einsamkeit, des Alleingelassenseins in einer Welt, in welcher die anderen nicht nur zusammenstehen, sondern sich als solche Gemeinschaft auch noch gegen einen richten. Es ist schwer, wenn nicht fast unmöglich, in einem solchen Umfeld ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen, das hilft, das Unrecht, das einem widerfährt, tatkräftig zu bekämpfen. Einerseits ist die Angst, alles noch schlimmer zu machen, wohl gross, andererseits herrscht wohl auch das Gefühl vor, dass einem das nicht zusteht.

Jasmina Kuhnke ist ein eindringliches Buch gelungen, ein Buch, das berührt, erschüttert, aufrüttelt. Es ist ein Buch, das aufzeigt, was man in einem Leben als weisser Mensch nicht mal erahnen kann. Es ist dem Buch und der Menschheit zu wünschen, dass sich viele davon bewegen lassen, genauer hinzuschauen und Teil einer Veränderung werden zu wollen.

Beim Lesen des Buches passierte es leicht, die Protagonistin mit der Autorin gleichzusetzen. Zwar weiss man als professioneller Leser, dass man dies nicht tun sollte, selbst wenn die Geschichte in der Ich-Form erzählt wird, und doch fiel die Trennung bei dem Buch schwer. Und da liegt ein mögliches Problem: Die Geschichte ist in gewissen Details sehr extrem, weit weg von dem, was wohl viele der Leser selbst erfahren haben. Ist das Buch wirklich «nur» Roman, stellt sich die Frage, was Übertreibung, was wirkliche Realität ist. Das ist bei anderen Büchern unproblematischer, bei der Behandlung eines so aktuellen und brennenden Themas stellen sich mehr Fragen.

Die verwendete Sprache ist wenig literarisch, sondern oft sehr hart und teilweise vulgär. Das mag vor allem am Anfang durchaus zum Inhalt und dem sozialen Milieu der Geschichte passen, wirkt manchmal aber als zuviel und erscheint gegen den Schluss mit der Entwicklung der Protagonistin immer unpassender. Man hätte erwartet, dass sich die Sprache an die Entwicklung anpasst. Störend wirkten sehr viele Wiederholungen. Ein Lektorat hätte diese streichen müssen, um den Erzählfluss weniger zu stören.

Persönlicher Bezug

«Ohne den Druck, sich Gedanken darüber zu machen, was die Gesellschaft von mir hält, war ich frei. Sie hat mich eh nie als vollwertiges Mitglied betrachtet. Nun gibt es keine Zwänge mehr. Keine Anspruchshaltung oder die Angst vor Verurteilung. ich weiss, es liegt nicht in meiner Hand, ob man mich respektiert. Ich muss anfangen, mich selbst zu respektieren, und mein Selbstwertgefühl nicht weiter von aussen bestimmen zu lassen.»

Sätze wie dieser machen das Buch für mich zu einer Entdeckung. Nicht dass die Botschaft neu wäre, nur wirkt sie im Kontext dieser Geschichte nochmals deutlicher. Ich kenne von mir selbst das Gefühl (wenn auch zum Glück aus anderen Gründen und mit weniger dramatischen Auswirkungen), nicht dazuzugehören, in meinem Sein und Denken und Tun nicht der sich als normal setzenden Gesellschaftsmehrheit zu entsprechen. Auch ich habe schon gelitten unter Unverständnis, Spott, Ablehnung oder zumindest Ignoranz. Zu sehen, wie ein Mensch nach so vielen Rückschlägen, Tiefpunkten auf- und hinsteht, ist beeindruckend und macht Mut.

Fazit
Rassismus und soziale Ungerechtigkeit – wichtige Themen erzählt in der eindrücklichen und bedrückenden Geschichte einer Frau, die gegen Gewalt und Diskriminierung kämpfen und ihren Platz in einer ihr feindlich gesinnten Welt finden muss. Empfehlenswert!

