Lesemonat April

Wieder ist ein Monat vorbei, es war lesetechnisch ein grossartiger, bereichernder, beglückender. Dass ich ihn in Spanien verbrachte, liess die Sonne nicht nur aus Büchern, sondern auch vom Himmel scheinen, was ich sehr genoss.

Ich bin diesen Monat intensiv mit Max Frisch beschäftigt gewesen, habe einige Dokumentationen und Interviews geschaut und auch zwei Biografien gelesen. Dazu fand ich auf Youtube noch eine grossartige Inszenierung von Max Frischs «Andorra», die ich euch nur ans Herz legen kann.

Müsste ich meine Lesehighlights nennen, wären natürlich alle Bücher von und zu Max Frisch dabei, ich beschränke mich auf eines und so wären es dann die vier:

Ich tauchte mit Judith Hermann in ihr Schreiben und Leben ein, wir pendelten zwischen Traum und Wirklichkeit und waren uns nie ganz im Klaren, was nun wozu gehörte. 

Ich las bei Claire Keegan vom Leben eines Mädchens in einem Umfeld, in dem es an Liebe und eigentlich auch allem anderen fehlt, und das in einem neuen Umfeld erst lernen muss, dass es Liebe, Vertrauen und Zuwendung gibt und es diese auch geniessen darf. 

Ich lebte bei Martin Suter mit Tom und Dr. Stotz in dessen Villa und saugte die Geschichten über Melody, die verschollene Liebe von Dr. Stotz auf. Immer schwebte die Frage über uns allen: Was geschah mit Melody?

Ich pendelte mit Max Frisch zwischen Technik und Liebe hin und her, reiste mit Homo Faber nach Südamerika und Italien, um schliesslich in Griechenland zu landen, wo ein Kreis sich schloss. 

Ich beschäftigte mit Themen Schreiben, Wahrheit und Illusion, Identität und Zuschreibung, Schuld, Liebe und vielen mehr. Und ich freue mich auf einen neuen Lesemonat. 

Was waren eure Lesehighlights im April?

Hier die vollständige Liste:

Judith Hermann: Wir hätten uns alles gesagtEine Geschichte vom Schreiben und vom Leben und von der Verwebung von beidem. Eine Geschichte, die zwischen Traum und Wirklichkeit pendelt, nie ganz klar offenbarend, was wozu gehört. Eine Geschichte, die eigentlich keine ist, sondern ein Schreibfluss der Erinnerungen und der versuchten Einordnung derselben. Wir hätten uns alles gesagt – und irgendwie doch alles verschwiegen. 4
Claire Keegan: Das dritte LichtEin kleines Mädchen wird bei Verwandten abgeladen, weil die Mutter wieder schwanger und so ein Maul weniger zu stopfen ist. Plötzlich findet sich das Kind in einer Umgebung voller Liebe und Leichtigkeit, kann sich kaum drauf einlassen, weil klar ist: Irgendwann muss sie zurück. Ein Buch voller Wärme und Poesie. 5
Ingeborg Gleichauf: Jetzt nicht die Wut verlieren. Max Frisch – eine BiografieEin sehr literarisches, informatives, persönliches Porträt eines Schriftstellers und Menschen mit kurzen Analysen der wichtigsten Werken.5
Daniel Glattauer: Die spürst du nichtEine Sozialstudie in Romanform, bei der ein Flüchtlingsmädchen im Ferienpool reicher Leute ertrinkt, was von den Medien und in den Kommentarspalten derselben ausgeschlachtet wird. Angereichert wird alles mit ein paar Klischees und einem Erzähler, der sich immer wieder quasi an den Leser wendet und sich mit diesem verbündet. Nicht uninteressant, aber teilweise zu gewollt. 4
Anneleen van Offel: Hier ist alles sicherAls Immanuel seine Mutter Lydia bittet, nach 10 Jahren Funkstille nach Israel zu kommen, zögert sie erst. Als sie dann da ist, ist er tot, er hat sich das Leben genommen. Lydia reist durch Israel und gleichzeitig auch durch ihre Vergangenheit, auf der Suche nach ihrem toten Sohn, nach sich, nach allem, was sie verloren hat. Nach einem fast körperlich schmerzhaften, niederdrückenden Anfang sprachlich und inhaltlich gut und einnehmend, doch dann liess es langsam los und hat mich verloren.  3
Joy Williams: Stories13 Kurzgeschichten aus dem amerikanischen Alltag des Kleinbürgertums. Sozialstudien, welche die Herausforderungen desselben offenlegen, ohne dabei zu psychologisieren oder zu plakativ darstellend zu werden. Mit viel Charme, Sprachkunst und einer guten Prise Humor gewürzt. Mich hat es doch nicht durchgehend gepackt, es wirkte oft zu beliebig und planlos. 3
Martin Suter: MelodyTom, ein junger Jurist, wird vom Altnationalrat Dr. Stotz, seine Lebenserwartung beträgt noch ein Jahr, beauftragt, seine noch vorhandenen Dokumente zu ordnen und durch gezielte Selektion nur das zu bewahren, das dem Bild entspricht, das Dr. Stotz hinterlassen möchte. In der gemeinsamen Zeit erzählt Dr. Stotz Tom von seiner grossen Liebe Melody, die eines Tages, kurz vor der Hochzeit, einfach verschwunden ist, ihn aber ein Leben lang nicht mehr losgelassen hat. Nach Stotz’ Tod macht sich Tom mit Laura, der Grossnichte von Dr. Stotz auf der Suche nach der Wahrheit um die Geschichte mit Melody. Was ist wirklich passiert damals?5
Urs Bircher: Zorn und Freundschaft. Max Frisch 1911 – 1981Eine sehr umfassende, objektive Biografie, die das Leben und Schreiben Max Frischs in die politische Zeit der Schweiz und die kulturellen Gegebenheiten einbettet. Ohne Verklärung aber mit der nötigen Zugewandtheit zeichnet Urs Bircher das Bild dieses streitbaren, tiefgründigen, selbstreflexiven, neugierigen, dem Schreiben mit Akribie und Sprachgenauigkeit verfallenen Menschen. Er stützt sich dabei auf das Werk und auf Gespräche mit noch lebenden Weggenossen Frischs. Vermutlich für Schweizer Leser interessanter als für andere. 4
Max Frisch: AndorraEin Lehrer rettet Andri, vorgeblich einen jüdischen Jungen, von den Schwarzen jenseits der Grenze und zieht ihn als seinen Sohn auf. Andri wird von den Andorranern diskriminiert und mit Klischeevorstellungen überhäuft, die er schliesslich selbst glaubt – obwohl er eigentlich kein Jude ist, sondern der leibliche Sohn des Lehrers und einer Frau aus dem Land der Schwarzen. Als diese zu Besuch kommt, will der Lehrer Andri die Wahrheit sagen, doch dieser glaubt ihm nicht, dass er sein Sohn ist, zu sehr haben die Zuschreibungen sein Selbstbild geprägt. Schliesslich dringen die Schwarzen in Andorra ein, nehmen Andri mit und töten ihn. Ein Stück über Macht, Rassismus, Vorurteile und Identität. 5
Max Frisch: Homo FaberEin Techniker lernt auf einer Schiffsreise eine junge Frau, Sabeth, kennen. Die beiden reisen zusammen nach Rom, später nach Athen zu ihrer Mutter, Hanna, die Fabers frühere Freundin war. Dass Sabeth seine Tochter sein könnte, will er nicht sehen. Doch dann geschieht ein Unglück. Ein grossartiger Roman über das Leben, über Lebensentwürfe, über Schuld und Liebe.5
Layla AlAmmar: Das Schweigen in mirTag für Tag beobachtet die junge Frau die Nachbarn hinter ihren Fenstern in ihren Wohnungen. Es ist die einzige Form, wie Beziehungen zu Menschen für sie möglich sind. Sie kriegt Einblicke in die ganzen Gewohnheiten der einzelnen Menschen, in Leben, die so fern von ihrem eigenen sind. Selbst ist sie aus dem Krieg geflüchtet, aus Syrien mit Schleppern und zu Fuss, unter traumatischen Bedingungen in England gelandet. Es hat ihr förmlich die Sprache verschlagen. Für eine Zeitung soll sie ihre Erinnerungen an den Krieg und die Flucht festhalten, damit mehr Verständnis für die Situation von Flüchtlingen geschaffen werden kann. Nur: Wie könnte man das je verstehen?   4

Hier noch der Link zum Youtube-Video:

https://www.youtube.com/watch?v=gxjjz1U7sgU

Gespräche mit Max Frisch: Utopien

«Ob es die Utopie ist von einer brüderlichen Gesellschaft ohne Herrschaft von Menschen über Menschen oder die Utopie einer Ehe ohne Unterwerfungen, die Utopie einer Emanzipation beider Geschlechter; die Utopie einer Menschenliebe, die sich kein Bildnis macht vom ändern, oder die Utopie einer Seligkeit im Kierkegaard’schen Sinn, indem uns das allerschwerste gelänge, nämlich daß wir uns selbst wählen und dadurch in den Zustand der Freiheit kommen; die Utopie einer permanenten Spontaneität und Bereitschaft zu Gestaltung-Umgestaltung (nach Johann Wolfgang Goethe: Des ewigen Sinnes ewige Unterhaltung), alles in allem: die Utopie eines kreativen und also verwirklichten Daseins zwischen Geburt und Tod – eine Utopie ist dadurch nicht entwertet, daß wir vor ihr nicht bestehen. Sie ist es, was uns im Scheitern noch Wert gibt. Sie ist unerläßlich, der Magnet, der uns zwar nicht von diesem Boden hebt, aber unserem Wesen eine Richtung gibt in schätzungsweise 25000 Alltagen. Ohne Utopie wären wir Lebewesen ohne Transzendenz.»

(Max Frisch in seiner Dankensrede anlässlich des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 1976)

Als ich ein Kind war, spielte ich gerne mit Lego. Ich hatte immer ausgefallene Ideen, was ich bauen wollte (es gab noch nicht so viele fertige Bausätze mit seitenlangen Bauanleitungen) und versuchte dann, dies umzusetzen. Mein Vater wollte mir immer helfen, mir zeigen, wie es geht, doch das machte mich wütend. Ich wollte es selbst herausfinden. Mein Vater hat mir bis ins Erwachsenenalter vorgeworfen, dass ich mir schon als Kind nicht helfen lassen wollte. Zwar stimmt das nicht ganz, da ich durchaus Hilfe annehme, wo ich etwas nicht selbst kann (oder können will), aber nicht da, wo ich der Überzeugung bin, es selbst zu schaffen.

In der Fachsprache gibt es den Begriff der Selbstermächtigung. Das bedeutet, Strategien zu entwickeln, die dem einzelnen Menschen helfen, autonom und selbstbestimmt ihr Leben zu leben und ihre Herausforderungen zu meistern. In meinen Augen ist das ein zentraler Aspekt des Menschseins. Darauf baut die Selbstachtung, das Selbstbewusstsein, und auch die Würde auf. Menschen, die nicht wissen, dass sie selbst etwas bewirken können, fühlen sich (und sind meist auch wirklich) Opfer der Umstände und damit hilflos und abhängig von anderen. Dieses Gefühl der eigenen Ohnmacht beeinträchtigt das Selbstbild und nagt an der Selbstachtung.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand sich als Opfer sehen will, es sei denn, er verspricht sich von dem Status etwas. Was ich mir aber gar nicht vorstellen kann und will, ist, dass jemand zum Opfer gemacht werden möchte. Wenn ich allerdings die aktuellen Diskussionen um Geschlechterakzeptanz, Diskriminierung und Rassismus verfolge, scheint genau das zu passieren: Es werden Täter und Opfer zementiert. Nehmen wir das Beispiel des Rassismus:

Eine aktuell populäre Sicht bei der heutigen Thematisierung von Rassismus (die ursprünglich aus den Staaten zu uns kam) ist, dass Weisse aufgrund ihrer Hautfarbe per se rassistisch seien, weil es Weisse waren, die in der Geschichte die Schwarzen unterdrückt haben. Rassismus ist so gesehen in die Gene eingebrannt, es gibt kein Entkommen.

