Ostern und die Frauenfrage

Ich stand heute um 7 auf, putzte, kochte, wusch, putzte wieder, goss im Garten, führte den Hund aus, räumte das Katzenklo, kochte wieder, redete aufs Kind ein, putzte wieder. Dann las ich auf Twitter dieses:

Wie schändlich, dass alle frei haben und keiner weiss, wieso, wo die biblischen Ursprünge sind.

Die Bibel ist eines der grössten literarischen Werke (für mich nicht mehr, aber das bestimmt). Nur: Wie muss ich als Frau das verstehen, wenn man meint, ich hätte heute frei? Die Schreibende ist sonst sehr emanzipiert unterwegs. So selbst-deklarativ. Auf meine Anmerkung, dass es der Rolle der Frau durchaus dienlich wäre, man würde die Arbeit zu Hause auch mal als solche anerkennen, kam: Jaja, so war das ja nicht gemeint.

Genau da schwächelt das Ganze aber ja: Wer kümmert sich immer noch mehrheitlich um Kinder? Um kranke Eltern? Um bedürftige Angehörige? Wer steckt zurück – mehrheitlich? Es sind Frauen. Einige machen es gern und freiwillig, andere haben keine andere Wahl. So oder so wäre vor allem der Frau, aber auch der Gesellschaft gedient, wenn Arbeit endlich als solche anerkannt würde. Wenn die Arbeit zu Hause nicht als Nebenher gesehen würde und die sie Ausübenden nicht als minderwertig gegenüber ihren so genannt arbeitstätigen Geschlechtsgenossinnen.

Wer mich kennt, weiss: Ich bin alles andere als Gender-Fan. Ich mag keine Quoten, mag keine Frauen-an-die-Macht-Posts. Ich möchte nur, dass Arbeit anerkannt wird. Egal, was sie privatwirtschaftlich einbringt. Wenn sich aber selbst Frauen gegenseitig gering schätzen, wie wollen sie dann Männer angehen, die das tun?

Fleisch oder kein Fleisch – das ist die Frage

Ernährung ist die neue Religion. Die einen schiessen gegen die anderen. Diese sind die Ignoranten. Veganer argumentieren mit armen Tieren, Augenrollen und ethischen Motiven, Fleischfresser mit Biologie, Ironie und Tradition. Meine Meinung?

Jeder, der sich vegetarisch oder vegan ernähren will, soll das tun. Ich würde ihn nie verurteilen (wie könnte ich, ich lebte selber insgesamt 16 Jahre vegetarisch, teilweise wohl fast vegan, ohne den Ausdruck damals zu kennen) – so lange er nicht andere damit missionieren will. Er darf seine Welt zeigen, andere teilhaben lassen, aber: Entscheiden soll jeder selber können. Wer nun einwenden will, Kühe können auch nicht entscheiden, ob sie gemolken oder geschlachtet werden wollen, dem sei gesagt: Tomaten können das auch nicht. Wo setzen wir die Grenze? Man weiss (!) heute, dass auch Pflanzen Gefühle haben. Nur können sich das die meisten weniger vorstellen als bei Tieren. Kühe schauen einen aus tiefbraunen Augen an und man hat den Jö-Effekt – der fehlt bei der Tomate. Vielleicht blüht die auch lieber unter freiem Himmel als im Treibhaus? Vielleicht möchte sie auch nicht in Tonnen Gleicher quer über den Erdball geflogen werden?

Damit will ich nicht den Tierschutz lächerlich machen, im Gegenteil. Ich wünsche mir einen bewussten Umgang mit allem. Kein Verdammen. Ich wünsche mir einen Weg zurück zur Natur. Für alle. Klar können wir Menschen denken. Und abstrahieren. Bei den anderen wissen wir es nicht. Vor kurzem dachten wir, Gemüse fühlt nicht. Davor dachte man, Tiere fühlen nicht. Beides ist widerlegt. Wir wissen nicht, was kommt. Drum wäre es für mich an der Zeit, der Natur entsprechend zu handeln. Da sind wir Menschen Allesfresser. Aber: Wir müssen dazu keine anderen Lebewesen ausnutzen. Wir könnten ihnen ein gutes Leben angedeihen lassen. Weil wir es können.

