Eine Geschichte von morgen

Aus dataistischer Sicht können wir die gesamte menschliche Spezies als ein einziges Datenverarbeitungssystem betrachten, in dem die einzelnen Menschen als dessen Mikrochips fungieren.

HarariWir stehen am Anfang des dritten Jahrtausends und blicken auf eine lange Geschichte zurück. Was bei dieser Geschichte auffällt, ist, dass es immer Veränderungen und Umbrüche gab, und: Diese werden immer schneller.

Als Menschen sind wir kaum mehr in der Lage, mit den ständigen Neuerungen und Anforderungen fertig zu werden, geschweige denn können wir wirklich voraussagen, wohin das alles führen wird.

Unser neu entdecktes Wissen führt zu schnelleren wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungen; mit jedem Versuch zu begreifen, was geschieht, beschleunigen wir die Akkumulation von Wissen, was wiederum zu noch schnelleren und grösseren Umwälzungen führt.

Fakt ist: Die Digitalisierung schreitet voran. Wo früher Menschen als Könige des Universums agierten, stehen sie heute mehr und mehr in der Gefahr, von Maschinen abgelöst zu werden. Und nicht nur das: Maschinen sind sogar in vielen Dingen besser als wir Menschen, einschliesslich dessen, herauszufinden, was wir selber wirklich wollen.

Harari erklärt, wieso alle Organismen eigentlich Algorythmen sind. Ein Algorythmus ist eine methodische Abfolge von Schritten, die es erlaubt, Probleme zu lösen, Entscheidungen zu treffen oder Dinge zu berechnen. Wenn wir etwas tun, passiert das nach einer genauen Abfolge von Schritten, welche nach unserer Erfahrung (so denken wir) dazu geeignet ist, das zu tun. In Tat und Wahrheit ist in unserem Gehirn quasi ein Schaltkreis entstanden, welcher uns nun dies nach vorgegebener Methode tun lässt.

Hat der Humanismus noch sehr auf den einzelnen Menschen und seine individuelle Freiheit gesetzt, fragt sich nun, wo der Mensch, einst Krone der Schöpfung, bleiben wird. Dass wir kein Selbst sind, keinen freien Willen haben, eigentlich aufgrund von Hirnverschaltungen agieren, hat uns die Hirnforschung schon erklärt. Nun geht es eine Stufe weiter. Der Mensch schafft sich quasi selber ab durch seine sich immer schneller entwickelnden Innovationen im Bereich Datensammlung und –vernetzung. Damit droht dem Menschen bald das gleiche Schicksal, welches den Tieren durch den Menschen angetan wurde.

Klingt gruselig? Das Ganze soll nicht als Prognose verstanden werden, so Harari, sondern als (wohl ziemlich realistisches) mögliches Szenario einer nahen Zukunft. Harari besticht durch fundierte historische Kenntnisse, welche vor allem in den ersten beiden Teilen (Homo sapiens erobert die Welt & Homo Sapiens gibt der Welt einen Sinn) zum tragen kommen. Er versteht es, die historischen Abläufe und das menschliche Leben in den verschiedenen Bereichen auf eine detaillierte, informative und doch unterhaltsam lesbare Weise zu vermitteln. Teil drei führt die Geschichte weiter in die Zukunft, indem die vorhandenen Kriterien und Erkenntnisse konzis ermittelt und zusammengeführt werden, um den Strom der Geschichte auf eine nachvollziehbare und durchaus einleuchtende Weise weiter fliessen zu lassen.

Fazit
Ein spannendes, gut lesbares, unterhaltsames und sehr eindrückliches Buch über die menschliche Geschichte und wohin sie zu steuern scheint. Eine ganz grosse Leseempfehlung.

Zum Autor
Yuval Noah Harari wurde 1976 in Haifa, Israel, geboren. Er promovierte 2002 an der Oxford University. Aktuell lehrt er Geschichte an der Hebrew University in Jerusalem mit einem Schwerpunkt auf Weltgeschichte. Sein Weltbestseller „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ wurde in fast 40 Sprachen übersetzt.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 653 Seiten
Verlag: C.H.Beck Verlag 4. September 2018
Übersetzer: Andreas Wirthensohn
ISBN: 978-3406727863
Preis: EUR: 14.95 ; CHF 24.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei BOOKS.CH und AMAZON.DE

Sie: „Ganz schön schwül heute…. UIIIIIII, was war das denn?“

Er: „Ich könnte dir das natürlich gleich verraten, aber das wäre nur halb so lustig, drum rate mal – du hast drei Versuche.“

Sie: „Nicht dein Ernst, oder? Du weißt genau, dass ich solche Spiele hasse, nun spuck schon aus.“

Er: „Nun sei doch keine Spassbremse, rate!“

Hätte er mal gesehen, was sie in der Hand hält, er hätte gesagt, dass es eine Fledermaus war, die in dunkelster Nacht und damit ungesehen, lautlos und nur durch den nahen Lufthauch gefühlt an ihr vorbeischwirrt war und sie erschreckt hatte.

Die Moral von der Geschicht’?

Provoziere erschreckte Frauen nicht, schon gar nicht mit besserwisserischen Ratespielchen… die Polizei fand nur das blutüberströmte Messer neben seiner Leiche und glaubte der immer noch erschreckt wirkenden Frau (die zwei Semester an der Schauspielschule waren also doch für etwas gut gewesen – man sollte Weiterbildungen nie unterschätzen, auch wenn sie nicht gleich eingesetzt werden können), dass es Notwehr war aufgrund der Todesangst, die ihr eine aus dem Nichts auftauchende und hautnah durchhuschende Gestalt eingejagt hätte….

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Für die abc.etüden, Woche 28.18: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 28.18 kommt von Natalie aus dem Fundevogelnest

Sie lautet: Fledermaus, schwül, verraten

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Eine Reise durch die Philosophie von der Antike bis in die Neuzeit

Epochen – Autoren – Werke, so heisst der Untertitel dieses reich bebilderten Übersichtswerk über die Geschichte der Philosophie. Martin F. Meyer startet bei den Vorsokratikern und führt den Leser in einer gut verständlichen Sprache durch die Zeit bis hin in die Neuzeit. Dabei bettet er die einzelnen Philosophen immer in ihre Zeit ein, gibt einen kurzen Einblick in ihre persönliche Herkunft und den Werdegang und geht dann auf die zentralen Werke und deren grundlegenden Aussagen ein.

Die Illustrierte Geschichte der Philosophie ist sehr geschmackvoll aufgemacht, das Layout ist schlicht, übersichtlich und überzeugt ästhetisch. Kleine Infoblöcke (in Kreisform, was dem Layout ein gewisses Etwas gibt) bieten schnell erfassbare Überblicke über die vorherrschenden Denker einer Zeit oder aber erläutern deren wichtigsten Theorien. Eine schöne Auswahl an Bildern rundet den Gesamteindruck ab.

Philosophie hat mitunter nicht den Ruf, sehr unterhaltsam und prickelnd zu sein, dieses Buch hat aber Suchtcharakter und es birgt die Gefahr, zur nächsten Buchhandlung rennen zu wollen und alle vorgestellten Bücher gleich auch noch lesen zu wollen. Ich kann es jedem, der sich mal einen Überblick über die Geschichte der Philosophie verschaffen will, nur ans Herz legen. Aber: Nicht nur denen, das Buch ist wirklich einfach eine wunderbare Unterhaltung und man entdeckt ja auch als alter Hase immer wieder etwas Neues oder findet etwas wieder, das in Vergessenheit geriet.

Fazit
Ein sehr fundiertes, umfassendes, lesbares und schön aufbereitetes Buch, das eine breite Übersicht über die Geschichte der Philosophie bietet und zu weiterer Lektüre verleitet. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor:
Martin F. Meyer ist Privatdozent am Philosophie-Seminar der Universität Koblenz-Landau

Angaben zum Buch:
MeyerIlluPhiloTaschenbuch: 186 Seiten
Verlag: J. B. Metzler Verlag (16. März 2016)
ISBN: 978-3476026484
Preis: EUR: 24.95 ; CHF 31.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Sie: „Ich kann nicht mehr, ich habe keine Kraft mehr.“
Er: „Das tut mir leid, kann ich was tun?“
Sie: „Ich weiss nicht, wohl kaum. Ich muss schlicht wieder zu Kräften kommen.“
Er: „Schade, du brauchst mich nie. Ich fühle mich damit schlecht.“
Sie: „Das tut mir sehr leid.“
Er: „Ja, du solltest dich wirklich mal mehr um meine Bedürfnisse kümmern. So kann ein Miteinander ja nicht funktionieren.“

Sie: „Ich habe zugenommen, findest du nicht?“

Er kannte sie schon eine Weile und wusste, dass das dünnes Eis war und er sich hüten sollte, etwas zu sagen, nur wusste er auch, dass er aus der Nummer nicht ohne ein Wort rauskommen würde, da sie keine Ruhe gäbe, bis er ihr geantwortet hätte, nur um dann – egal, was er auch sagte, er konnte nur verlieren – auszuflippen und ihm die Hölle heiss zu machen für die nächsten Tage, zumal sie unglaublich nachtragend sein konnte, was er gar nicht mochte, aber auch nicht sagen durfte, da dies denselben Effekt gehabt hätte wie die nun erwartete Antwort.

Er nuschelte nur etwas, das ganz sicher wie ein Nein, niemals wie ein Ja klang, und wollte sogleich gehen, als Ausrede brachte er – nun ganz verständlich, sie sollte die Dringlichkeit des Weggangs ja verstehen – das Argument vor, heute zeitig bei der Arbeit sein zu müssen. Er hatte die Rechnung ohne den Wirt (hier die Wirtin, denn Genderbewusstsein wurde neustens auch gross geschrieben und er traute sich schon fast nicht mehr, morgens zu fragen, ob sie einen Kaffee ans Bett gebracht haben wollte, tat es noch, weil Heissgetränk wiederum nicht spezifisch genug gewesen wäre) gemacht.

Nicht nur liess sie ihn nicht einfach so gehen, nein, sie atmete hörbar aus, worauf ihr Bauch nach aussen schnellte, einen Knopf von ihrer Bluse löste und diesen wie eine Pistolenkugel in seine Richtung schoss.

Und die Moral von der Geschicht:

Übers Gewicht der Frauen spricht man nicht.

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Für die abc.etüden, Woche 10.18: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 10.18 kommt Frau M.Mama (im www HIER)

Sie lautet: Knopf, zeitig, hüten.

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Es war einmal ein Berliner, dem fiel just am Silvester ein Bleiklumpen auf den grossen Zeh. Der Schmerz war so gross, dass er jaulend auf einem Bein um den Christbaumständer hüpfte, dabei in der einen Hand den schmerzenden Fuss hielt, in der anderen den Karpfen, den er seiner Liebsten vorher mit einem Kuss entlockt hatte. Diese tat besorgt, doch er wusste es genau: Das war pure Heuchelei, denn insgeheim hegte sie die Hoffnung, bis spätestens zum Neujahrsläuten ihn in die Notaufnahme gebracht und so den Karpfen wieder zurückerobert zu haben.

Unweigerlich schoss es ihm durch den Kopf: So waren sie also, diese Rauhnächte, an denen jeder hehre Vorsätze fasste und dabei zur Unterstützung Wunderkerzen schwang. Alle wollten sie bessere Menschen werden, aber erst im neuen Jahr, im alten gönnten sie einem nicht mal einen Karpfen. Vermutlich hatte ihm die – nun plötzlich nicht mehr so – Liebste den Bleiklumpen gar extra auf den Zeh geworfen, aber da hatte sie die Rechnung ohne ihn gemacht, denn dieser Karpfen war seiner und er gäbe ihn nicht mehr her.

Die Uhr schlug Mitternacht, er wollte mal nicht so sein, ging auf die Liebste zu und umarmte sie, wenn auch zögerlich, ohne zu merken, dass sich hinterrücks die Katze derselben angeschlichen hatte, schwupps, den Karpfen eroberte und damit von Dannen zog. Sie hatte sich keine guten Vorsätze gefasst…*

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Für die abc.etüden, Woche 51.17: Was für die Adventsetüden galt, gilt auch für die Sonderedition Weihnachts-/Neujahrsetüden, Textwochen 52.17/01.18.
Die Grundregel bleibt: 3 Wörter, maximal 10 Sätze, und darf wie schon in den letzten Wochen gern zu einem „mindestens 3 Wörter“ erweitert werden.
Erneut gilt: Die 3+ Wörter können aus der nachfolgenden Liste (12 Wörter) selbst ausgewählt werden:

Berliner, Bleiklumpen, Christbaumständer, Karpfen, Kuss, Heuchelei, Hoffnung, Neujahrsläuten, Notaufnahme, Rauhnächte, Vorsätze, Wunderkerze

 

*alle 12 drin und erst noch in der richtigen Reihenfolge J Und ich habe extra mehrfach nachgezählt: Exakt 10 Sätze. Wenn das mal kein fulminanter Jahresschluss ist. An dieser herzlichen Dank für diese Etüden, die doch immer wieder Spass machen!

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Er: „Was machst du denn so Anstrengendes, dass du schon zum dritten Mal laut stöhnst?“

Sie: „Du weisst doch, dass ich mir ein neues Hobby zulegen wollte, weil ich finde, dass jeder Mensch etwas haben sollte, mit dem er sich vom Alltag erholen kann, mit dem er ein bisschen mehr zu sich selber findet und ausgeglichener ist.“

Er: „Also ich habe nichts solches.“

Sie: „Das merkt man gut, darum bist du so unausgeglichen.“

Er: „Wenn du das sagst – aber was machst du denn nun zur Selbstfindung?“

Sie: „Ich klöpple, muss aber feststellen, dass es extrem langwierig ist, mit diesem Geklöppel eine einigermassen grosse Decke zu bekommen – das ist fast wie wenn ein dünnes Rinnsal durch ein Flussbett strömt und das Meer füllen sollte.“

Er: „Und du willst nun mit Klöppeln das Meer füllen?“

Sie: „Du verstehst mal wieder gar nichts.“

Er: „Du hast vom Meer gesprochen, aber was auch immer du füllen willst, Selbstfindung braucht halt Zeit.“

Er hatte kaum war das letzte Wort ausgesprochen, da wurde er auch schon von einem Klöppelhagel getroffen.

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Für die abc.etüden, Woche 48.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für Textwoche 46.17 kommt von Frau Myriade vom Blog la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée, die Wörter lauten: Flussbett, langwierig, klöppeln.

 Der Ursprungspost: HIER

 

Gedankenvertieft starrte sie in die Luft, als sie plötzlich einen Knall hörte – wobei das kein Knall war, das war mehr, viel mehr, das war ein regelrechter Hyperknall. Sie fragte sich, ob es das Wort Hyperknall überhaupt gibt, denn gehört hatte sie es noch nie, irgendwie passte es auch nicht wirklich zusammen, denn da stiess ein griechischer Präfix – sie war sich nicht ganz sicher, ob es wirklich griechisch war, aber lateinisch war es eher nicht, und da sie grad am Zweifeln war, stellte sie auch den Präfix in Frage, den sie aber nach reiflichem Hin und Her der Gedanken (sie wogten hin und wogten her, fast wie Wellen im Meer oder Wanderdünen in der Wüste) als korrekt befand – auf ein deutsches Wort, was nicht ganz und gar unüblich war, solche Kombinationen gab es durchaus, auch wenn ihr gerade keine einfiel, nur blieben doch ein paar Zweifel.

Nun denn, Wörter und Namen sind Schall und Rauch, sie fühlte sich pudelwohl und jede weitere Hinterfragerei von Wörtern war obsolet – wobei sie sich grad fragte, was da eigentlich geknallt hatte – also hypergeknallt. Man hörte ja immer wieder von Überschalljets (auch so eine Kombination von zwei Sprachen, Englisch und Deutsch, nur fragte sie sich grad, ob die wirklich so hiessen oder ob sie das Wort nicht auch erfunden hatte im Eifer des Worteerfindens und – hinterfragens), doch sie sah nirgends einen, auch sah sie keinen Unfall, nichts, was als Ursache für einen Knall – welcher Art auch immer – hätte hindeuten können.

Also fragte sie sich, was sie eigentlich getan hatte, als der Knall aus heiterem Himmel in ihr Leben trat.

Sie hatte es vergessen.

Schlicht.

Einfach.

So.

Nun denn.

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Für die abc.etüden, Woche 44.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 44.17 kommt von Rina.P und ihrem Geschichtszauberei-Blog (HIER). Sie lauten: Hyperknall, Wanderdüne, pudelwohl.

 

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Da sass sie nun.
Sie hatte schon so viel geschrieben, nichts schien den anvisierten Empfänger erreicht zu haben.
In allen Farben hatte sie es ausgemalt, herbstfarbenbunt.
Ab und an dachte sie, sie sollte einfach loslassen.
Es war vorbei, unwiederbringlich.
Doch dann – kam es über sie…
Sie wünschte sich die Laterne, die den Strahl zündete, hin zu ihm, der nichts mehr hören oder sehen zu wollen schien, für den sie aber allein schrieb.
Und so schrieb sie Tag für Tag über ihr Leben, ihr Befinden, in der Hoffnung, er würde es lesen – wohl wissend, dass das wohl eine Illusion war, allein, sie konnte nicht anders, da sie nur an ihn dachte, Tag und Nacht; und schlussendlich hätte das ganze Leben keinen Sinn mehr, würde es gewiss sein, dass er sie nie erhören würde.
Sie wusste um die Gefahr der Illusion, nur hiess es doch schlussendlich doch, dass die Hoffnung zuletzt stürbe, und genau die hatte sie sich bewahrt, weswegen sie tagtäglich betete – und nein, sie glaubte nicht an Gott -, er möge sich doch melden, damit sie ihm sagen könnte, dass nun alles anders wäre, sie einen Weg sähe, einen, den sie bislang nie gesehen hätte, aber nun wirklich plastisch erkenne und gehen möchte.
Und während sie nach mehrfachem Lesen nicht mehr wusste, ob die Sätze nun korrekt seien oder noch einer Korrektur bedurften, wartete sie noch immer auf sein Zeichen, auf das Zeichen, das sagte, dass nun der Punkt da sei, alles Alte loszulassen, die Laterne zu greifen und ein Leben anzugehen, das in herbstfarbenbunten Farben leuchtet.

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Für die abc.etüden, Woche 43.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mir und lauten: Laterne, herbstfarbenbunt, loslassen.

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Sie hatten sich schon lange nichts mehr zu sagen.
Und was sie sich sagten, war alles andere als schön.
Oft dachte sie, es wäre Zeit, loszulassen, Zeit, weiterzugehen.
Sie wünschte sich eine Laterne, die den Weg leuchte, eine Laterne, die ihr Licht im Dunkel wäre.
Eine Laterne, die all das Grau wieder herbstfarbenbunt erstrahlen liesse.
Und doch war da nur Dunkel.
Und keiner sagte was.
Und wenn, hätte sie es lieber nicht gehört.
Und sie knipste das Licht aus, damit das Dunkel im Innern dem draussen entspricht.
Und vielleicht träumte sie von einer Welt in allen Farben, von einer Welt voller Licht, einer Welt voller schöner Worte oder aber gemeinsamen Schweigens, von einer Welt, wie sie ihr gefällt, einer Welt, die möglich wäre, liesse sie los und nähme die Laterne, zündete auf den Weg und ginge – aber dann wachte sie auf und blieb.

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Für die abc.etüden, Woche 43.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mir und lauten: Laterne, herbstfarbenbunt, loslassen.

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„Ist das schon ein Monat her? Die Zeit ist ja wirklich gerast, es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, aber ich bin so unendlich glücklich, haben wir uns entschlossen den Weg zu gehen, denn ich bin überzeugt, es ist der einzig richtige, selbst wenn es einen gäbe, der auf den ersten Blick einfacher oder geregelter oder schlicht stimmiger erschiene – nicht immer ist das, was man auf den ersten Blick befürwortet dann auch das, was man wirklich gerne hätte, da man nur immer sieht, was offensichtlich ist, nie aber die Konsequenzen, die das Gehen eines Weges mit sich bringt.“

„Wovon sprichst du eigentlich?“

Dass du mich das fragst, finde ich nun ja echt fragwürdig, aber ich will mich gar nicht aufregen, da es ja eh immer dasselbe ist mit dir, da du nie verstehst, was ich meine, und das, obwohl du behauptest, du liebst mich und wir seien füreinander bestimmt, was ich ja eh merkwürdig finde, da ich nicht wüsste, wer das bestimmen hätte sollen und wieso und wozu. Drum, ruhig bleiben, du wirst dich nie ändern, du wirst mich nie verstehen, du wirst immer nachfragen, obwohl alles klar wäre, würdest du nur mal nachdenken und nicht gleich fragen, was aber wohl zu anstrengend wäre, obwohl ich dir ja wirklich alles gesagt habe, was es zu wissen gäbe, würde man nur ein wenig dabei sein, wirklich da sein, ähnlich denken und mich vor allem verstehen. Ich fühle mich so alleine, nein, noch schlimmer, ich muss mich noch ärgern.“

„Wenn ich so schlimm bin, kann ich ja gehen.“

„Das ist ja mal wieder typisch für dich: Kaum habe ich ein Problem und bräuchte Unterstützung, gehst du.“

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Für die abc.etüden, Woche 41.17: 3 Worte, maximal (!!!) 10 Sätze (ich habe extra Endlossätze gemacht… zählen soll ja nicht zu leicht sein). Die Worte stammen in dieser Woche von Red Skies Over Paradise (redskiesoverparadise.wordpress.com) und lauten: Monat, fragwürdig, gehen

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Sabine beim Abendessen plötzlich: „Wir brauchen mehr Achtsamkeit in unserer Welt!“

Klaus: „Wie meinst du das nun?“

Sabine: „Du isst hier, was ich heute gekocht habe, und ich wette, du könntest nicht sagen, was da alles drin war. DU hast es schlicht nicht wahrgenommen.“

Klaus: „Was weiss ich, was du verwurschtelt hast, ich esse doch aber mit Appetit, also schmeckt es?! Aber jetzt wo du es sagst: Was ist das Rosa-Grüne hier?“

Sabine: „Siehst du, das meine ich. Du schmeckst nicht mal mehr, man muss dir sagen, was du isst. Ist doch klar: Broccoli mit Lebensmittelfarbe.“

Klaus: „Wieso tut man Lebensmittelfarbe an Broccoli?“

Sabine: „Das ist Kunst am Essen.“

Klaus: „Aha… Kunst liegt ja auch immer im Auge des Betrachters….“

Nachbemerkung: Klaus hat das Rosa-Grüne nun in den Haaren, der Teller liegt in Scherben am Boden neben Klaus.

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2017_38-17_3_dreiFür die abc.etüden, Woche 38.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Herbert von HTR Knife http://htr-knife.de und lauten: Achtsamkeit, verwurschteln, rosa-grün.

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„Ach du meine kleine Knutschkugel, ich liebe dich ja so!“

„Wieso nennst du mich eigentlich immer Knutschkugel? Bin ich so fett?“

„Nein, mein Schmetterling, du bist die Schönste im ganzen Land.“

„Also war ich früher hässlich? Ich meine, ein Schmetterling entsteht durch die Verwandlung aus einer Raupe?!?“

„Nein, mein…. ich weiss nun auch nicht mehr, was sagen, ich fühle mich hier grad wie vor dem Richter, dem ich mich verantworten müsste für ein Verbrechen, von dem ich nicht mal weiss, dass ich es begangen habe.“

„Du verstehst mal wieder gar nichts.“

„Das kannst du nun so nicht sagen! Ich habe alles immer nur gut gemeint und nun sitze ich quasi auf dem Beichtstuhl und hoffe auf Vergebung meiner nie begangenen Sünden.“

„Richter, Pfarrer, wieso nicht gleich Gott?“

„Gott ist tot! Sagte schon Nietzsche.“

„Stimmt. Wir verstehen uns ja doch!“

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2017_37-17_zwei

Für die abc.etüden, Woche 37.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche vom Etüdenerfinder und Maler Iz (bei Twitter als @odradet https://twitter.com/odradet) und lauten: Knutschkugel, Verwandlung, Beichtstuhl.

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Es war einmal ein Scheinheiliger, der trug zum Schein einen Heiligenschein. Er dachte, wenn er diesen nur offensichtlich genug trüge, glaubten alle dem Schein und hielten ihn für einen Heiligen. So ging er durchs Leben und schien heilig, bis er merkte, dass selbst die grösste Frequenz derer, die dem Schein auf dem Leim gingen, ihm kein Glück verschafften.

So nahm er den Heiligenschein ab und siehe da: Er realisierte, dass dieser Schein, so heilig er erschienen, nur Last gewesen war. Plötzlich fühlte er sich frei. Nun musste er nicht mehr heilig scheinen, nun konnte er sein, was und wer er war.

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2017_36-17_eins

Für die abc.etüden, Woche 36.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Christiane von „365tageasatzaday“ (https://365tageasatzaday.wordpress.com) und lauten: Heiligenschein, Frequenz, erleichtert.

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Schon wieder so ein Tag. Einer gleicht dem anderen. Das Frühstück kommt um sieben, also zu einer Zeit, zu der kein normaler Mensch Hunger hat. Zwei Scheiben Brot, Butter, Marmelade. Hans nimmt immer zwei Tassen Kaffee mit viel Milch dazu. Das erzählt er jedem, der es hören will. Den anderen auch. Nach dem ersten Tag mit zwei Scheiben hat er allerdings gesagt, eine Scheibe reiche auch. Schliesslich esse er zu Hause auch nur eine und hier mache er ja nichts als rumzuliegen.

Hans liegt nicht alleine hier, er teilt das Spitalzimmer mit drei Männern in seinem Alter. Also eigentlich dachte er, als er eintrat, das seien alles alte Männer, bis er merkte, dass er der Älteste in der Runde ist. Wenn man aber die anderen sähe, würde man das nicht glauben. Sagt Hans. Und er muss es ja wissen, er liegt hier täglich.

Die Tage sind lang, schon der Morgen zieht sich hin. Irgendwann kommt die Visite. Heute sind sie zu fünft. Der leitende Arzt – den hat er noch nie gesehen, bislang kam eine junge Assistenzärztin, eine sehr nette – mit vier angehenden Ärztinnen. Die waren auch schon dabei, alle jung, sehr jung. Am Anfang hätte er gedacht, das seien Schwestern, so jung hätten die ausgesehen. Aber nein, das seien alles schon angehende Ärztinnen. Aber alle sehr nett, beeilt er sich zu sagen. Der Arzt redet dann auch von diesem und jenem, vornehmlich um den heissen Brei. Hans findet, das hätte ihm die nette Ärztin am Vortag alles schon erklärt und da hätte er es auch verstanden. Er hört drum gar nicht mehr richtig zu. Dann sind der Redner und seine Entourage auch schon weg und beim nächsten Bett.

Hans seufzt schon innerlich. Der da Liegende hat immer zu jammern. Ständig läutet er nach dem Personal, ständig tut was weh, fehlt was – und dann ist doch nichts. Ausserdem beklagt der sich über alles. Klingelt nach den Schwestern, weil die Bauarbeiter vor dem Spital zu laut sind. Reklamiert, weil sonst zu viel Lärm herrscht. Aber kürzlich, da liess der doch Musik laufen in einer Lautstärke, da kriegte man Kopfschmerzen von. Hans hat ihm dann gesagt, er solle die Musik runterschrauben. Es war zwar gute Musik, aber laut war sie. Zu laut. Und das von dem, dem sonst alles zu laut ist. Denkt Hans. Und erzählt es, wenn er jemanden hat, dem er es erzählen kann.

Schon bald kommt das Mittagessen. Er mag die Krankenhausküche nicht. Sie sähe immer schön angerichtet aus, aber nach dem ersten Bissen sei fertig. Alles hat so einen komischen Beigeschmack, findet Hans. Er kann sich das nicht erklären. Schliesslich kochen da Köche. Er zwingt sich immer, eine oder zwei Gabeln zu essen von allem. Immerhin sei es gut für die Figur, erzählt Hans seinem Besuch. Er hätte schon zwei Kilo abgenommen. Der Schalk sitzt ihm im Nacken beim Erzählen. Wenn man Hans kennt, weiss man wohl, an welche Leckereien er denkt, mit denen er die Gewichtsverluste wieder beheben will.

Aber nun kommt erst mal das Mittagessen, dann ein lang(weilig)er Nachmittag, dann das Abendessen mit gleichem Nicht-Ess-Ritual und dann die Nacht. Und morgen startet alles wieder neu. Und Hans wird alle Gedanken wieder neu denken. Und wenn Besuch kommt, erzählt er davon.

Und jeden Tag kommt Sabine vorbei, setzt sich zu Hans, hört sich alles an und nickt. Und sie ist froh, ihn hier reden zu hören, denn zu Hause ist der Platz auf dem Sofa plötzlich leer. Und im Bett schnarcht niemand mehr und hält sie vom schlafen ab. Fast glaubt sie nun, ohne das nicht mehr schlafen zu können.