Tagesbild: Blösse

„Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unseren Kleidern.“ Heinrich Heine

Wenn es um die Blösse geht, kommt eine Hemmung mit auf. Wir wollen sie vermeiden, wir fürchten, von anderen in sie hineingedrängt zu werden oder aber sie selbst zu zeigen. Das zeigt sich schon in verschiedenen Redewendungen.

„Sich keine Blösse geben.“
„Jemanden blossstellen.“

Der Blösse liegt nicht nur die blosse Nacktheit zugrunde, sondern auch die Scham. Wann im Leben lernen wir die? Wann ist der eigene Körper plötzlich nicht mehr das Natürlichste der Welt, sondern etwas, mit dem wir nicht zufrieden sind, das wir verändern und gar verbergen wollen?

Kann man wieder verlernen, was man mal gelernt hat? Wie viel Freiheit wäre plötzlich im Leben, könnte man sich zeigen? In seiner ganzen Blösse. Innerlich wie äusserlich.

„Wer nackt Würde zeigt, gibt sich keine Blösse.“ Klaus Ender, Fotograf

Habt einen schönen Tag!

(Skizzen im Skizzenbuch)uch)


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4 Kommentare zu „Tagesbild: Blösse

  1. Mir gefällt diese Reihe sehr, in der du Tagesbild und Text verbindest. Im Griechischen gibt es das Wort apogymnovo, apogymnosi – Nacktmachen, im Sinne von: Menschen oder Dinge, Zustände nackt machen, ihrer Verkleidung oder Umhüllung berauben. Das hat aber nichts mit Schamverletzung zu tun, sondern mit Wahrheit, nackt, bloß stehen Politiker, Berge, Ökonomien da, beraubt dessen, was sie umhüllte.

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