Das Ich, die Anderen und das Glück

Heutzutage herrscht in allen in allen Bereichen des Lebens Wettbewerb. Und genau dieser ist es doch, der die Menschen ins Unglück stürzt. Man vergleicht sich nach aussen, zieht aus diesem Vergleich Unzufriedenheiten und ist fortan damit beschäftigt, den Vergleichspunkt einzuholen. Man entfernt sich dabei von sich selber und rennt (oft unerreichbaren) Zielen hinterher.

Der andere ist schöner als ich. Der andere ist erfolgreicher als ich. Der andere ist reicher als ich. 

Ist Schönheit alles? Ich denke nicht, dass sie im Leben wirklich hilft. Vielleicht öffnet sie erste Türen, aber dann muss mehr dahinter stecken – meistens. Sie kann auch Türen in Bereiche öffnen, die man gar nicht wollte. Weil nur die Schönheit anzog, nicht der Mensch. Und sie kann, wenn die Tür mal offen ist, auch Druck erzeugen, bestehen zu müssen. Der kann belasten. Man sehe die Welt der sogenannt Schönen und Reichen. Wie viele haben Probleme mit Süchten, mit Abhängigkeiten, mit Depressionen? Sind sie glücklich? Sie haben doch alles? Sind schön, haben Geld, haben Erfolg, haben Beachtung. Und doch – glücklich sind sie nicht. Es gibt ein paar, die scheinen glücklich zu sein – man sieht ja nur dran ran, nie hinein. Aber der grosse Anteil ist das nicht.

Bin ich schön? Wenn ich die ganzen Magazine ansehe sicher nicht. Früher litt ich oft, fand überall Dinge, die ich bemängelte, war ab und an sogar traurig, weil ich war, wie ich war. Das Alter hat da sicher eine Gelassenheit gebracht. Ich bin heute grundsätzlich zufrieden mit mir. Habe klar Punkte, die ich mit Handkuss ändern würde, aber mein Gott, auch wenn sie geändert wären, ginge es mir nicht besser.

Reich bin ich schon gar nicht. Aber auch da: wäre ich glücklicher anders? Wirklichen Reichtum strebe ich nicht mal an, ich wüsste wenig damit anzufangen, würde mein Leben nicht gross ändern wollen. Ein wenig mehr für ein paar Wünsche. Das wäre toll. Aber nun gut, ob ich dann glücklicher wäre? Ich bezweifle es.

Ich habe im Leben gemerkt, dass die Momente, in denen ich unglücklich bin, selten mit äusseren Faktoren zu tun haben. Meist sind es Stimmungen, die aus mir selber kommen, die ich mir selber herbeischaffe. Vielleicht ist ein Anstoss von aussen da, etwas, womit ich unzufrieden bin. Doch ist es schlussendlich ja immer meine innere Haltung dazu, welche mich glücklich oder unglücklich macht.

Ich habe für mich die These, dass wir ein gewisses Mass an Unglück brauchen. Wir suchen es wohl fast. Die These ist ein auch ein Schluss aus der Erkenntnis, dass auch die, welche (wie man sagen könnte) alles haben, unglücklich sind. Sie suchen (unbewusst) und finden. Und leiden. Und wollen das Leiden beheben, indem sie das beheben, was sie unglücklich macht. Und das sind meist die eigenen Gefühle. Und die betäubt man am besten mit Mitteln, die sie überdecken: Drogen, Alkohol, andere Süchte.

Und so bleibt am Schluss einmal mehr nur, mit sich selber ins Reine zu kommen. Anzunehmen, was ist, zu sehen, was wirklich möglich ist, weil man es selber für sich will und nicht, weil andere es haben. Und das Leben zu leben, das das eigene ist. Das eines anderen wird man nie leben können. Ein anderer sein kann man auch nie. Zudem gibt es schon genug andere, einen selber gibt es nur einmal. Und das sollte auch so bleiben.

Bilanz

Abschied ist oft traurig, da es heisst, etwas loszulassen, was bislang zum Leben gehörte, dies vielleicht massgeblich prägte, ausmachte. Abschied bringt dann Wehmut hoch. Ist der Abschied selbst gewählt, steckt klar eine positive Absicht dahinter, trotzdem bleibt das weinende Auge. Das, welches sieht, was vorbei ist, was nie mehr sein wird.

In jedem Abschied wohnt ein Anfang inne. 