Der Löwe kann die Antilope nicht aufziehen. Er jagt sie, erlegt sie, frisst sie. Das nennen wir natürlichen Gang. Die meisten Kühe würden kaum leben, würden sie nicht gehalten. Aber: In diesem Leben sollen sie gut leben. Sie sollen sich am Leben freuen können.

Und ja, irgendwann sterben sie. Wie die Antilope. Wie der Grashalm. Wie wir selber. Das ist für mich der Kreislauf des Lebens. Und daran glaube ich. Danach versuche ich, zu leben. Ich esse keine Erdbeeren im Winter, ich importiere keine Avocados. Ich esse keine chemisch produzierten Fleischersatzteile. Ich esse wenig Fleisch, aber wenn, dann aus einer als tiergerecht deklarierten Haltung.

Absolute und missionierende Haltungen waren nie förderlich. Keinem. Es gilt ein machbares, für möglichst viele lebbares Miteinander zu finden.

Leb wohl, Gerri

17884476_10155322283442834_2581290942762795018_nIch weiss nicht, wieso wir ins Gespräch kamen, es war auf Twitter oder Facebook, wir trafen uns schnell real. Danach trafen wir uns wöchentlich. Du trankst immer Apfelschorle mit Zitrone. Ich meist Wasser oder Tee. Wir sprachen über Gott und die Welt. Mehrheitlich sprachst du, ich kam kaum zu Wort. Das war nicht schlimm, ich höre gerne zu und ich hatte selten viel zu erzählen – du schon. Deine ganze Lebensgeschichte hast du mir ausgebreitet.

Du sprachst laut. Ich weiss noch, wie ich immer dachte, dass nun alle alles wissen. Ich falle nicht gerne auf. Dir war das egal. DU kamst und warst da. Immer. Präsent. Und authentisch. Du sagtest mir immer, dass du da bist für mich. Ich immer einen Freund hätte in dir. Und ich glaubte dir. Du warst einer der Guten. Als mein Sohn mal ein Interview brauchte mit einem „älteren Menschen“, sprangst du ein, weil wir hier keine Familie hatten. Du stelltest dich allen Fragen. Für dich war mein Sohn danach nur noch der Bonsai. Ich werde ihn nie mehr anschauen können, ohne daran zu denken. Und das ist schön, denn dann denke ich auch an dich.

Das werde ich sowieso oft tun. Ich danke dir für ganz viele Lieder, die ich durch dich kennenlernte. Ich danke dir für einen Schneespaziergang bei Schneewehen, wir sahen die Welt vor Augen nicht, aber es war toll. Ich danke dir für ganz viele Stories, Treffen, Momente. Ich danke dir für deine Freundschaft.

Irgendwann warst du still. Ich erreichte dich nicht mehr. Ich setzte mit Hilfe von Freunden Hebel in Bewegung, wir schafften es, dass du ins Spital kamst. Da fing die Unsicherheit an. Schaffst du es? Können dir die Ärzte helfen? Können wir genug da sein? Immer wieder gab es gute Momente, gab es Hoffnung. Leider ist die mit dir am 21. Februar gestorben. Ich habe kurz davor noch mit dir telefoniert. Du gabst dich positiv, aber es schwang eine leise Ahnung in der Stimme mit – oder hörte ich die nur? Ich habe es heute erfahren, nachdem ich dich mehrfach vergebens zu erreichen versuchte. Wir werden nie mehr zusammen im Migros-Café in Oerlikon sitzen. Wir werden nie mehr in „unserem Café“ am Sternen sitzen und uns über die Menschen um uns amüsieren. Und über uns selber. Wir werden so viele Dinge nicht mehr machen, die wir noch machen wollten.

