Johann Wolfgang von Goethe: Nähe des Geliebten

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Nähe des Geliebten
(1827)

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wanderer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne:
O wärst du da!

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wenn man liebt oder Sehnsucht hat


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2 Kommentare zu „Johann Wolfgang von Goethe: Nähe des Geliebten

  1. Der Traum von romantischer Liebe im Alter !

    „Petrarcas Liebe, die unendlich hohe,
    War leider unbelohnt und gar zu traurig,
    Ein Herzensweh, ein ewiger Karfreitag;

    Doch stets erscheine, fort und fort, die frohe,
    Süß, unter Palmenjubel, wonneschaurig,
    Der Herrin Ankunft mir, ein ew’ger Maitag…“

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