Diese Sicht zementiert nicht nur die Fronten schwarz-weiss, sie macht Schwarze auch zu ewigen Opfern. Wenn dem Weissen der Täterstatus eingebrannt ist, ist es dem Schwarzen das Opfertum. Tun wir jemandem damit einen Gefallen oder macht diese Sicht irgendetwas besser? Ich denke, das Gegenteil ist der Fall. Menschen, so gesehen, wird auf diese Weise die Würde abgesprochen (auf beiden Seiten). Diese Argumentation leugnet, dass Menschen frei sind, sich zu ändern – darauf gründet unter anderem ihre Würde. Avishai Margalit schreibt in seinem Buch „Politik der Würde“:

„der grundlegende Respekt vor jedem einzelnen orientiert sich an dem, was er in Zukunft tun könnte, nicht an dem, was er in der Vergangenheit getan hat. Achtung ist dem Menschen nicht dafür zu zollen, in welchem Grad er sein Leben tatsächlich zu ändern vermag, sondern allein für die Möglichkeit der Veränderung.“

Margalit fährt fort, dass ein Mensch nicht durch seine Vergangenheit determiniert (wenn auch durchaus geprägt), sondern zu jedem Zeitpunkt frei ist, sich und sein Verhalten zu ändern. Wenn dies schon für das eigene Verhalten gilt, wie viel grösser muss also die Möglichkeit einer Veränderung über Generationen sein, in denen durchaus ein Denkprozess stattfand und auch Massnahmen zur Abschaffung von Rassismus erfolgreich durchgesetzt wurden. Leider ist er noch lange nicht aus der Welt, nur denke ich, es bedürfte eines Miteinanders und keiner neuen Fronten, diesen Weg erfolgreich weiterzugehen.

Ich bin der Meinung, es ist wichtig, genau hinzuschauen, wo heute noch strukturelle Benachteiligungen existieren. Diese dürfen nicht hingenommen werden. Die davon Betroffenen sollten aber nicht nur Opfer sein, sondern selbst Akteure. Sie sollten nicht nur von den anderen Veränderungen erwarten, sondern sich auch selbst in der Möglichkeit sehen, aktiv zu werden. Als Teil eines Ganzen mit anderen Teilen. Dafür ist ein Miteinander wichtig, Fronten schaden mehr. Es muss ein Raum geschaffen werden, in welchem es möglich ist, für die eigenen Rechte und gegen Benachteiligungen einzustehen. Dann gibt es keine Täter und Opfer durch von aussen definierte Kriterien, sondern eine gemeinsame Welt mit gemeinsamen Werten und Zielen, welche von allen miteinander gestaltet wird. Eine Welt, in der jeder seinen Platz hat.

Eine Utopie? Ich mag Utopien… und ich glaube, sie könnten oft verwirklicht werden. Und ich glaube, dass die Utopie das ist, was uns immer wieder antreibt, weil wir an etwas glauben, es als machbar sehen, unseren Platz in dem Vorhaben wahrnehmen und als ausfüllbar erachten. Wir sind als Ganze Teil eines Ganzen. Diese Doppelrolle wollen wir ausfüllen, denn nur durch diese sind wir ganz Mensch. Und weniger sollte kein Mensch sein müssen.

Karl Kraus (*28. April 1874)

Am 28. April 1874 kommt Karl Kraus als Sohn eines jüdischen Papierfabrikanten und dessen Frau in Jicin, Böhmen zur Welt. 1877 zieht die Familie Kraus nach Wien, wo Karl Kraus 1892 sein Studium der Rechtswissenschaft beginnt. Karl Kraus schreibt neben dem Studium Artikel und Rezensionen, welche er in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Versuche, im Theater Fuss zu fassen sind nicht von Erfolg gekrönt, weitere Projekte wie eine geplante Satirezeitschrift verlaufen im Sande.

1896 hängt Kraus die Jurisprudenz an den Nagel und wendet sich dem Philosophie- und Germanistikstudium zu, welches er ohne Abschluss beendet. 1897 ein erster Aufschwung: Die Satire Die demolirte Litteratur wird ein Publikumserfolg, allerdings schaffte er sich damit keine Freunde in der Literatenwelt.

Ich hasse und hasste diese falsche, erlogene „Decadence“, die ewig mit sich selbst coquettiert, ich bekämpfe und werde immer bekämpfen: die posierte, krankhafte, onanierte Poesie![1]

Kraus wird im selben Jahr Wiener Korrespondent der Breslauer Zeitung, in ihm wächst der Wunsch, eine eigene Zeitschrift herauszugeben. 1899 erscheint die erste Ausgabe von Die Fackel. Auch damit macht er sich keine Freunde, ein Prozess folgt dem anderen, weil sich zu viele auf die Füsse getreten fühlen durch die Vorwürfe, die Kraus in der Fackel gegen sie veröffentlicht.

1899 löst sich Karl Kraus von der jüdischen Gemeinschaft und lässt sich 1911 in der Wiener Karlskirche römisch-katholisch taufen (1923 beendet er auch dieses Intermezzo durch den Kirchenaustritt).

1902 erscheint Kraus’ Aufsatz Sittlichkeit und Kriminalität, ein Angriff auf die vermeintliche Verteidigung von Moral, Ordnung und Sittlichkeit mit justiziellen Mitteln.  Dieses Thema begleitet ihn durch die nächsten Jahre. Ab 1906 verfasst Karl Kraus Aphorismen, welche zuerst in der Fackel, später zusammengefasst in Büchern erscheinen.

Im Jahr 1915 beginnt die Arbeit am Theaterstück Die letzten Tage der Menschheit, welches 1919 in Form von Sonderheften der Fackel veröffentlicht wird. Es folgen Lesungen im Rundfunk und Aufnahmen für Schallplatten.

Die Machtergreifung Hitlers lässt die Fackel still werden.
Man frage nicht, was all die Zeit ich machte.
Ich bleibe stumm;
Und sage nicht, warum.
Und Stille gibt es, da die Erde krachte.
Kein Wort, das traf;
Man spricht nur aus dem Schlaf.
Und träumt von einer Sonne, welche lachte.
Es geht vorbei;
Nachher war’s einerlei.
Das Wort entschlief, als jene Welt erwachte.[2]

Monatelang erscheint keine Ausgabe, doch Karl Kraus’ Schaffen ruht nicht. Er arbeitet an einem Text über die Machtübernahme und die ersten Monate der nationalsozialistischen Herrschaft. Das Werk erscheint erst  posthum 1952 unter dem Titel Dritte Walpurgisnacht.

Die Fackel erscheint wieder sporadisch, was nicht allen zu gefallen scheint, da ihr Inhalt gewohnt kritisch bleibt. Im Februar 1936, nach Erscheinen einer Ausgabe, wird Kraus von einem Radfahrer niedergestossen, was immer stärkere Kopfschmerzen und Gedächtnisschwund zur Folge hat. Ein Herzinfarkt im Juni desselben Jahres führt schlussendlich zum Tod. Karl Kraus stirbt am 12. Juni 1936 in seiner Wohnung an einem Herz- und Gehirnschlag.

Der Mensch Karl Kraus
Karl Kraus ist ein kritischer Geist, der mit seiner polemischen Art aneckt und polarisiert. Er hält mit seiner Meinung nicht hinterm Zaun, sticht in die Wunden der Gesellschaft und zeigt mit dem Finger auf die Vergehen der Menschen, allen voran der sogenannt Grossen der Öffentlichkeit. Mit Leidenschaft und Wortgewandtheit setzt er sich ein, der Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen. Er hat dabei viele Anhänger, die seinen Vorlesungen lauschen und ihn als unfehlbare Autorität sehen. Seine zahlreichen Gegner sehen in ihm einen verbitterten Misanthropen, verurteilen seine Aussprüche als hasserfüllt und übers Ziel schiessend.

Karl Kraus und die Sprache
Karl Kraus Werkzeug ist die Sprache. Er legt grossen Wert auf sie und sieht im allgemein üblichen nachlässigen Umgang mit ihr den Ursprung für viele Missstände der Welt.

Von Rache sprech’ ich, will die Sprache rächen
An allen jenen, die die Sprache sprechen.
Bin Epigone, Ahnenwertes Ahner.
Ihr aber seid die kundigen Thebaner.[3]

Sprache hat für Karl Kraus religiösen Charakter. Sünde gegen die Sprache sieht er als Lüge und die Vermehrung der Lügen als Vermehrung des Bösen in der Welt. Sprache ist für Karl Kraus das Medium des Denkens, nicht nur Mittel zum Zweck.

Dass Stil nicht der Ausdruck dessen ist, was einer meint, sondern die Gestaltung dessen, was einer denkt und was er infolgedessen sieht und hört; dass Sprache nicht bloss das, was sprechbar ist, in sich begreift, sondern dass in ihr auch alles was nicht gesprochen wird erlebbar ist; dass es in ihr auf das Wort so sehr ankommt, dass noch wichtiger als das Wort das ist, was zwischen den Worten ist…[4]

Sprache soll als Medium des Denkens immer wieder selber kritischer Reflexion unterzogen werden, nicht einfach nur dahingesagt und hingenommen sein. Rund ums ich sieht Kraus das genaue Gegenteil: Leere Floskeln, Gesagtes als blosse Hülle ohne Inhalt  – und die Welt damit dem Untergang geweiht.

Die Welt geht unter und man wird es nicht wissen.[5]

Werke von Karl Kraus

  • Die demolirte Litteratur (1897)
  • Sittlichkeit und Kriminalität (1908)
  • Sprüche und Widersprüche (1909)
  • Die chinesische Mauer (1910)
  • Die letzten Tage der Menschheit (1918)
  • Weltgericht (1919)
  • Literatur und Lüge (1929)

[1] Brief an Arthur Schnitzler, März 1893
[2] Die Fackel, Nr. 888, S. 4
[3] Worte in Versen, S. 94
[4] Die Sprache, S. 341
[5] Die letzten Tage der Menschheit, S. 10

Gespräche mit Max Frisch

Wenn ich zurückblicke, kommt es mir manchmal so vor, als sei ich um ihn rumgeschlichen. Ich habe ihn immer wieder präsentiert bekommen. Im Gymnasium mit der Pflichtlektüre «Andorra», die ich (natürlich!) so ziemlich verweigert habe. Die Auszüge, die ich mitkriegte, waren wenig prickelnd. Später sah ich Reden. Interviews. Sie waren beeindruckend. Er beeindruckte mich. In seiner Vehemenz, seiner Streitbarkeit, seiner Tiefe, seiner Argumentation. Ich war radikal. Er auch. Das gefiel mir. Ich hob ihn innerlich hoch, wollte reinstechen, doch beim Lesen seiner Bücher lockerte sich der Griff merklich. Zeit ging ins Land.

