Gedankensplitter: «Jeder ist jemand.»

Der Schriftsteller George Tabori sagte einst:

«Jeder ist jemand.»

In diesem Satz steckt eigentlich die ganze Menschlichkeit, die ganze Ethik, derer es für ein friedliches Zusammenleben von verschiedenen Menschen als Gleiche bedürfte. Jeder Mensch, egal, woher er kommt, was er glaubt, was er fühlt, wie er aussieht, was er will und was er braucht oder nicht kann, ist jemand. Und als dieser Jemand gehört er zu uns, ist er ein Teil dieses «Uns». Er ist zwar ein anderer, vielleicht auch ein Fremder, aber kein Ausgestossener, sondern ein Zugehöriger. 

Früher hat man diese Gemeinschaft in religiösen Gruppen, familiären Verbänden oder auch in anderen kleinen Organisationn aktiv leben können. Man hatte den öffentlichen Raum als Zusammenkunftsort, wo man als Verschiedene aufeinandertraf und die gemeinsamen Belange diskutierte. All das ist in der angestammten Form weggefallen. Geblieben sind vereinzelte Individuen, die auf dem Papier eine Gesellschaft bilden, von der sie sich mehr und mehr emanzipieren wollen – und dabei in die Haltlosigkeit und oft auch in die Einsamkeit fallen. 

Wenn wir nur schon anerkennen könnten, dass jeder jemand ist, dass er damit den Respekt verdient, den wir für uns selbst wünschen, weil auch wir jemand sind und als jemand wahrgenommen werden wollen, ist schon viel gewonnen. Den anderen wahrnehmen als jemanden, ihm zuhören, ihn sehen als dieser Jemand. Das ist ein Geschenk und wir sollten grosszügig damit umgehen. 



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4 Kommentare zu „Gedankensplitter: «Jeder ist jemand.»

  1. Guten Morgen Sandra,

    vielen Dank auch für diesen Deinen Beitrag.

    Wäre Deine Würdigung des Menschen, des Einzelnen, im Bewusstsein aller, wäre eine lebende Gesellschaft durchgängig vorhanden, nicht alleine normiert.
    Da jede/r jemand ist, wird damit auch die Existenz einer Gemeinschaft und eines Miteinander reflektiert, jedenfalls spüre ich dieses weiterfolgend so.

    Wünsche Dir einen bunten Freitag – liebe Grüße

    Matthias

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  2. Zitat: „Jeder ist jemand.“ *

    Dem stimme ich zu, …würde es selber aber etwas anders sagen:

    „Jeder ist bedeutend.“

    🌿

    Sandra: „Früher hat man diese Gemeinschaft in religiösen Gruppen, familiären Verbänden oder auch in anderen kleinen Organisationn aktiv leben können.“

    Das kannst du doch heute auch?!

    Wäre es dir wirklich wichtig, würdest
    du die für dich passende schon finden.

    🌿

    Sandra: „Man hatte den öffentlichen Raum als Zusammenkunftsort, wo man als Verschiedene aufeinandertraf und die gemeinsamen Belange diskutierte. All das ist in der angestammten Form weggefallen.“

    Die Stammtische gibt es meines Wissens noch und die vielen Foren – wie auch dieses hier – bieten zusätzliche Möglichkeiten.

    🌿

    Sandra: „Geblieben sind vereinzelte Individuen, die auf dem Papier eine Gesellschaft bilden, von der sie sich mehr und mehr emanzipieren wollen“

    ◾Vielleicht will nicht jeder am oberflächlichen Gerede der Gesellschaft teilnehmen?
    ◾Was spricht gegen das… sich-emanzipieren-wollen?

    🌿

    Sandra: „und dabei in die Haltlosigkeit und oft auch in die Einsamkeit fallen“

    Es gibt aber noch die, welche das Alleinsein nicht mit Einsamkeit gleichsetzen.

    Rabindranath Tagore sagte es dem Vernehmen nach einmal so:

    Allein sein zu müssen, ist schwer
    – allein sein zu können, ist schön.

    🌿

    Sandra: „weil auch wir jemand sind und als jemand wahrgenommen werden wollen“

    Was bringt es denn, wahrgenommen zu werden?

    Die vielen Lampen, die von außen strahlen,
    können das innere Licht nicht vergrößern.

    🌿

    Letzte Grüße im Juni
    von Nirmalo

    *) Meiner Kurzrecherche nach stammt das Eingangszitat von George Tabori: „Jeder ist jemand. Und es gibt immer wieder Menschen, auch in unserem Land, die enthemmt der Meinung sind: Nicht jeder ist jemand. Es gibt auch Menschen, die niemand sind.“

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