Ich werde nun das Lied hören, das ich durch dich kennen und lieben lernte – eines der vielen. Und ich werde an dich denken. Und mein Glas zum Himmel heben.

Mach’s gut, Gerri. In meinem Herzen hast du einen grossen Platz, der bleibt.

Facebook: Jeder ein Fernsehstar

Wie schön war FB, als die Leute noch schrieben, was sie dachten. Heute machen sie Livevideos. Früher hiess es also:

„Hallo liebe Leute, ich habe die ultimative Geschäftsidee für euch. Klickt auf den Link und schon seid ihr dabei.“

Heute hört sich das dann so an:

„Hallooooo, ihr Lieben – hallo Ulli, hallo Bianca – ach, der Björn ist auch da, schön, dich zu sehen…. Also hallooooo zusammen. Ich habe ja heute gerade auf FB – hallo Erika – eine Unterhaltung gesehen,“

*naseputzt,

„da ging es um die liebe Arbeit“

*Augenbrauehochziehundernstguck

„Ein schwiiiiiieriges Thema. Und: So wichtig. Nuuuun. Ich habe da – hallo Klaus, hast du es auch noch geschafft? Toll – Ich mag ja diese Livevideos, man ist so nah dran und es ist eine direkte Weise, Menschen zu erreichen. Also. Arbeit. Wir alle haben sie“

*naserümpf

„und lieben sie wohl eher selten. Aber – hier kommt die gute Nachricht“

*indiekamerastrahl

„Ich kann euch helfen. – Hallo Laura. Das Wetter hier ist übrigens toll, seht ihr das?“

*schwenkteinmalumdieeigeneachse

Zu dem Zeitpunkt bin ich eingeschlafen, sorry, ich kann euch nicht sagen, wie es mit dem tollen Video weiterging.

Rainer Maria Rilke: Der Blinde

Sieh, er geht und unterbricht die Stadt,
die nicht ist auf seiner dunkeln Stelle,
wie ein dunkler Sprung durch eine helle
Tasse geht. Und wie auf einem Blatt

ist auf ihm der Widerschein der Dinge
aufgemalt; er nimmt ihn nicht hinein.
Nur sein Fühlen rührt sich, so als finge
es die Welt in kleinen Wellen ein:

eine Stille, einen Widerstand -,
und dann scheint er wartend wen zu wählen:
hingegeben hebt er seine Hand,
festlich fast, wie um sich zu vermählen.

Das Gedicht entstand 1907 in Paris. Es steht in einer Reihe von Gedichten, die sich mit den menschlichen Sinnen, dem menschlichen Sehen oder auch unmenschlichem Wegsehen befassen. Das Sehen selber wird Gegenstand, der Gegenstand, auf den der Blick fallen könnte, rückt in die zweite Reihe.

Das Gedicht fängt mit einem Apell an: Sieh! Der Leser soll hinsehen, wo es nichts zu sehen gibt, weil alles im Dunkel liegt. Er soll das tun, was dem Blinden verwehrt ist, der mit seiner Blindheit alles in die Dunkelheit führt. Damit entstehen Fronten: Einer soll hinsehen, einer sieht nichts. Hellsicht und Blindheit stehen nebeneinander.

Rilke fordert den Sehenden auf, das zu sehen, was er wohl im Alltag selber nicht sieht. Er zeigt ihm, wie der Blinde durch die Welt geht und wie er sie wahrnimmt. Weil alles um ihn Dunkelheit ist, muss er die Stadt auf eine andere Weise erleben. Er muss sie fühlen, muss die anderen Sinne aktivieren. So wirken denn Wellen auf ihn, sie kommen als Stille und auch als Widerstand daher. Er nimmt seine Hand und tastet. Damit verbindet er sich mit der Stadt, geht mit ihr eine innige Beziehung ein.

So gesehen ist der Blinde tiefer in der Stadt als es ein Sehender meist ist. Während dieser quasi blind durchs Leben eilt, verweilt der Blinde und fühlt. Er wird eins mit der Stadt, vermählt sich mit ihr. Oft denken wir, der Blinde könne etwas, das wir können, nicht. Wir nennen ihn in seiner Wahrnehmung behindert durch diese Einschränkung. In Tat und Wahrheit nimmt er viel mehr wahr, als wir es tun, die wir sehen können. Geblendet von all den oberflächlichen Eindrücken gehen wir nicht mehr in die Tiefe. Wir vermählen uns nicht mit den Dingen, wir fühlen sie nicht, sondern sehen sie aus der Distanz von uns getrennt.

Erst, wenn wir lernen, mit allen Sinnen an einem Ort zu sein, werden wir ihn auch wirklich wahrnehmen und erleben. Dann leben wir an diesem Ort, dann sind wir ganz da. Dahin zielt der Appell am Anfang: Sieh! Und zwar wirklich – auch das, was für die Augen nicht sichtbar ist, im Dunkel liegt.

Ich war mal ein Yogi

Ich erinnere mich gut. Ich war im Studium, las mich kreuz und quer, kam über Schopenhauer und andere hin zur östlichen Philosophie und von da zum Yoga. Ich fand das toll: Geist auf den Körper angewandt, alles in einem, ganzheitlich. Das leuchtete mir ein, das spornte mich an: Ich wollte das kennenlernen.

Ich meldete mich aus dem Stand für meine erste Lehrerausbildung an. Ich hatte noch nie einen Fuss auf eine Matte gesetzt. Das änderte sich mit dem ersten Tag im Unterricht. Ich war täglich auf der Matte, atmete ein, was sich mir zeigte. Ich sah, was andere tun, hörte, wie über die geurteilt wurde, die keinen Spagat, Kopf- und Handstand können – und nebenher wurden die ethischen Prinzipien runtergebetet.

Ich hatte nie Mühe, da ich von Natur sehr beweglich bin. Niemand hätte je gedacht, dass ich Yoga noch nie gemacht hatte. Alle Verknotungen schaffte ich mit links, die Muskeln (ich hatte als Sportmuffel keine) baute ich auf. Ehrgeiz war noch nie mein Schwachpunkt. Mir genügte es nie. Ich nahm alle Positionen (ausser dem Handstand, der ist mit einem Trauma behaftet) problemlos ein. Und ich fand Yoga gut. Im Kern. Nie in der Ausübung. Ich war kaum je mehr unter Stress als da. Und ich sah nie mehr verletzte Menschen als in der Zeit. In keiner Ausbildung gab es einen Menschen, der kein Leiden hatte. Alle litten sie an Knie, Schultern, Rücken….

Es war nicht meine Welt. Ich habe irgendwann die Reissleine gezogen für mich. Zumal ich unter chronischen Schmerzen litt, die just nachliessen, wenn ich mit Yoga aufhörte. Ich stieg aus. Stieg aus aus der Ausstiegsgemeinschaft Yoga. Und es war gut.

Eine Klasse behielt ich. Eine Gruppe von Senioren. Ich mache keine haarsträubenden Übungen mit ihnen. Es ist herzlich. Menschlich. Alle haben ihre Gebrechen – wir sind alle nicht jung. Sie sind über 60, teilweise über 80. Wir atmen, wir lachen. Wir schauen, was geht. Wir haben keinen Wettbewerb. Wir nehmen den Tag, wie er kommt.

In der letzten Stunde sagte ich zu „meinen“ Damen: Ich mache kein Yoga mehr, nur noch mit euch. Als die Stunde fertig war, merkte ich, dass das nicht stimmt. Ich machte nie mehr Yoga. An dem Nachmittag setzte ich mich in den Garten und meditierte. Nicht nach Anleitung. Ich könnte dem keinen Namen geben. Für mich war es Meditation. Ich sass und atmete und war. Und ich fühlte mich gut. So ruhig. Und es hallt nach. In mir. Und das ist gut.

