Früher traf man sich spontan. Man wusste: Am Montag Abend sitzen sie alle in der Stammbeiz am Stammtisch. Und da traf man sich, besprach, was es zu besprechen gibt, schwieg, worüber nix zu sagen war. Man wurde fortschrittlicher, lernte mit dem Fortschritt, dass es Abmachungen und Terminkalender braucht. Also verabredete man sich gezielt, am Montag gemeinsam am Stammtisch in der Stammbeiz zu sitzen, das Notwendige zu besprechen. Schweigen ging kaum mehr, denn die Termine waren gedrängt und man konnte auch alleine schweigen. Wenn es halt grad passte.

Neu ist das anders. Neu braucht eine Verabredung von Vielen einen Doodle. Einer sitzt am Bildschirm und tippt wahllos Termine ins Programm, die dann von anderen bei sich zu Hause mit der eigenen Agenda abgeglichen und im Netz bestätigt oder verworfen werden müssen. Wenn nix passt, geht es so lange weiter, bis es passend gemacht wurde.

Ein Fortschritt? Es dient der Individualität und Eingebundenheit. Wir sind heute alle ach so wichtig mit ach so vielen Terminen. Sind wir glücklicher? Eher gestresster wohl, aber einen Gang zurück schalten trauen wir uns nicht, denn: Was würden die anderen denken, hätten wir plötzlich Zeit? Sie wären wichtig, indem sie ihre knappe Zeit (und damit mangelnde Möglichkeit für gemeinsame Zeit) mitteilen, während wir nur immer nicken. Wir kämen uns minderwertig, zumindest minderwichtig vor.