Flüchtlinge – eins, zwei, drei, die Hütte brennt

Flüchtlingsheime brennen. Erst in Heidenau, nun in Weissach. Ich fühle mich erinnert. An Pogrome. Ich habe sie zum Glück nie erlebt, nur erforscht. Was früher mit Juden passierte durch Nazis, geschieht hier und heute mit Flüchtlingen. Menschen gehen hin und denken, sie können die Herrschaft übernehmen und Menschen oder deren Unterkünfte abzufackeln. Sie können bestimmen, wer wo leben kann und darf und wer nicht. Das Boot ist voll, das Land soll Mauern bauen.

Wie unmenschlich muss man sein, vom bequemen Sofa aus über Flüchtlinge zu richten? Selbst wenn es uns schlecht geht, haben wir noch immer ein Dach über dem Kopf, das nicht in jeder Sekunde zerbombt werden kann. Selbst wenn wir wenig haben, verhungern wir selten. Selbst wenn wir keine Arbeit haben, so haben wir ein Netz, das auffängt.

Ja, auch in der Schweiz gibt es Armut. Und es gibt sie immer mehr. Wer Klischees bemüht und die Schweiz als Hochburg der Besserverdiener sieht, wo niemand arm ist, niemand die Münzen dreht und doch keinen grünen Zweig nur schon erahnen kann, der ist sicher falsch. Auch wir haben Armut. Auch wir haben Menschen am Rand der Verzweiflung. Auch wir haben Menschen, die auf der Strasse sind, weil sie durch die Maschen fielen und ja, denen soll und muss geholfen werden. Das ist wichtig und das tut Not. Aber:

Das ist aber kein Argument dafür, Menschen, die ums Überleben kämpfen, abzuweisen, abzufackeln. Die Feuer waren in Deutschland, nicht hier. Bislang. Ich hoffe, sie kommen nie her, auch wenn hier die Haltung Flüchtlingen gegenüber alles andere als wirklich freundlich ist. Noch mehr hoffe ich aber, dass irgendwann die Menschen einsehen, dass sie nicht immer und überall der Nabel der Welt sind, dass helfen durchaus nötig ist. Die Welt hat Brennpunkte, die aktuell noch weit weg sind. Die Menschen kommen unter Strapazen zu uns, weil sie verfolgt, mit dem Tod bedroht und ausgebombt sind. Sie lassen alles hinter sich, versuchen irgendwie zu überleben. Und dann kommen sie her und werden mit Drohungen, abgebrannten Unterkünften und nichts als Misstrauen begrüsst. Weil sie Eindringlinge sein sollen, Profiteure.

Ich bin immer der Meinung, dass Hilfe vor Ort die erste Wahl ist. Bevor die aber gewährleistet werden kann, muss eine Lösung her. Menschen sollen leben können. Und da sind alle Menschen in der Pflicht. Weil sie selber Menschen sind (sein sollen). Man nennt das Solidarität.

Man kann hier Kant, die Bibel und viele andere zitieren. Sinngemäss kommt unten raus:

Behandle jeden Menschen so, wie du dir wünschst, dass auch du behandelt wirst.

9 Comments

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  1. Die Kantaussage ist das beste des ganzen Beitrages. Der Beitrag stimmt absolut – ist aber in der Analyse sehr oberflächig, z.B. ist Hilfe vor Ort die erste Hilfe – unstreitig – aber die weitere Hilfe wird nicht erwähnt. Das Problem an der Wurzel wird nicht erwähnt. Wir müssen helfen, unstreitig – aber wir müssen neben jeder humanitären Hilfe – auch Hilfe bei der Lösung des Flüchtlingsproblems insgesamt geben, dazu sind als erstes die Politiker aufgerufen, die wir gewählt haben. Kein Mensch verlässt seine Heimat so wie hier freiwillig. Freiwillig verlässt er nur dann, wenn er wirklich will, nicht politisch usw. gezwungen wird.

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  2. Absolut bei Dir! Der Schlusssatz bringt es auf den Punkt! Einzig die Schweizer Armut weiss ich nicht, ob man die mit der Armut andernorts gleichstellen kann – bei uns muss keiner auf der Strasse leben, der das nicht will. Unser Sozialsystem ist derart stark, dass wir jedem ein Dach über dem Kopf bieten können, der eines will. Es gibt aber welche, die das bewusst nicht wollen! Habe mich letzthin mit der Polizei darüber unterhalten. Die sammeln nämlich nachts die Obdachlosen (vor allem im Winter) ein, um sie in Obdachlosenunterkünften ins Warme zu bringen – damit die Guten auf der anderen Seite wieder rausmarschieren, weil sie sich nicht an die Regeln dort halten wollen. Das muss man auch beachten. Es wäre vermessen, die Armut in der Schweiz mit dem Elend dieser Flüchtlinge zu vergleichen. Da leben wir nämlich im Vergleich im totalen Luxus! 🙂