Ich habe keinen Namen mehr dafür. Bin ich ein Yogi, bin ich Buddhist? Meditiere ich? Ich bin. Ab und an bewusst im Moment. Das möchte ich wieder öfters tun. Ohne Stempel, ohne Namen. Und ich freue mich auf meine Frauen nach den Ferien. Sie haben mir viel beigebracht. Mehr als alle Ausbildungen je. Und: Zu sehen, dass sie sich auf meine Stunden freuen und diese ihnen gut tun, ist mein Highlight der Woche jeweils.

Es ist immer ein Geben und Nehmen.

PS: Und ja, ab und an mache ich auch Asanas, strecke Beine in die Luft und beuge mich über dieselben. Und es tut gut. Ich mache es nur noch für dieses Gefühl. Ohne anderen Anspruch.

Anita Terpstra: Anders (Rezension)

Spurlos verschwunden – die Hoffnung bleibt

Inhalt

Verzweifelt liess Alma das Licht der Taschenlampe über die Bäume gleiten. Der Klumpen in ihrem Magen wuchs mit jeder Minute. Würde sie Sander hinter diesem Baum finden? Oder hinter dem nächsten? Seit Stunden spielte sie bereits dieses Spiel.

TerpstraAndersZwei Jungen verschwinden in einem Ferienlager bei einer Nachtwanderung. Der eine wird bald darauf tot aufgefunden, vom andern, von Sander, fehlt jede Spur. Das Leben der bislang glücklichen Familie Meester ist aus den Fugen. Trotzdem die Jahre ins Land ziehen, verschwindet die Hoffnung, Sander zu finden, nicht ganz – und dann meldet sich plötzlich nach sechs Jahren ein junger Mann auf einer Polizeistation und sagt, er sei Sander.

Nach anfänglichem Glück kommen mehr und mehr Zweifel auf: Ist es wirklich Sander? Zu viele Reaktionen erscheinen vor allem der Mutter komisch.

Beurteilung
Eine gute Geschichte mit authentischen Figuren, feinen, leisen Tönen und einem geschickten Umgang mit wichtigen Themen wie Kindsmissbrauch, Konstellationen in Familien, Umgang mit einem Unglück. Gerade die Themen und auch die Art, wie Anita Terpstra diese behandelt, machen aus dem Buch mehr als nur einen spannenden Thriller. Es regt zum nachdenken an, es bleibt etwas hängen.

Schade war, dass (mir?) von Anfang an klar war, wie alles zusammen hängt, so dass die Spannung des Whodunit weg war, es blieb allein die Frage nach der Aufklärung. Auch waren gewisse Passagen gar langatmig, so dass ich versucht war, diese zu überblättern. Zu guter Letzt merkte man dem Buch an, dass es eine Übersetzung ist, kein deutsches Original. Das ist nicht per se schlecht, führte einfach teilweise zum Gefühl, dass die Sprache nicht echt ist.

Das mag nun nach grosser Kritik klingen, gar danach, dass ich das Buch nicht empfehle. Dem ist nicht so. Wenn man Krimis mag, die ohne grosse Gewalt und blutrünstige Szenen auskommen, wenn man Geschichten schätzt, die Tiefe haben und nicht einfach plakativ den Zeigefinger auf die Wunden halten, wenn man gerne zum Nachdenken angeregt wird und nicht nur möglichst viel Spannung bei der Tätersuche will, ist man mit diesem Buch sicher gut bedient. Es ist eine gute Lektüre für einen entspannten Sonntagnachmittag, durch das teilweise Überfliegen gewisser Passagen kommt man auch gut voran.

Fazit:
Ein Thriller der leisen Töne, der zum Nachdenken anregt, bei dem die Spannung aber nicht an oberster Stelle steht. Empfehlenswert.