Autorin
Jasmina Kuhnke wurde 1982 in Hagen geboren. Sie arbeitet als TV-Autorin und Kolumnistin für ein Satire Magazin. Jasmina lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Köln. Sie engagiert sich in der Öffentlichkeit unter ihrem Künstlernamen Quattromilf – „Mom I´d like to follow“ gegen Rassismus und Diskriminierung.

Angaben zum Buch
Herausgeber: Rowohlt Buchverlag; 3. Edition (19. Oktober 2021)
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3498002541

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Vladimir Nabokov: Die Kunst des Lesens

Wer liest, sollte liebevoll auf Einzelheiten achten. Gegen den Mondschein der Verallgemeinerung ist nichts einzuwenden, vorausgesetzt, er zeigt sich, nachdem die sonnigen Kleinigkeiten des Buchs liebevoll zusammengetragen wurden. Wer mit einer fertigen Verallgemeinerung an ein Buch herangeht, beginnt am falschen Ende und bewegt sich von ihm fort, bevor er angefangen hat, es zu verstehen.

Literatur lesen bedeutet für Nabokov, mit Liebe an ein Werk heranzugehen und zuerst unbedarft und ohne Erwartungen aufzunehmen, was das Buch einem bietet. Nur so sei es möglich, die neuen Welten, die in einem Werk drin stecken, zu erfassen, sie zu erleben. Jede vorgefasste Meinung über ein Buch und Erwartung daraus stellt nach Nabokov einerseits eine Ungerechtigkeit dem Autor gegenüber dar und nimmt einem andererseits die wahre Freude an dem Buch, weil man sie so nie auf das Buch selber einlässt.

Wir sollten immer daran denken, dass mit jedem Kunstwerk, ausnahmslos, eine neue Welt erschaffen wird und diese stets als erstes so gründlich wie möglich erforschen, uns ihr als etwas völlig Neuem nähern, als einer Sache, die keine offensichtliche Verbindung mit den uns bereits bekannten Welten hat.

Romane sind so gesehen immer Märchen, sie stellen nie die Wirklichkeit dar, sondern sind erfundene Geschichten in erfundenen Welten. Dabei liefert immer die Realität den Rohstoff, aus denen man die Kunst schafft, die uns am Schluss als Roman entgegen tritt. Um dies zu erfassen, muss auch der Leser Eigenschaften mitbringen, die es ihm möglich machen, so zu lesen, dass sich die neuen Welten eröffnen.

Selbstverständlich ist ein guter Leser, wie Sie es sich schon gedacht haben, jemand, der über Vorstellungskraft, ein Gedächtnis, ein Wörterbuch und eine gewisse künstlerische Einfühlungsgabe verfügt.

Nachdem Vladimir Nabokov diese Grundzüge des Lesens und Lesers geklärt hat, geht er über, grosse Werke der europäischen Literatur auf diese Weise zu durchleuchten. Er zeigt, wie in Jane Austens Mansfield Park die einzelnen Personen eingeführt werden, wie man nach und nach in die Welt eintaucht, die Jane Austen zeichnet. Er analysiert den Aufbau, die Einleitungen von Szenen, die Darstellung von Gefühlen, die Beschreibung von Situationen, weist auf Austens Stilmittel hin. Neben aller wohlwollenden Liebe zu dem Werk zeigt er auch auf dessen Schwachstellen, die sich besonders am Schluss zeigen, indem er der Autorin einen gewissen Überdruss am eigenen Werk zuschreibt, welchen er an der zerfasernden Struktur desselben festmacht.

Als nächstes Wendet sich Nabokov Dickens zu, setzt das Leseerlebnis bildlich von dessen Bleakhaus in Beziehung zu dem des Mansfield Parks. Wieder sticht er in die Tiefe des Werkes, beleuchtet die Kernmotive, analysiert sie und zeigt ihren Gang durch den Roman. Er beleuchtet die Beziehungen der Figuren untereinander, zeigt, wie diese lebendig wirken und geht auf so manches Detail der Dickenschen Romanschreibung ein. Ebenso verfährt er mit Flauberts Madame Bovary, Stevensons Dr. Jeckyll und Mr. Hyde und Kafkas Verwandlung.

