Der Entscheid des Kölner Landgerichts, dass die Beschneidung von Jungen strafbar sei, stösst nicht überall auf Begeisterung. Das Amtsgericht hatte noch befunden, die Beschneidung sei Ausdruck einer Zugehörigkeit und damit statthaft, stellte sich das Langericht Köln auf den Standpunkt, dass die Beschneidung nicht dem Kindswohl diene, sondern eine Körperverletzung darstelle. Der jüdische Zentralrat verurteilt den Entscheid des Landgerichts als „beispiellosen und dramatischen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften“. Der muslimische Zentralrat enthält sich bislang einer Stellungnahme.
Während die Beschneidung von Mädchen bereits seit einigen Jahren rechltich nicht mehr zulässig ist, war die Beschneidung von Knaben bislang medizinische Grauzone. Immer wieder gab es Diskussionen, ob man nicht auch der Beschneidung des männlichen Nachwuchs Einhalt gebieten solle, sofern diese nicht medzinisch angezeigt sei. Allerdings haben sich sowohl der muslimische wie auch der jüdische Zentralrat dagegen gewehrt und den Kritikern Diskriminierung und Bevormundung vorgeworfen.
Wo liegt der Unterschied zwischen der Beschneidung von Jungen und Mädchen? Die Argumente gleichen sich ziemlich:
- Hygiene
- Religion
- Tradition
Bei Mädchen kommt noch der Anspruch auf Treue in der Ehe dazu, so dass man ihnen die Geschlechtsorgane abschneidet, um ihnen die Lust an sexuellen Aktivitäten nimmt. Dies wird vor allem aus feministischen Kreisen als Unterdrückung der Frau gewertet. Allerdings beklagen beschnittene Frauen selten ihre Sexualität, will man Artikeln zu dem Thema glauben. Dazu kommt, dass in den traditionellen Regionen vornehmlich Frauen Frauen beschneiden. Sind sie alle unterdrückt?
Was unbestritten ist, dass eine Beschneidung – egal ob bei Jungen oder Mädchen – ohne medizinische Versorgung und sterile Gerätschaften eine Gefährdung für Leib und Leben darstellt, die nicht zu tolerieren ist. Die meisten gesundheitlichen und lebensbedrohlichen Folgen stammen von unhygienischen und unprofessionellen Eingriffen. Ein solcher Eingriff ist verständlicher Weise als Gefährdung von Leib und Leben zu werten. Wie sieht es aber aus, wenn ein Arzt mit dem entsprechenden Können und Werkzeug den Eingriff vornimmt? Was bleibt?
Ein nicht medizinisch indizierter Eingriff sein eine Grenzüberschreitung, die körperliche Integrität des Kindes werde tangiert. Es ist ein Eingriff gegen die körperliche Unversehrtheit. Nur: wo fängt die an, wo hört die auf? Was ist mit abstehenden Ohren? Ein rein ästhetisches Problem ohne medzinische Indikation. Was mit der Operation einer nicht medzinisch gefährlichen Trichterbrust? Was mit Ohrlöchern? Nasenlöchern? Andern Piercings? Tattoos? Wo ist die Grenze? Und wenn man all das weiter toleriert, was rechtfertigt dann ein Verbot der Beschneidung? Oder war es endlich mal Zeit, für das Recht des Kindes am eigenen Körper einzustehen?
Kinder sind immer abhängig, da sie selber noch nicht handlungsfähig sind. Den Eltern obliegt die Pflicht, für ihr Kind nach bestem Wissen und Gewissen innerhalb rechtlicher Grenzen zu entscheiden. Die Grenzen sind meist da gesetzt, wo das Kindswohl tangiert ist. Doch wie setzt sich Kindswohl zusammen? Sicherlich auch durch die eigene Identität, welche durch die Gemeinschaft, in welcher ein Kind lebt, geprägt ist. Traditionen und Religion sind stark Identätsbegründend. Das Wirgefühl einer solchen Gemeinschaft verhilft zu Halt und Stabilität, welche für den Menschen und vor allem für Kinder wichtig sind. Gemeinschaften wiederum haben verbeindende Rituale, welche in ihren Traditionen und ab und an in Büchern verankert sind. Die Beschneidung ist eines davon. Nun wandelt die Zeit und gewisse Dinge erscheinen überholt. Doch wer entscheidet, was überholt ist? Kann das ein Gemeinschaftsfremder tun? Sich über die Gemeinschaft setzen und befinden, was geht und was nicht?
Man kann argumentieren, dass sich die Gemeinschaft innerhalb eines Landes befindet, in dem diese Gemeinschaft willkommen ist, in dem aber die Gesetze der entsprechenden Kultur gelten. Diese Kultur (im Falle Deutschlands und anderer westlicher Staaten) besagt, dass die körperliche Unversehrtheit oberstes Gebot ist. Beschneidung kommt in unserer Kultur nicht vor, sie wird als Eingriff gewertet. Man könnte also Integration fordern, Anpassung an die eigenen Gesetze. Allerdings fällt das schwer bei religiös begründeten Ritualen, da Menschen-/Grundrechte höher zu werten sind als nationale Rechte. Sie sind in der Hierarchie der Gebote und Verbote zu oberst, alles andere darf nicht widersprechen.