Diese Dynamik hat sich mehrfach wiederholt. Wieder auf ihn stiess ich über meine Faszination für Ingeborg Bachmann – die abgrundtiefe Beziehungsgeschichte zog mich in den Bann und die Behandlung derselben durch die germanistische Zunft liess die gerechtigkeitsorientierte Philosophin in mir lauthals (innerlich) protestieren. So sehr ich sie schätzte und mich verbunden und sogar vertreten fühlte: Das war zu einseitig. Ich wollte Max Frisch sicher keinen Persilschein ausstellen, den er für sich selbst nie gefordert und wo er ausgeteilt wurde, immer verurteilt hatte, aber: Die unglaublich wunderbare, bewundernswerte, charismatische, begabte Dichterin war selbst kein Kind von Traurigkeit, kein Unschuldsengel und sicher kein einfaches Wesen. Die Täter-Opfer-Zuschreibung konnte nicht aufgehen. Die nun jüngst endlich zugänglichen Briefe legen es offen – auf beiden Seiten.

War es nur landsmännische Loyalität, die mich immer wieder in die Bresche springen liess? Nein. Es war ein tief empfundenes Verständnis für die Zweifel, Nöte, Radikalitäten, und eine Neugier. Und der gehe ich nun nach. Nicht biographisch. Nicht germanistisch. Nicht wissenschaftlich. Rein interesse-gelenkt. Ich trete ins Gespräch mit dem Autoren, der den Dialog hochhielt. Und ich teile ab und zu meine Gedanken zu Sätzen, die ich so finde bei ihm.

Ich freue mich auf dieses Eintauchen. Ich würde mich freuen, wenn der Dialog ein offener würde, neue Gedanken zu Sätzen geäussert würden, ein Diskurs entstünde, Denken gelebt und laut gemacht würde. Seid ihr dabei?

Max Frischs Tagebücher

«Der verehrte Leser – einmal angenommen, dass es ihn gibt, dass jemand ein Interesse hat, diesen Aufzeichnungen und Skizzen eines jüngeren Zeitgenossen zu folgen, dessen Schreibrecht niemals in seiner Person, nur in seiner Zeitgenossenschaft begründet sein kann…»

In Max Frischs Tagebüchern sucht man vergebens nach persönlichen Befindlichkeiten, Alltagserlebnissen oder kränklichen Zuständen. Es mag sein, dass Max Frisch sein Tagebuch für eine potenzielle Leserschaft geschrieben hat, zumindest klingt sein Vorwort in den veröffentlichten Büchern so. Er spricht den Leser an und wünscht sich, dass dieser die Reihenfolge beachte, da diese wichtig sei für das Verständnis der Zusammenhänge. Da ist also einer, der einerseits gelesen werden wollte, aber nicht auf eine beliebige Weise, sondern auf die seinem Schreiben angemessene – in seinen Augen.

Auch wenn die Leserschaft beim Schreiben mitgedacht ist, bleibt das Tagebuch doch ein Übungsplatz. In ihm notiert Max Frisch seine Gedanken, kämpft mit der Sprache als Art und Weise des möglichen Ausdrucks für das Vorgefundene, Bedachte, für das Zeitgeschehen. Schreiben, so ist sich Max Frisch sicher, ist ein Ordnen der Gedanken und ein Verstehen derselben. Es hilft, sich selbst und der Welt auf die Spur zu kommen, indem man sie in Sprache fasst.

Die Tagebücher von Max Frisch sind so gesehen literarische Formen. In ihnen steckt eigentlich der ganze Frisch schon drin, sein Gesamtwerk ist hier in den Hintergründen, in den Grundthemen und -gedanken angelegt.

Ich werde mich in der nächsten Zeit vermehrt mit Max Frisch auseinandersetzen und werde auch hier sicher über den einen oder anderen Gedanken von und zu ihm, über das eine oder andere Buch oder Thema schreiben.

Sarah Kirsch (16. April 1935 – 5. Mai 2013)

Zum Leben
Sarah Kirsch wird als Ingrid Hella Irmelinde Bernstein am 16. April 1935 in Limlingerode im Harz geboren und wächst in einem protestantischen Elternhaus (der Grossvater ist Pfarrer) auf. Von ihrer Mutter erbt sie die Liebe zur Lyrik. Nach dem Abitur studiert sie aus Liebe zur Natur nach einer abgebrochenen Forstarbeiterlehre Biologie. 1958 lernt sie den Lyriker Rainer Kirsch kennen, den sie 1960 heiratet. Im selben Jahr erscheinen erste lyrische Texte von ihr in Anthologien und Zeitschriften. Sie veröffentlicht diese unter dem Pseudonym Sarah, womit sie ihren Protest gegen die Vernichtung der Juden im Dritten Reich ausdrücken will.

Zwischen 1963 und 1965 studiert sie mit ihrem Mann am Literaturinstitut in Leipzig und beide arbeiten fortan als freie SchriftstellerInnen, Sarah Kirsch wird Mitglied des Schriftstellerverbands der DDR. Nach zwei gemeinsamen Gedichtbänden veröffentlicht Sarah Krisch 1967 ihren ersten eigenen («Landaufenthalt»). 1968 folgt die Scheidung, Sarah Kirsch zieht nach Ost-Berlin und wird nach einer kurzen Affäre Mutter. Sie arbeitet als Übersetzerin, Journalistin und Hörfunkmitarbeiterin. 1973 folgen der nächste Lyrikband («Zaubersprüche») und zwei Prosabände.

„Ich hoffe, dass Hexen, gäbe es sie, diese Gedichte als Fachliteratur nutzen könnten.“

Ebenfalls 1973 wird Kirsch Vorstandsmitglied des Schriftstellerverbandes der DDR, welcher sie (ebenso wie die SED) 1976 ausschliesst, weil sie eine der Erstunterzeichnerinnen der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann gewesen ist. 1977 wird ihr Ausreisegesuch genehmigt und sie siedelt mit ihrem Sohn in den Westen um, wird Mitglied des Pen-Zentrums der BRD. Dass sie schon früher im Westen publiziert wurde, erleichtert ihr den Start da sicherlich. Sarah Krisch bleibt politisch engagiert, sie beteiligt sich an politischen Aktionen und lehnt sowohl eine Dozentenstelle, weil die Berliner Akademie der Künste ehemalige Mitglieder der Staatssicherheit beschäftigte, wie auch das Bundesverdienstkreuz aus Protest gegen die NS-Vergangenheit des amtierenden Bundespräsidenten Karl Carstens ab.

Sarah Kirsch stirbt am 5. Mai 2013 in Heide (Holstein).

Zum Schaffen

«Frühling ist ein
Möwengefiederter
Bengel aus Schottland mit
Bärlauchatem.»

Bekannt wurde Sarah Kirsch vor allem durch ihr lyrisches Werk, welches mehrfach ausgezeichnet wurde und ihr auch zu einer Ehrenprofessur verhalf. Sie gilt als eine der bedeutendsten Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Gedichte zeichnen sich durch ein starkes Rhythmusgefühl, den Einsatz von Zeilensprüngen und -umbrüchen, sowie das Spiel mit verschiedenen Sprachformen aus. Auch dichtet sie mit allen Sinnen, aus ihrer Sprache fliessen bildhafte Metaphern und Gerüche.

„Wie still es ist.
Die Glyzinie
Klopft mit dem Knöchel ans Fenster.“

Die Liebe zur Natur findet sich in ihrer Lyrik wieder, welche oft Naturbeobachtungen und Motive aus der Natur enthalten. Das zentrale Thema dabei ist die Erhaltung der Natur sowie ein in ihren Augen gefährdetes Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur. Marcel Reich-Ranicki nannte Sarah Kirsch Drostes «jüngere Schwester» und schrieb zu ihrem Werk in der FAZ:

„Erotisch ist nicht nur ihr Verhältnis zu den Menschen, sondern auch zur Heimat und zur Natur, zum Geist und zur Literatur, ja sogar zur Politik.“

Neben der Lyrik schrieb sie aber auch Kinderbücher und Prosatexte.

Sarah Kirsch war eine emsige Schreiberin. Sie selbst äusserte sich dazu folgendermassen:

„Eigentlich schreibe ich immer. Ich bin ein Schädling, von der vernichteten Papiermasse her und tue recht daran, in jedem Jahr, mindestens zehn Bäume zu pflanzen. Zum einen ist es eine körperliche Sucht, der materielle Vorgang des Schreibens schüttet Adrenalin gallonenweise wohl aus, so brauche ich feinste Papiere und edle Schreibgeräte. Am liebsten Tinte aus’m Tintenfass für altmodische Füller, Journale mit hinreißenden Einbänden aus Firenze zum Beispiel oder salzburgische Handfertigung gar. Es ist wie eine Sucht, wenn mein federleichter Merlin-Füller aus dem Jahr 32 über toskanisches Papier schwebt, mit lotusblauer Tinte. So bin ich fast glücklich. Um es gänzlich zu sein, bedarf es noch eines gerade entstehenden Textes, dann gerät die Sucht zur Ekstase.“

Der Anspruch ans Schreibmaterial spiegelt wohl den Anspruch wider, den sie an ihr Werk hatte. Sie arbeitete diszipliniert und sorgfältig. Täglich von sechs Uhr morgens bis knapp vor dem Mittag sass sie konzentriert am Schreibtisch, schrieb erste Gedichtentwürfe von Hand, überarbeitete diese mehrfach, feilte an Sprache und Form, bis sie diese Handschriften dann in die Maschine tippte. Die Entwürfe sind nicht erhalten, sie wurden alle vernichtet. Sie duldete nichts in ihren Augen Minderwertiges (auch Bilder, die ihren Ansprüchen nicht genügten, wurden verbrannt).

Während ihr lyrisches Werk viel Beachtung erhielt, steht diese beim Prosawerk noch aus. Dies gälte es noch zu entdecken, zumal es im Wert der Lyrik sicher ebenbürtig ist.

Zur Entspannung malte Sarah Kirsch. Ihre ersten Aquarelle hatten Briefmarkengrösse, sie nannte es selbst «Rumklecksen» und sah es nicht als Arbeit, sondern als reines Vergnügen. Das Ganze war für sie privat und nicht für Ausstellungen oder gar den Verkauf gedacht, doch als sich immer mehr Galerien zu interessieren begannen, fand auch ihre bildende Kunst den Weg in die Öffentlichkeit. Einen Einblick in ihr bildnerisches Schaffen (Aquarelle, Gouache-Malerei und Collagen) bietet ein Kunstband aus dem Jahr 2000: „Beim Malen bin ich weggetreten“.

