Schönheit fängt in einem selber an

Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. (Christian Morgenstern)

Bist du auch schon einmal durch die Welt gelaufen und sie war alles andere als schön? Die Sonne schien nicht, Abfall lag am Strassenrand, die Menschen zogen mürrische Gesichter, die Stadt erschien grau? Und liefst du nicht auch schon durch die Stadt und wo du auch hinschautest, war alles schön? Blumen blühten in den buntesten Farben, die Menschen lachten, Häuserwände glitzerten in der Sonne? Und war es nicht beides Mal vielleicht sogar die gleiche Stadt, durch die du gingst?

Hatte die Stadt sich so verändert oder warst es nicht eher du, der mit einem anderen Blick auf die Stadt schaute? Wie wir uns fühlen, prägt oft unseren Blick. Wir transportieren quasi unsere innere Haltung in die Aussenwelt und bestimmen durch diese innere Haltung, wie wir die Welt sehen. Schauen wir positiv darauf, erscheint sie wunderschön und hell, schauen wir im Ärger drauf, sehen wir alles düster. Genauso geht es auch mit den Menschen: Schauen wir sie mit liebenden Augen an, erscheinen sie uns liebenswert, sind wir selber von Ärger durchdrungen, finden wir bestimmt etwas an ihnen auszusetzen.

Wenn wir also wieder mal durch die Welt gehen und alles dunkel und ärgerlich erscheint, hilft ein Blick ins eigene Innere: Tragen nicht wir selber die Ärgernisse in uns, die wir in der Welt sehen?

Lächeln

Lächeln
Mein Grundbedürfnis geht nach Liebe.
Ich wünschte sehr, daß man mich liebt
Und daß mein Lächeln leben bliebe,
Wenn es mich einmal nicht mehr gibt.

Das Höchste, was man hat, ist Bindung
Durch Liebe. Ich ertrage nicht
Die mir verweigerte Empfindung.
Ich öffne allen mein Gesicht

Mit einem Lächeln. Magisch scheinen
In mich die anderen hinein.
Und ich kann sie in mir vereinen,
Und sie vervielfachen mein Sein.
Eva Strittmatter

Wenn ich Bus oder Zug fahre, fallen mir immer wieder die vielen unzufriedenen Gesichter auf. Mit starrem Blick und runtergezogenen Mundwinkeln starren sie entweder in die Luft oder aber auf den Bildschirm eines Handys. Es werden selten Blicke getauscht, geschweige denn kommen Menschen ins Gespräch. Und: Kaum ein Lächeln zeigt sich. Eigentlich traurig, denn ein Lächeln kann so viel bewirken. Bei sich und bei anderen.

Lächle einen Menschen an und er fühlt sich wahrgenommen, auf eine positive Weise. Stell dir nur mal vor, wie dich jemand anlächelt. Kommt nicht gleich ein warmes Gefühl ums Herz auf? Und spüre mal in dein Gesicht, hat sich dein Mund nicht auch gleich zu einem Lächeln bewegt nur schon beim Gedanken an ein Lächeln?

Ein Lächeln kann die Welt eines Menschen für einen Moment erhellen – und oft bleibt es dann weiter hell. Lächeln bringt Liebe ins Leben. Liebe, die wir alle so sehr brauchen. Wieso nicht einfach den Menschen um uns ein Lächeln schenken? Und wieso nicht mal in den Spiegel schauen und uns selber anlächeln? Gerade dann, wenn uns vielleicht nicht so sehr zum lachen zumute ist?

Hass vergiftet

Niemals in der Welt hört Hass durch Hass auf. Hass hört durch Liebe auf. (Buddha)

„Dem zahle ich es heim!“ Hast du das auch schon gedacht, als dir jemand Unrecht tat oder sich dir gegenüber schlecht verhielt? War der Wunsch nach Rache auch schon mal dein erster Impuls? Aber: Was genau passiert, wenn wir auf Rache aus sind?

Wir beschäftigen uns zuerst einmal für ganz lange Zeit mit negativen und zerstörerischen Gedanken. Wir holen das uns passierte Unrecht in Gedanken immer wieder in die Gegenwart, lassen dann den Groll gegen den Täter wachsen, und spinnen unsere Rachepläne. Der so Bedachte weiss davon nichts. Er lebt in Ruhe und Frieden, während in uns der Bär tobt.