Doch wieso soll man überhaupt lesen, vor allem in Anbetracht der Umstände, die das reale Leben mit sich bringen? Lesen wird, so Nabokov, nicht helfen, das Leben zu meistern oder mit seinen Umständen besser zurecht zu kommen. Es kann aber, wenn es auf die richtige Weise und mit Liebe zum Kunstwerk geschieht, ein gutes Gefühl und eine Befriedigung über einen bringen, so dass es im Leben nicht nur Widrigkeiten, sondern auch Vollkommenheit und Inspiration gibt.

In einem zweiten Teil wendet sich Vladimir Nabokov Meisterwerken der russischen Literatur zu, er spricht über Gogols Der Mantel, Tolstois Anna Karenina und Tschechows Die Dame mit dem Hündchen. Auch ein Kapitel über Dostojewski findet sich, zu dem er sich eine eigentümliche und schwierige Haltung attestiert. Er sieht in schwanken zwischen brillantem Humor und literarischen Plattheiten. Dass Nabokovs Verhältnis zur Literatur Dostojewskis gespalten ist, zieht sich durch den ganzen Text, der sich stark auf die Schwächen des Schreibens konzentriert und diese auch gut belegt. Trotz alledem hat er ihn seine Auswahl der russischen Meisterwerke aufgenommen, dies wohl eher wegen der begeisterten Rezeption als wegen des in seinen Augen mangelhaften literarischen Werts.

Aus Nabokov spricht eine grosse Liebe zur und Kenntnis der Literatur. Diese Liebe geht beim Lesen dieses Werkes auf einen über, man möchte hingehen und alle vorgestellten Bücher nochmals lesen, sie noch genauer lesen.

Fazit:
Ein wunderbares Buch über die Liebe zum Lesen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Vladimir Nabokov
Vladimir Nabokov wurde am 22. April 1899 in St. Petersburg als Kind einer russischen Adelsfamilie geboren. Er kam wegen seines westlich orientierten Vaters schon als Kind in Kontakt mit der Weltliteratur, sprach französisch und englisch. Bereits mit 17 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband.   Das politische Engagement des Vaters bringt diesem verschiedene Inhaftierungen und führt schliesslich zur Flucht nach London. Nabokov studiert an der Universität Cambridge Romanistik und Russische Literatur und zieht nach dem Studium nach Berlin. Er publiziert unter dem Pseudonym V. Sirin, kann aber nicht leben von der Literatur und hält sich mit Tennis- und Boxunterricht über Wasser. 1937 folgt die Emigration nach Paris, 1940 die Flucht in die USA, wo er als Kurator des zoologischen Museums an der Harvard University arbeitet und wissenschaftlich schreibt. 1948-1958 hat er eine Professur für russische und europäische Literatur an der Cornell Universität inne. 1955 erscheint sein Roman Lolita, der für Aufruhr sorgte, aber  grosse Erfolge einfuhr. Er kann in der Folge vom Schreiben leben. 1961 folgt die Übersiedlung in die Schweiz, nach Montreux, wo er 1977 stirbt. Werke Nabokovs sind unter anderem Die Mutprobe (1932), Verzweiflung (1934), Lolita (1955), Ada oder das Verlangen (1969).

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 253 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag (Juli 2010)
Übersetzung aus dem Englischen: Karl A. Klewer
ISBN: 978-3596902804
Preis: EUR  12/ CHF 17.90

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Gisèle Halimi: Seid unbeugsam!

Inhalt

«Es ist und bleibt ein Fluch, auf jeden Fall in den meisten Ländern der Erde, als Mädchen geboren zu werden. Zumindest bedeutet es weniger Chancen […] Überall auf der Welt lehnen sich unterdrückte Völker gegen ihre Unterdrücker auf, und Versklavte befreien sich. Also – warm mobilisierte die Frauenfrage nicht mehr Menschen? Worauf warten die Frauen, um sich zu erheben und laut zu sagen: ‘Es reicht!’?» .»