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    • Ich denke, man sollte keine Armutshierarchien aufstellen. Was für ein Kind hier arm ist, wäre in Afrika Luxus. Ja, das mag so sein. Trotzdem fühlt sich das Kind hier arm. Und dadurch oft ausgegrenzt, verspottet, gemobbt. Das darf (!!) man nicht vergleichen. Ja, uns geht es gut. Aber es ist nicht ganz so einfach, wie du es hinstellst. Ich hatte hier Kontakt mit (ehemaligen und aktuellen) Obdachlosen. Es scheint nicht so einfach zu sein. Einige haben lange gekämpft (!) , um wieder eine Wohnung zu kriegen. Von aussen lässt sich gut theoretisieren und theoretisch funktioniert alles. In der Praxis sieht es oft anders aus. Und das weiss ich aus direkten (und überprüften) Quellen.

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  3. Das ertse Problem für die Flüchtlinge sind wir selbst. Politiker, die wir gewählt haben sollen das regeln? Genau die Politiker die wir gewählt haben, auch bereits vor 20 Jahren, haben mit Subventionen aus der EU die Infrastruktur, die Landwirtschaft oder die Natur in diesen Ländern zerstört. Wir in Deutschland, als drittgrößter Waffenlieferant der Welt, liefern genau das Kriegsmaterial, was diese Menschen zu Flüchtlingen und Asylbewerbern macht, denn die Waffen sind zwar ursprünglich nur für unsere Vertragspartner gedacht, landen aber mit tödlicher Sicherheit immer in den Händen von Regierungen, denen Menschenrechte egal sind. Auch Sadam Hussein war mal Liebling der USA, als er den Iran zerstören sollte, damit der Westen an billige Rohstoffe, wie z.B. Rohöl, heran kommt. Somit ist einer der zahlreichen Gründe für die Szenarien in Nordafrika oder in den Balkanstaaten, unser Konsumterror, der wie ein Heuschreckenschwarm um den Globus zieht. Es ist also viel zu einfach, alles auf die Politik abzuwälzen, auch die tatsächliche Armut in der Schweiz oder Deutschland, und die gibt es wirklich, denn ich engagiere mich selbst für kranke Kinder, die nicht vom Staat aufgefangen werden, wie es hier behauptet wird, existiert leider. Einer Krankenkasse oder dem Staat ist es egal ob ein Kind totkrank ist und die Eltern abwechselnd zu Hause bleiben müssen. Sie verlieren ihren Job, die Krankenkasse pokert um Leistungen und verwehrt diese oft, und ohne Hilfe aus der Bevölkerung würden viele ihr Dach über dem Kopf verlieren, und das möglicherweise, weil die jeweilige Regierung auch Pflanzenschutzmittel zugelassen hat, die nachweislich Krebserregend sind, nur werden die dann in Argentinien auf das Gemüse oder Getreide gespritz und anschließend hier in die Supermarktregale gelegt. Passen die Grenzwerte nicht, werden sie so lange angehoben, bis es passt. Hat das mit Flüchtlingen zu tun? Natürlich, denn die Menschen können da nicht mehr von ihren Produkten leben, weil selbst in Afrika nicht zu solchen Dumpinglöhnen gearbeitet werden kann wie bei uns, nur damit wir den Kopf über die niedrigen Preise schütteln können, die Ware aber trotzdem in den Wagen legen. Und die Schweiz? Ist teuer, ich weiß, aber auch an den Schweizer Händen klebt Blut, und das nicht, weil es die Schweizer Bürger wollen, sondern weil das Bankensystem jeden Kriminellen unterstützt, der Gelder vor denen versteckt, denen es gehört, nämlich uns allen. Wir neiden dann eventuell den Menschen auf der Flucht ein sicheres Leben, weil unser eigenes an Komfort einbüßen könnte, was natürlich einfacher ist, als zu verlangen unser Steuergeld von den Zechprellern der Welt einzufordern. Und so geht zum Beispiel Nestle hin und strengt sich an, die freien weltweiten Wasserrechte privatwirtschaftlich zu vereinnahmen, weil der Konzern gegen einen freien Zugang zu Wasser ist, und in Deutschland ist das keinen Deut besser, und Menschen müssen ihr Land verlassen weil sie sonst verdursten würden, von Landwirtschaft ganz zu schweigen. Wenn wir alle wollen, dass die Menschen in ihren Ländern bleiben und dort vernüftig leben können, müssen wir als Europa gemeinsam handeln, ohne dauernd eigene Interessen durchzusetzen, und zwar so, wie uns Europa mal versprochen wurde, und nicht so, wie es jetzt ist. Das war nur ein winzig kleiner Ausschnitt, aber genug für dieses Forum – danke fürs Lesen.

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