Kein Jahresrückblick

Ich wollte einen Jahresrückblick schreiben. So richtig mit allem drum und dran: Was schwer war, was noch schwerer war, was ganz erschreckend schwer war. Und natürlich auch, was gut war. Keine Frage, das hätte auch Platz gefunden. Ich hatte auch schon angefangen mit all dem Schweren. Irgendwie lang das zuvorderst, ich hatte ja auch genug davon. Und so schrieb ich und schrieb ich und schrieb – und dachte, je länger ich schrieb, wie öde das eigentlich sei, all dieses Durchgemachte nun neu wiederzukäuen und auszuspucken.

Nicht dass es belanglos gewesen wäre, nicht dass es nichts mehr zählte, vergessen war es eh nicht, wie könnte es. Und doch: Who cares? Und: Was bringt’s? Schlussendlich war es das ganz normale Leben mit Ups und Downs. Ab und an hätte ich ein paar Tiefen gerne ausgelassen, überhaupt, man liesse sie eigentlich alle gerne aus, versucht dann aber – der Mensch tickt so – Sinn hineinzuinterpretieren, indem man zusammenbastelt, wozu sie gut gewesen sein könnten, und dass man ganz bestimmt nicht der wäre, der man heute ist, hätte man nicht erlebt, was einen so formte. Tiefs müssen zu was gut sein. Sonst wären sie ja grausam grässlich.

Ich habe den Jahresrückblick, der noch ganz am Anfang und dabei schon Unheil bepackt war, gelöscht. Er passte nicht in meine aktuelle Laune, die eigentlich (und uneigentlich) wunderprächtig ist. Klar, mit kleinen Wölkchen dann und wann, die ich mir teilweise selber kredenze, teilweise fliegen sie mir so zu. Aber auch mit viel Tollem und Gutem und Wunderbarem und so unverhofft Grossartigem (Das musste nun sein nach all dem Unheil, all dem Schweren, all dem Leid, das ungeschrieben, aber viel beschrieben da steht).

Und so wird dieses Jahr enden und das ohne einen Jahresrückblick meinerseits. Was war, das war, auf das, was kommt, freue ich mich (ok, die Tiefen, die sicher kommen werden, könnte ich auslassen, aber ich werde bestimmt für jede einzelne verdammte Tiefe einen ganz tiefen Sinn finden).

Und nun stürze ich mich voll und ganz in die Vorweihnachtszeit, Kerzen, Lichter, Musik inklusive. Allen Lesern da draussen danke ich von Herzen für jeden Stern, für jedes „gefällt mir“ und jeden Kommentar. Der Blog wäre nicht, was er ist, gäbe es euch nicht. Von Herzen: Danke!

Frohe Weihnachten und lasst uns nächstes Jahr genauso weitermachen.

4 Comments

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  1. Tiefs müssen zu was gut sein, schreibst Du!
    Aus meiner Sicht sind sie meist nur dafür gut, zu zeigen, daß es in einem Kräfte gibt, die „Leben vereiteln wollen“. Zu nichts eigentlich sonst. Was sollte man sonst aus ihnen lernen?
    Ich habe unlängst, vor 2 Wochen, mit einem Freund via skype meine irrationalen Ängste besprochen. Er ging darauf mit der Methode von Byron Katie ein.
    Was mir hinterher klar wurde (erneut wohl), daß mir etwas aufgebürdet wird, ich es mir selbst aufbürde, das einzig zum Ziel hat, mich zu bremsen und zu behindern!
    Es gibt ja auch das Konzept des Schmerzkörpers: Ich erzählte mal davon.Der Schmerzkörper bracht Fütterung, Nahrung. Das ist reiner Selbsterhaltungstrieb von ihm.

    Es ist m.E, wichtig, das alles gegenwärtig zu haben – und Krisen auch unter diesem Aspekt zu betrachten.

    Schönes 2015 wünsch ich Dir!

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    • Das wünsche ich dir auch!

      Byron Katie mag ich, der Ansatz ist wirklich gut, weil er einen dazu bringt, die Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten. Man muss die vorgefasste Meinung mal aufgeben und hinsehen, ob das wirklich die ganze Wahrheit ist. Das kann schon viel bringen.

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  2. Nur die Tiefs bringen uns weiter. Aus ihnen lernen wir immer mehr, als aus den Phasen, in denen alles glatt läuft. Natürlich sind positive Erfahrungen wichtig, vor allem im Wechsel, aber ohne den Knüppel zwischen den Beinen, einem Verlust, oder Hindernissen, die schier unüberwindlich aussahen, und die wir doch gemeistert haben, könnten wir nicht an uns selbst wachsen. Ich bin an einem vierjährigen Mädchen gewachsen, welches, trotz schwerster Krankheit, keinen Tag aufgegeben hatte, sich nie über Schmerzen beschwert hat, und nur verlangte, selber nicht über die eigenen Befindlichkeiten zu jammern. Sie hat mein Leben zum positiven verändert, mehr, als ich es je bei ihr könnte, und mein Gewinn ist nicht nur ihre Freundschaft geschenkt zu bekommen, sondern auch eine bessere Einstellung zur eigenen Existenz. Danke an mein Goldstück, und ein farbenprächtiges Jahr für dich und deine Familie!

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  3. Wir lesen dich immer genüsslich gerne und nehmen dabei für uns soviel mit, für unser DENKEN und SEIN. Herzlichen Dank für deine immer so interessanten und schönen Zeilen.
    Kein Jahresrückblick… ja, das ist gut zu verstehen.
    Ich wünsche euch eine schöne, besinnliche und frohe Weihnachtszeit.

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