Ich glaube, das hat niemand so geschrieben, mir kommt es aber immer in den Sinn und ich denke, es sei ein Zitat. Vermutlich ist es aber aus Hesses Stufen zusammengereimt – die Essenz des Gedichtes sagt genau das:


Stufen
Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and’re, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(Hermann Hesse)

Ich liebe dieses Gedicht, weil es das Leben in seinem Wandel zeigt. Es zeigt, dass wenn etwas aufhört, auch etwas anfängt. Und doch, eine kleine Wehmut bleibt. Und eigentlich ist die auch positiv, da sie zeigt, dass das Leben, wie es bislang war, gut war, gute Seiten hatte. Ich fände es bedenklicher, wenn nur Freude, nur Aufbruch herrschte.

Ein Abschied ist immer auch Zeit, Bilanz zu ziehen. Was war? Was war gut? Was würde ich ändern? Solche Bilanzen haben oft zur Folge, dass man Entscheidungen der Vergangenheit hinterfragt, bedauert, denkt, man hätte falsch gehandelt. So ist es auch bei mir. Mit Wehmut denke ich an gewisse Punkte in meinem Leben, denke, sie waren unnötig, ich häte mein Leben anders gestalten können, hätte ich damals anders entschieden. Ich denke, ich hätte mir manches Leid, manchen Umbruch ersparen können. Mag wohl sein aus der Sicht von heute. Damals hatte ich Gründe. Und entschied aufgrunde derer. Kierkegard sagte treffend: Das Leben lebt sich nur vorwärts und erklärt sich nur rückwärts. Wir sind heute immer klüger als gestern. Aber auch nur, weil wir heute wissen, wie das Heute ist. Gestern wussten wir es nicht. Wir stellten Hochrechnungen an. Dachten an Folgen und Ursachen. Reagierten auf Spekulationen. Und stellten unsere Planung darauf ab. Nach bestem Wissen und Gewissen.

Aus genau diesem Grund ist es auch hinfällig, die Vergangenheit zu betrauern. Wir taten damals unser Bestes und landeten damit da, wo wir heute stehen. Wo wir gelandet wären, hätten wir anders entschieden, wissen wir nicht. Reine Spekulation. Heute das Gestern zu betrauern, hiesse, sich auf Spekulationen abzustützen und dadurch Leid zu spüren. Das wäre schlimmer als jede falsche Entscheidung der Vergangenheit – wobei die Wertung falsch oder richtig immer schwer zu fällen ist.

Und so ist es, wie es ist und ich bin dankbar. Ich bin zufrieden im Heute. Habe etwas Wehmut für das, was ich zurücklasse, einfach, weil es vertraut war. Freue mich aber sehr auf das Neue.

„Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!“

Schmetterling und Maulwurf

Es waren einmal ein Maulwurf und ein Schmetterling. Sie trafen sich, fanden sich nett, beschlossen, den Weg zusammen zu gehen. Der Schmetterling liebte den Maulwurf, weil er genau so war, wie er sein wollte. Er bewunderte ihn, weil er die schönsten Löcher buddelte und darin leben konnte. Wie gerne hätte der Schmetterling das auch gekonnt und sein eigenes Unvermögen nagte oft an ihm.

Der Maulwurf liebte den Schmetterling, weil dieser so schön fliegen konnte. Wie oft hatte sich der Maulwurf gewünscht, auch fliegen zu können. Er sah sich im Geiste durch die Lüfte gleiten, stellte sich vor, wie die Wiesen und Wälder von oben aussehen würden. Und insgeheim dachte er ab und an, er wäre eigentlich auch ein Schmetterling, nur im falschen Körper.

Weil die beiden so gerne der jeweils andere gewesen wären, verstanden sie sich gut. Jeder konnte sich in den andern hineinfühlen. Doch es nagte an beiden, dass sie nicht waren, wovon sie mal träumten. Irgendwann hielten sie das innerliche Nagen nicht mehr aus und trennten sich. Zwar waren beide traurig, aber sie konnten nicht mehr damit umgehen zu sehen, wie der andere sich zermartert. Der Schmetterling war es müde, des Maulwurfs vergeblichen Flugversuche anzusehen, die immer im Fiasko endeten. Der Maulwurf ertrug es nicht, zu sehen, wie sich der Schmetterling immer wieder die Flügel stutzte beim Versuch, in Höhlen zu krabbeln.

So lebte jeder sein Leben, jeder lernte mehr über sich selber. Ab und an blickten sie zurück auf die gemeinsame Zeit, mit Wehmut, mit Liebe, mit Wut, mit Trauer. Und lebten wieder weiter, versuchten, ihr Leben aufzubauen. Bis sie sich wieder trafen. Und merkten, dass es doch einen Weg geben könnte. Der Maulwurf sagte zum Schmetterling: „Ich werde für dich Löcher graben, in die Tiefe steigen und dir erzählen, was ich da unten sehe.“ Und der Schmetterling sagte: „Ich werde für dich in die Lüfte steigen und dir erzählen, wie die Welt von oben aussieht.“

Auf diese Weise hatten sie die ganze Welt für sich, jeder trug seinen Teil dazu bei. Und sie merkten – jeder für sich – dass ihr Teil wichtig für das Ganze war, denn nur zusammen war es umfassend.
„Danke, dass du für mich gräbst, Maulwurf!“ – „Danke, dass du für mich fliegst, Schmetterling!“

Das muss Liebe sein.

