Hugo Ball (22. Februar 1886 – 14. September 1927)

Einen Hansdampf in allen Gassen könnte man ihn nennen, einer, der seinen Weg ging, Neues ergründen und schaffen wollte. Er versuchte, liess fallen, versuchte neu, stellte auf die Beine und lief wieder davon.

Geboren wurde Hugo Ball am 22. Februar 1886 in ein bürgerliches Umfeld. Dem väterlichen Befehl folgend brach Hugo die Schule vor Abschluss des Gymnasiums ab und besuchte eine Lehre, die er dann aber wieder abbrach, das Gymnasium beendete und mit dem Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie begann. Dieses brachte er bis zur geplanten Dissertation, als er befand, der Wissensbestrieb sei ihm erstorben. Er wollte ins Leben, wollte spielen, wollte auf die Bühne. In seinem Tagebuch vermerkte er:

“1910-1914 war alles für mich Theater: das Leben, die Menschen, die Liebe, die Moral. Das Theater bedeutete mir: die unfassbare Freiheit”

Und er schrieb. 1911 erschien sein erstes Buch «Die Nase des Michelangelo». Er beteiligte sich an Zeitschriften, plante weitere schriftstellerische Projekte, doch der Krieg machte diesen ein Ende. Theater wurden geschlossen, Ball wandte sich mehr dem Schreiben zu, veranstaltete literarische Abende und brach dann 1915 die Zelte in Deutschland ab, um in die Schweiz zu reisen. Mit ihm reiste Emmy Hennings, seine spätere Frau und Mitbegründerin des Cabaret Voltaire in Zürich.

«Das Leben ist so reich, wenn man arm ist.»

Die Schweiz war nicht nur Paradies, wie anfänglich gedacht. Denunziation und sogar Gefängnis warteten. Aber es war auch Zeit des Auf- und Umbruchs. Die Zeiten waren schwierig, das Geld knapp, die Engagements trugen kaum, Hennings Prostitution füllte die Haushaltskasse, bis die beiden sich entschlossen, selbst ein literarisches Kabarett zu gründen. Zuerst ohne festes Ensemble bildete sich bald eine Gruppe, die zu den grossen Namen des Dadaismus wurden: Hans Arp, Richard Huelsenbeck, Marcel Janco und Tristan Tzara. «Dada» als Begriff ist im Programmheft 1916 das erste Mal dokumentiert.

Das Ganze wuchs Ball schon bald wieder über den Kopf und er zog sich zurück, schrieb vermehrt für die Zeitung und Bücher, darunter 1919 «Zur Kritik der deutschen Intelligenz», in welchem er die Kriegsschuld Deutschlands thematisierte. Die finanzielle Lage wurde drückend, Ball heiratete Hennings und wollte mit deren Tochter zurück nach Deutschland, wo sie sich aber nicht mehr zurechtfanden und wieder in die Schweiz zurückkehrten, wo Ball weiter Bücher schrieb. 1920 kam es zu einer folgenreichen Begegnung mit Hermann Hesse, eine Freundschaft bis ans Lebensende entstand. Hugo Balls Gesundheit bröckelt, eine Krebsdiagnose und Operationen zeigen das nahe Ende auf, das am 14. September 1927 im Tessin, wo die kleine Familie die letzten Jahre lebte, eintritt.


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