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      • Klar hat Angst eine Funktion, die der Warnung natürlich.
        Aber ich meinte die Angst, keine Ausreden mehr zu haben, eine Entscheidung aufzuschieben oder zur Nähe mit all ihren Unabwägbarkeiten zu stehen.

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          • Ja müsste dann wohl. Aber es gibt ja „Werkzeuge“, um mit der Angst umzugehen. Denn los wird man sie nicht. Man kann sie verdrängen aber dann taucht sie unvermittelt wieder auf und schlägt um so heftiger zu.
            Ich bin ja meine Angst vor dem Zahnarzt auch nicht einfach los, sonder gehe aktiv damit um. Dazu habe ich Methoden erlernen müssen. So kann ich sie kontrollieren und nicht sie mich…
            Klar, man kann das nicht 1:1 vergleichen aber das Prinzip, wie man damit umgeht ist das selbe.

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          • Angst zu verdrängen ist wohl die schlechteste Lösung. Sie anzusehen und zu versuchen, damit umzugehen, zu ihr zu stehen, wäre sicher sinnvoller. Niemand sagte, es sei leicht… 😉

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  1. Ich habe das mit der Angst vor Nähe nie verstanden. Dabei bin ich einigen Menschen begegnet, die offensichtlich diese Angst hatten, die erst über einen längeren Zeitraum Vertrauen fassen mussten. Das klingt auch auf den ersten Eindruck vernünftig, erstmal Vertrauen aufzubauen. Verstanden habe ich es trotzdem manchmal nur schwer oder mit Widerwillen. Teils geht für mich eine Faszination von diesen Menschen aus, die – ich sage es mal provokativ – wie ein Reh auf der Lichtung stehen und bei Nähe sofort flüchten. Ich frage mich, welches Risiko das Eingehen von Nähe bedeutet? Kurz: ich sehe (kaum) (k)eins. Es mag in Einzelfällen vorkommen, dass diese Nähe mutwillig misssbraucht wird, das man getäuscht und hintergangen wird. Doch passiert das nicht genauso, wenn man sich erst langsam aneinander herangetastet hat? Nähe ist nicht gleich Vertrauen. Vertrauen braucht grundsätzlich Zeit, manchmal verkürzt die Intuition diese Zeit. Nähe ist für mich eher Offenheit, sich einlassen. Dinge, die für mich nicht grundsätzlich mit Gefahr oder Risiko verbunden sind.
    Aus persönlicher Sicht ist es bei mir eher so: es gibt schon eine Reihe Menschen, denen ich grundsätzlich misstraue und vielleicht behaupte ich, dass ich da eine gute Menschenkenntnis besitze. Bei einigen Menschen aber, habe ich von vornherein ein gewisses Urvertrauen oder zumindest keine Angst vor Nähe. Ich suche sie von Anfang an. Diese Menschen haben mich, wenn, dann nur dann „enttäuscht“, wenn sie meine Gefühle nicht erwidern konnten. Bereut, ihre Nähe gesucht zu haben, habe ich aber nicht. Nicht jede zwischenmenschliche Beziehung, ob Freundschaft oder Liebe, hat eine Garantie auf Erfolg, auch wenn man noch so behutsam damit umgeht.
    Woher die Angst vor Nähe? Ich kann hier nur spekulieren. Ist es die Angst, wahrhaftig, offen und ehrlich nicht zu genügen? Haben schlechte Erfahrungen diese Angst geprägt? Ist es gar ein gewisser Mangel an Urvertrauen? Das sind alles Mutmaßungen, die etwas anmaßend sind. Ein Ergebnis eigener, teil traumatischer Erfahrungen mit diesen Rehlein. Das ist natürlich nicht gerecht. Vermutlich ist in den meisten Fällen die angemessene Antwort schlicht und einfach, dass Menschen einfach verschieden sind.
    Trotzdem ein Beispiel aus eigener Erfahrung:
    Ich habe mit jugendlichen 18 Jahren eine meiner großen Jugendlieben monatelang umgarnt, erfolglos, mit großem Kummer. Es waren „die Leiden des jungen Werther“ für mich. Selten war ich unglücklicher verliebt.
    Als ich gerade so darüber hinweg war, erdreistete sich die junge Dame, die sich gerade mit einem anderen zusammen getan hatte, mir zu verkünden: „Hättest du mir nur noch ein bisschen länger den Hof gemacht, hätte ich dich erhört und wir wären ein Paar geworden“
    Das ist für mich an Herzlosigkeit ein Exempel. Und es war mir eine Lehre!
    Die Nähe habe ich nie bereut, aber die Leidenschaft und das Vorschussvertrauen, das mir andere Menschen gewährt haben, weiß ich dafür tausendmal mehr zu schätzen.

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    • Ich verstehe die Angst vor Nähe, vor sich einlassen auch nicht. Zwar möchte ich es nicht mit jedem Menschen (liegt wohl in der Natur der Sache), aber ich bin ein Mensch, der nach dem Prinzip ganz oder gar nicht verfährt. Wenn für mich klar ist, dass mir der Mensch liegt, dann suche ich die Nähe, will sie, komme mit Distanz auch eher schlecht klar. Nicht dass ich als Klette klebe, ich brauche Freiraum, aber ich lasse mich eben ein – ganz. Zurückhaltung wird oft mit Vernunft gerechtfertigt. Erst mal schauen, erst mal festigen. Dann sieht man dann und es kommt, wie es kommen muss. Das widerspricht meinem Naturell. Ich bin ein Macher. Wenn man was will, muss man es tun. Wenn man Nähe will, muss man sie suchen und zulassen. Einfach so passiert nichts.

