Yoga – der Weg ins Glück?

Yoga ist Kult. Jeder betreibt Yoga, der was auf sich hält. Wie es früher zum guten Ton gehörte, zu Teegesellschaften oder in Salons zu gehen, so geht man heute zum Yoga. Die Dame von Welt ist auf der Suche nach sich selber, nach Ruhe und Stille durch Meditation und wohltuende Körperübungen. Man will der westlichen Welt mit all ihrem Leistungsdruck, ihrem Statusdenken, ihrem Kapitalismus abschwören und sich in der alten Tradition der Innenschau schulen.

So die Theorie. Waren es anfangs noch ein paar Aussteiger und kurlige Vögel, so betreiben heute Lady Highsociety und der Herr Geschäftsmann Yoga. Und alle erzählen sie von ihrem Aha-Erlebnis, von all den positiven Nutzen, die Yoga in ihr Leben brachte. Das Leben im Hier und Jetzt wird propagiert, der achtstufige Weg von den Verhaltensnormen bis hin zur Erleuchtung runtergebetet, einzelne Yogasutras zitiert und die Mala am Handgelenk gebüschelt.

Die frühen Vögel fingen den Wurm, indem sie Richtungen mit ihrem Namen und ihrem Konzept prägten. Weitere Vögel folgten und sprangen auf den Ast auf. Studios spriessten aus dem Boden, eines glänzender und grösser als das andere. Ausbildungen kamen nach, alle mit noch universaleren Namen. Allianzen entstanden national und international, Standards wurden geschaffen, so viele, dass keiner mehr den Durchblick hat. Bücher bevölkerten die Ladentische, alle mit den ewig selben Inhalten, alter Wein in neuen Fässern.

Was ist Yoga? Die Besinnung auf das Hier und Jetzt, der Weg nach Innen. Die Auseinandersetzung mit sich selber und die Erlangung eines stillen Geistes. Wo in dieser schreienden Yogawelt von Designeryogakleidern, Edelmatten, Nobelstudios ging das hin? Ist die Yogalehrerin mit diamentenbesetzten Malaketten und rotgeschminkten Lippen wirklich auf ihrem Weg oder aber auf dem Weg, der in ihr selbstgemachtes Glück führt, das kaum etwas mit Yoga, mehr mit Business zu tun hat?

Klar kann man sagen, dass auch Yogalehrer leben müssen. Sie bauen ein kleines Imperium auf, hoffen auf ein grösseres und bedienen sich des Yogas, dieses zu erreichen. Der Boom hält an, er wird wie jeder auch mal abnehmen. Schneeballprinzip. Wenn jeder die Ausbildung zum Lehrer machen, danach selber loslegen kann, dann gibt es bald mehr Studios als Schüler. Ob dann die  grosse Freude an der angestrebten Erleuchtung noch dieselbe ist, wage ich mal ganz kess zu bezweifeln.

Was heute in der Yogaszene passiert, hat leider wenig mit dem ursprünglichen Gedanken von Yoga zu tun. Man kann nun sagen, der Yoga macht es im Gegensatz zu unseren Kirchen richtig: Er passt sich den Gegebenheiten und Ansprüchen des heutigen westlichen Lebens an und adaptiert die da portierten Werte. Verkauft wird immer noch östliche Philosophie, dahinter steht Profit und westlicher Spirit. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, das ist Ökonomie und damit heute und hier anerkannt. Ob es glückselig machend ist, sei dahin gestellt. Unterm Strich kann man sagen, dass niemandem damit geschadet wird. Die Menschen, die die Maschinerie nähren, bewegen sich, finden etwas für sich, das ihnen (für den Moment zumindest) gut tut und nehmen etwas in ihr Leben hinein.

Zum anderen kann man sagen: Zum Glück sind nicht alle so. Es gibt auch noch die Yogis und Yoginis, die nicht mit 100 Ausbildungen prahlen, in jede Kamera lächeln und sich über den Klee loben. Es gibt noch die, welche durch ihr Wesen strahlen, die leben, was sie lehren und den Weg für sich gehen. Innerlich und ehrlich. Es sind die, welche sich nicht etwas überstülpen, sondern wirklich denken, was sie sagen und glauben, was sie beschwören. Allerdings hat das dann wenig mit Yoga zu tun, sondern mit Authentizität. Es hat damit zu tun, dass man ist, wie man fühlt und das nach aussen darstellt. Das wird jedem, der damit konfrontiert wird, etwas geben. Und das ist wohl auch die wirkliche Philosophie des Yoga. Unabhängig von glänzenden Räumen, glitzernden Tops und klirrenden Malas.

2 Kommentare zu „Yoga – der Weg ins Glück?

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