Ausgewählte Werke

  • Berlin – Sonnenseite. Deutschlandtreffen der Jugend in der Hauptstadt der DDR (1964), Bildreportage, zusammen mit Thomas Billhardt und Rainer Kirsch
  • Gespräch mit dem Saurier (1965), Gedichtband, gemeinsam mit Rainer Kirsch
  • Die betrunkene Sonne (1966), Kinderbuch. Illustrationen von Erich Gürtzig
  • Landaufenthalt (1967), Gedichtband
  • Zaubersprüche (1973), Gedichtband, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
  • Die Pantherfrau. Fünf unfrisierte Erzählungen aus dem Kassettenrecorder (1973), Prosaband
  • Die ungeheuren bergehohen Wellen auf See (1973), Prosaband
  • Es war dieser merkwürdige Sommer (1974), Gedichtauswahl
  • Caroline im Wassertropfen (1975), Kinderbuch, mit Illustrationen von Erdmut Oelschläger
  • Zwischen Herbst und Winter (1975), Kinderbuch, zusammen mit Ingrid Schuppan
  • Rückenwind. Gedichte (1976
  • Wintergedichte (1978)
  • Drachensteigen (1979), Gedichte
  • Trennung (1979), Gedichte
  • Wind und Schatten, zusammen mit dem Künstler Kota Taniuchi
  • La Pagerie (1980), Prosagedichte
  • Geschlechtertausch (1980), zusammen mit Irmtraud Morgner und Christa Wolf
  • Hans mein Igel (1980), Kinderbuch nach den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, mit Illustrationen von Paula Schmidt
  • Papiersterne (1981), vertont von Wolfgang von Schweinitz
  • Erdreich (1982), Gedichte
  • Reisezehrung (1986), Prosa
  • Irrstern (1987), Prosaband
  • Allerlei-Rauh. Eine Chronik (1988), Prosaband
  • Luft und Wasser. Neue Gedichte und Bilder, mit Bildern von Ingo Kühl, Edition Lutz Arnold im Steidl Verlag, Göttingen 1988, Vorzugsausgabe zu ISBN 3-88243-096-6.
  • Luft und Wasser. Gedichte und Bilder, mit Bildern von Ingo Kühl, Edition Lutz Arnold im Steidl Verlag, Göttingen 1988, ISBN 3-88243-096-6.[15]
  • Schneewärme. Gedichte (1989)
  • Wintermusik (1989)
  • Die Flut (1990), Auswahl, zusammengestellt von Gerhard Wolf
  • Schwingrasen (1991), Prosa
  • Spreu (1991), Bilder-Tagebuch
  • Erlkönigs Tochter (1992), Gedichte
  • Das simple Leben (1994), Prosaminiaturen und Gedichte
  • Bodenlos (1996)

Robert Walser (15. April 1878 – 25. Dez. 1956)

Robert Otto Walser wird am 15. April 1878 in Biel geboren, wo er auch die Schule besucht, bis er diese wegen Geldnot der Familie abbrechen muss. Er hängt sehr an seiner Mutter, so dass ihr Tod 1894 ein schwerer Schlag für ihn ist. Nach einer Banklehre verlässt der theaterbegeisterte Walser die Schweiz und zieht (wie vor ihm schon sein Bruder Karl) nach Stuttgart, wo er sich neben seinem Brotjob erfolglos als Schauspieler versucht. Schon ein Jahr später bricht er auch in Stuttgart wieder seine Zelte ab und wandert zu Fuss zurück in die Schweiz, wo er sich in Zürich niederlässt. Er hält sich da mit verschiedenen Bürostellen über Wasser, was er später in seiner Literatur immer wieder als Motiv verwendet.

1898 erscheinen die ersten Gedichte in der Zeitung, welche Aufmerksamkeit auf sich ziehen und ihm weitere Publikationsmöglichkeiten eröffnen. 1904 erscheint mit «Fritz Kochers Aufsätze» Walsers erstes Buch, 1908 der Roman «Der Gehülf», 1909 «Jakob von Gunten. In seinen Werken verarbeitet er immer wieder Stationen seines Lebens, so ist die Figur des Dieners, welche in vielen seiner Bücher eine Rolle spielt, auf seine eigene Ausbildung zum Diener zurückzuführen.

1906 zieht Walser nach Berlin, wo er 1907 «Geschwister Tanner» veröffentlicht, einen Roman, den er in gerade mal sechs Wochen geschrieben hatte. Durch seine Romane und die parallel dazu erscheinenden Prosastücke, welche in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften publiziert werden, etabliert sich Walser bald schon im Literaturbetrieb der damaligen Zeit, namhafte Schriftsteller wie Hesse oder Kafka nennen ihn ihren Lieblingsschriftsteller und auch andere grosse Namen preisen sein Werk. Trotzdem bleibt er zu Lebzeiten dem breiten Publikum unbekannt, obwohl schon zu Lebzeiten eine dreibändige Werkausgabe erscheint, etwas, das vielen Schriftstellern zu Lebzeiten nicht zuteil wird.

Wie immer

Die Lampe ist noch da,
der Tisch ist auch noch da,
und ich bin noch im Zimmer,
und meine Sehnsucht, ah,
seufzt noch wie immer.

Feigheit, bist du noch da?
und, Lüge, auch du?
Ich hör’ ein dunkles Ja:
das Unglück ist noch da,
und ich bin noch im Zimmer
wie immer.
(1909)

1913 zieht Robert Walser in die Schweiz zurück. Trotz vieler Erfolge reicht das Geld kaum zum Leben. Es folgen viele Umzüge, aus der finanziellen Not heraus muss er auch eine Anstellung annehmen. Daneben schreibt er unentwegt weiter und unternimmt zudem ausgedehnte Fussmärsche.

„Der Mensch ist ein feinfühliges Wesen. Er hat nur zwei Beine, aber ein Herz, worin sich ein Heer von Gedanken und Empfindungen wohlgefällt. Man könnte den Menschen mit einem wohlangelegten Lustgarten vergleichen.“

Es fällt auf, dass in Robert Walsers Familie psychische Krankheiten gehäuft auftreten. Schon die Mutter ist an einer gestorben, ebenso stirbt sein Bruder Ernst 1916 in einer Heilanstalt, der Bruder Hermann nimmt sich das Leben. Der Krieg tut das Seine dazu, Robert Walser lebt mehr und mehr isoliert und wird zudem von Angstzuständen und Halluzinationen heimgesucht. Das alles führt schliesslich zu einem psychischen Zusammenbruch und in der Folge 1929 zur Einweisung in eine Heilanstalt in Bern.  

Nach einer zeitweiligen Verbesserung seines Zustandes beginnt Walser wieder mit dem Schreiben, allerdings in viel geringerem Ausmass als früher. Auffällig ist dabei seine Methode: Mit Bleistift und in immer kleiner werdenden Buchstaben füllt er Unmengen von Blättern mit Gedichten und Prosawerken. Am Schluss messen die einzelnen Buchstaben kaum mehr als einen Millimeter.

„Die Erfolglosigkeit ist eine bitterböse, gefährliche Schlange. Sie versucht, unbarmherzig das Echte und Originelle im Künstler abzuwürgen.“

Der Schreibfluss endet 1933 nach seiner gegen seinen Willen erfolgten Verlegung in eine andere Heilanstalt nach Herisau. Ein weiterer Grund für das Versiegen desselben dürfte auch der durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht mehr vorhandene Absatzmarkt sein. Robert Walser verbringt im Folgenden die Zeit mit den üblichen Arbeiten im Heim sowie mit Lesen und ausgedehnten Spaziergängen.

«Spazieren muss ich unbedingt, um mich zu beleben und um die Verbindung mit der lebendigen Welt aufrechtzuerhalten.»

Auch als er eigentlich als gesund gilt, will er die Anstalt nicht verlassen, es scheint, er hat hier ein Zuhause gefunden, wie er es lange nicht gekannt hat.

Der Schnee

Der Schnee fällt nicht hinauf
sondern nimmt seinen Lauf
hinab und bleibt hier liegen,
noch nie ist er gestiegen.

Er ist in jeder Weise
in seinem Wesen leise,
von Lautheit nicht die kleinste Spur.
Glichest doch du ihm nur.

Das Ruhen und das Warten
sind seiner üb’raus zarten
Eigenheit eigen,
er lebt im Sichhinunterneigen.

Nie kehrt er je dorthin zurück,
von wo er niederfiel,
er geht nicht, hat kein Ziel,
das Stillsein ist sein Glück.

Robert Walser stirbt 1956 auf einer Wanderung an einem Herzschlag. Es existieren Fotos vom Verstorbenen, wie er im Schnee liegt, welche in einer fast unheimlich zu nennenden Weise an den toten Dichter Sebastian aus Walsers erstem Roman «Geschwister Tanner» erinnern. Als Schriftsteller ist Robert Walser aber schon etwa 30 Jahre vorher verstummt, so lange liegt sein letztes Werk zurück.

Zu philosophisch

Wie geisterhaft im Sinken
Und Steigen ist mein Leben.
Stets seh‘ ich mich mir winken,
dem Winkendem entschweben.

Ich seh‘ mich als Gelächter,
als tiefe Trauer wieder,
als wilden Redeflechter;
doch alles dies sinkt nieder.

Und ist zu allen Zeiten
wohl niemals recht gewesen.
Ich bin vergessne Weiten
Zu wandern auserlesen.

Ein früher erschienenes Porträt findet sich HIER

Robert-Walser-Pfad
Wer sich Robert Walsers Lebensweg sprichwörtlich erlaufen möchte, kann dies auf dem Robert-Walser-Pfad in Herisau tun. Auf einer Strecke von 7.9 km finden sich immer wieder Tafeln mit Zitaten und Einblicken in sein Werk.

Link zum Robert-Walser-Pfad

Ausgewählte Werke

  • 1904 Fritz Kochers Aufsätze
  • 1907 Geschwister Tanner
  • 1908 Der Gehülfe
  • 1909 Jakob von Gunten
  • 1915 Kleine Dichtungen
  • 1917 Kleine Prosa
  • 1917 Der Spaziergang
  • 1917 Poetenleben

Stefan Heym (10. April 1913)

Am 10. April 1913 kommt in Chemnitz Helmut Flieg als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie zur Welt. Schon früh engagiert er sich gegen den Faschismus, was die Nationalsozialisten auf ihn aufmerksam werden lässt. Er fällt vom Gymnasium und legt sein Abitur schliesslich in Berlin ab. Sein Studium der Journalistik kann er nicht da beenden, 1933 flieht er nach dem Reichstagsbrand in die damalige Tschechoslowakei und nimmt den Namen Stefan Heym an. Ein Stipendium einer jüdischen Studentenverbindung ermöglicht ihm die Übersiedlung nach Chicago, wo er sein Studium fortsetzt und dieses mit einer Arbeit über Heinrich Heine abschliesst.

Nach einer Tätigkeit als Redakteur für eine dem Kommunismus nahe stehende New Yorker Wochenzeitung arbeitet Heym ab 1939 als freier Schriftsteller.  Schon sein erster Roman Hostages (1942)wird ein grosser Erfolg.

Heym nimmt die amerikanische Staatsbürgerschaft an und zieht 1943 als Mitglied einer Einheit für Psychologische Kriegsführung in den Krieg, wo er Texte für Flugblätter und Rundfunksendungen schreibt. Es folgen Einsätze bei Zeitungen in Deutschland und 1945 wegen prosowjetischen Äusserungen die Rückversetzung in die Staaten, wo er wieder als freier Schriftsteller arbeitet und Ende 1948 den Roman The Cursaders veröffentlicht.

1952 verlässt Stefan Heym die USA und siedelt über Prag in die DDR über. Er arbeitet als freier Schriftsteller und sieht sich schon bald mit neuen Konflikten konfrontiert, an deren Ende ein Veröffentlichungsverbot steht. Eine unerlaubte Veröffentlichung in der BRD bringt ihm eine Geldstrafe. Eine kurzweilige Entspannung der Lage wird schnell revidiert, Heym kann nur noch in der BRD veröffentlichen und wird aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. Stefan Heym spricht sich in den 1980er Jahren deutlich für die Wiedervereinigung aus, gehörte 1989 auch zu den Rednern auf der Alexanderplatz-Demonstration.

Auch nach der Wende hört sein politisches Engagement nicht auf. Immer wieder weist er auf die Benachteiligung der Ostdeutschen bei der Integration hin, übernimmt dafür sogar ein politisches Mandat, das er aus Protest 1995 wieder niederlegt. Am 16. Dezember 2001 stirbt Stefan Heym an einem Herzversagen.

Zurück bleibt die Erinnerung an ein politisch engagiertes Leben und seine Werke, die sein Engagement durchschimmern lassen:

Wenn die unerhörten Klänge

Wenn die unerhörten Klänge
wilder Frühlingsnacht verrauscht,
und die Wolkenwindgesänge
sich mit Morgendunst vertauscht.

Treten wir ins Licht hinein,
das von feuchten Blättern rinnt;
und wir werden anders sein
als wir je gewesen sind.