      Schwierig wird es mit der Nähe dann, wenn zwei unterschiedliche Nähe suchen. Wenn der eine eine Liebesbeziehung will, der andere eine geistige. Dann wird das Einlassen auf beiden Seiten wohl schwer, weil jeder abtastet, was nun geht, was nicht, was schmerzt, was gut tut. Das führt mich zum Schluss, dass das Zulassen von Nähe dann geht, wenn die Fronten wirklich klar sind und beide dasselbe wollen (oder mit den Unterschieden klar kommen). Schon nicht mehr so leicht.

      Nähe vermeiden aus Angst, verletzt zu werden ist wohl menschlich, je mehr schlechte Erfahrungen man gemacht hat, umso verständlicher, wird aber nie glücklich machen. Man wird sich immer selber belügen, indem man sich zurück nimmt in seinen Gefühlen und so nie wissen wird, was möglich gewesen wäre. Denn oft ist man nur dann ganz sich selber, wenn man zeigt, was man wirklich fühlt. Das macht zwar verletzlich, aber auch authentisch und wen soll man lieben, wenn nicht genau den Menschen, der man ist – mit all seiner Verletzlichkeit, Sehnsucht und seinen Gefühlen?

      Die Angst, das Gesicht zu verlieren, wenn man die eigene Suche nach Nähe zugibt, ist insofern falsch, als man es erst dann zeigt. Eine Zurückweisung ist kein Gesichtsverlust, es ist vielleicht traurig und schmerzhaft, aber es zeugt von Stärke, weil man zu sich stand. Die Angst vor einer möglichen Enttäuschung ist sicher realistischer, aber auch da bleibt zu sagen: Wer es nicht versucht, wird es nie wissen. Aufschieben löst das Problem nicht, es schiebt es nur auf einen späteren Zeitpunkt, der möglicherweise nie eintritt, weil es DEN RICHTIGEN Zeitpunkt nie gibt, der ist immer dann, wenn man beschliesst, dass er es ist.

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  2. Das spricht mir ziemlich aus der Seele.
    Also in der Tat „nur“ ein Zitat 😉
    Es überrascht mich etwas. Andererseits, wenn ich näher drüber nachdenke, finde ich mich da um so mehr in deinem Kommentar wieder. Ist es nicht so, dass man mitunter seinen eigenen Narzissmus verletzt fühlt, wenn einem der andere nicht so viel Aufmerksamkeit schenkt, wie man es selbst gerne wünscht? Dabei gibt es mitunter gute Gründe für Distanz oder fehlende Aufmerksamkeit auf Augenhöhe. So geht es mir zum Beispiel mit einem guten Freund.
    Andererseits ist Intuition kein schlechter Ratgeber. Wenn man immer wieder „Missverständnisse“ erklären muss, ist Nähe irgendwann auch nur noch Utopie

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    • Ständige Missverständnisse sind wohl ein ziemlich deutlicher Gradmesser, dass an der Basis was nicht stimmt. Sie entstehen oft da, wo verschiedene Erwartungen aufeinander treffen und dann nagen. Man fängt an zu interpretieren, dies aufgrund der eigenen Annahmen, die denen des andern widersprechen. Das kann nicht zielführend sein. Es unterläuft mit der Zeit das Verbindende und hinterlässt mehr negative Gefühle als positive.

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  3. Wie schön, wenn aufgrund eines so kurzen Blogposts eine solche Diskussion entsteht 😉

    Nähe ist etwas wovon ich glaub ich noch selten zu viel hatte. Eher habe ich zuwenig davon. Dass Nähe Angst schafft, kenne ich nicht. Nähe hilft doch auch, das Vertrauen aufzubauen oder zu stärken. Angst hab ich eher, die gewonnene Vertrautheit zu verlieren.

    Nähe durch Zuneigung ist das eine. Nähe durch Worte, Offenheit und so wenig Interpretation wie möglich das ist das Schwierige und auch wertvollere.

    Ich nehme nicht nur gerne Nähe an, sondern gebe es auch sehr gerne. Klar, es ist ein Geben und ein Nehmen. Und da wünsche ich mir oft mehr Ehrlichkeit, dass man mir sagt, wenn ich zu viel will. Eher wird dann geschwiegen. Aus Angst? Wovor? Auch wenn die Wahrheit weh tut, wenigstens weiss ich dann woran ich bin.

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    • Angst, zu verletzen, Angst, zu verlieren, sich, den anderen, Angst, etwas zu zerstören? Die Gründe sind wohl vielfältig. Ehrlichkeit und Offenheit wären die einzigen Mittel, genau das zu verhindern, aber eben: Sie lösen die Ängste auch immer aus. Ein Teufelskreis?

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  4. Nähe zulassen heisst eben auch zu sich und zu seinen Fehler stehen. Je näher man sich kommt, desto genauer sieht man die „Pickel“ im übertragenen Sinn. Ich kenne Leute, die das Selbstbewusstsein und die Stärke dafür nicht haben.

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  5. Nähe kann bedrohlich sein, wenn sie etwa „Kindheitstraumata“ reaktivieren kann. Mir fällt da eine im Ansatz mißlungene Beziehung ein, bei der mir ein Therapeut das Verhalten der Frau so erklärte.

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