Die Würde des Menschen….und das Bundesgericht

Ein Mann vergewaltigt 24 Frauen und kommt ins Gefängnis. Aus irgendwelchen Gründen wird der Vollzug gelockert und der gute Mann fällt über die nächsten Frauen her, betäubt sie und vergeht sich an ihnen. Wieder wird er verurteilt, des Weiteren wird eine lebenslange Verwahrung wegen besonders schwerer Beeinträchtigung – sowohl psychisch wie physisch – der Opfer. Das fühlt sich gut und richtig an, doch dann geht das Ganze vors Bundesgericht.

Dieses sieht in der Tat keine besonders schwere Beeinträchtigung. Zwar kann nun das Basler Gericht, welches den Fall nun wieder zurück haben darf, immer noch eine Verwahrung anordnen, allerdings wird diese immer wieder neu geprüft. Unter Umständen kann die Verwahrung dann ein Leben lang dauern, nur fehlt ein wenig der Glaube daran, wenn man sieht, dass bei ihm nach einer Prüfung auch eine Vollzugslockerung gestattet wurde. Nun könnte man natürlich zynisch sein und sagen, dass in dieser zum Glück kein Opfer besonders schwer beeinträchtigt wurde nach Massgabe des Bundesgerichts, allerdings bleibt hier sogar dem Zyniker das Wort im Halse stecken.

Das Urteil des Bundegerichts ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht der Opfer, es zeugt auch von mangelnder Empathie und fehlender Fähigkeit, eine solche Tat einzuschätzen und einzuordnen. Zwar sind Urteile aufgrund von Gesetzen und nie aufgrund von Gefühlen (und sei es nur Mitgefühl) zu fällen, was gut, wichtig und richtig ist, aber hier wurde nicht nur menschlich versagt, auch rechtlich ist dieses Urteil alles andere als eine Meisterleistung und es zeichnet ein falsches Bild. Es suggeriert, dass die körperliche und psychische Integrität und damit auch die Würde des Menschen, welche ja unantastbar sein sollte (so steht es in unserem Grundgesetz) mit Füssen getreten werden kann. Nicht ungestraft, nein, eine Strafe kriegt er, aber die Beeinträchtigung ist nicht besonders schwer.

Der Gedanke, dass ich gerne wüsste, wie sich die Menschen, die so geurteilt haben, fühlen würden, wäre das ihnen geschehen, ob sie das immer noch als nicht wirklich besonders schlimm abtäten, durchzuckt mich. Ich schäme mich, ihn nur schon zu denken, denn wünschen kann ich das niemandem. Umso unverständlicher ist es mir, dass jemand die Schwere des Verbrechens in Frage stellt. Eine Frau wird überrumpelt, betäubt und wacht irgendwann auf und merkt, wie ihr geschehen ist. Sie konnte nichts tun, sie hatte keine Wahl. Sie weiss nicht, was ihr passiert ist, sie weiss nicht wieso – sie muss nun aber damit leben, dass es möglich war, dass es passiert ist und: dass es wieder passieren könnte. Was sonst noch alles in ihrem Kopf, in ihren Gefühlen vorgeht, möchte ich weder in Worte fassen noch genau durchdenken. Zurück bleibt nur die Trauer und die Frage: Was, wenn nicht das, stellt dann überhaupt noch eine „besonders schwere Beeinträchtigung“ dar?

(Hier die Ursache für mein Unverständnis)

3 Comments

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  1. Mich regen solche Urteile auch unheimlich auf. Sie lösen Wut in mir aus, auch weil ich mit einer Frau zusammen war, die Opfer einer Vergewaltigung geworden war und daher einigermassen nachvollziehen kann, was es bedeutet. Und ich erwarte dann Gerechtigkeit von der Justiz, die es aber nicht gibt, wie schon Dürrenmatt in seinem „Monstervortrag“ treffend bemerkte, da Recht und Gerechtigkeit zwei Paar Schuhe sind.

    Das Bundesgericht wird sich aus der Verantwortung nehmen (prinzipiell zurecht), auf de Gesetzgebung weisen und die ungenauen Ausführungsbestimmungen bemängeln.

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  2. Selten verfolge ich solche Prozesse, weil es mir den Magen umdreht, alleine schon, weil dem Täter schon für „Gut“ gehalten wird, wenn er gesteht und die Opfer nicht mehr aussagen müssen in jeder Facette ihrer Qualen, natürlich empfohlen von einem Anwalt, der beteuert, dass sein Mandant es bereue und selbstverständlich krank ist. Das erleichtert die Gefängnis- oder Anstaltsbedingungen erheblich und wird schon als Resozialisierung eingestuft. Anschließend beschäftigen sich natürlich Experten mit dem Täter (selten wird sich so intensiv mit den Opfern beschäftigt) und nach eine Weile verlangt es den Psychologen nach einem Erfolg, den ja nur eine Teilgenesung des Täters generieren kann und damit wird dann die Grundlage für Hafterleichterung oder vorzeitige Entlassung geschaffen. Sollten die Opfer jedoch aus dem Staatsumfeld kommen oder von öffentlichem Interesse sein, wird gerne ein hartes Exempel statuiert, wo mir dann die Galle hochkommt, weil man das bei „namenlosen Opfern“ nie macht, denn dort gibt es keinen politischen Druck. Egal wie das Urteil zum Schluss ausfällt oder wieviele Opfer es nach der Entlassung noch gibt, die Opfer haben immer lebenslänglich, ohne Ausnahme.

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