Als ich Kind war, gab es im Fernsehen die Sendung „Geld oder Liebe“, in der auf spielerische Weise Wettbewerbe zu bestehen waren und am Schluss eine Entscheidung darüber gefällt werden musste, ob man sich für die Liebe – den Mann/die Frau vor Ort – oder aber für Geld – den erspielten Betrag – aussprechen möchte. Der Romanitker hätte gerne die Liebe gewählt gesehen, da ich noch jung war, überwog der immens. Der kleine Rationalist in mir sagte zwar schon, dass es a) nur ein Spiel, b) der anwesende Mensch ein unbekanntes Zufallsprodukt und c) wirkliche Liebe anders aussehen müsste. Trotzdem wäre es schön, den Himmel voller Geigen (oder Herzen) zu sehen und sich im Geiste ein „und sie lebten fortan in Glück und Frieden“ vorzustellen.
Wie ist es im wirklichen Leben? Was zählt, was ist wichtig, wofür entscheidet man sich, wenn es hart auf hart kommt? Was sind die Kriterien der Partnerwahl? Entscheidet nur das Herz, wo der Pfeil des Amor einschlägt, bleibt er stecken, ungeachtet dessen, was diese Einschussstelle mit sich bringt, oder zählen auch andere Werte, andere Kriterien? Welchen Stellenwert hat Geld? Welchen gleiche Interessen, gleiche Vorstellungen, gleiche Lebensmuster? Oder sind es gerade die gegensätzlichen Einstellungen, die anziehen?
Die erste spontane Antwort auf diese Frage ist sicher: Nur die Liebe zählt. Wo sie hinfällt, wächst nicht kein Gras mehr, sondern da wächst ganz viel. Wie aber fällt die Liebe? Einfach so? Aus dem Nichts auf einen Menschen? Was macht den anderen zu dem Menschen, den man liebt? Wie verliebt man sich? Haben die Biologen recht, wenn sie von den 3 Sekunden der Entscheidung aufgrund irgendwelcher Lockstoffe und passenden Gerüche sprechen? (Herr Biologe, zu Hilf!) Haben die Psychologen recht, die auf einer ähnlichen Schiene fahren und auch eine kurze Zeit als Matchentscheidend sehen? Wo aber bleiben da die Eigenheiten des anderen? Die Übereinstimmungen? Die Gemeinsamkeiten oder Gegensätzlichkeiten, die so anziehend sein sollen? Alles Schall und Rauch, da wir nur Trieb und animalisch gesteuert sind?
Wo blieben dann all die inneren Werte? Die kennt man doch gar noch nicht. Oder drücken die sich im Geruch aus? Riecht man, ob der andere hilfsbereit, intelligent, verlässlich, treu, ehrlich, verantwortungsbewusst und humorvoll ist? Wenn es nicht der geruch sondern doch ein Anflug von romantischer Liebe per Pfeilschuss ist: sind es dann die inneren Werte oder irgendwelche Phantasien, die der andere weckt? Und woher stammen die Phantasien? Sind sie nicht auch im weitesten Sinne verstandesprodukte? Wie weit entfernt sind wir dann noch vom Geld? Die Phantasie von der goldenen Kreditkarte, man selber in Highheels, gut aussehend neben dem machtvollen erfolgreichen Mann stolzierend, jeden Wunsch von den Lippen abgelesen bekommend da alles möglich ist? Ist sie verwerflicher als die Romantik des mittellosen Jünglings, der so gut aussieht, ein grosses Herz hat, einen auf Händen in den Sonnenuntergang trägt und dabei Gitarre spielt (bitte mich nicht auf die Unmöglichkeit dieses Zusammenspiels hinweisen, das Bild ist grad so schön – nicht plastisch sichtbar allerdings)? Zerplatzt diese Romantik nicht bei der ersten nicht bezahlten Telefonrechnung und spätestens im dritten Winter ohne Heizung, wenn die durch Nähe entstehende Wärme nicht mehr jeglichen weiter führenden Wünsche tilgt?
Liebe ist ein schwieriges Gebiet. Zum einen weiss jeder genau, was es ist, kann es aber nicht so deutlich beschreiben. Zum anderen stecken so viele Hoffnungen, Wünsche, Ziele drin, dass das arme Gefühl kaum noch atmen kann und sichtlich überfordert ist, was sich im häufigen Verflüchtigen derselben (so genannten) zeigt. Was ist die Lösung? Es gibt Kulturen, in denen Ehen geschlossen werden von den Eltern. Die zu Vermählenden kennen sich kaum bis gar nicht, wenn sie vor den Traualtar treten. Oft halten diese Ehen ein Leben lang, die involvierten Menschen scheinen nicht unglücklich. Ich kenne keine Statistiken, habe selber keine dazu gefälscht, glaube das einfach mal so. Woran liegt es? Nur weil sie keine Wahl haben, es zu ändern? Oder vielleicht doch daran, dass gemeinsame Werte und Wertvorstellungen zusammen halten, einen Weg finden helfen? Ist Liebe schlussendlich doch keine Leidenschaft, sondern ein Zusammenraufen und gemeinsam Gehen?
Was also nun? Geld oder Liebe? Das geld steht dabei wohl sinnbildlich für die Verstandesdinge, die Werte im Leben. Dabei gibt es wichtigere und unwichtigere, relevantere und solche, die man aussshliessen kann. Schlussendlich zählt wohl doch über kurz oder lang eine gemeinsame Basis, die Amorpfeil hin oder her, da sein sollte. Geld allein macht nie glücklich, das zeigen all die ach so reichen Promis mit ihren ach so grossen Problemen. Gar kein Geld macht auch nicht glücklich, das sieht man leider viel zu oft auf dieser Welt. Frei entfalten kann sich der Mensch dann, wenn seine Grundbedürfnisse gedeckt sind. Luxus ist schön, aber nicht glückselig machend. Wenn dann das Herz fehlt, nützt alles Geld, alle Vernunft, alle Rationalität nichts – man wird nicht glücklich werden. Das Herz entscheidet, wen man will, der Verstand prüft, ob es gut ist – und schweigt. Entscheidet der Verstand nach Pflichtenheftmanier, was man zu wollen hat, wird das Herz eingehen und die Seele krank.
Geld
Was sind Gefühle
in einer kalten Welt,
in der man bloss
den Schein noch sucht.
Sich zu offenbaren,
als Schwäche gilt,
sich zu öffnen,
zum Angriff ruft.
Was sind Gefühle
in einer harten Welt,
in der man stark sein
und bestehen muss,
um nicht unterzugehen.
Wo als Schwäche gilt,
wenn man offen
fühlt.
Was sind Gefühle
in einer schnellen Welt,
die antreibt nur
zu Höchstleistung.
Wo Romantik als Geplänkel scheint,
Geld nur herrscht
und Macht
gesucht.
Was sind Gefühle
in einer toten Welt,
wo jedes Fühlen
abgewürgt
und der der fühlt
in Ketten darbt,
als Idealist beschimpft
und ruhig gestellt,
auf dass er schweige.
Was sind Gefühle
in dieser heut’gen Welt?
Gibt man auf
Und ist nur Schein?
Gewinnt Verstand,
das Herz soll Schweigen?
Oder wagt man doch
Und ist.
Sein braucht manchmal Mut, ab und an bedeutet es Verzicht. Schein ist Verzicht auf der ganzen Ebene – nicht gleich, aber langsam bohrend, mitten ins Herz, es verletzend. Und mit dem Herz leidet die Seele und das gekaufte Glück ist plötzlich nichts mehr wert.