1. Juli

„Beharrliche Güte siegt auch über schlechte Menschen.“Seneca)

Gibt es schlechte Menschen? Oder empfinden wir die Menschen als schlecht, die uns Böses tun? Was empfinden wir als böse? Meist das, was sich nicht mit unseren Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen deckt, das, was unseren Werten widerspricht.

So oder so: Wie wollen wir mit Menschen umgehen, die uns in einer Weise gegenübertraten, die uns denken liess, dass hier ein schlechter Mensch ist? Der erste Impuls ist oft, es heimzuzahlen. Der zweite, wutentbrannt die verbindenden Bänder zu lösen und getrennte Wege zu gehen. Was nicht grundsätzlich falsch sein muss, allerdings wenig bringt, wenn in uns die Wut mitgeht.

Wir können die anderen Menschen nicht ändern, wir haben nur das in der Hand, was wir selber tun, wie wir uns zum Ganzen stellen. Böses wird Böses nie aus der Welt schaffen, das schafft nur das Gute.

30. Juni

„Glück ist Selbstgenügsamkeit.“ Aristoteles

Erich Fromm sagte mal, dass nur der eine Beziehung führen kann, der allein sein kann. Nur wer sich selber eine gute Gesellschaft ist, kann eine Beziehung auf Augenhöhe führen. Wenn ich mir selber nicht genug bin, brauche ich den anderen, um die Lücken zu stopfen. Ich trete mit Erwartungen an ihn auf und degradiere ihn zum Erfüller.

Es kann nur einen geben, der mich ganz macht: Mich selber.

29.Juni

„Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug.“ Epikur von Samos

Eigentlich ist alles gut. Das Wetter ist schön, die Beziehung im Lot, das Zuhause hat genügend Platz, der Kühlschrank ist voll. Und dann ist da dieser Gedanke: Da muss doch noch mehr gehen? Das kann doch nicht alles gewesen sein?

Es ist gut möglich, dass es noch mehr gibt. Nur: Wieso will man es unbedingt haben? Wozu? Was verspricht man sich von mehr? Anerkennung? Status? Wirklich Glück? Und: Gibt es nicht immer noch mehr?

27. Juni

„Wenn man glücklich ist, soll man nicht noch glücklicher sein wollen.“ Theodor Fontane

Blütenregen (1 von 1)

Schneller, besser, höher – mit dem Anspruch gehen wir durchs Leben. „Das kann noch nicht alles gewesen sein“ ist eine gängige Erwartungshaltung, dass noch mehr kommen muss. Wann ist es genug?

26. Juni

„Nichts wird langsamer vergessen als eine Beleidigung und nichts eher als eine Wohltat.“ Martin Luther

Close (1 von 1)

Wieso lenken wir oft so viel Energie auf das Negative, so wenig auf das Positive? Wie viel länger bleiben uns unschöne Erlebnisse im Kopf als schöne? Wie lange tragen wir jemandem etwas nach und wie lange sind wir ihm dankbar?

Das, worauf wir unsere Energie lenken, ist in unserem Leben dominant. Wir haben es in der Hand.

25. Juni

„Es ist schön, den Augen dessen zu begegnen, den man soeben beschenkt hat.“ Jean de La Bruyère

Pink (5 von 5)

Was gibt es schönere, als die Freude im Blick dessen, den man beschenkt hat? Welches schönere Geschenk könnte man sich selber machen, als sich daran zu freuen?

23. Juni

„Manchmal ein bisschen träumen

Und immer ein bisschen hoffen –

So blieb zu seligen Räumen

Mir allzeit ein Türlein offen.“ (Ernst Goll)

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Wenn das Leben dunkle Seiten zeigt, was könnte mehr Licht bringen als die Hoffnung, dass es wieder besser wird? Wenn eine Tür zuschlägt, wo fände man mehr Trost als im Gedanken, dass dafür ein Fenster aufgeht? Es ist die Hoffnung, die uns weiter an das Gute glauben lässt, es ist die Hoffnung, die hilft, den Mut nicht zu verlieren. Und manchmal ist es auch die Hoffnung, dass Träume wahr werden können, die dabei hilft, eigene Wege zu verfolgen.
Wie dankbar kann also der sein, der noch Hoffnung hat? Wie dankbar der, welcher Träume hat und daraus ein Leben bilden will – in der Hoffnung und im Glauben, dass es gelingen kann?

21. Juni

„Das Glück gehört denen, die sich selber genügen.“ (Aristoteles)

Was wollen wir nicht alles haben im Leben, und vergessen dabei oft, was wir schon alles haben. Und verpassen damit das Glück, das in der Zufriedenheit liegt. Das ist umso bedauerlicher, da sich Glück selten einstellt (zumindest nicht dauerhaft), wenn wir erreichen, was wir so dringend gewollt hatten. Denn dann stellt sich viel eher der nächste Wunsch ein.

20. Juni

„Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.“ Dietrich Bonhoeffer

Als mein Vater starb, war das für mich sehr schwer, da er mir sehr viel bedeutet hat. Wo ich auch war, was ich auch tat, es weckte Erinnerungen – und sei es nur, dass ich dachte, ich könnte ihn anrufen, wie ich es immer tat. Wo anfangs viel Trauer war, wuchs mehr und mehr Dankbarkeit. Eine ganz tiefe Dankbarkeit dafür, ihn in meinem Leben gehabt zu haben, mit ihm so viel erlebt zu haben.

Trennungen sind nicht immer einfach, nur: Sie sind dann schwer, wenn das, was vorher war, schön war. Dafür können wir dankbar sein. Manchmal vielleicht auch erst nach der ersten Trauer, dann aber trägt diese Dankbarkeit durch die Zeit.

19. Juni

„Wir sollten uns immer wieder klar machen, dass die Emotionen, die wir haben, ob negative oder positive, genau das sind, was wir brauchen, um ganz Mensch sein zu können, ganz erwacht und lebendig.“ (Pema Chödrön)

Wir neigen dazu, Gefühle in gute und schlechte einzuteilen. Die einen wollen wir haben, die anderen nicht. Doch: Nichts hat nur eine Seite. Sobald wir einige unserer Gefühle verleugnen oder gar verdammen, negieren wir einen Teil unserer selbst.

Und seien wir mal ehrlich: Würden wir einem Menschen begegnen, der ständig nur grinst wie ein Honigkuchenpferd, der nie nachdenklich, traurig, wütend ist: Würden wir uns nicht fragen, ob dieser Mensch wirklich authentisch ist? Weil wir selber nicht glauben, dass jemand nur gut drauf ist. Wieso also erwarten wir es von uns selber?

Am Ende wird alles gut

Es gibt den Schlamm und es gibt die Lotusblüte, die aus dem Schlamm wächst. Wir brauchen den Schlamm, um eine Lotusblüte zu machen.“ (Thich Nhat Hanh)

Kennst du das auch, dass dir etwas passiert im Leben und du davon überzeugt bist, dass dies nun ein grosses Unglück ist, etwas, von dem du denkst, dass du es lieber nicht erlebt hättest? Und irgendwann später blickst du zurück und denkst, das aufgrund genau dieses Vorfalls, etwas Positives gewachsen ist. Der Dichter Rainer Maria Rilke schrieb einst einem jungen Schrifsteller, dass er froh sei um seine düsteren Stunden, da er sonst nie in der Lage gewesen wäre, zu schreiben. Was wäre uns entgangen.

Die Dinge sind nicht per se schlecht oder gut, wir bewerten sie aufgrund unserer Massstäbe so. Wir tun dies nicht nur aus subjektiver Wahrnehmung, sondern auch aus einer sehr beschränkten, da wir nie das grosse Ganze sehen, sondern nur einen kleinen Ausschnitt desselben. Das bedeutet nicht, dass wir in Zukunft jeden Schicksalsschlag freudig begrüssen werden, aber vielleicht hilft der Gedanke im Hinterkopf, dass aus allem etwas Gutes wachsen kann – wenn wir es zulassen. Frei nach dem Motto:

Am Ende wird alles gut. Und ist es nicht gut, ist es nicht das Ende.