Sinn und Wert

Ein weiser Mann erzählte mir mal folgendes:
Es gibt ganz viele Menschen, die sind Maulwürfe. Sie leben ihr Leben in ihren Höhlen, tun, was Maulwürfe tun und sind zufrieden in ihrem Sein. Dann gibt es einige Menschen, die sind Schmetterlinge. Sie hören von den Maulwürfen immer: „Komm endlich in die Höhle, tue, was wir tun, so gehört sich das, so ist das Leben.“ Und die Schmetterlinge denken dann: „Ich bin falsch. Ich muss mich ändern. Ich muss in diese Höhle.“
Insgeheim merken sie, dass sie in der Höhle nicht glücklich werden. Doch sie hören in sich drin die Stimme: „Ich muss in die Höhle, ich bin nicht normal.“

Einige Schmtterlinge fliegen wohl in die Höhle. Sie gehen ein. Andere fliegen weiter, überhören die Stimmen. Noch andere fliegen, hören die Stimmen – von aussen und innen – und hintersinnen sich. Immer wieder. Denken, sie sind nicht richtig. Denken, sie passen nicht in diese Welt. Denken, sie müssten anders sein. Wünschen sich ab und an, in Höhlen zu leben. Merken dann, dass sie es nicht können. Fliegen weiter. Freuen sich am Flug. Kurz. Um dann wieder zu denken: „Ich müsste in diese Höhle. Verdammt, was mache ich da?“

Es gibt Tage, da fühle ich mich wertlos. Da denke ich, die ganze Welt liefe genau gleich, gäbe es mich nicht.
Es gibt Tage, da hadere ich mit dem Schicksal, wünschte mir, ich wäre anders. Dann denke ich, nichts auf die Reihe zu kriegen, nicht normal zu sein, nicht so zu sein, wie man sein müsste.
Es gibt Tage, da sitze ich hier und frage mich, was das alles soll, was ich tue, wieso ich tue, was ich tue, für wen ich tue, was ich tue.
Es gibt Tage, da ist die Welt aus den Fugen und ich mit ihr.
Es gibt Tage, da ist alles aus dem Lot, ich weiss nicht mal mehr, was ein Lot wäre und wenn ich es sähe, würde ich es nicht für mich passend empfinden, gleichzeitig verfluchend, dass es nicht passt und mich verfluchend, weil es nicht passt und weil ich das nicht Passen verfluche.
Frei nach dem Schaf: Alles ist doof. Aber ganz alles. Sogar das Du, das da ist oder nicht, es ist in beiden Zuständen doof. Und noch mehr ist das Ich doof. Das ist immer da und genau so, wie es ist, doof ist. Und im Dasein noch doofer. Bin ich ein Schaf?

Muss der Schmetterling in die Höhle? Darf er fliegen? Was ist richtig, was ist falsch? Wer ist mehr wert? Schmetterling oder Maulwurf? Wer hat mehr Daseinsberechtigung? Worin besteht der Sinn des Lebens? Was ist besser?

Wir werden in unserer Welt sehr darauf getrimmt, hinter allem einen Sinn zu suchen. Der Sinn hinter den Dingen macht die Dinge mit dem Verstand fassbar. Und nur, was mit dem Verstand fassbar ist, ist auch real. Ist da. Kann man einordnen. Dann fühlt man sich gut. Sinn alleine reicht aber nicht. Es muss auch noch einen Wert haben. Und der sollte sichtbar sein. Fühlbar. Nutzbar. So funktioniert das Leben, die Gesellschaft.

Wir lernen das von klein auf. Gute Leistungen bringen Lob, bringen Geschenke, bringen Liebe oft. Schlechte bringen Tadel, bringen Enttäuschung der andern und damit bei uns selber. Wie viele Kinder fürchten die Zeugnisse, weil sie die Reaktion ihrer Eltern fürchten. Wie viele Kinder versuchen alles, es ihren Eltern recht zu machen, weil sie Liebe wollen. Weil sie zeigen wollen, dass sie die Liebe wert sind. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Aber was er lernt, verlernt er auch nicht mehr. Und so sitzen die Muster tief. Sie prägen. Hängen nach.

