Nomen est omen

Wenn Liebe einen Namen hätte,
hiesse sie wie du.
Wenn Fühlen Sinn und Zweck,
wären sie so gut.

Sie sind es klar,
doch ohne Ziel,
denn du bist du,
auch namenlos.

Wenn Liebe einen Namen hätte,
hiesse sie wie du.
Nun heisst sie nicht,
doch da bist du und

alles, was man Liebe nennt,
und alles, was man ach so kennt
ist als die Eine
tief gefühlt.

Wenn Liebe einen Namen hätte,
hiesse sie wie du.
Das tut sie schlicht,
das tut sie immerzu.

©Sandra Matteotti

Glück im Blick

Könnte die Welt umarmen
und meine nur dich,
weil schlicht in deinen Armen
die Welt liegt für mich.

Möcht’ in der Sonne lachen
ein Strahlen im Blick,
verrückt tolle Sachen machen
und singen vor Glück.

Spüre das pralle Leben
und spüre ganz mich
fühle mein Herz erbeben,
und das nur durch dich.

Könnte die Welt umarmen
und meine nur dich,
weil schlicht in deinen Armen
die Welt liegt für mich.

©Sandra Matteotti

selbsterkenntnis

wir reden viel
und hören wenig
wollen tun und
machen nichts

wir rasen durch
und warten kaum je
wollen sein wo
wir nicht sind

Wir hoffen stets
und sehen gern nur
unser Ziel nicht
das was ist

vergessen so
was einzig wichtig
für uns ein- und
hinzusteh’n.

denn nur wer sieht
wo er grad feststeckt
wird je sein wo
er hin will.

©Sandra Matteotti

Unter Druck

Liebst du mich?
Ich weiss es nicht!
Ach komm, das
kannst du nun nicht sagen.

Liebst du mich?
Ich trau mich nicht!
Ach komm, man
muss auch mal was wagen.

Liebst du mich?
Ich glaube nicht!
Ach kommt, du
willst es schlicht nicht sagen.

Liebst du mich?
Ich fühle nichts!
Ach komm, was
lässt du mich so klagen.

Liebst du mich?
Ich weiss, dass nicht!
Ach komm, das
lass ich dich nicht sagen.

Liebst du mich?
Nein, nun lasse mich!
Ach komm, wir
sollten uns vertragen.

©Sandra Matteotti

ich

habe mich
grad neu erfunden
und finde mich
in mir zurecht

verbringe nun
ganz viele stunden
und suche mich
in dem geflecht

und wenn ich mich
dann wirklich kenne
und in mir
zu hause bin

dann lade ich
euch alle ein
mit mir zu feiern
wer ich bin

@Sandra Matteotti

Lev Tolstoj: Familienglück

Es schien mir einfach und klar, dass man leben musste, um glücklich zu sein, und die Zukunft schien mir viel Glück zu verheissen.

Die junge Masa verliebt sich nach dem Tod ihrer Mutter in ihren viele Jahre älteren Vormund. Nachdem dieser sich anfänglich weigert, zuzugeben, dass die Liebe gegenseitig ist, kommt es schlussendlich doch zur Offenbarung und die beiden heiraten. Zusammen ziehen sie aufs Land, auf Sergej Michailycs Gut. Eine wunderbar verliebte Zeit beginnt.

…es gab nur das eine selbstsüchtige Gefühl der Liebe zueinander, den Wunsch, geliebt zu werden, grundlose, unaufhörliche Heiterkeit und das Vergessen von allem anderen auf der Welt.

Schon bald wird es Masa langweilig auf dem Land, sie sehnt sich nach mehr Abwechslung, nach dem Stadtleben und den Gesellschaften da. Sergej hat Bedenken, kann ihr aber keinen Wunsch abschlagen. Seine Bedenken sollen sich aber bewahrheiten, das grosse Glück bekommt Risse.

TolstojFamilienglückFamilienglück ist eine wunderbare Liebesgeschichte, eine Charakterstudie, die Geschichte einer Ehe durch schwierige Zeiten hindurch. Masa kann dabei als Vorgängerin Anna Kareninas gesehen werden, viele Züge Annas sind schon in Masa angelegt, auch Teile der Geschichte lassen sich wiederfinden.

Mit dieser neuen Übersetzung von Dorothea Trottenberg liegt nun eine wunderbar moderne Fassung des Romans vor, es ist ihr gelungen, Tolstojs Poesie ins Deutsche zu übersetzen. Dass das Buch auch optisch schön daher kommt, ist das Sahnehäubchen obendrauf. Ein wahrer Lesegenuss, bei dem man kaum umhin kann, ab und an laut zu seufzen, Sätze nochmals zu lesen, weil sie so wunderschön sind.

Fazit:
Ein wunderbares Buch rund um die Liebe, die Ehe, das Glück. Absolute Leseempfehlung.

Zum Autor
Leo Tolstoi wurde 1828 in Jasnaja Poljana als Sohn eines Grafen und Großgrundbesitzers geboren. 1847 brach er sein Studium ab, um sich um die Verwaltung des elterlichen Gutes zu kümmern. Durch Landreformen versuchte er die Situation der Leibeigenen zu verbessern. Nach Militärdienst und diversen Reisen durch Europa zog er sich schließlich nach Jasnaja Poljana zurück, wo er seine großen Romane schrieb. Tolstois lebenslange Suche nach der geeigneten Lebensform kulminierte 1910 darin, daß er seine Frau verließ, da diese nicht bereit war, sich von den gemeinsamen Besitztümern zu trennen. Er starb kurze Zeit darauf an einer Lungenentzündung am 7. November 1910 in Astapowo, heute Lew Tolstoi in der Oblast Lipezk.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 189 Seiten
Verlag: Dörlemann Verlag (20. Juni 2018)
Übersetzung: Dorothea Trottenberg
ISBN: 978-3038200628
Preis: EUR 17

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Christian Morgenstern: Mittag

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Mittag

Tage gibt es, da des Mittags Bläue
Uebermild um braune Berge zittert
Und in unaussprechlich linder Läue
Sie wie Himmelsliebesrausch umwittert.

Ja, wie Liebe bricht es aus den Räumen,
Und nur noch aus Frauenaugensternen
Kannst du dies aus fast zu seligen Träumen
Hergesunkene Gottesleuchten lernen.

1910

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man liebt

Fragen

Worauf bauen
hoffen, und auch
vertrauen?

Was kann ich
wollen, tun und
was sollen?

Was darf ich
wünschen und was
für mich wollen?

Kann ich es
sagen, ist es
gegeben?

Was darf ich
dürfen und was
muss ich müssen?

Was ist mein Ziel
und was passt
so richtig?

Was ist schlicht gut
und was ist
das Falsche?

Was ist der Mensch
und was macht
ihn zu dem?

Wann bin ich Mensch
und wann darf
ich’s sein?

©Sandra Matteotti

Was ist echt?

Siehst du
mich so
wie ich bin?

Liest du
nur so
dich hinein?

Bist du
wirklich
hier und jetzt?

Fühlst du
mich so
wie ich dich?

Willst du
es nur
gerne tun?

Was ist
echt und
was gespielt?

Was ist
echt und
was gefühlt?

Siehst du
mich so
wie ich bin?

Das kam
mir grad
in den Sinn.

©Sandra Matteotti