Das Gute und das Schlechte – ein Regenbogen des Lebens

Bin ich gut, wie ich bin? Geht es mir gut, so wie es mir geht? Ist mein Leben ein gutes Leben oder müsste etwas besser sein? Wie entscheide ich, was gut ist und was schlecht? Was sind generell Kriterien für gut und schlecht?

Ganz schnell gesagt wäre gut das, was ich gerne möchte. Ich möchte es, weil es gut ist. Und schlecht wäre dann das, was ich gerne miede, wovon ich Abstand nehme. Das liegt auf der Hand, man weiss dabei noch nicht, ob ich etwas möchte und es drum gut ist oder aber ob es gut ist und ich es drum möchte. Wird etwas erst durch das Wollen gut oder ist es das schon und das Wollen strebt nach dem Guten? Offen bleibt noch immer: Was macht das Gute zum Guten?

Oft sind es Wertvorstellungen. Diese sind vielschichtig genährt. Kulturell, gesellschaftlich und auch teilweise ideell. Und ab und an streiten diese Kriterien miteinander. Was gesellschaftlich gefordert ist, geht eher den ökonomischen Weg, der ideelle Weg eher den romantischen. Was genau ist dann gut? Wäre es nicht ein Zirkelschluss, könnte man sagen, dass das gut ist, was gut ist. Eine neue Komponente käme dazu, wenn man sagte, dass gut ist, was man als gut erachtet. Da ist eine Instanz, die bestimmt, was gut ist. Gut wird zum Normbegriff. Dinge müssen erfüllt sein, damit etwas gut ist. Welche sind das?

Es darf keinen Schaden anrichten. Dann ist es ethisch gut. Es darf kein Leid verursachen. Das ist das Wohlfühlgut. Es ist erstrebenswert, das Nachfragegut. Es muss was bringen, das Vermögensgut. Und es gäbe wohl noch viele guten Güter. Bringt uns das weiter? Wieso streben wir nach dem Guten? Woher hat es seinen Reiz? Und wenn wir all das Gute haben, was haben wir dann?

Oft hilft ein Blick auf das Gegenteil dessen, was man zu eruieren sucht: Das wäre hier das Schlechte. Wir meiden es. Wieso? Das Schlechte wird mit all dem in Beziehung gebracht, das wir nicht haben wollen. Es bringt Leid (wir fühlen uns nicht wohl), es bringt Verlust (wir vermissen das Vermögen), wir wollen es nicht haben (wir rennen davon, erstreben das Gegenteil), wir wollen so nicht sein oder handeln (es widerspricht unserer Vorstellung von Moral und Ethik).

Sind wir nun weiter? Es ist zu sehen, dass das Gute all das ist, was wir wollen und das Schlechte all das, was wir nicht wollen. Von unserem Standpunkt aus sind es zwei Seiten ein und desselben – unseres Wollens. Und unseres Wertens. Wir schauen hin, sortieren aus, streben nach dem Einen, meiden das Andere. Wie die Tauben bei Aschenputtel – die guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen – nur dass wir es gerne andersrum hätten – die Guten essen, die Schlechten wegwerfen, wir sind ja nicht Mutter Wohlfahrt. Oder wäre gerade das gut? Die Schlechten essen, die Guten weitergeben? Dann wäre ja gut, das Schlechte zu behalten, das Gute zu geben? Und schlecht wäre, am Guten zu haften, das Schlechte zu geben?

Aus egoistischer Sicht behalten wir das Gute, aus altruistischer geben wir es her.  Realistisch wäre wohl, dass alles zwei Seiten hat, man keine verneinen kann, da die andere sonst nicht existiert. Das Streben nach dem Guten muss misslingen, wenn man dabei das Schlechte ausblenden und meiden will. Das Schlechte ist der Preis für das Gute, dass es überhaupt als Gutes existiert und wahrgenommen werden kann. Geschätzt werden kann. Dabei ist es irrelevant, was nun gut und was schlecht ist. Alles gehört dazu und macht in seiner Fülle, seiner Ganzheit das Leben aus. Das nie nur schwarz oder weiss ist, sondern ein Sammelsurium aus den verschiedensten Farben. Einige mögen wir, andere weniger, alle gehören sie zum Regenbogen.

4 Kommentare zu „Das Gute und das Schlechte – ein Regenbogen des Lebens

  1. Das Schlechte ist der Preis für das Gute? Da steige ich nicht ganz dahinter. Unglückserfahrfung der Preis für intensive Glückserfahrung, so ja.
    Schön wäre es ja, wenn wir immer wüssten, was gut und was schlecht für uns ist. Und dann ist ja lange noch nicht unbedingt gut für andere, was gut für uns ist, bzw. drastischer, gut für uns und in der Konsequenz schlecht (Leiden) für andere. Auch eine Frage der Ressourcen.

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    1. Ich denke nicht, dass es so linear ist. Aber alles hat irgendwie seinen Preis, ja. Der muss nicht schlecht sein im absoluten Sinn. Trotzdem ist nichts umsonst. Entscheidungen für etwas sind meist solche gegen etwas anderes. Man selber gewichtet, was höher wiegt (im eigenen Denken/Wollen).

      Ich denke weiter, dass ohne das Kennen und erfahren Haben von Tiefen die Höhen nicht erfreulich sind – nicht so, wie sie es sein können beim Kennen des Gegenteils.

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  2. Ich würde hier trotzdem, um Missverständnisse zu vermeiden, zwischen Glück und Unglück einerseits und Gutem-Schlechtem andererseits mehr differenzieren. Denn Unglück ist ja nicht gleichbedeutend mit moralisch schlecht. Allerdings liegt in meinem Kommentar ja auch die Frage an Dich (und uns alle): Ist nicht so manches, was für uns gut ist für andere in der Konsequenz schlecht? Konkret zum Beispiel: Geht reich ohne arm unter Berücksichtigung begrenzter Ressourcen?

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    1. Ich denke auch, dass gut und schlecht nicht dasselbe wie Glück und Unglück ist. Dass gewisse Dinge für den einen gut sind und die Konsequenz haben, für andere schlecht zu sein, ist in der Tat so, muss aber nicht sein. Es kann aus etwas Gutem auch für mich selber etwas Schlechtes in der Konsequenz erwachsen. Gut und schlecht sind dabei immer Bewertungen, die subjektiv sind.

      Bei arm und reich denke ich, ist es nicht nur ein Problem der Ressourcen, sondern vor allem der Verteilung derselben. Natürlich kann man sagen, wären die Ressourcen nicht begrenzt, wäre diese Unterscheidung nicht nötig, da jeder nehmen könnte, was er will. Haben könnte aber jeder, was er braucht, wären die Verteilmechanismen entsprechend. Dem steht der persönliche Egoismus und die Gier entgegen, die unter Menschen herrscht/herrschen kann.

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