Und dann sitzt man da und denkt: „Ich muss genügen. Ich muss Leistung zeigen. Ich muss es wert sein. Ich will geliebt werden. Also wo ist diese verdammte Höhle, ich muss da rein. Ich will auch so sein.“ Und flattert dabei mit den Flügeln. Und findet das Flattern gut. Weil es ist, was entspricht. Und denkt: „Aber es bringt nichts. Es ist nur Flattern. Es baut keine Höhlen. Es hat keinen Wert. Und die andern sind so viele. Ich flattere hier alleine.“

Und da ist da einer. Der sagt: „Ich liebe dich, wie du bist. Ich will dich fliegen sehen. Flieg, kleiner Sommervogel, flieg.“ Und man denkt: „Das kann nicht sein, der irrt.“ Zu tief sind all die Muster, zu tief sind all die Prägungen. Und er wird nicht müde, zu betonen: „Flieg. Du bist ein Sommervogel, kein Maulwurf. Und Sommervögel sind gut so, wie sie sind. Sowie auch Maulwürfe gut sind, wie sie sind.“ Und man weiss, er hat recht. Und man weiss, so soll es sein. Und man denkt, das ist die Wahrheit. Und man hofft, man glaubt sie mal.

Mit der Planierraupe an die Ostsee

Ich bin zufrieden mit dem, wie’s ist. Wenn man erst mal anfängt mit dem Unzufriedensein, dann sucht man immer weiter, bis man dann so unzufrieden ist, dass einem gar nichts mehr gefällt. Und dann ist man bloss noch zufrieden, wenn man unzufrieden ist.

Diese weisen Worte stammen von Ewald Fricker, der in einem kleinen Ort im Allgäu in einer Kiesgrube arbeitet und mit seiner Planierraupe, einer Fiat-Allis FL 10 C, das alljährliche Wettplanieren gewinnt. Ewalds Welt ist klein, sie besteht aus seiner nörgelnden, fast schon bösartig zu nennenden Mutter, seiner Planierraupe und seinem Akkordeon, das er meisterhaft spielt, obwohl er keine Noten lesen kann. Ewald ist sein ganzes Leben nicht aus Ratzisried rausgekommen, wo er nur als Dorfdepp bekannt ist.

Irgendwo ist jeder Mensch daheim. Jeder hat irgendeinen Marktplatz-Fleck auf der Seele. Kenn keinen, der’s nicht hätt.

Doch dieses Jahr ist etwas anders. Dieses Jahr hat Ewald Fricker ein besonderes Ziel: Er möchte an die Ostsee, um da an der Deutschen Meisterschaft im Präzisions-Planieren teilzunehmen. Er lässt sich durch nichts aufhalten und fährt eines Nachts mit seiner Raupe und seinem Akkordeon los Richtung Norden.

Rita Zieschke, Disponentin der Kiesgrube und Geliebte des Chefs soll den Abtrünnigen samt Raupe zurückholen. Rita Zieschke muss bald einsehen, dass Fricker nicht von seinem Plan abzubringen ist.

Sie schlitterte hier in etwas hinein, was nicht auf ihre Idee und ihre Initiative zurückging, und Rita mochte es nicht, wenn sie zum Reagieren verdonnert wurde, von wem auch immer.

Eine abenteuerliche Reise beginnt, welche nicht nur quer durch Deutschland führt, sondern beide auch mit ihren Ängsten und Sehnsüchten konfrontiert.

Eine Geschichte von einem, der ein Ziel hat und es verfolgt. Zwar kann er weder lesen noch schreiben, aber er spielt sein Akkordeon wie kein anderer und er weiss, wie mit einer Planierraupe umzugehen. Dass er seinem Ruf als Dorfdepp zum Trotz über eine eigene Weisheit verfügt, erstaunt nicht nur seine Mitreisende Rita Zieschke. Als diese merkt, dass er auch das Herz auf dem rechten Fleck hat, muss sie ihr Bild vom Leben und den Männern revidieren.

Fazit:

Eine kleine Geschichte ohne grosse Höhepunkte oder packende Spannung, die einem immer mal wieder ein Schmunzeln entlockt. Man fiebert mit Ewald Fricker mit und wünscht ihm seine Meisterschaft. Um das zu erleben, muss man weiterlesen – und tut es gerne.

Jockel Tschiersch: Rita und die Zärtlichkeit der Planierraupe, Wilhelm Goldmann Verlag, München 2012.

Angaben zum Buch:           

Broschiert: 256 Seiten

Verlag: Goldmann Verlag (27. Februar 2012)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3442312817

ISBN-13: 978-3442312818

Preis: EUR 14.99; CHF 24.90

 

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Ohne Worte

Ein weiteres Zeugnis verbaler Entgleisung… Bei allem Verständnis für die Unterstützung des eigenen Teams, bei allem Verständnis für den Frust bei der Niederlage, bei solchen Entgleisungen fehlt jedes Verständnis. Das hat mit Sport und Ehrgeiz nichts mehr zu tun, das ist purer Rassismus und ist zu verurteilen!

Asylantentsunami und Erschiessungsphantasien

Die SVP geht in eine neue Runde. Der Tagesanzeiger und die BaZ thematisieren die verbalen Entgleisungen von Beat Mosimann, welcher seinen rassistischen Gewaltphantasien auf Facebook und anderen Plattformen freien Lauf lässt. Er spricht von einem Asylantentsunami und zeigt seine Lösungsstrategien auf, welche bis hin zur standesrechtlichen Erschiessung führen. Muslime werden als Schädlinge bezeichnet, welche man entsorgen solle. Die Unterbringung in KZ ähnlichen Strukturen mit den dazugehöigen Auflagen vollenden das Bild.

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust führt oft zu Fragen wie: Wie war so etwas möglich? Wie kann es soweit kommen? Was geht in Menschen vor, die so etwas tun? Die Ereignisse sind in ihrer Grausamkeit weit weg heute, auch wenn sie nach wie vor betreffen. Wenn man solche Auswüchse sieht wie die jüngsten Social Media Skandale, wird einem schlagartig bewusst: Das könnte jederzeit wieder passieren. Der Mensch scheint nichts aus der Geschichte gelernt zu haben.

Die SVP will nichts von alledem gewusst haben, zieht nun aber die Notbremse und will prüfen, wie man solche Dinge in Zukunft verhindern kann. Was trotzdem offensichtlich ist, dass die dahingehend „verwirrten und verirrten“, wie Toni Brunner sie nennt, meist aus der Partei kommen oder mit ihr sympathisieren. Wenn das von der SVP so nicht gewollt ist, sollte sie vielleicht mal über die Bücher gehen, wieso sie gerade die anzieht?!

Freiheit und Einsamkeit

Udo Jürgens singt „du sagst, du bist frei und meinst dabei, du bist alleine“. Ist der Preis für Freiheit Einsamkeit? Ist die Suche nach Freiheit ein Weg, der in die Einsamkeit führt? Führen muss?
Ich bin ein Mensch, der immer viele Freiheiten suchte im Leben, Zwänge mied, Druck auswich. Ich liebte die Freiheit, das zu tun, was ich tun wollte, suchte die Unabhängigkeit, weil sie mir genau das ermöglichte. Das Gefühl der Einsamkeit ist mit wohlvertraut. Es kommt immer mal wieder hoch. Wie eine Welle schwappt es über mich. Nimmt mich ein. Ist das der Preis, den ich zahle für meinen Lebensweg?

Rousseau schrieb, der Mensch sei frei geboren, liege aber überall in Ketten. Woher rühren diese Ketten? Sie sind, so Rousseau, dem Umstand geschuldet, dass Menschen widersprüchliche Bedürfnisse haben,  die sich gegenseitig stören. Das macht aus dem von Natur aus guten Menschen böse Menschen in der Mehrzahl, weil sie anfangen, sich sowohl gegenseitig als auch selber zu hassen. Die Ketten, welche der Staat errichtet, dienen dazu, das Zusammenleben so zu regeln, dass es friedlich sein kann. Dazu bedarf es einiger Ketten, denn die Bedürfnisse und Interessen des Einzelnen sollen zum Wohle des Kollektivs (und damit auch des Einzelnen) im Zaume gehalten werden.

Was bedeutet nun also, wenn einer Freiheit will? Er muss sich aus dem Kollektiv entfernen, weil er sich mit der absoluten Freiheit von allen Ketten, Zwängen und Regeln nicht mehr ins Gefüge einpassen lässt. Und er will sich ja nicht einpassen, er will die Ketten sprengen. Beim Sprengen muss er sich bewusst sein, dass er damit auch die Gemeinschaft sprengt. Und dann ist der Preis die Einsamkeit.

Gibt es einen Mittelweg? Ein bisschen Freiheit für weniger Einsamkeit? Oder ist man am Schluss immer alleine? Vermisst man als Individualist in den Ketten die Freiheit und in der Freiheit die Gemeinschaft? Um in der Gemeinschaft ein wenig Sehnsucht nach der Einsamkeit zu spüren, die doch auch ihre schönen und guten Seiten hat? Ist das die ewige Suche nach dem, was fehlt? Oft spüren wir das, was fehlt, deutlicher als das, was ist.

Östliche Philosophien werden nicht müde, zu propagieren, dass man diese Sicht umkehren solle. Im Jetzt leben, das sehen, was ist, das geniessen, was ist, dafür dankbar sein. Der Ansatz ist sicher gut und richtig, doch was, wenn der Mangel schreit? Wenn er drückt und presst und manchmal fast erdrückt? Kann ich das einfach abstellen und mich dem Sein zuwenden? Wäre das nicht auch eine Art Selbstverleugnung, die mich von mir weg brächte? Wäre ich dann wirklich zufrieden, wäre ich dann wirklich ich? Oder gehört es einfach zu meinem Naturell, zu sehnen?

Goethe schrieb:

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich ans Firmament
nach jener Seite.
Ach! Der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß was ich leide!

Er spricht von Sehnsucht und damit verbundenem Leiden, er spricht von Einsamkeit, weil der Geliebte weg ist. Er spricht vom Brennen in ihm drin, das die Sehnsucht entfacht. Und ich könnte wetten, er spürte genau diese Sehnsucht, dieses Brennen, als er dieses Gedicht schrieb. Und hätte er die Sehnsucht nicht, hätte er das Leiden nicht, wäre uns ein Gedicht (und wohl so manches andere Gedicht und Werk) verloren. Es wäre schade drum. Und so hat wohl auch die Sehnsucht ihr Gutes, auch wenn der Preis das Leiden und damit nicht gering zu schätzen ist.

Alles im Leben hat seinen Preis, man ist immer selber in der Lage, zu entscheiden, ob man ihn zahlen will. Diese Entscheidung zeigt auch, wie wichtig einem etwas ist – je nachdem, ob man sich dafür oder dagegen entscheidet, den Preis zahlt oder verzichtet.

Wer bin ich?

Wer denkt,
wenn ich  hier denke?
Wer spricht,
wenn ich hier sprech’?
Wer fühlt,
wenn ich was fühle?
Wer sieht,
wenn ich was seh’?
Wen liebst du,
wenn du mich liebst?
Wenn siehst du,
wenn du mich siehst?
Wer bin ich,
wo find’ ich mich?
Wer bin ich,
wo sahst du mich?
Kann ich es glauben,
was du siehst,
wenn ich noch suche,
noch nicht fand?
Kann ich es glauben,
dass du  liebst,
was ich noch suche,
hadre nur?
Wo ist das Licht,
das weist den Weg?
Wann endet Dunkel,
Das verhüllt?
Wo sind die Fragen,
ich will sie finden.
Wird je sein,
was ich doch will?
Wer kann ich sein,
wo will ich hin?
Wo ist der Weg,
wo meine Schuh’?
Wo ist der Mut,
ihn nun zu wagen?
Wo ist die Kraft,
ihn auch zu geh’n?
Ich kann nicht bleiben,
es ist vorbei.
Ich muss nun los,
muss es versuchen.
Zu lange schon
Trat ich im Nichts.
Zu lange schon
Regierte Angst.
Ein erster Schritt,
es ist nicht leicht.
Was grad noch war,
ist nicht mehr da,
was kommen wird,
noch Ahnung bloss.
In mir klafft nur
Ein schwarzes Loch.
Der Mut wird klein,
die Angst wird gross.
Kann ich vertraun,
kann ich es wagen?
Wer will ich sein,
wer kann ich sein?
 Kommt je der Tag,
an dem ich’s weiss?

Leben auf der Flucht

Am Nachmittag des Tages der geplanten Flucht aus Berlin, überkommt Margot auf dem Weg zur Wohnung ein komisches Gefühl. Irgendetwas stimmt nicht, dessen ist sie sich sicher. Und wirklich steht der Mann, der vorher mit schnellem Schritt an ihr vorbei ging, nun vor ihrer Haustür und wartet offensichtlich auf sie. Es gibt kein Zurück mehr, Margot muss an ihm vorbei, als ob sie alles nichts anginge und läutet bei einer Nachbarin, welche sie zum Glück reinlässt. Da erfährt sie die ganze Wahrheit.  Die Gestapo hat alle abgeholt, die Mutter, die zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause war, meldete sich freiwillig, um mit ihrem Sohn zu gehen. Zurück bleibt nur Mutters Tasche mit einer Bernsteinkette und einem kleinen Adressbüchlein mit Adressen, welche zum Zweck einer Auswanderung oder Flucht gesammelt worden waren. Und eine Botschaft: „Versuche, dein Leben zu machen.“

Margot sieht ihre einzige Chance im Untergrund. Sie entledigt sich des Judensterns, färbt die Haare Tizianrot und läuft dann ziellos durch Berlin. Plötzlich steht sie vor dem Haus ehemaliger Freunde und kann erst mal bleiben. Danach führt ihr Leben von Adresse zu Adresse, immer auf der Flucht, immer versteckt und in Angst. Der Preis für die Hilfe ist ab und an hoch, manchmal scheint es blosse Nächstenliebe oder aber verdeckte Ablehnung Hitlers. Ganz sicher ist sich Margot nicht. Während sie von den Deutschen verfolgt wird, sind es oft auch Deutsche, die ihr helfen. Schuld und Unschuld, Täter und Opfer sind Kategorien, die in diesem Buch nicht einfach im Grossen zu verteilen sind.

Eines Tages kommt Margot in eine Kontrolle und gibt zu, Jüdin zu sein. Es fühlt sich an wie eine Befreiung, denn endlich kann sie wieder zu ihrem Schicksal, ihrer Identität stehen, muss nicht lügen, alles verdecken. Die Folge ist das Ghetto in Theresienstadt, wo sie Adolf Friedländer wieder trifft. Sie geben sich gegenseitig Halt, überleben das Ghetto wohl nur deswegen, weil sie erst gegen Ende des Krieges dahinkamen. Das Kriegsende kommt mit der Befreiung, doch wie nun weiter? Hunger herrscht noch immer, Angst ebenfalls.

Die Hand meiner Mutter hatte mich geleitet. Das hatte ich mir immer gesagt, all die Jahre. Ich hatte unter ihrem Schutz gestanden, damit ich überlebte. Und ich hatte es geschafft. Jetzt musste ich den Gedanken zulassen, dass meine Mutter tot war. Ich hatte mich ihr immer nahe gefühlt – bis jetzt. „Versuche dein Leben zu machen.“ Galt das bis hierhin und nicht weiter?

Der Weg aus Theresienstadt erfolgt in Viehwaggons, das mittlerweile verheiratete Paar ist im Besitz eines Briefes aus Amerika, von Adolfs Schwester. Zusammen wandern sie in der Folge aus.

Fazit:

Ein mitreissendes Buch über die wohl dunkelste Seite unserer Geschichte. Erzählt ohne Pathos, ohne Weinerlichkeit, sondern mit einer Klarheit und Kraft, die berührt.

Margot Friedländer (mit Malin Schwerdtfeger): „Versuche, dein Leben zu machen“ Als Jüdin versteckt in Berlin, Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Berlin 2008.

Beleidigung oder einfach nur flapsig?

Italiens Torschütze regt die verbalen Entgleisungen nur so an. In einem Artikel des Schweizer Boulevardblattes strotzt es nur von Tiefschlägen:

Mehmet Scholl wird zitiert, der Balotelli einen Strassenköter nennt. Das sind doch die, welche vor der EM in Massen getötet wurden in der Ukraine. Die, welche in südlichen Ländern Schimpf und Schande ausgeliefert sind und meist elendiglich zugrunde gehen. Die, welche niemand haben will, weil sie Abschaum sind. So einer also soll der italienische Schütze sein. Klar, er wurde in ärmliche Verhältnisse geboren. Die werden auch plakativ beschrieben. Man liest von vergammeltem Fisch, damit das Grauen auch wirklich fassbar ist. Und der Artikel wird nicht müde, Balotelli einen Köter zu nennen. Ob der Glamour-Hund dagegen ein Kompliment ist? Irgendwie klingt es nicht so.

Was soll damit erreicht werden? Ist diese Art Journalismus zulässig? Kann man es einfach damit abtun, dass der Blick schlicht nicht oberstes Niveau ist? Reicht das als Entschuldigung? Oder müsste man nicht auch hier erwarten können, dass wenigstens die Regeln des Anstandes und gegenseitigen Respektes eingehalten werden? Rassismus ist strafbar. Ist das schon eine Form davon? Eine, die mithilft, die Grenzen zu verwischen, die mithilft, die Toleranz für sprachliche (und andere) Entgleisungen zu erhöhen?

Schweizer Schlafzimmer in der Statistik

20 Minuten hat sich heute in des Schweizers Schlafzimmer begeben und statistisch dargelegt, wovon Herr und Frau Schweizer träumen und was sie wirklich tun – oder auch nicht. Folgt man dem Blatt, wird der Schweizer durchschnittlich einmal pro Woche aktiv. Beachtet man dabei, dass viele Frauen den Orgasmus nur vortäuschen dabei, fragt man sich, ob man nicht genauso gut den örtlichen Theaterverein besuchen könnte wöchentlich.

Folgt man dem Text weiter, steht, dass man eigentlich mehr möchte, fast schon von Pfadfindermanier ist die Rede (allzeit bereit). Wieso dann fast 30 Prozent auf Eiszeit setzen wird leider nicht weiter erläutert. Immerhin ist man trotzdem damit zufrieden, zeigen sich doch nur 12% der Frauen und 15% der Männer säuerlich, über die Hälfte sei sogar happy. Das Resultat scheint nicht nur mich zu befremden, auch Daniel Regli, Psychotherapeut und Dozent an der Uni Bern sieht in dieser Zufriedenheit eher Wunschdenken als Wahrheit. Das zeigt sich dann auch in der Fortsetzung, wo plötzlich die Dauer, der Aufbau sowie der Akt selber unter Beschuss stehen. Da fragt sich dann doch, wo bleibt da die Zufriedenheit, die gerade noch propagiert wurde? Denkt man dann noch an das Theaterspiel am Anfang zurück, stehen nur noch grosse Fragezeichen vor den Augen.