Neue Liebe unter neuen
Menschen, die mit frohem Grüssen
sich des neuen Daseins freuen –

Neuer Geist, der uns beschwört!
Eine Welt zu unsern Füssen,
eine Welt, die uns gehört!
(1936)[1]

Stefan Heym hinterlässt ein grosses literarisches Werk, das sein bewegtes Leben widerspiegelt. Stets stellte er sich seiner Zeit und setzte sich für seine Überzeugungen ein. Kritiker werfen ihm vor, Fahne im Wind zu sein, doch bei Lichte betrachtet setzt er sich selten dafür ein, was gerade in ist, vielmehr geht er meist den unbequemen Weg der Opposition. Auch wenn sie schwierig ist, liebt Stefan Heym seine Zeit und sagt selber, in keiner anderen leben zu wollen, da keine so viele Veränderungen mit sich bringen könnte, wie es die seine tut. Er sieht in den Schwierigkeiten der Zeit den Antrieb für menschliches Wachstum, vor allem aber ein Paradies für einen Schriftsteller, der aus dem Vollen schöpfen kann.

Werke von Stefan Heym

  • Nazis (1938)
  • Hostages (1942, dt. Der Fall Glasenapp)
  • The Crusaders (1948; dt. Der bittere Lorbeer oder Kreuzfahrt von heute)
  • The Eyes of Reason (1951, dt. Die Augen der Vernunft)
  • Shadows and Light (1963, dt. Schatten und Licht)
  • The Queen against Defoe (1975; dt. Die Schmähschrift oder Königin gegen Defoe)

[1] Zitiert nach Stefan Heym: Ich aber ging über die Grenze. Frühe Gedichte, ausgewählt und herausgegeben von Inge Heym, mit Collagen von Horst Hussel und einem Nachwort von Michael Müller, C. Bertelsmann Verlag, München 2013.

Warum ich keine Verrisse schreibe

Ich habe vor einiger Zeit beschlossen, keine Verrisse zu schreiben. Einerseits würde ein fundierter Verriss verlangen, dass ich das Buch zu Ende lese, wofür mir die Zeit zu schade ist, weil so viele Bücher auf mich warten, die ich wirklich lesen mag. Bücher, die mich nicht packen, breche ich ab. Oft nach wenigen Seiten, manchmal auch später. Zudem würde auch das Schreiben des Verrisses Zeit brauchen, die mir auch wieder von für mich passenderer Literatur abginge – und ich sage explizit nicht besserer Literatur.

Nun bin ich von Haus aus Literaturwissenschaftlerin und -kritikerin, darin geübt, Literatur zu analysieren, zu taxieren nach diversen Kriterien. Von einer Literaturwissenschaftlerin und -kritikerin hörte ich in einem Interview, dass Literaturkritik sich selbst verrate, wenn keine Verrisse geschrieben würden. Erst diese machten die Kunst der Kritik zu einer objektiven, sachlichen, wertvollen. Der Verweis auf das, was nicht funktioniert, was schlecht geschrieben ist, was Mängel aufweist, runde das Bild der Literatur auf dem Markt ab. Verzichte man darauf, schaffe man damit auch die Literaturkritik ab.

Wenn man sich fragt, wozu Literaturkritik überhaupt dienen soll, vor allem, wenn sie in den Medien stattfindet, dann steht für mich die Literaturvermittlung an vorderster Stelle. Ich möchte Menschen zum Lesen animieren, ich möchte auf Bücher hinweise, die ich gut fand, und auch sagen, wieso ich sie gut fand (wobei auch Schwächen durchaus thematisiert werden können). Ich sehe schlicht keinen Sinn darin, die Zeit der Lesenden und den Platz in den Medien für etwas zu nutzen, von dem sie nichts haben ausser dem Rat, etwas nicht zu lesen. Und dieser Rat beruht auf meinem persönlichen Geschmack und meiner individuellen Lesevorliebe.

Die Frage, die sich zudem stellt, ist: Was ist gute Literatur, was macht sie aus? Formale Kriterien wie Stil, Ausdruck, Sprache, Aufbau und einige mehr sind sicher wichtig und richtig, doch was für mich beim Lesen immer am meisten zählt, ist: Packt mich das Buch so, dass ich es lesen will? Stösst das Buch in mir auf Resonanz, so dass ich mich in das Buch hineinziehen lasse und am Schluss als eine andere herauskomme, als ich es am Anfang war? Bücher sind für mich Welten, in die wir tauchen. Nicht jede Welt ist für jeden Menschen, aber es gibt sicher für jeden Menschen eine passende Welt (in Form von Büchern sogar viele passende Welten).

Ich sehe es als meine Aufgabe (und der widme ich mich mit Herzblut und aus Überzeugung), Menschen zum Lesen zu animieren, indem ich auf Bücher hinweise, die ich für lesenswert halte. Und so bleibe ich bei meinem Entschluss, auch künftig keine Verrisse zu schreiben. So bleibt es nicht aus, dass ich viele Bücher nicht bespreche, die aktuell wären, die vielleicht auch gelobt werden oder gar in einem Kanon vorkommen. Johann Wolfgang von Goethe schrieb in seinem «Faust»:

«Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.»

So halte ich es mit den Kritiken: Die Bücher, welche mir zu Herzen gingen, bespreche ich von Herzen, in der Hoffnung, dass sie noch weiteren LeserInnen zu Herzen gehen werden.

Lesemonat März – ein Rückblick

Es sind viele Bücher zusammen gekommen im März, es war ein wilder Ritt durch die Welt der Literatur, einer mit den wundervollsten Highlights und doch einigen Abbrüchen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich habe Long/Schwebbe, Natalie Goldberg, Olga Tokarczuk und Jesse Falzoi das Schreiben erkundet, mit Julia Schoch das Leben und die Liebe erforscht, bin mit Annie Ernaux in Erinnerungen gewatet und habe eine junge Frau auf ihrer Suche nach sich begleitet. Ich habe mich in lichtenden Nebeln ein wenig verloren, und mich mit King Kong und den Nachmittagen ein wenig schwergetan. Ich habe bei Tillie Olsen gelesen, was nie geschrieben wurde und weshalb, und mich in Sachen Chemie weitergebildet. Und ich habe mir ein Liebespingpong von abgrundtraurigen Briefen zugemutet, von dem ich nicht wusste, ob ich bei dem Spiel nicht eigentlich ein unerwünschter Zuschauer war. Und schliesslich und endlich habe ich vier Frauen begleitet, die nach Umbrüchen den Mut hatten, das Leben neu in die Hand zu nehmen.

Es war ein schöner Lesemonat, der April hat schon begonnen ich hoffe, er wird ebenso gut. Was waren eure Lesehighlights im März?

Hier die komplette Liste meiner Bücher:

Aljoscha Long/Ronald Schweppe: Schreib dein Ding! Authentisch – achtsam – kreativ. Dein eigenes Buch – der Weg zu dir selbstEin Schreibratgeber, der mehr auf den werdenden Schriftsteller als auf konkrete Schreibtipps ausgerichtet ist. Die innere Haltung, das Drumrum des Schreibens stehen im Zentrum, doch auch der eine oder andere Tipp, wie aus dem Wunsch Realität werden kann, angefangen vom Schreibritual über Etappen des Prozesses bis hin zur Verlagssuche finden sich in diesem kleinen, gut lesbaren, informativen Buch.5
Julia Schoch: Das Liebespaar des JahrhundertsDie Geschichte einer Liebe über Jahrzehnte, deren einziger Wert im Bestehen scheint, so dass das Ende als notwendig gedacht wird. Wie trennt man sich nach all den Jahren? Was hat man alles gemeinsam erlebt? Wo ging das Verbindende verloren? Was bleibt? Eine unglaublich schöne, tiefe, unsentimental gefühlvolle Geschichte. 5
Annie Ernaux: Der junge MannDie Geschichte einer älteren Frau mit einem jungen Mann, das Leben zwischen den Zeiten und Orten, das Leben als Wiederholung der jungen Jahre, gelebt im Heute, im Wissen um das Ende, dass auch dieses Heute schon zum Gestern macht. Das wohl kürzeste Buch meines Lebens, von dem ich weit mehr erwartet hätte. 3
Clare Pollard: Delphi – abgebrochenKurze Kapitel mit Titeln, die Weissagungen tragen. Das Leben einer kleinen Familie, die Ich-Erzählerin, Jason und ihr. beider Sohn, der Anfang der Covid-Pandemie und die alltäglichen Ängste und Vorkommnisse plus Gedankengänge. Alles zerhackt, nirgends ein Fluss. Ich musste aussteigen, nachdem ich zweimal begonnen hatte, weil ich nicht reinkam und sofort wieder vergessen hatte, was ich schon gelesen habe. 
Matthias Göritz: Die Sprache der Sonne – abgebrochenEine junge Frau reist auf den Spuren ihrer Grossmutter nach Istanbul und hofft, auch Antworten zu ihrer eigenen Vergangenheit zu finden. Das Thema wäre nicht uninteressant, doch ich kam in keinen Lesefluss, es war alles zu zerhackt, es hat mich weder mit den Figuren, noch mit der Erzählweise, noch mit der Geschichte soweit gepackt. 
Julia Schoch: Das VorkommnisJulia Schoch lässt uns durch die Protagonistin, die namenlose Ich-Erzählerin eintauchen in die Welt und vor allem die Gedanken einer Frau, die durch ein Vorkommnis, das unerwartete Auftauchen einer bislang unbekannten Schwester, aus der Bahn geworfen wird und plötzlich nicht mehr weiss, ob sie bisher überhaupt in einer drin war. Als Leser findet man sich unweigerlich in einem Dialog zwischen den Gedanken der Protagonistin und den eigenen. 5
Caroline Schmitt: LiebewesenDie Geschichte einer jungen Frau, die mit sich, ihrer Vergangenheit, und mit der Liebe in all ihren Formen kämpft. Es ist die Geschichte einer Suche zu sich selbst, die ihre Opfer fordert. 4
Manuel Niedermeier: Das ist einer, der lebt! – abgebrochenIch kam in dieses Buch nicht rein. Zuerst verstand ich nicht, was der Anfang mit dem zu tun haben soll, was als Beschreibung stand, dann fand ich es über den Klappentext raus, machte mit dem zweiten Kapitel weiter, da das erste so wenig einnehmend war, doch auch das verlor mich nach wenigen Zeilen. 
Jesse Falzoi: Creative Writing. Texte und Bücher schreiben16 Lektionen hin zum Schreiben eines Textes oder gar eines Buches. Es geht über die Entwicklung eines Plots über die des Protagonisten bis hin zum stimmigen Aufbau, alles mit Übungen zur praktischen Umsetzung sowie Ideen, wie man ins Schreiben kommt. 5
Christian Haller: Sich lichtende NebelEin junger Wissenschaftler beobachtet eines Nachts einen Mann, der im Licht auftaucht und wieder in der Dunkelheit verschwindet, er kommt dadurch zu neuen Erkenntnissen, die in seinen Kreisen auf Skepsis stossen. Der Beobachtete merkt davon nichts, er versucht, über den Tod seiner Frau hinwegzukommen, indem er sich neuen Gebieten zuwendet, die allerdings kein anderer verstehen kann. Zwei unabhängige Leben, die sich zufällig kreuzen, ohne es zu merken, nur der Leser kennt das verbindende Element, welches aber ein wenig dürftig ist für ein ganzes Buch mit zwei parallel laufenden Strängen.3
Toni Morrison: Sehr blaue Augen – abgebrochenEine Geschichte über das Aufwachsen von schwarzen Kindern in einer von Weissen dominierten Welt. Ich kam in keinen Lesefluss, die Geschichte hat mich nirgends abgeholt. 
Natalie Goldberg: Schreiben in Cafés. Kreatives SchreibtrainingEin Buch für alle, die schreiben wollen. Es geht mehr darum, ins Schreiben zu kommen, als eine technische Anleitung. Es ist ein motivierendes, persönliches, inspirierendes Buch mit vielen kleinen Tipps, die dazu führen, loszuschreiben, denn: Das wichtigste, um schreiben zu lernen, ist schreiben. 5
Jochen Schmidt: Ich weiss noch, wie King Kong starbEin humoristischer Blick auf das alltägliche Leben, begleitet von kleinen Comics des Autors. Die Kindheitsträume eines DDR-Jungen sind ebenso Thema wie die Natur, Kunstwerke, Bananen und Bommelmützen. Vielleicht wäre es lustiger, wenn man selbst in der DDR aufgewachsen wäre, auf alle Fälle nimmt das scharfsinnig Witzige mit der Zeit eher ab und die Längen nehmen zu. 3
Ferdinand von Schirach: NachmittageIn seinem ruhigen sachlichen Ton schreibt sich Ferdinand Schirach durch die Gegebenheiten seiner Geschichten, langsam plätschern die Texte dahin, so dass die Gedanken beim Lesen zu oft abschweifen zu früheren Büchern des Autors, die so grossartig waren, dass man dieses Buch blind gekauft hat und nun doch etwas enttäuscht ist.3
Ingeborg Bachmann, Max Frisch: «Wir haben es nicht gut gemachtDer Briefwechsel zwischen dem Liebespaar, dessen Beziehung von Anfang an mit dem drohenden Absturz kämpfte, das so gerne wollte, was erst schwierig erschien, dann war, schlussendlich untragbar wurde, und zwei zurückliess, die trotz allem wohl eine Liebe füreinander bewahrten, die jedoch nicht nährte, sondern eher auszehrte. Ein sehr bedrückendes Buch, ein (vielleicht zu) intimer Blick tief in die Seelen und Herzen zweier Menschen.4
Olga Tokarczuk: Übungen im FremdseinEssays und Reden zum Schreiben und zur Welt, in der wir leben. Wie schaffen wir durch Sprache neue Welten, wohin läuft die Welt und wie gehen die Geschichten mit? Wie entstehen Figuren, woher kommen Ideen, was haben sie mit der Welt draussen zu tun und wie viel von der inneren Welt steckt drin? Ein Blick hinter die Kulissen der Literaturnobelpreisträgerin. 4
Bonnie Garmus: Eine Frage der ChemieDie Geschichte einer Frau, die dafür kämpft, auch als Frau ernst genommen zu werden, zu einer Zeit, als das kein Thema war. Als alleinerziehende Mutter, eigentlich Chemikerin von Beruf, findet sie sich in einer Fernsehsendung zum Kochen wieder, doch sie hat mehr im Sinn, als nur Essen auf den Tisch zu bringen. Und: Die Geschichte einer grossen Liebe, die zwar endet, aber doch das Leben weiter prägt. 4
Stephan Porombka: Kritiken schreiben. Ein TrainingsbuchMan könnte es genauso gut als Schreibratgeber generell ansehen: Eine Anleitung, was eine Erzählung ausmacht, wie man sie angeht, woraus sie besteht. Kritik beinhaltet all das, aber immer in Bezug auf etwas, auf ein Werk. Eine gelungene Einführung und Übungsanleitung.5
Thorsten Pilz: Weite SichtNach dem Tod von Friedrich erfährt Charlotte bei der Testamenteröffnung, dass dieser eine lange Zeit eine Affaire mit ihrer Schwester hatte. Doch das ist nicht die einzige Lebenslüge, die ans Licht kommt. Die Gelegenheit ist da, die eigenen Beziehungen zu überdenken und das Leben neu auszurichten. 5
Tillie Olsen: Was fehltEssays über das Schweigen in der Literatur, darüber, was dem Schreiben im Weg steht und was nötig wäre, um schreiben zu können. Mit vielen Beispielen aus Tagebüchern und Briefen schreibender Menschen lässt Tillie Olsen den Blick hinter die Kulissen von Schreibenden (und nicht mehr Schreibenden) zu und beleuchtet die Schwierigkeiten, mit denen schreibende Menschen (vor allem Frauen) zu kämpfen haben. 4
Simone Atangana Bekono: Salomés Zorn – abgebrochenEs soll die Geschichte eines Mädchens sein, das durch erlebtes Unrecht wütend und dann gewalttätig wird. Ich fand nicht rein. Der Erzählfluss stoppt alle paar Seiten, um an einem anderen Punkt wieder anzusetzen. Die Protagonistin wird nicht deutlich, wir haben nur Erinnerungsfetzen und ein paar aktuelle Erfahrungen. Es gab nichts, woran ich mich hätte halten können, um weiterlesen zu wollen. 
Nicolas Mathieu: Rose Royal – abgebrochenDiese typisch männliche Frauenbeschreibung war schon fast Grund zum Abbruch, doch die folgenden Klischees von Bars, Männern in Bars, alleinstehenden Frauen um die 50 und die Klischee-Geschlechterrollen haben den Rest gegeben. 
Nick Hornby: Mein Leben als Leser – abgebrochenEine Auflistung der gekauften und gelesenen Bücher sowie ein dem Lesen entlang Schreiben und Kommentieren der Leseerfahrungen und des eigenen Lebens rund ums Lesen. Mich sprach die zu joviale Sprache nicht an, ich wurde mit dem Stil nicht warm.