Es gibt den sinngemässen Spruch, Rache sei, wenn man jemanden umbringen wolle, das Gift aber selber trinke. Da liegt viel Wahres drin. Denn: Selbst wenn ein Racheplan gelänge, der damit bestrafte wirklich litte: Was wäre in der Welt besser? Würde er gleich ticken wie wir in dem Moment, wäre es nun an ihm, neue Rachepläne zu schmieden. Und so nähme eine unendliche Geschichte ihren Anfang. Zu was Gutem führte sie nie.

Unrecht soll und darf nicht sein. Rache und Hass sind aber nie die Antwort. Wenn wir in einer Welt leben wollen, in welcher Liebe regiert, müssen wir entsprechend handeln. Eine liebevolle Geste kann einen Kreislauf des Hasses oder des Böses durchbrechen. Jemand muss den Anfang machen.

Ausbruch aus der negativen Spirale

„Ein grosser Teil des Leidens ist hausgemacht.“ (Dalai Lama)

Das Wetter ist schlecht, obwohl ich Pläne habe, eine Verkäuferin bedient mich unfreundlich oder gar nicht, ein Freund sagt etwas zu mir, das mich verletzt – die Liste liesse sich endlos weiter ziehen. All diesen Situationen gemeinsam ist, dass sie nicht so waren, wie ich sie mir gewünscht hätte. Ich litt. Und: Obwohl die Situation nun vorbei ist, leide ich weiter. Weil ich sie nicht aus den Gedanken verbannen kann, sondern diese ständig weiter um die ganze Sache drehen.

Ist nun wirklich die Situation an meinem Leiden schuld? Oder trage ich nicht zumindest eine Mitschuld? Es gibt Dinge, die ich schlicht nicht ändern kann. Da aus anderen Erwartungen heraus mit dem Schicksal zu hadern, bringt wenig mehr als Leiden – und das ist selbstgemacht. Und auch wenn Situationen unschön sind, wenn sie vorbei sind, könnte ich sie abhaken. Doch ich halte sie fast krampfhaft am Leben durch meine Gedanken. Ich erzähle mir immer und immer wieder, was mir passiert ist, erzähle es auch anderen und ärgere mich bei jedem Erzählen von Neuem. Ich verfange mich selber in einer negativen Spirale und lasse nicht los.

Wenn das wieder mal passiert, könnte ich auch anders reagieren? Könnte ich nicht hinschauen und mich fragen, ob das alles wirklich nötig ist, was ich tue? Was bringen mir die negativen Gedanken bezüglich des Wetters? Wäre es nicht sinnvoller, ein Alternativprogramm zu suchen? Und selbst wenn ich gefrustet bin: Wieso halte ich diesen Frust fest, selbst wenn der Tag gelaufen und eigentlich ein neuer, schöner Tag da ist? Gehören all die negativen Gefühle, die ich immer wieder heraufbeschwöre, wirklich ins Hier und Jetzt oder produziere ich sie selber durch meine Gedanken? Könnte ich damit aufhören? Gäbe es aktuell etwas Erfreuliches, an das ich viel lieber denken würde?

Erkenne dich selbst

„Gnothi seauton – erkenne dich selbst!“ (Inschrift am Apollotempel in Delphi)

Wer bin ich und wer will ich sein? Wie reagiere ich in schwierigen Situationen? Welche Motive stecken hinter meinen Handlungen?

Eigentlich einfache Fragen, doch sind sie selten leicht zu beantworten. Oft laufen wir mit einer Art Autopilot durchs Leben, unsere Reaktionen kommen aus dem Affekt, ohne vorher darüber nachgedacht zu haben, auch viele Handlungen sind zu Automatismen geworden, so dass wir nicht mehr darüber nachdenken, was wir wann tun – wir tun es einfach aus einer Gewohnheit heraus. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, da es uns den Alltag erleichtert, genauer hinschauen müssen wir nur, wenn wir immer wieder in ähnliche Situationen geraten, die uns nicht gut tun: Bei Streit in der Partnerschaft, Konflikten im Büro oder auch eigenen Reaktionen auf Situationen, die im Nachhinein eher zu unserem Schaden sind.

