Ich so…

Ich bin
Thomas Mann,
doch ohne
Romane,

Bin Dürr
enmatt auch, und
grad ebenso.

Und ich

bin bloss
Denker
und halt schlicht
Philosoph.

Ich bin
immerzu,
und dichte
und denk…

Ohne mal Halten
und stets so
dichtend
gedacht

einfach so
ICH

Und wenn
es mal holpert,
dann ist das so
drin!

Ich bin nie
gradlinig,
ich bin,
wie ich bin.

©Sandra Matteotti

Schubladendenken….

Ich habe mich heute durch Pinterest gesucht. Ich mag die Plattform als Ideenlieferant in verschiedenen Bereichen – all meinen vielfältigen (Fotografie, Essen, Wein, Interior Design, Literatur….) halt. Heute war der Schwerpunkt auf den Rezepten.

Mir wurde schon beim Hinschauen ganz schwummrig:

Vegan, glutenfrei, Low Carb, Low Fat, proteinreich…

Danach teilt man heute Essen ein. Nicht natürlich, saisonal oder gar – Gott behüte: Schmeckt fantastisch.

Wir Menschen scheinen Labels zu brauchen, denen wir uns dann selber zuordnen. Im Leben sind wir erst mal unser Beruf, dann haben wir noch private Rollen als Mutter, Ehefrau, Geliebte oder Single inne… wir sind kaum je Mensch, schon gar nicht geniessender. Noch weniger das Leben geniessender.

Wir leben dieses Leben und suchen uns unsere passenden Schubladen, in die wir uns dann stecken – oft auch stecken lassen. Und da machen wir es uns dann bequem und verteidigen die Wände der Schubladen. Kann ja nicht sein, dass es eine Welt ausserhalb der Schublade gibt. Wo kämen wir da hin? Das wäre Lotterleben ohne Grenzen. Und: Wir wüssten nicht mehr, mit wem wir noch sprechen und mit wem nicht, denn:

Das könnten wir nun genau bestimmen. Alle mit gleichem Schubladendenken sind die Guten, die mit fremdem lehnen wir ab. Vehement. Oft mit Hashtag, das macht man heute so. Beispiel aus einem anderen Bereich:

#wirsindmehr

Dabei kümmert die Frage nicht, wer genau „wir“ ist und wer dann „die anderen“. Es geht auch nicht drum, differenziert hinzuschauen. Kritik mag man schon gar nicht, schliesslich meint man es gut. Und findet: Wir müssen nun hinstehen. Mauern bilden, Stellung beziehen und ausgrenzen. Alle, die nicht denken wir wir, sind draussen. Woraus eigentlich? Und worin sind wir? Und was machen „wir“ (wer auch immer das ist) da genau, ausser einen Hashtag befüttern?

Bei „füttern“ fällt mir ein, dass da ja was war. Ich wollte was essen. Nur:

Ich habe auf alles mal wieder keine Antwort, ich stelle nur Fragen. Davon mal wieder gar viele:
Wer bin ich?
Was will ich?
Wer sind wir?
Wofür stehen wir genau ein?
Was tun wir dafür?
Wer sind die anderen?
Und: Was essen wir heute?

Liebesrausch

Hier sitz ich nun,
so ganz allein,
und könnte gut
auch bei dir sein.

Doch sitz ich hier
und du bist da,
und du trinkst Gin
und ich trink’ Wein.

Ich sitze hier
und denk’ an dich,
und denk’ mir schlicht:
so sollt’s nicht sein.

Wir könnten auch
beisammen sein,
tränken erst Gin
und danach Wein.

©Sandra Matteotti

Nomen est omen

Wenn Liebe einen Namen hätte,
hiesse sie wie du.
Wenn Fühlen Sinn und Zweck,
wären sie so gut.

Sie sind es klar,
doch ohne Ziel,
denn du bist du,
auch namenlos.

Wenn Liebe einen Namen hätte,
hiesse sie wie du.
Nun heisst sie nicht,
doch da bist du und

alles, was man Liebe nennt,
und alles, was man ach so kennt
ist als die Eine
tief gefühlt.

Wenn Liebe einen Namen hätte,
hiesse sie wie du.
Das tut sie schlicht,
das tut sie immerzu.

©Sandra Matteotti

Glück im Blick

Könnte die Welt umarmen
und meine nur dich,
weil schlicht in deinen Armen
die Welt liegt für mich.

Möcht’ in der Sonne lachen
ein Strahlen im Blick,
verrückt tolle Sachen machen
und singen vor Glück.

Spüre das pralle Leben
und spüre ganz mich
fühle mein Herz erbeben,
und das nur durch dich.

Könnte die Welt umarmen
und meine nur dich,
weil schlicht in deinen Armen
die Welt liegt für mich.

©Sandra Matteotti

Franz Hohler: Ein Feuer im Garten

51UcxyM8K5L._SX313_BO1,204,203,200_Manchmal muss man gar nicht weit gehen, um Geschichten zu finden. Sie sind überall, in der Nachbarschaft, auf dem Friedhof, im Bahnhof, in der Schule oder im Theater. Man findet sie am Morgen, am Abend und dazwischen. Man muss nur die Augen und die Ohren offenhalten.

Das hat Franz Hohler getan und präsentiert in diesem kleinen Band alltägliche Geschichten von sich und seinen Mitmenschen. Es sind Geschichten, die das Leben schreibt, Geschichten, in denen man sich als Leser auch mal wieder findet. Franz Hohler gelingt es, mit einem feinen Humor menschliche Schwächen fast liebevoll ans Tageslicht zu bringen.

Dadurch, dass die einzelnen Geschichten sehr kurz sind, eignet sich das Buch gut auch als Lektüre zwischendurch bei einer Fahrt im Zug, vor dem Einschlafen oder nach dem Aufstehen. Man muss nur aufpassen, dass man ob der Lektüre nicht die eigenen kleinen Geschichten verpasst. Aber vielleicht nimmt man sie durch die Lektüre nachher besser und bewusster wahr.

Fazit:
Ein wunderbares Buch voller Sprachbilder und Witz, das die Geschichten im Alltäglichen Geschichten ans Tageslicht bringt.. Absolute Leseempfehlung!

Zum Autor
Franz Hohler wurde 1943 in Biel, Schweiz, geboren, er lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Hohler ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Alice-Salomon-Preis und den Johann-Peter-Hebel-Preis. Sein Werk erscheint seit über vierzig Jahren im Luchterhand Verlag.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch:128 Seiten
Verlag: btb Verlag (13. november 2017)
ISBN-Nr.: 978-3442715824
Preis: EUR 9 / CHF 13.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH