Tagesgedanken: Nicht ans Aussen hängen

„Omnia mea mecum porto“ Cicero*

(Alles, was mein ist, trage ich bei mir.)

Wir hängen oft an Dingen, nicht nur, weil wir sie haben, sondern weil wir uns über sie verstehen. Wir hängen an Orten, an Rollen, an Beziehungen, an Bildern von uns selbst. Sie geben uns Halt, manchmal auch Richtung. Das geht sogar noch weiter, indem wir all diese Dinge nicht nur als zu uns gehörend anstehen, wir glauben sogar: Das bin ich.

Fällt etwas davon weg, nimmt uns das Leben unsere Sicherheiten, unsere Rollen oder gar Menschen, spüren wir, wie sehr wir unser Inneres an Äusseres gebunden haben. Dann leiden wir nicht nur am Verlust selbst, sondern auch daran, dass ein Stück Selbstverständnis brüchig wird.

Der alte Satz erinnert daran, dass auch, wenn vieles wegfällt, nicht alles verloren ist. Was wirklich mein ist, was mich ausmacht, sind nicht mein Besitz oder äussere Güter. Es ist das, was in mir Form gewonnen hat: Haltung, Urteilskraft, Erinnerung, Liebe, die Fähigkeit zu denken und zu antworten.

Vielleicht beginnt innere Freiheit dort, wo ich nicht mehr alles festhalten muss, weil ich weiss: Das Wesentliche ist nicht das, was ich habe, es ist das, was mich von innen her trägt.

(*Der Ausspruch geht zurück auf den griechischen Philosophen Bias von Priene)


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