Brigitte Reimann: Ich bedaure nichts. Tagebücher 1955 – 1963

Eine junge Frau schreibt Tagebücher. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, viele jungen Mädchen und Frauen tun es, auch einige Jungs und Männer. Es gibt Veröffentlichungen vieler Tagebücher von Schriftstellern, die Bandbreite des Inhalts reicht von Tagesbeobachtungen und Notizen zu Befindlichkeiten (man denke an Thomas Mann) über Schaffensprotokolle (derselbe),  bis hin zu hochphilosophischen Gedankengängen (Georg Lichtenberg, Hannah Arendt, Ayn Rand und viele mehr). Die Frage, ob solche Tagebücher, die eigentlich privat verfasst wurden, veröffentlicht werden sollten, kann sich moralisch stellen, wenn der Schreiber der Veröffentlichung nicht explizit zugestimmt hat, sie stellt sich aber auch im Hinblick auf den zu erwartenden Wert und Sinn für den Leser.

Beides ist für mich bei den vorliegenden Tagebüchern sehr in Frage gestellt. Als Leser wird man über Seiten mit spätpubertär anmutenden Liebesphantasien und -eskapaden einer jungen Frau überflutet. Jeder Mann ist ein potenzieller Liebhaber, entpuppt sich mehrheitlich als sehr angetaner Verehrer, und das schwache Weib kann nicht widerstehen, gibt sich hin, prahlt im Tagebuch einerseits mit ihrer Wirkung und kokettiert mit gespielter (für wen eigentlich) Selbstkritik. Dass dann und wann ein paar tiefgründige Gedanken einfliessen, wiegt die Sache leider bei Weitem nicht auf.

Diese endlosen Liebeleien und Schwankereien zwischen Männern waren schlicht ermüdend. Es geht mir nicht um Sitte und Moral, jeder kann, wie er mag. Aber: Ich möchte das nicht lesen. Nun kann man sagen: «Kein Problem, kauf das Buch nicht.» Aber ich frage mich dann, was für eine Motivation gibt es, das zu drucken? Worauf zielt man ab? Literarischen Mehrwert wohl kaum. Auf den Voyeurismus der Menschen? Sex sells? Der neugierige Blick hinter die Schlafzimmergardinen anderer als Verkaufsmagnet, im Wissen, dass das zieht? Tut es das wirklich?

«Ich habe längst keine rechte Lust mehr, mich mit meinem Tagebuch zu beschäftigen – ist ja doch alles Schwindel. Die ganze Welt ist ein Gewebe von Lügen, man sollte sich aufhängen. Aber dazu hat man ja doch keinen Mut, so treibt es einen weiter, und manchmal bildet man sich ein, glücklich zu sein.»

Bei mir zog es nicht. Im Gegenteil. Es war das erste Buch, was ich von Brigitte Reimann las, und irgendwie habe ich gar keine grosse Lust mehr, nun eines ihrer Werke zu lesen. Brigitte Reimanns eigene fehlende Lust auf diese Tagebücher kann ich nachvollziehen, so ging es mir auch. An den Satz angehängt findet sich zwar eine der sehr seltenen tieferen Betrachtung, die den Menschen hinter all der oberflächlichen Liebelei durchscheinen lässt – leider sind diese Einsichten zu dünn gesät.

Persönliche Betrachtung
Beim Lesen der vorliegenden Tagebücher merkte ich eines: Grundsätzlich trenne ich Werk und Autor. Ich lese meist ein Buch und will dann mehr über den Autoren erfahren, wenn mich dieses begeistert hat. Wenn im Nachhinein Details über einen Autor bekannt werden, die diesen diskreditieren, tangiert das sein Bild als Mensch, nicht aber meine Begeisterung für ein Buch. Wenn sich aber eine Antipathie für einen Künstler entwickelt hat, fehlt mir die Motivation, seinen Werken Zeit zu widmen.

Wie geht euch das?

Zur Autorin und weiteren Mitwirkenden
Brigitte Reimann, geboren 1933 in Burg bei Magdeburg, war seit ihrer ersten Buchveröffentlichung freie Autorin. 1960 zog sie nach Hoyerswerda, 1968 nach Neubrandenburg. Nach langer Krankheit starb sie 1973 in Berlin. Veröffentlichungen: Ankunft im Alltag (1961), Die Geschwister (1963), Das grüne Licht der Steppen. Tagebuch einer Sibirienreise (1965), Franziska Linkerhand (1974). Außerdem die Briefwechsel mit Christa Wolf, Sei gegrüßt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen 1964-1973 (1993), mit Hermann Henselmann, Mit Respekt und Vergnügen (1994), Aber wir schaffen es, verlaß Dich drauf. Briefe an eine Freundin im Westen (1995) und mit Irmgard Weinhofen, Grüß Amsterdam. Briefwechsel 1956-1973 (2003), sowie die Tagebücher Ich bedaure nichts (1997) und Alles schmeckt nach Abschied (1998). Aus dem Nachlaß: Das Mädchen auf der Lotosblume. Zwei unvollendete Romane (2003). Zuletzt erschienen Jede Sorte von Glück. Briefe an die Eltern (2008) und Post vom schwarzen Schaf. Geschwisterbriefe (2018).

Angela Drescher, geboren 1952, ist Lektorin und gab Werner Bräunigs Roman „Rummelplatz“ heraus, außerdem die Tagebücher Brigitte Reimanns und die ungekürzte Neuausgabe des Romans „Franziska Linkerhand“.

Angaben zum Buch

  • Herausgeber ‏ : ‎ Aufbau; 1. Edition (14. Februar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 592 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3351041861

Heinrich Mann (27. März 1871 – 11. März 1950)

Heinrich Mann wird am 27. März 1871 als erstes Kind einer Lübecker Kaufmannsfamilie geboren. Vier Jahre später kommt sein Bruder Thomas zur Welt, später die Schwestern Julia und Carla und schlussendlich der kleinste Bruder Viktor.

