Die Reise

Sie packte ihren Koffer. Nicht ordentlich, eher willkürlich. Sie griff, was ihr vor die Augen kam, und legte es rein. Schnell. Sie wollte endlich los. Dann schloss sie den Koffer und ging. Sie schloss die Tür hinter sich. Zweimal. Als ob sie mit der Tür noch mehr verschliessen wollte. Abschied nehmen.

Sie lief los. mit jedem Schritt schien sie freier atmen zu können. Der Druck auf ihrer Brust löste sich. Sie wusste insgeheim, dass es keine Reise war. Es war eine Flucht. Nicht hin. Weg. Getrieben. Nicht gezogen. Die letzten Wochen waren schwer gewesen. Alles hatte an ihr genagt.

Sie stieg in den Bus. Setzte sich. Sie war fast allein. An einem Sonntagmorgen schlafen die meisten noch. Oder sie sitzen mit ihren Familien am Früchstücksrisch. Sie nicht. Sie ging. Sie hatte schon lange daran gedacht. Immer, wenn ihr alles über den Kopf zu wachsen drohte, kam es in ihr hoch: „Bloss weg hier!“ Doch sie war nie gegangen. Bis jetzt.

Was war dieses Mal anders? War es einfach die immer grösser werdende Anspannung? War zu viel zusammengekommen? War das Fass nun übergelaufen?

War es richtig, was sie tat? Was würden die anderen denken? War das wichtig?

Sie sah nach draussen. Es war kalt. Die Autos waren mit einem weissen Film überzogen. Die Welt schien still zu stehen. Ruhe. Endlich. Kamine rauchten. Sie war müde. Ach so müde. Ihr Ziel erschien ihr plötzlich beliebig. Was sollte sie da? Und wie lange würde sie bleiben? Wie lange könnte sie bleiben? Und dann?

Sie wurde traurig. Und irgendwie auch hoffnungslos. Und dann sah sie klarer. Draussen ging die Sonne auf. Als der Bus seine Runde vollendet hatte, stieg sie aus. Sie lief nach Hause und schloss die Tür auf. Sie ging hinein.

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