Was ist mein Anteil an dem Ganzen? Woher kommt mein Verhalten? Und wenn man das erst mal erkannt hat, kann man das verändern, was zu leidvollen Situationen führt. Das mag nicht immer einfach sein, sind die eigenen Verhaltensmuster doch tief eingeprägt und Veränderungen brauchen immer Zeit und Anstrengung, aber: Es kann helfen, wenn man sich bewusst ist, in welchen Situationen gewisse Muster auftreten, um dann statt gleich zu reagieren, erst mal durchzuatmen. Das verschafft Zeit, die eigene Reaktion zuerst zu überdenken, um sie gegebenenfalls anzupassen.

Und: Wenn es mal nicht gelingt: Die nächste Gelegenheit wird kommen.

Ich bin meine eigene Zuflucht

„Sei dir selbst eine Insel.“ Buddha

Gerade in schwierigen Situationen sucht man gerne Hilfe und Halt im Aussen. Menschen wenden sich Religionen zu, verschreiben sich neuen spirituellen Gruppen und hoffen, da zu finden, was ihnen abhanden gekommen zu sein scheint. Man erhofft sich Halt bei anderen Menschen, klammert sich teilweise förmlich an sie als Rettungsanker quasi.

Als Buddha kurz vor seinem Tod stand, waren seine Anhänger betrübt. Was würde aus ihnen, wenn er nicht mehr wäre? Seine Botschaften hätten klarer nicht sein können. Erstens – so der Buddha – lebe er in seinen Lehren weiter. Allerdings solle man diesen nicht blind folgen, sondern sie nur als Anstoss nehmen, selber Erfahrungen zu machen. Zweitens, und das wurde er nicht müde zu betonen, sollen sie Zuflucht zu sich selber nehmen. Sie sollen aufhören nach Dingen zu suchen, die in der Ferne liegen, denn es sei alles schon da, in ihrem Herzen. Es warte nur darauf, entdeckt zu werden.
Es hilft, die eigenen Kräfte schon in guten Zeiten zu erkennen und zu pflegen, damit sie in schwierigen da sind und wir auf sie vertrauen und bauen können. Vielleicht fragen wir uns einfach mal:

  • Was tut mir gut?
  • Wie kann ich mir selber etwas Gutes tun?
  • Was sind meine Stärken?
  • Wie kann ich mir selber Halt sein, wenn ich ihn brauche?

Wenn die Liebe regiert

Wenn auf der Welt die Liebe herrschte, wären alle Gesetze entbehrlich. (Aristoteles)

Liebe spricht von Mensch zu Mensch, von Herz zu Herz. Wenn wir aus Liebe handeln, wollen wir, dass es dem anderen gut geht und tun alles in unserer Macht Liegende, dazu beizutragen. Würden also alle Menschen aus Liebe handeln, wozu bräuchten wir noch Gesetze?

Gesetze sind dazu da, Menschen vor Unrecht zu bewahren. Einerseits sollen sie den, der Böses im Sinn hat, durch die angedrohte Strafe abschrecken, andererseits zu einer Wiedergutmachung beitragen. Wenn nun aber keiner mehr dem anderen ein Unrecht antun wollte, wenn keiner mehr darauf aus wäre, dem anderen zu schaden, weil er aus Liebe handelt, würden Gesetze überflüssig.

Wir können nicht die Welt ändern, wir können nur bei uns selber anfangen. Wenn wir uns die Haltung „Ich will, dass es dir gut geht“ zum kategorischen Imperativ erklären, kann das ein Anfang für eine bessere Welt sein, eine, in der Liebe regiert und nicht Ge- und Verbote. Und: Wenn einer anfängt, ziehen andere nach.

Vergiss die Sorgen

„Manche Leute reden sich Sorgen ein, die sie gar nicht haben.“ (Fred Ammon)

„Was wäre wenn…“ – Mit dieser Floskel fangen viele Sorgen an. Wir denken an etwas, das uns passieren könnte, malen es in allen düsteren Farben aus und sorgen uns immer mehr. Wir sorgen uns über die Folgen von etwas, das nicht eingetreten ist. Unter Umständen tritt es auch nie ein, so dass wir uns die Sorgen völlig umsonst gemacht haben. Und: Wenn es denn eintritt, machen wir uns dann die Sorgen nochmals. Wir haben uns dann nicht nur doppelt gesorgt, wir haben uns zweimal zuviel gesorgt, denn:

Wenn uns etwas Schlimmes passiert, nützen die Sorgen wenig. Sie verändern nichts zum Positiven, sie tragen nichts zur Lösung bei, sie belasten uns nur und ziehen uns runter. Statt sich also sorgenvoll zu fragen „Was soll nur werden?“ hilft die Frage „Was kann ich tun?“ mehr. Wenn ich dann etwas finde, das ich tun kann, um meine Lage zu ändern, tue ich es. Wenn ich nichts finde, suche ich einen Weg, mit dieser Lage klarzukommen, indem ich versuche, sie zu akzeptiere und das beste draus zu machen.

