Es muss doch alles seine Ordnung haben

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben

Das Leben in der Schweiz ist mitunter sehr reglementiert. Damit sich auch alle an die Regeln halten, agieren die emsigen Schweizer Bürger gerne als private Polizei. Als ich heute von der Arbeit heimkam, erfuhr ich, dass mein Nachbar heimlich Buch über die Schuhe vor meiner Tür führt. Er hat mich das – stolz über seine Aufmerksamkeit und exakte Arbeit – mit einem Verweis auf die Hausordnung wissen lassen:

Hallo Frau M.

Stets habe ich gehofft, dass ich Sie im Gang antreffen würde.
Da dies nicht der Fall war – vielleicht waren Sie ein paar Tage weg gewesen und da wir nun für ein paar Tage weggefahren sind -, auf diesem Weg.
Als ich gestern in der Wohnung war, waren drei Paar Schuhe im Gang abgestellt. Montag waren es zwei Paar, Sonntag ein Paar.
Um offen zu sein, mich stört das. Ich wäre froh, wenn das nicht mehr vorkommen würde. So wie meine Frau mir berichtet hat, hat die Liegenschaftsverwaltung erklärt, weshalb Schuhe und sonstige Gegenstände im Hausflur nicht vorgesehen sind. Es wäre gut, wenn wir uns alle daran halten täten.

Danke und beste Grüsse
XXX

Ich bin nun nicht ganz sicher, ob ich ihm mitteilen muss, dass ich nicht weg war, sondern schlicht arbeite tagsüber und mich auch sonst selten im Hausflur rumtreibe? Ich wüsste gerade gar nicht, ob mir ein Sitzen in ebendiesem überhaupt erlaubt wäre – ich werde bei Gelegenheit mal die Hausordnung anschauen.

Aber schön, gibt es aufmerksame Nachbarn. So werde ich nie als unentdeckte Leiche im Hausflur verenden und erst Jahre später gefunden werden.

20 Comments

Schreibe einen Kommentar

  1. Nun wir haben — hatten, er ist inzwischen verstorben – auch einen solchen Nachbarn, allerdings in einer Einfamilienhaussiedlung. Er sass die meiste Zeit an seinem Fenster und registrierte die Nachbarn oder unbekannten Menschen, die vorbei gingen. Niemand entging ihm. Wir witzelten jeweils: „B. muss seine EXCEL-Tabelle nachführen!“

    Allerdings begegnete man ihm lieber auf diese Art; auf der Strasse konnte man eines mindestens viertelstündigen Gesprächs gewiss sein, von dem man (B. war Ausländer, allerdings seit Jahr[zehnt]en in unserer Stadt etabliert auch gar nicht alles mit bekam…

    Gefällt 1 Person

  2. Ich finde ja, er hat seine Arbeit schluderig ausgeführt:

    1. Fehlt ein Beweisfoto, hier stünde vor Gericht dann Aussage gegen Aussage.
    2. Hat er den dieses Vergehen behandelnden und betreffenden Paragraphen der Hausordnung nicht aufgeführt.
    3. Scheint mir dieses Schreiben nicht in ordentlich amtlichen Deutsch verfasst zu sein und es wurde nicht auf eine Rekursmöglichkeit hingewiesen.

    Ich empfehle Klärung des genauen Tatbestandes und -hergangs unter Zuzug Al Bundys und eines Fluristen.

    Mit vorzüglicher Hochachtung

    W. Inkel, Advokat

    Gefällt 3 Personen

          • Na, Ihr seid mir ja ein paar … Da merkt man mal an (ohne OFFENSICHTLICHE Smileys und Ironie-Tags) an, dass es in der DDR vielleicht doch gar nicht soooo schlimm war und man dort auch leben konnte (jaja!), obwohl es dort eine Überwachung staatlicherseits gab, die aus „heutiger“ Sicht (= vor Snowden) „grusig“ erscheinen musste. Oder gerade darum: Man wusste, dass man nicht jedem (alles an-) vertrauen konnte, aber man hat trotzdem sagen und so leben können, was / wie man es für richtig hielt. Dafür musste man evtl. Konsequenzen tragen (ich, als Freund böser politischer Witze* 🙂 nie!) – aber auch DAS war uns aus der als positiv (!) propagierten Geschichte vertraut: alle Vorfahren, von Spartacus über Müntzer bis Thälmann … haben es gewagt, für ihre Überzeugungen einzustehen. Warum sollten WIR es nicht tun??

            Aber: Dass die Nachbarn, die es nichts anging; die Freunde, denen man vertraute; oder selbst die Partner, mit denen man zusammen lebte, meinen könnten: DAS, wofür dieses System zu stehen behauptet, dieses historische Projekt (!) namens „Befreiung der Menschheit von Ausbeutung und Betrug“ … es „erfordern“ könnte, seinen Mitmenschen zu betrügen, DAS erschien uns irgendwie widersinnig. DAHER rührt auch die so weit verbreitete Empörung nach der (teilweisen, politisch genau kontrollierten!) Offenlegung der Stasi-Unterlagen über die Bespitzelung.