Schon von klein an erlebt Gisèle Halimi, dass es ein Fluch ist, als Mädchen geboren zu werden, dass man nicht die gleichen Rechte hat wie Jungen. Das will sie sich nicht gefallen lassen, weil sie es unfair findet und auch, weil sie Träume im Leben hat. Sie studiert Jura und setzt sich für die Belange von Frauen ein, aus der Überzeugung heraus, dass wir eine gerechtere Welt brauchen, eine, in welcher Frauen die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben wie Männer.

«Ich war fest entschlossen, meinen Weg zu gehen, egal, ob das gut ankam oder nicht. Mein Weg führte zunächst über diesen masslosen Wissensdurst. Und über Bücher […] Damals begriff ich, dass Bücher mir Vertrauen und Kraft gaben. Vertrauen in meine Zukunft. Kraft, um die erdrückende Last zu tragen, die es mit sich brachte, als Frau geboren zu sein. Als Mensch zweiter Klasse.»

In einem Gespräch mit Annick Cojean erzählt Gisèle Halimi von ihrem Leben. Sie erzählt, wie sich ihr (tunesischer) Vater schämte, dass sie als Mädchen auf die Welt kam, wie sie sich als Kind weigerte, ihre Brüder bedienen zu müssen, sich einer Zwangsheirat widersetzte, nach Paris zum Jurastudium ging und als eine der ersten Frauen vor Gericht stand. Sie erzählt auch von den Schwierigkeiten, die sie auf diesem Weg hatte, immer aus einem Grund: Weil sie eine Frau war.

Entstanden ist ein bewegender Blick auf ein bewegtes Leben, ein Leben, das im Dienst einer gerechteren Welt steht, das Leben einer Frau, die etwas verändern will und sich dafür einsetzt. Unermüdlich.

Weitere Betrachtungen

«Mein Geschlecht sollte auf keinen Fall meiner Sache schaden! Ich tat also alles, was ich konnte, damit man vergass, dass ich eine Frau war. Damit sie mir zuhörten. Damit sie mich ernst nahmen. Damit ich eine Chance hatte, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen, allein durch die Kraft meiner Worte und meiner Argumentation.»

Halimi beschloss, sich nicht von ihrem Frausein beirren oder gar behindern lassen zu wollen. Mit grossem Wissensdurst durchlief sie die Schule und setzte sich ein. Sie wusste, dass sie mehr leisten musste als die anderen, um bestehen zu können – und sie tat es. Sie fand Halt und Mut in Lehrern, in Büchern, und immer wieder auch in sich selber. Und sie wusste vor allem eines schon früh:

«dass ich etwas verteidigen, für etwas eintreten wollte. Gegen Ungerechtigkeit kämpfen und die Welt verändern wollte, die ich als so schlecht empfand.»

Ihr Leben war zu einem grossen Teil dem Feminismus gewidmet, dem Einsatz für einen besseren Stand der Frau in einer von Männern dominierten Welt. Dabei war sie aber nie eine Männerfeindin, eng an ihrer Seite war immer ihr Mann, der sie in ihrem Tun begleitete und unterstützte. Und viele andere Menschen, da man die Welt nie alleine verändern kann, man braucht Gleichgesinnte, man kann es nur gemeinsam schaffen. Darum auch ihr Aufruf:

«Habt keine Angst, euch Feministinnen zu nennen. Das ist ein wunderbares Wort. Der Feminismus ist ein entschlossener Kampf ohne Blutvergiessen. Eine Philosophie, die die Beziehung zwischen Männern und Frauen neu erfindet und sie endlich auf Freiheit gründet. Ein Ideal, das eine friedliche Welt in Aussicht stellt, in der das Schicksal der einzelnen Menschen nicht von ihrem Geschlecht bestimmt wird und in der die Befreiung der Frauen bedeutet, dass auch die Männer befreit werden – vom Diktat der Männlichkeit. Denn auf ihren Schultern lastet die grosse Bürde.»