Wer kennt die Antwort und wer hat das Recht, sie vollumfänglich und absolut gültig zu erteilen?
Den vollständigen Artikel findet man im Internet unter der URL
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,841084,00.html
Zum Thema
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Initiative: Bundesländer wollen Genitalverstümmelung zur Straftat
erklären
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,659639,00.html
Genitalverstümmelung: „Ihr Körper muss das Zeichen der Klinge tragen“
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,744488,00.html
Ländervergleich: Wo es für Frauen am gefährlichsten ist
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,768517,00.html
Frankreich: Eltern wegen Beschneidung ihrer Töchter verurteilt
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,836561,00.html
Der erste Gedanke zur Aussage „ich hasse kostenlos“ war, dass ich das immer gegenteilig erlebe. Wie oft werde ich gefragt, ob ich nicht schnell für jemanden etwas schreiben könnte, etwas durchlesen könnte, etwas korrigieren könnte. Dabei wird natürlich angenommen, ich mache das mal schnell nebenbei, für lau, es läge mir ja quasi. In diesem Zusammenhang hasst niemand kostenlos, im Gegenteil, es wird sogar so erwartet…
Dann las ich weiter und sah, dass es im Blog darum ging, dass das, was einfach kostenlos dargeboten wird, nichts wert sein soll, weil eben nicht gewollt, nicht gezielt und exklusiv. Die Aussage “Ich hasse kostenlos” und die damit verknüpfte Assoziation von Geld und Wert kann ich so nicht stehen lassen. Ist alles nur wertvoll, das Geld kostet oder einbringt? Ist es nicht gerade diese Mentalität, welche vielen Menschen zu schaffen macht bei ihrem Selbstwert sowie bei ihrem Status in der Gesellschaft? Ist ein Verwaltungsrat oder CEO eines Grosskonzerns mit Jahresgehalt von Millionen dementsprechend mehr wert als die Putzfrau des Spitals? Die Krankenschwester leistet weniger für die Gesellschaft, die Menschen an sich als der Bankdirektor?
Und um den Bogen zu schlagen: Ist Kunst, die kostet wertvoller (nicht nur als Geldanlage) als Kunst, die nicht kostet, die im Hinterhof entsteht? Hat nur der Künstler, der profitabel künstlert Kunststatus, der andere ist Hobbyist? Was ist Kunst? Vermarktbare und verwertbare Produktion?
Ich denke, die heutige Gesellschaft driftet sehr in diese Richtung. Sag mir was du verdienst und ich sage dir, was du wert bist – ob du überhaupt wert bist, dass ich mit dir spreche. Fehlt das Geld, fehlt oft das Umfeld bald damit. Billig wird mit Ramsch gleichgesetzt, einfach auch, weil das natürlich von grossen Ladenketten so vorgemacht und in den Köpfen festgesetzt wird. Alles, was nichts taugt (vor allem für den Profit des Unternehmens, weil es zu viel teuren Lagerplatz füllt ohne in warmer Semmel-Manier wegzugehen) wird verramscht. Bücher dabei oft mit Stempel drauf: Mängelexemplar. Abgestempelt. Als Müll gebrandmarkt. Was mal mit Eifer geschrieben wurde, dümpelt auf dem Ramschtisch.
Wie kam man dazu, nun plötzlich die Renner so anzubieten, wie man früher den Ramsch verhökerte? Das hat wohl viele Gründe: Massenproduktion ist günstiger als Einzelanfertigung. Je grösser die Auflage, desto geringer die Kosten pro Exemplar. Des Weiteren gaukelt eine grosse Masse eines Buches mit knalligem Plakat drüber vor, das Buch sei ein Renner, drum hätte man so viele davon, dass es auch ja reiche. Und keiner will der sein, der gerade das Buch nicht gelesen hätte, wenn es denn dann in aller Munde wäre. Spiegelbestseller. Buch des Jahres. Neuerscheinung des Millionenverkäufers. Das muss man gelesen haben. Noch hat es Stapel. Also auf sie mit Gebrüll. Mit Wert hat das wohl wenig zu tun. Aber auch nicht mit Unwert. Es ist eine Zeiterscheinung. Und nicht die positivste in meinen Augen.
Was ist Wert? Was verdient das Prädikat wertvoll? Wem geben wir wieviel Wert und nach welchen Kriterien? Keine einfache Frage. Vor allem nicht allgemein beantwortet. Grundsätzlich würde ich mal auf die Schnelle sagen: Wert für hat ein Mensch oder eine Sache dann, wenn sie mir gut tut. Das ist nicht im Sinne von “Ich kann davon profitieren” gemeint, sondern eher im Sinne von “ein gutes Gefühl vermitteln”. Genauso möchte ich mir selber Wert sein, mich mit solchen Dingen zu umgeben. Und vor allem auch, mich anderen gegenüber so zu verhalten, dass sie eben auch ein gutes Gefühl haben. SO würde wohl vieles in dieser Welt an Wert gewinnen. Und dann könnte sogar ein Buch, das irgendwo gratis abgegeben wird, sehr wertvoll sein, während auch die Platinvergoldete Ausgabe eines für mich unlesbaren Buches noch keinen Wert (für mich) hätte.