            Nun, inzwischen wissen wir dank Prof Foschepoth in DE und Edward Snowden weltweit, dass es im Westen um keinen Deut besser war. Im Gegenteil: Während der Osten (staatlich) immer ganz klar von sich sagte: „Wir sind die DIKTATUR des Proletariats (aber weil das die Mehrheit der Bevölkerung ist, ist es auch zugleich die wahre Demokratie!), und wir werden vom Kapitalismus bedroht und bekämpft (Stichwort „Rollback“ … am besten bis Moskau). Und DESHALB MÜSSEN WIR allen „konterrevolutionären“ Versuchen Einhalt gebieten.“ … sagte der Westen (Deutschlands): „WIR sind die wahre Demokratie! Dass den Faschisten und Kriegsgewinnlern bei uns gut geht, ist höchstens ein „Unfall“, aber im Prinzip ist jeder frei …“ und dann herauskommt: „Nein: JEDER wird überwacht, nicht erst seit 9/11, sondern (in der BRD) seit 1949. Und Euer Staat wusste das und hat es unterstützt (s. „G10-Gesetz“) Und Ihr könnt nichts dagegen tun, weil Eure Parlamenten auch gekauft oder erpressbar sind …“

            WAS, meint Ihr Mitlesenden hier, ist schlimmer? Eine „Burgmentalität“, die klar und deutlich sagt: „Wir werden angegriffen, wir dulden keine Abweichung und wir werden jeden bekämpfen, der uns bekämpft – und schaut auf die Geschichte: den Kapitalismus hat es NIE gekümmert, wie viele Menschen zu seinen Gunsten sterben mussten – egal ob in Kriegen oder durch Verhungern, Ausbeutung (jaja, BIS HEUTE! SCHAUT EUCH UM! FRAGT EUCH, WORAUF „UNSER“ REICHTUM BERUHT)“ … 

            oder ein Staat, der behauptet: „Ihr seid frei, könnt sagen was Ihr wollt (solange es uns nicht gefährlich wird), habt alle – ökonomischen – Freiheiten der Welt (von Hartz IV bis Multimilliardär), Wir überwachen niemanden!! Wir wollen Menschenrechte überall, wir beuten Euch und diese „Kanaken“ in der 3. Welt nicht aus … etc. pp.“ – und GENAU DAS GEGENTEIL TUT.“

            Na, seht Ihr einen Unterschied? Genau: Die „Diktatur des Proletariats“ war ehrlicher! (Und weniger komfortabel … )

            Fragt am Die. mal Sybille Berg. Sie kennt beide Systeme und sollte es wissen.

            (Hatte ich erwähnt, dass ich ziemlich sicher bin, sie in den frühen 1980ern in Weimar in einer (illegalen) WG mal kennengelernt zu haben, als sich dort ein paar Jazz-Fans aus der ganzen DDR wegen irgend eines Konzertes für eine Nacht „einquartiert“ hatten? Aber sie wird sich daran vermutlich nicht mehr erinnern … ich dagegen vergesse kaum eine schöne Frau 😉 …  oder es war eine andere Weimaranerin, mit der ich auf der Fensterbank sitzend die halbe Nacht über „Gott und die Welt“ diskutiert habe … ;-))

            LG & gute Nacht allerseits!

            Bernd, der Ossi, der vom Westen (und der Nicht-Bereitschaft seiner Bürger, ihre verfassungsmässigen Rechte zu verteidigen) von Tag zu Tag mehr enttäuscht ist. Wer macht mit bei einer Revolution, die wirklich jeden befreit? 😉

            Gefällt mir

  3. Ich finde Gerri sollte den Mediator geben, um die Verhandlungen in Gang zu bringen 🙂 Und denke nicht, sowas hätten wir nicht auch in Deutschland. Bestimmt steht irgendwo im Mietergesetz, dass es immer einen Polizeikasper pro Haus geben muss 😀

    Gefällt mir

  4. Ich hatte ähnliche Konflikte mit einem Nachbarn vor Jahren gehabt. Einmal rief er mich an, stand dabei am Fenster und ich ihm gegenüber an meinem eigenen offenen Fenster, nur einige wenige Meter von ihm entfernt – und wir telefonierten laut miteinander.

    Gefällt mir

  5. „… und die Moral von der Geschicht'“ …? Es gibt immer ein paar Gestalten, die meinen, es müsse eine „Autorität“ über ihnen geben, die sagt, was gut und richtig ist … weil selbst denken ja sooo anstrengend ist (Nietzsche: „Selbstdenker – Selbsthenker!“) … und die es deshalb für richtig halten, Euch bei der „Obrigkeit“ irgendwie „anzuschwärzen“ oder zumindest: Euch im Namen dieser „Obrigkeit“ kontrollieren zu müssen. – Dazu kann ich nur auf English antworten: „Fuck you!“ „Shut up!“ … und auf Italienisch: „Va fa’n culo!“.

    Lasst Euch von solchen Leuten nicht „imprägnieren“ ;-). Sie wollen jede Veränderung unterdrücken, weil sie Angst vor ihr haben, Aber das heisst: Sie wollen das Leben unterdrücken. Lasst sie sterben und befolgt den Spruch (von Karl Kraus (?)): „Nicht mal ignorieren!“

    (Hm, merkt man, dass ich deutich mehr als 1 Flasche Wein intus habe? – Na und? In vino veritas!!) ;-)))

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s