Persönlicher Bezug
Diese Frau fasziniert mich in ihrer Leidenschaft für eine Sache und ihrem unbeugsamen Willen, einzustehen für ihre Werte, für ihre Überzeugung. Gerechtigkeit ist ein Antrieb, den auch ich kenne. Schon als kleines Kind war es mir eines der wichtigstes Gut, der Satz «Das ist ungerecht» fiel oft bei uns zu Hause. Im Studium konnte ich dieses Thema vertiefen, ich forschte in der Philosophie danach, was Gerechtigkeit überhaupt sein könnte, ob es sie überhaupt gibt. Das Thema liess mich nicht los. Ich hatte das Glück, für meine Dissertation ein Stipendium im Bereich «Historische Wahrheit, historische Gerechtigkeit zu erhalten». Das Thema ist leider ein wenig in den Hintergrund geraten. Nicht dass es nicht auch heute noch einer meiner wichtigsten Werte ist, aber ich setze mich (zu) wenig dafür ein. Das möchte ich auch wieder ändern. Dieses Buch hat mir Mut gemacht.

Fazit
Ein inspirierendes und packendes Buch einer grossartigen Frau, die ihr Leben unermüdlich in den Dienst der Gerechtigkeit gestellt hat und mit grossem Einsatz dafür einsteht. Sehr empfehlenswert.

Autorin und Mitwirkende
Gisèle Halimi, 1927 in Tunesien geboren und 2020 in Paris gestorben, gilt als Ikone der Frauenbewegung. Als Rechtsanwältin setzte sie sich u.a. für die Legalierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Frankreich ein. Ihr Einsatz für die algerische Freiheitskämpferin Djamila Boupacha an der Seite von Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre machte sie weltberühmt. Sie kämpfte ihr Leben lang für die Freiheit und die Rechte der Frauen.

Annick Cojean arbeitet als internationale Korrespondentin für die französische Tageszeitung Le Monde und ist eine der bekanntesten Journalistinnen Frankreichs. Sie hat bereits mehrere preisgekrönte Bücher veröffentlicht, zuletzt den Porträtband „Was uns stark macht“ (2019) über inspirierende Frauen wie Patti Smith, Virginie Despentes, Joan Baez, Aslı Erdoğan, Vanessa Redgrave u.a.

Kirsten Gleinig hat Germanistik, Kunstgeschichte und Romanistik in Göttingen und Aix-en-Provence studiert. Seit 2002 ist sie freiberuflich als Lektorin tätig sowie als Übersetzerin und Autorin mit den Schwerpunkten Belletristik, Biografien, Kunst, Frankreich und Reise.

Angaben zum Buch
Herausgeber: ‎ Aufbau; 1. Edition (15. November 2021)
Gebundene Ausgabe: 140
ISBN-Nr.: ‎ 978-3351038953

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Andrea von Treuenfeld: Erben des Holocaust

Inhalt

«Was bedeutet es für die Nachgeborenen, in dieser Atmosphäre aufzuwachsen? Wie war es, wenn Schweigen herrschte, nicht gesprochen wurde über das, was allgegenwärtig war, aber nicht benannt wurde?»

Was die Menschen im Zweiten Weltkrieg durchmachen mussten, welches Leid sie erlebt haben, ist wohl unermesslich. Dass die Überlebenden nach dem Krieg oft geschwiegen haben, hat dies noch befördert. Und doch trugen sie das Erlebte weiter, sie erzählten es den Kindern nicht, sie gaben es durch ihr Verhalten weiter, sie vererbten es sogar.

«Dennoch haben die Überlebenden ihre aus dem Holocaust resultierenden Traumata an die nächste Generation weitergegeben, was sogar festzustellen ist anhand der bei den Eltern und Kindern identischen Veränderungen bestimmter Gene.»