Mit 13 beschliesst Heinrich Mann, Schriftsteller zu werden und setzt dies auch gegen die Wünsche seines Vaters durch, welcher ihn lieber in einem Jura-Studium sähe. Heinrich Mann bricht das Gymnasium ab und wird ein Suchender. Nach einer abgebrochenen Buchhandelslehre (begonnen nur als Kompromiss mit dem Vater) arbeitet er kurz in einem Verlag, belegt einige Vorlesungen an der Uni und begibt sich danach auf Reisen. Wie tief die Ablehnung der Schriftstellerwünsche Heinrich Manns durch den Vater gehen, zeigt dessen Testament 1891:

„Soweit sie (die Vormünder) es können, ist den Neigungen meines ältesten Sohnes zu einer literarischen Thätigkeit entgegenzutreten. Zu gründlicher, erfolgreicher Thätigkeit in dieser Richtung fehlen im m. E. die Vorbedingnisse: genügendes Studium und umfassende Kentnisse. Der Hintergrund seiner Neigungen ist träumerisches Sichgehenlassen und Rücksichtslosigkeit gegen andere, vielleicht aus Mangel am Nachdenken.“

Heinrich Mann hält an seinem Wunsch fest, er schreibt Erzählungen, poetische Texte, Rezensionen und später auch politische Essays. Nach Heinrich Manns eigenen Aussagen soll sein Vater kurz vor seinem Tod doch noch den Segen für diesen Weg gegeben haben.

1904 schreibt er seinen ersten Roman, „Professor Unrat“ erscheint ein Jahr später, stösst aber in Lübeck auf Schweigen oder Kritik. Erst die Übersetzungen und die spätere Verfilmungen bringen den Erfolg.

1902 beginnt Heinrich Mann mit der Arbeit an seinem Roman „Der Untertan“, welcher aber erst 1915 erscheinen wird, allerdings nur auf russisch (es gab eine deutsche Privatausgabe, weil die Zensur die Veröffentlichung in Deutschland verunmöglichte). Erst nach dem Krieg war 1918 auch eine Veröffentlichung in Deutschland möglich.

Die Beziehung zwischen den beiden Brüdern Thomas und Heinrich ist immer von Auf und Abs begleitet. Schon in Lübeck kommt es zu einem Zwist, als der Langsamschreiber Thomas (er schreibt pro Tag etwa eine Seite bis anderthalb) den Vielschreiber anfährt:

„Ich halte es für unmoralisch, aus Furcht vor den Leiden des Müssigganges ein schlechtes Buch nach dem anderen zu schreiben.“

Die Aussage mag sehr überheblich klingen, doch Heinrich Mann steht in der Folge wirklich im Schatten seines erfolgreichen Bruders. Trotzdem ist die Bruderverbindung auch eine enge, so reisen die beiden Brüder vor Ausbruch des ersten Weltkrieges auch zusammen nach Palestrina, in der Nähe von Rom, wo Thomas Mann an seinen Buddenbrooks schreibt.

1914 bricht der Kontakt völlig ab wegen unvereinbarer politischer Haltungen. Heinrich Mann lehnt den Krieg ab. Er warnt sogar in seinem Roman „Der Untertan“ vor dem wilhelminischen Obrigkeitsstaat mit seinem Militarismus und prangert die Haltung des „Deutschland über alles in der Welt“ aufs schärfste an:

„Auf dem Pferd dort, unter dem Tor der siegreichen Einmärsche und mit Zügen, steinern und blitzend, ritt die Macht, die über uns hingeht und deren Hufe wir küssen! Gegen die wir nichts können, weil wir alle sie lieben! Die wir im Blut haben, weil wir die Unterwerfung darin haben! (…) Jeder einzelne ein Nichts, steigen wir in gegliederten Massen, als Neuteutonen, als Militär, Beamtentum, Kirche und Wissenschaft, als Wirtschaftsorganisationen und Machtverbände kegelförmig hinan, bis dort oben, wo sie selbst steht, steinern und blitzend!“

Thomas Mann hingegen ist von der allgemeinen Kriegsbegeisterung erfasst und ruft freudig aus:

„…wie die Herzen der Dichter in Flammen standen, als jetzt Krieg wurde“

Eine wirkliche Versöhnung kommt erst 1922 zustande.

Die nächsten Jahre sind nicht einfach. 1923 stirbt die Mutter, 1927 nimmt sich seine Schwester Julia das Leben (schon der Suizid von Clara 1910 hat ihn tief erschüttert), 1930 kommt es zur Scheidung von seiner Frau, zu der Zeit kennt er Nelly Kröger, seine spätere Frau, bereits.

Nach seinem politischen Einsatz (gemeinsam mit Käthe Kollwitz und Albert Einstein) für einen Zusammenschluss der Kommunisten und der Sozialdemokraten gegen die Nationalsozialisten (das kostet ihn die deutsche Staatsbürgerschaft) verlässt Heinrich Mann 1933 Deutschland und geht nach Nizza.

1935 bis 1938 schreibt er an seinem Zweiteiler „Die Jugend des Königs Henri Quatre“ und „Die Vollendung des Königs Henri Quatre“. Er wird zum Gegenbild aller entarteten Führerfiguren auf dieser Welt stilisiert. Sogar Thomas Mann lobt das Buch in höchsten Tönen:

„…das Gefühl, es mit dem Besten, Stolzesten, Geistigsten zu thun zu haben, das die Epoche zu bieten hat. Das Buch ist gross durch Liebe, durch Kunst, Kühnheit, Freiheit, Weisheit, Güte, überreich an Klugheit, Witz, Einbildungskraft und Gefühl…“

Nach seiner Hochzeit mit Nelly Kröger 1939 fliehen die beiden mit Golo Mann und den Werfels 1940 in teilweise beschwerlichen Fussmärschen durch die Pyrenäen in die USA, wo er sich aber nie heimisch fühlt und der Erfolg ausbleibt, obwohl er ein Werk nach dem anderen schreibt. Es sind düstere Jahre und die Alkoholprobleme seiner Frau tragen sicher viel dazu bei. Unterstützung erhält er von seinem Bruder Thomas, dessen Werke übersetzt werden und der auch sonst grosse Erfolge feiern kann. Nelly Mann nimmt sich 1944 das Leben und Heinrich Mann stürzt in ein grosses Loch.

Erst im Jahr 1949 scheint es aufwärts zu gehen. Heinrich Mann wird zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin gewählt, er stirbt aber noch vor seiner Übersiedlung am 11. März 1950 in Santa Monica, Kalifornien.

Werke

  • 1891 Haltlos
  • 1894 In einer Familie
  • 1897 Das Wunderbare und andere Novellen
  • 1900 Im Schlaraffenland
  • 1905 Flöten und Dolche (Novellen)
  • 1905 Professor Unrat (Roman)
  • 1907 Zwischen den Rassen
  • 1912 Die grosse Liebe
  • 1917 Die Armen
  • 1918 Der Untertan
  • 1912 Diktatur der Vernunft
  • 1932 Ein ernstes Leben
  • 1949 Der Atmen

Peter Bichsel (24. März 1935)

Peter Bichsel wird am 24. März 1935 in Luzern geboren, später zieht die Familie nach Olten, wo Peter Bichsel ans Lehrerseminar geht und schliesslich bis 1968 als Lehrer tätig ist. Schon während dieser Zeit veröffentlicht er kleine literarische Werke, hauptsächlich Lyrik, aber auch Prosa. Die kleine Form bleibt seine erste Wahl, neben Kurz- und Kürzestgeschichten schreibt er viele Kolumnen. Peter Bichsel ist ein Mann der Widersprüche. Einerseits intellektueller Linker, andererseits sehr volksnah und patriotischen Anlässen wie Schwingfesten nicht abgeneigt. Er schreibt einerseits politische Reden und Aufsätze, andererseits Artikel für die Unterhaltungspresse.

In seinen Werken erzählt er kleine Alltagsgeschichten, teilweise nur Episoden in einer einfachen Sprache. Wenn man genau hinschaut, verstecken sich dahinter tiefe und hintergründige Gedanken.  

«Ich mag Bahnfahrten und ich mag sie vor allem, wenn sie zwecklos, also ziellos, sind und ins Nichts oder ins Irgendwo führen – die dauernde Flucht, aber abgesichert durch Geleise, die zurückführen nach dem Zuhause.»

Peter Bichsel geht es nicht so sehr ums Schreiben, sondern ums Erzählen. Bei diesem Erzählen ist er sich oft selber nicht sicher, ob das, was er erzählt, schon eine Geschichte ist, ob der Stoff es wert ist, erzählt zu werden. Authentisch, wie er ist, thematisiert er diesen Zweifel auch gleich selber, so zum Beispiel in seinem Band «Zur Stadt Paris»:

«In Langnau im Emmental gab es ein Warenhaus. Das hiess Zur Stadt Paris. Ob das eine Geschichte ist?»

Und später in dem Büchlein:

«Jemand hat diese Geschichte kürzlich erzählt, und wenn jemand diese Geschichte erzählt, dann meint er etwas damit, aber ich weiss nicht, was. Die Geschichte wird erzählt, wenn es um Kunst geht, eine Geschichte also, die abends erzählt wird, und eine Geschichte also, die so tut, als wäre sie selbstverständlich, eine Geschichte, die vom Zuhörer nichts anderes verlangt als ein Nicken…»

Wenn man an Peter Bichsel denkt, sieht man oft einen Mann vor sich, der in der Dorfbeiz am Stammtisch sitzt mit einem Glas Wein vor sich. Er wirkt dabei fast wie eine seiner Figuren aus seinen Geschichten, und vielleicht ist an diesem Bild genau so viel Wahres wie an den Geschichten. Viele von diesen Geschichten nehmen ihren Ursprung auch genau da – am Stammtisch. Wo wird mehr erzählt, wo sitzen Menschen zusammen und erinnern sich, freuen und ärgern sich? Und mittendrin sitzt Peter Bichsel und hört zu. Und schreibt später darüber.

Dass Peter Bichsel es liebt, zuzuhören und zu beobachten, zeigt sich deutlich in dieser Aussage, die Peter Bichsel im Filmporträt «Zimmer 202 – Peter Bichsel in Paris» machte:

«Ich bin jetzt erst mal hier. Ich muss eigentlich gar nichts unternehmen. Ich kann mich auch auf eine Bank setzen und eine Zigarette rauchen und zuschauen.»

Das tut er denn auch. Er bleibt seinem Alltags – Ich auch in Paris treu, sitzt bei einem Glas Wein im Café (nah bei seinem Hotel) oder schaut aus dem Fenster und lässt die Welt vor seinen Augen ihren Gang gehen, lässt die Geschichten zu sich kommen, die er dann irgendwann erzählen wird.

«Ich merke, wie ich immer erst eine Geschichte erzähle, bevor ich Ihre Frage beantworte…»

Das sagte Peter Bichsel in einem Gespräch mit Sieglinde Geisel. Und wir sitzen da, hören und lesen seine Geschichten, suchen und finden den Menschen darin und dahinter, und schreiben über ihn. Fast wird er so zu seiner eigenen Geschichte.

Werke

  • 1964 Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen (21 Kurzgeschichten)
  • 1969 Kindergeschichten (7 Kurzgeschichten)
  • 1969 Des Schweizers Schweiz (Aufsätze)
  • 1982 Der Leser. Das Erzählen. Frankfurter Poetik-Vorlesungen
  • 1985 Der Busant. Von Trinkern, Polizisten und der schönen Magelone
  • 1986 Irgendwo anderswo. Kolumnen 1980 – 1985
  • 1995 Ein Tisch ist ein Tisch
  • 1999 Cherubin Hammer und Cherubin Hammer (Erzählung)
  • 2004 Wo wir wohnen. Geschichten

Ingeborg Bachmann, Max Frisch: «Wir haben es nicht gut gemacht.»

Der Briefwechsel

Inhalt

«Wir wären ein Unheil füreinander. Aber auch so kein Heil.» (MF)

Diese Worte schreibt Max Frisch an Ingeborg Bachmann, nicht lange nach ihrem ersten Treffen, in dem schon die Ahnung lag, was kommen wird. Es muss eine grosse Liebe gewesen sein, die einschlug und beide ergriff. Und doch war wohl beiden bewusst, wie schwer es für jeden von ihnen selbst ist, mit einem anderen Menschen zu eng zusammen zu sein, wie schwer es durch denselben Beruf und auch die Öffentlichkeit, in welcher beide standen, sein würde.