Locker flockig geht es weiter, Partnerhäufigkeit wie zahlenmässige Zusammensetzung des Liebesspiels sind ebenso Thema wie verschiedene Praktiken und Handarbeit. Und ganz am Schluss liest man sogar, dass nicht nur Frauen spielen, auch Männer täuschen vor.

Nach so vielen Zahlen und statistischen Werten bleibt noch die Frage: Wem bringt das nun etwas, was lernen wir daraus? Sind wir zufriedener, wenn wir uns über dem Schnitt sehen? Sind wir beruhigt, wenn wir uns in der Eiszeit nicht alleine fühlen? Das Leben als Statistik – wirklich erotisierend wirkt das auf alle Fälle nicht.

Soziale Medien als Tummelplatz

Die Tageswoche thematisiert heute das Thema Rassismus im Zusammenhang mit den sozialen Medien. Wieso da von halben Rassisten die Rede ist, verstehe ich allerdings nicht. Was genau soll ein halber Rassist sein? Kann man nur halbwegs rassistisch argumentieren? Und wie sähe das aus? Geht man davon aus, dass ein Mensch nie nur gut oder schlecht ist, nie nur zu verurteilende Züge hat, so stellt jeder Mensch ein Mischwesen dar. Trotzdem ist ein Mensch, der rassistisches Gedankengut vertritt ein ganzer Rassist, kein halber. Sonst gäbe es auch Teilschwangere (wobei es Teilzeitmütter gibt – in meinen Augen ebenfalls ein Definitionskonstrukt, das nicht aufgeht).

Soweit so gut. Der Artikel befindet, dass die sozialen Medien Rassisten eine Plattform geben, ihr Gedankengut unter die Menschen zu bringen. In Statusmeldungen bei Facebook oder Tweets in Twitter wird geschimpft, gepöbelt und diffamiert, frei von der Leber und meist unbehelligt. Der Skandal um den Kristallnachtstweet war eine Ausbahme, die Folgen hatte. Vieles andere bleibt ungeahndet. Wieso ist das so?

Ein Grund ist sicher die fehlende Kontrollinstanz. Wenn nicht Leser solcher Mitteilungen eingreifen und aktiv werden, rutschen die rassistischen Bemerkungen langsam in der Timeline nach unten und versanden. Vor dem Versanden haben sie sich allerdings in gleich denkenden Köpfen festgesetzt, diese wieder angeheizt und neue Meldungen produzieren lassen. Ein weiterer Grund ist wohl, dass soziale Medien Spasstummelplatz sind. Man tauscht sich locker flockig aus. Bringt einer eine kritische Meinung, ist er Spassbremse. Und niemand will das sein, was die Zurückhaltung grösser werden lässt. Zu Lasten derer, die unter die Räder kommen, weil sie und ihre Ehre und Integrität dem Spassfaktor geopfert werden. Schweigen, um dazuzugehören.

Die unkontrollierte und schnelle Verbreitung von Gedanken ist wohl der herausragende Faktor bei sozialen Medien. Man schart 100e von Freunden um sich, kennt die wenigsten, nimmt an, wer sich meldet und wird damit mit so vielen Meldungen pro Tag zugetextet, dass man selber gar nicht mehr alles fassen kann. Trotzdem durchlaufen fortan die Gedanken das Netz, teilweise ungelesen, oft auch gelesen. Und der, welcher sie schreibt, fühlt sich  gehört, verstanden, akzeptiert in seinem rassistischen Gedankengut und macht weiter. Geduldet, weil niemand mehr die Zeit hat, überhaupt hinzusehen. Und wenn jemand es sieht, lässt er es stehen. Kritische Stimmen will man nicht hören, die sind öde.

Einfach ein Zeichen der Zeit? Darf in einer liberalen Gesellschaft, die durch solche Medien schneller, unmittelbarer wurde, jeder seine Meinung frei von Einschränkungen in die Welt twittern? Sind die Schranken von Rassismus und Diskriminierung dem Spassfaktor unterworfen worden? Greift das Argument, keine Zeit zur Prüfung aller Freunde zu haben, wirklich? Wäre es nicht Pflicht, hinzusehen? Zu agieren? Einzustehen für Recht und Gerechtigkeit? Auch in solchen Medien? Gerade da?