In diesem Buch berichten Kinder von Überlebenden darüber, wie es war, mit ihren Eltern und deren Vergangenheit aufzuwachsen und zu leben.

Weitere Betrachtungen

«Meine Eltern hatten eine grosse Last zu tragen, das spürte ich diffus. Doch ich hatte keine Ahnung, was das denn sein könnte. Sie sprachen ja nicht darüber. Deshalb feixte das Gespenst hinter dem Vorhang, und meine Jugend durchzog das Gefühl von Verlorenheit.»

Die Überlebenden des Krieges waren oft traumatisiert und sie konnten über das Erlebte nicht sprechen. Einerseits fehlten ihnen selber die Worte oder der sprachliche Ausdruck hätte es nochmals zu präsent gemacht, andererseits wollten sie auch keinen belasten. Doch gerade das taten sie mit dem Schweigen. Die daraus resultierenden Verletzungen, Prägungen und Verunsicherungen haben das Leben der nachkommenden Generation nachhaltig geprägt.

«Alles war Disziplin. Und Verdrängung. Für sie war das der absolute Weg, ich möchte das nicht verurteilen.»

Es geht in dem Buch nie um eine Verurteilung, um eine Anklage. Es sind Zeugnisse von heute erwachsenen Kindern über ihre Kindheit und das, was sie daraus nachhaltig geprägt hat.

«Natürlich bin ich geprägt durch dieses disziplinierte Durchhalte-Muster der Eltern. Ich strotze bis heute vor Selbstdisziplin […] Ich neige dazu, mich beruflich bis an alle Grenzen zu fordern.»

Obwohl jede Familie anders war, zeigte sich in allen Familien etwas Gemeinsames. Das Vergangene ist nicht einfach vorbei. Marcel Reif, Nina Ruge, Sandra Kreisler, Ilja Richter und viele andere erzählen von ihren Erfahrungen als Kinder von Überlebenden, sie berichten von der Zeit damals und ihren Empfindungen und den prägenden Folgen für ihr Weiterleben. Entstanden sind eindrückliche und persönliche Zeugnisse davon, wie Leid weitergegeben wird, wie traumatische Erlebnisse nicht einfach verschwinden, sondern noch Jahre nachwirken, oft über Generationen. Ein Grund mehr, dass die Ursachen nicht vergessen werden dürfen, in der Hoffnung, dass eine Wiederholung dadurch und daraus resultierendes Leid verhindert werden können.

Persönlicher Bezug
Ich habe im Zug meiner Forschung um den Zweiten Weltkrieg, welche eine tiefe Auseinandersetzung mit Überlebenden und deren Zeitzeugnissen beinhaltete, viel über das Leid der direkt Betroffenen erfahren. Ich habe gelesen und gehört, was sie erlebt haben, wie sie die Nachkriegszeit erfahren haben, was für sie das Weiterleben bedeutet hat. Dieses Buch hat mir nun aufgezeigt, welche Auswirkungen all das auf die nachkommende Generation hatte. Da ich sehr gerne persönliche Geschichten, Memoirs und Biografien lese, kam mir die in dem Buch gewählte Form natürlich sehr gelegen.  

Fazit
Ein wichtiges Buch, weil es hilft, nicht zu vergessen, was nie vergessen werden darf. Ein persönliches und berührendes Buch darüber, wie Traumata vererbt werden und was dies für die nachkommenden Generationen bedeutet. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Andrea von Treuenfeld hat Publizistik und Germanistik studiert und als Kolumnistin, Korrespondentin und Leitende Redakteurin u.a. bei der Welt am Sonntag gearbeitet. Heute lebt sie in Berlin und schreibt als freie Journalistin Porträts und Biografien.

Angaben zum Buch
Herausgeber: Gütersloher Verlagshaus (27. Februar 2017)
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
ISBN: 978-3579086705

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