Die eigene Kreativität entdecken

„Kreativität ist die Fähigkeit zu sehen (oder bewusst wahrzunehmen) und zu antworten.“ (Erich Fromm)

Jeder Mensch ist kreativ, nur haben wir oft den Zugang zu unserer Kreativität verloren. Festgefahren in Routinen oder vorgefassten Meinungen reagieren wir auf Situationen, statt aktiv hinzusehen, was ist und dann aktiv etwas zu tun.

Im bewussten Wahrnehmen dessen, was ist, steckt die Möglichkeit, Neues zu schaffen – sei es im eigenen Verhalten (quasi als Lebenskunst) oder in Form eines (künstlerischen) Werkes.

Die eigene Kreativität wieder zu entdecken, heisst, sein eigenes Leben wieder aktiv in die Hand zu nehmen und sich und die in sich angelegten Fähigkeiten und Möglichkeiten zu entwickeln. Es heisst, wieder bewusst hinzusehen, was ist und entsprechend zu handeln. Das hilft uns auch im Umgang mit anderen Menschen, da wir sie wieder offen sehen, nicht durch unsere eigenen Projektionen verstellt.

Wenn der Weg zur inneren Kreativität versperrt ist, dann sind wir wie die Menschen in Platons Höhlengleichnis: Wir sehen nur die Schatten und halten sie für die Welt. Damit beschneiden wir uns selber in unseren Möglichkeiten und unserem Sein, aber auch unsere Sicht auf die Welt und unseren Umgang damit. Spätestens wenn wir das merken oder gar darunter leiden, sollten wir das Licht suchen und den Weg zur eigenen Kreativität freischaufeln.

Ich bleiben

Wenn du damit beginnst, dich denen aufzuopfern, die du liebst, wirst du damit enden, die zu hassen, denen du dich aufgeopfert hast. (George Bernhard Shaw)

Du lernst jemanden kennen, verliebst dich. Alles ist schön. Nun bloss nichts falsch machen. Du willst ihn nicht verlieren, denn: Du liebst ihn doch so. Und so tust du ihm hier was zu lieb, machst es ihm da recht, steckst gerne auch mal zurück. Und natürlich findet er das toll. Er merkt ja nicht, was du tust, er denkt, es passt grad so. Für beide. Nur du… du warst nicht ganz du. Du hast immer wieder Teile von dir verleugnet, unterdrückt. Und das nagt. Erst leise, dann lauter. Und dann wirfst du es ihm vor. Es passierte ja seinetwegen. Sagst du. Nur:

Wieso liessest du es geschehen? Wieso dachtest du, dass du so, wie du bist, mit den Ansprüchen und Bedürfnissen, die du hast, nicht liebenswert seist? Wieso dachtest du, dass du nur geliebt wirst, wenn du bist, wie dich der andere will, und tust, was er von dir möchte (oder du glaubst, dass er es möchte)?

Wäre das wirklich Liebe, wenn es so wäre? Und: Ist der Preis dafür nicht zu hoch, wenn du dich selber aufgeben musst?

Auf Liebe bauen

Wo Liebe wächst, gedeiht Leben – wo Hass aufkommt, droht Untergang. (Mahatma Gandhi)

Achte darauf, was du aussäst, denn du wirst das Entsprechende ernten. Das fängt schon bei den eigenen Gedanken an: Wenn wir Negatives denken, müssen wir uns nicht wundern, wenn die Welt um uns in dunkles Licht gehüllt ist. Wie soll man Licht sehen, wenn man nur Dunkelheit aussendet? Wie könnte man auf Gutes hoffen, wenn man Böses aussendet? Hass wird nie ein fruchtbarer Boden für Schönes und Gutes sein.

Buddha sagte:

Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.

In was für einer Welt also wollen wir leben? In einer, in der Hass und Dunkelheit regieren, oder aber in einer, die auf Liebe baut?