«…Lass das nicht zu! Ich möchte mit Dir ans Ende gehen, und wenn Du mich verlassen musst, nie wieder lieben…» (MF)

Der Leser wird Zeuge eines verzweifelten Ringens von zwei Personen um die Lebbarkeit einer Liebe, er liest sich Zeile für Zeile durch Alltäglichkeiten, Hoffnungen, Abgründe, Schmerz und Liebe. Es waren zwei Königskinder, die zwar sich, aber nicht wirklich zueinander im Sinne eines Miteinanders fanden.

Der hier veröffentlichte Briefwechsel gewährt erstmals einen offenen Blick auf eine Beziehung, die von Mythen umgeben war. Vor allem auf der Seite der Bachmannanhänger existierte das Bild der zum Opfer eines Beziehungstyrannen gewordenen Frau. Die 3jährige Arbeit von vier Herausgebern, Bachmann- und Frisch-Experten, legen einen neuen Grundstein für einen neuen Blick sowohl auf die Lebens- und Beziehungswege sowie die Werkbezüge der beiden Autoren.

Gedanken zum Buch

«Jetzt weiss ich es aus Erfahrung, dass ich in deiner Liebe, uns wenn sie mir über Jahre erhalten bliebe, allein sein werde… Man kann nicht zuhause sein zu zweit und allein sein. Du wirst mich aber immer allein lassen.» (MF)

Max Frisch suchte die Zweisamkeit, er wollte die Liebe im Alltag präsent haben und sah sich mit einer Frau konfrontiert, die sich diesem Wunsch immer wieder entzog, die sich nicht einengen lassen wollte und wohl auch nicht konnte. Dies lag wohl in ihrem Naturell, welchem sie sich nicht entziehen konnte. Ihre Worte klingen anders:

«Es ist schwer für mich, weil ich so gerne etwas Ganzes möchte, etwas Kompromissloses mit Mann und Haus und Kind.» (IB)

Ingeborg wollte eigentlich alles, sie suchte die Liebe, sie brauchte sie, sie lechzte förmlich danach. Und doch konnte sie sie nicht so leben, sie konnte die Nähe nicht aushalten, floh immer wieder nach kurzer Zeit oder, wenn schon weg, verzögerte die Rückkehr. So lebten die beiden zwar in einem Haushalt, und waren doch sehr selten beide am gleichen Ort.

«…ich habe in der Liebe und durch die Liebe immer den Boden verloren und daher nie einen gehabt… ich werde, solange ich liebe, keinen Platz in der Welt finden, nie das bekommen, was ich am meisten ersehne, und darum wird alles, was ich sonst bekomme und wofür ich mich bemühe , dankbar zu sein, für immer ohne Glanz sein.» (IB)

Es klingt, als ob Ingeborg Bachmann resigniert hat, als ob sie Angst hat, die Liebe zu leben, wie sie sie gerne leben würde, aus Angst vor neuem Schmerz, wie sie ihn in der Vergangenheit erlebt hat. Indem sie sich also nicht auf Max Frisch einlassen kann, entzieht sie ihm das, was er wiederum bräuchte, um ihr das zu bieten, wonach sie sich tief drin sehnen würde. Und so drehen sich die beiden im Kreis eines sich gegenseitig befeuernden Entziehens, mit dem schlussendlich beide nicht zurechtkommen.

«Ich fand keine Brücke, keine Möglichkeit einer Brücke. Ich bin auf Brücken angewiesen, Du wahrscheinlich nicht. Ich zweifle nicht an deiner Liebe, Ingeborg, nicht an der Grösse deiner Liebe, wenn du liebst. Ich weiss nur, dass ich nicht beziehungslos lieben kann… Vielleicht weil bei mir die Leidenschaft nicht ausreicht, um sich selbst zu genügen. Ich kann nicht allein sein.» (MF)

Wir lesen diese Briefe mit steigernder Bestürzung, wir werden Zeuge eines Paares, das mit sich und mit dem anderen ringt, das leidet, kämpft und doch immer wieder resigniert. Wir lesen Liebesschwüre, Anschuldigungen, wir lesen Entschuldigungen und Selbstverteidigungen, wir lesen von Lösungsansätzen und Missverständnissen und sind tief in einer Zweierkiste der Dritte, irgendwie nicht ganz zu Recht da. Es stellt sich die Frage, ob es legitim ist, eine so intime Geschichte so nah mitzuverfolgen. Es stellt sich die Frage, ob wir als Voyeure dieses privaten Austauschs nicht zu weit gehen, eine Grenze überschreiten. Und doch gibt es diesen Briefwechsel, er ist gedruckt worden und das hatte Gründe, die vielschichtig sind.

Für die Literaturwissenschaft ist der Briefwechsel wohl ein Geschenk. Es sind Briefe von hohem literarischem Niveau, die nicht einfach nebenbei geschrieben, sondern regelrecht sprachlich komponiert sind. Man merkt den Briefen die Mühe und Sorge an, welche die Schreibenden einfliessen liessen. Die Briefe sind zudem ein weiterer Schritt zur Erschliessung zweier Werke, die durch diese Offenlegung einen neuen Schlüssel zu ihrer Interpretation erhalten.

«Ich möchte wieder lieben können – Dich und vieles und auch mich.» (IB)

Die vorliegende Korrespondenz ist nichtsdestotrotz privat und sie legt intime Gedanken und Gefühle zweier Menschen offen. Ingeborg Bachmann wollte aus diesem Grund nicht, dass die Briefe veröffentlicht werden, und Max Frisch hatte ihr testamentarisch zugesichert, dass dies nie passieren wird. Er hat später seine Meinung geändert und sie lediglich für eine bestimmte Zeit nach seinem Ableben gesperrt. Da diese Frist bald ausläuft, wären die Briefe bald öffentlich zugänglich. Diesen Umstand nennt Heinz Bachmann, Ingeborg Bachmanns Bruder, als eine Begründung, wieso er einer Veröffentlichung in diesem vorliegenden Rahmen zustimmte: so sei immerhin die sorgfältige und gewissenhafte Aufarbeitung gewährleistet. Dies ist auch gelungen. Ergänzt wird der Briefwechsel durch verschiedene sachkundige Kommentare der Herausgeber sowie einen ausführlichen Stellenkommentar.

«Wir haben es nicht gut gemacht.»

Was Frisch hier zum Ausdruck bringt, kann als sachliches Fazit gesehen werden. Wer die Briefe gelesen hat, weiss, dass keiner der beiden so sachlich gewesen ist, was diese Beziehung anbetraf. Beiden ging sie tief, beide litten sie, beide nagten am Ende und zogen ihre Wunden ins weitere Leben hinein. Als Leser bleibt man tief betroffen und auch nachdenklich zurück. Das ist kein Buch, das man einfach mal durchliest und beiseitelegt. Es hallt nach.

Fazit
Ein bewegendes, berührendes, ab und zu auch bedrückendes Buch, das einen neuen Schlüssel zur Erschliessung von Leben und Werk zweier grossartiger Schriftsteller liefert.

AutorInnen und Herausgebende
Ingeborg Bachmann, geboren am 25. Juni 1926 in Klagenfurt, wurde durch einen Auftritt vor der Gruppe 47 als Lyrikerin bekannt. Nach den Gedichtbänden Die gestundete Zeit (1953) und Anrufung des Großen Bären (1956) publizierte sie Hörspiele, Essays und zwei Erzählungsbände. Malina (1971) ist ihr einziger vollendeter Roman. Bachmann starb am 17. Oktober 1973 in Rom.

Max Frisch, geboren am 15. Mai 1911 in Zürich, arbeitete zunächst als Journalist, später als Architekt, bis ihm mit seinem Roman Stiller (1954) der Durchbruch als Schriftsteller gelang. Es folgten die Romane Homo faber (1957) und Mein Name sei Gantenbein (1964) sowie Erzählungen, Tagebücher, Theaterstücke, Hörspiele und Essays. Frisch starb am 4. April 1991 in Zürich.

Hans Höller war bis 2012 Professor für Neuere Deutsche Literatur am Fachbereich Germanistik der Universität Salzburg und bis 2020 einer der Gesamtherausgeber der Salzburger Bachmann Edition. Er ist Verfasser zahlreicher Bücher zur zeitgenössischen Literatur, Mitherausgeber mehrerer Bände der Thomas-Bernhard-Werkausgabe und der Jean-Améry-Ausgabe.

Renate Langer ist Lehrbeauftragte am Institut für Germanistik der Universität Salzburg, Herausgeberin der Bände 3 und 6 der Thomas-Bernhard-Werkausgabe und Herausgeberin mehrerer Bände der Salzburger Bachmann Edition.

Thomas Strässle ist Professor für Neuere deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich und Leiter des transdisziplinären Y Instituts an der Hochschule der Künste Bern. Er ist Präsident der Max Frisch-Stiftung.

Barbara Wiedemann, Literaturwissenschaftlerin mit editionsphilologischem Schwerpunkt, Lehrbeauftragte an der Universität Tübingen, Herausgeberin von Werken und Briefen Paul Celans, quellenkritische Studien zu Paul Celan im Kontext der zeitgenössischen Literatur (u. a. von Ingeborg Bachmann und Nelly Sachs).

Angaben zum Buch

  • Herausgeber ‏ : ‎ Suhrkamp Verlag; 3. Edition (21. November 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 1039 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3518430699

Prägende Bücher

Ich hörte eine Zeit lang den Podcast «Das Lesen der anderen», in welchem Menschen ihre fünf prägendsten Bücher vorstellten. Es blieb natürlich nicht aus, dass ich mir über meine Gedanken machte. Ich hatte vier auf Anhieb, es war kein Nachdenken nötig, kein Zögern fand sich ein. Das fünfte machte es mir schwer. Ich überlegte, ich kam nicht drauf, bis ich bei mir dachte, dass dies wohl das ist, was mich ausmacht: Das fünfte gibt es wohl, nur wechselt es immer mal wieder, je nach Alter, Zeit, Lust und Laune. Es gibt so vieles in der Welt, das interessant ist, so dass es mir oft schwerfällt, mich ein für alle Mal festzulegen, unwiderruflich (einige wenige Ausnahmen bestätigen die Regel). Und: Es wäre unfair all den Büchern gegenüber, die ich noch lesen wollte: Meine fünf Plätze wären belegt, da käme nichts mehr dafür in Frage. 

Wieso aber die gewählten vier Bücher?
– Mit «Grimms Märchen» fing alles an. Ich kriegte sie vorgelesen, ich liebte die Geschichten, allen voran «Der eiserne Heinrich», den ich mir immer wieder neu wünschte als Gute-Nacht-Geschichte. 
– Thomas Mann, Doktor Faustus: Ich habe das Buch gelesen, zerlesen, analysiert, damit gelebt in der Zeit meiner Masterarbeit. Die Zeit war durchtränkt von Thomas Mann und der Master ein erstes Etappenziel eines Traums, den ich schon als kleines Mädchen hatte: Studieren. 
– Goethes Faust: Ich las es wieder und wieder, dieses Streben nach Erkenntnis, nach Verstehen, dieses Verzweifeln oft auch am Leben und seinen Beschränkungen, die ich so gut kannte, haben mich immer wieder neu eingenommen – und die Sprache, die Kunst dahinter. 
– Rilke: Das Buch ist zerlesen, durchgearbeitet, es ist mein Begleiter seit vielen Jahren und immer wieder auch Zuflucht, wenn ich auf der Suche nach etwas Schönem, Tröstenden, Tiefen bin. 

Was sind für euch prägende Bücher?