Zum Autor
Die niederländische Schriftstellerin Anita Terpstra, geboren 1975, studierte Journalismus und Kunstgeschichte und arbeitete danach als freie Journalistin für einige Zeitschriften. »Anders« ist ihr erster Roman bei Blanvalet.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (15. August 2016)
Übersetzung: Jörn Pinnow
ISBN-Nr 978-3734102578
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Fritz J. Raddatz: Rainer Maria Rilke (Rezension)

Überzähliges Dasein. Biogrraphie

„Ich bin wie eine leere Stelle“

Inhalt

Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.

RaddatzRilkeAm 4. Dezember 1875 wird Rainer (eigentlich René) Maria Rilke in Prag geboren. Die Kindheit ist schwierig, die Mutter verlässt die Familie bald, die Narben davon und auch einer dem sensiblen Gemüt schadenden Schulzeit werden den Dichter ein Leben lang begleiten. Schon früh ist Rilke klar, dass er Dichter werden will, sein erster Gedichtband erscheint 1894. Es folgt ein Leben auf Reisen, ein Leben mehrheitlich finanziert durch Gönner und Mäzeninnen. Entstanden ist dabei ein literarisch wertvolles, und grossartiges Werk.

Beurteilung
Fritz J. Raddatz zeichnet anhand verschiedener Themen und Lebensetappen das Leben des Rainer Maria Rilke nach. Er tut dies in einer pointierten, schonungslosen Art. Die Sprache ist oft verschnörkelt, als ober der Autor selber literarische Höhenflüge vollbringen statt eine Lebensbeschreibung vollbringen wollte. Trotzdem beeindruckt Raddatz durch ein grosses Literaturwissen, durch das er immer wieder Bezüge zu anderen Schriftsteller aus Rilkes Zeit ziehen konnte und so das Leben und Schreiben des Dichters in einen grösseren Zusammenhang stellte.

Bei den Interpretationen verschiedener Stücke Rilkes beweist Raddatz eine scharfe Sicht auf Details und weist auch auf häufige Irrtümer anderer Interpreten einzelner Stücke hin. Alles in allem ist das vorliegende Buch eine sehr zu empfehlende Sicht auf das Leben eines der – wie ich finde – grössten Dichter der deutschen Literatur. Da kann man dem Autoren die manchmal etwas mühselig zu lesende Sprache nachsehen.

Abgerundet wird das Buch durch eine kurze chronologische Auflistung der wichtigsten Etappen von Rilkes Leben sowie eine Auflistung der benutzten Primär- und Sekundärliteratur. Ein Index hilft, gezielt die in dieser Biographie erwähnten Personen im Text zu finden.

Fazit:
Eine sprachlich etwas schwierige, inhaltlich aber sehr überzeugende Beschreibung von Rilkes Leben und Werk. Sehr empfehlenswert!

Der Autor
Fritz J. Raddatz ist der widersprüchlichste deutsche Intellektuelle seiner Generation: eigensinnig, geistreich, gebildet, streitbar und umstritten. Geboren 1931 in Berlin, von 1960 bis 1969 stellvertretender Leiter des Rowohlt Verlages. Von 1977 bis 1985 Feuilletonchef der ZEIT. 1986 wurde ihm von Franςois Mitterrand der Orden «Officier des Arts et des Lettres» verliehen. Von 1969 bis 2011 war er Vorsitzender der Kurt-Tucholsky-Stiftung, Herausgeber von Tucholskys «Gesammelten Werken», Autor in viele Sprachen übersetzter Romane und eines umfangreichen essayistischen Werks. 2010 erschienen seine hochgelobten und viel diskutierten «Tagebücher 1982-2001». Im selben Jahr wurde Raddatz mit dem Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihm «Jahre mit Ledig». Der Autor verstarb im Februar 2015.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag (18. Dezember 2015)
ISBN-Nr: 978-3499269936
Preis: EUR 10.99 / CHF 16.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH