Sehnsucht nach dem Sommerloch

Früher war alles besser. Da gab es noch ein Sommerloch. Alle waren in den Ferien, nichts passierte. Man nannte es auch Saure-Gurken-Zeit. Ich liebe saure Gurken eh, aber die Zeit noch mehr, denn: Es passiert nichts. Sicher nichts Schlimmes. Und nur darüber wird ja berichtet.

Wenn ich heute die Zeitung aufschlage – ok, das ist nicht korrekt, ich mache den Computer an – wobei, auch das ist nicht korrekt, denn ich gehöre zu den Unverbesserlichen, die diesen nie ausschalten, sondern nur morgens den Standby-Modus verlassen – aber das ist eine andere Geschichte für eine andere Gelegenheit. Fakt ist: Jeden Morgen kommt eine neue Horrormeldung.

Ich bin es langsam leid und ich will es nicht mehr hören. Es tut mir nicht gut und es ist nicht die Welt, in der ich leben will. Ich kann es nicht ändern.

Nun gibt es wohlmeinende Mitmenschen, die mir erklären wollen (von Statistiken unterlegt), dass mir im Haushalt viel mehr passieren kann . Statistisch gesehen ist die Gefahr eines Terroranschlags im Vergleich dazu verschwindend gering. Das mag sogar so sein. Nur sind im Verhältnis zur Weltbevölkerung auch viel mehr Menschen mit Haushalt beschäftigt, als sie an ein einzelnes Konzert gehen. Ich frage nun nicht, ob das berücksichtigt ist, das würde wohl überfordern, denn solche Theorien sind selten selber überprüft, sondern meist nur irgendwo unbedarft abgeschrieben.

Ich bin abgeschweift. Wo bitte ist das Sommer-Loch? Ich hätte das gerne zurück. Würde dazu ein leichtes Sommerweinchen trinken, den Abend geniessen, ein paar Mücken töten und mit dem guten Gefühl ins Bett gehen: Es ist alles wie gewohnt.

Vielleicht bin ich alt. Vielleicht habe ich zu viele Liebesschnulzen geschaut. Aber ja: Ab und an überkommt mich diese verdammte Sehnsucht nach ein wenig Ruhe und Normalität. Nach Alltag. Nach einem Tag, an dem einfach mal nichts passiert. Das wäre schön!

Man stelle sich das vor: Die Tageszeitung mit den vielen Bildern und den grossen Schlagzeilen schriebe:

Es war ein schöner Tag – nichts sonst.

10 Comments

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  1. Früher passierte wohl nicht weniger, nur haben wir es nicht gewusst. Elektronische Medien gab es nicht, die Zeitungsschreiber standen nicht unter dem Druck, zu schreiben, was irgendwo in der Welt passierte, sondern deren Primeurs hatten sich im lokalen Nachrichtentum konkurrenziert.
    Darum denke ich, Mut haben vieles einfach zu überlesen, rdchtes Auge rein und linkes sofort wieder raud ohne Streifung des Gedächtnisses.
    Ist aber sicher sehr schwer.

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    • Ich gebe dir teilweise recht, nur: Wir haben die Vernetzung, die wir haben. Sie einfach zu ignorieren würde das Problem nicht lösen. Wir müssen eine Haltung entwickeln. Eine, die einerseits genug Selbstschutz bietet, andererseits nicht die Augen verschliesst.

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  2. Sorry, aber da kann ich (bei allem Ernst) nicht umhin, den schönen Witz zu bringen: „Früher war alles besser…“ – „Ja, z.B. vorgestern: Da war Sonntag.“ 😉 … hoffe, dass Dich das schmunzeln lässt und wieder etwas aufmuntert. Liebe Grüsse aus Wien!

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    • Aufmuntern würde mich, wenn du mal wieder im Lande wärst und wir gemütlich zusammen sitzen könnten 😉 Aber auch das hier ein wenig. Immerhin geht es dir gut und ich hör von dir. Das ist schon was!

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  3. Vielleicht werden auch heute noch ausgebüchste Kaimane gesucht, wie einst Sammy, aber solche Ereignisse fallen hinten runter wenn Gewalt ins Spiel kommt. Zum Einen weil darüber berichtet werden muss, zum Anderen, weil es dennoch Quote bringt. Natürlich gab es immer Krisen auf der Welt, aber die Gewalt hat sich in den normalen Menschenalltag Mitteleuropas eingeschlichen und dies so langsam, dass es erst jetzt wirklich bewußt wird, wenn wir nicht mehr die Augen davor verschließen können, selbst wenn wir es wollen. Seit 10 Wochen sehe ich kein TV mehr, Smartphone hab ich nicht und dennoch erreicht mich die Gewalt alleine über FB und wordpress, ob ich will oder nicht, denn es beschäftigt meine Sunny und andere Freunde, welche ich lesen will und muss. Die Menschen spüren, dass sich ihr Leben verändert, aber nicht zum Guten.

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