Herr Meier und Frau Gretchen

Ein Mann – er ist halt einfach einer – lässt sich durch Hormone, Lüste und anderes dazu bewegen, seiner Angebeteten Bilder von sich und seinen durch sie bewegten Körperteilen zu schicken. Per MMS. Man ist ja modern und nutzt die moderne Technik. Besagte Frau fand das zum Zeitpunkt des Schickens wohl auch witzig, putzig, erregend –man weiss es nicht genau, auf alle Fälle störte es sie nicht, sie löschte nichts, beschwerte sich nirgends, sondern liess das Ganze auf ihrem Handy. Das Leben nimmt seinen Lauf, die Beziehung zerbricht.

Nun ist der Herr ein Mann der Öffentlichkeit, sie eine namenlose Statistin, die wohl auch noch irgendwo in ihrer Ehre getroffen ist. Niemand verletzt die Gefühle einer Frau ungeschoren und so muss der Herr, nennen wir ihn Meier, bluten. Frau Gretchen (Name frei erfunden) schickt die Bilder der Presse, worauf diese sich auf Herrn Meier einschiesst und einen Skandal lostritt. Herr und Frau Schweizer stehen die Haare zu Berge, die Partei des Herrn Meier sieht Meiers Integrität als gestorben an und will sonntägliche Notsitzungen einberufen und die sehr seriöse Tageszeitung schiesst einen Artikel nach dem andern ins Netz zum Thema. Twitter, Facebook laufen heiss, fast so heiss wie die Ohren derer, die sich die Bilder vorzustellen versuchen.

Was ist wirklich passiert? Ein Mann war so doof, Hirn aus und andere Regionen anzuschalten und das auch noch bildlich festzuhalten. Er verschickte das in einer Arbeitspause privat an seine Partnerin. Das ist dumm, aber nicht strafbar. Und dumm ist es auch nur, weil man heute leider keinem mehr trauen kann und alles irgendwann ausgenutzt werden kann, wenn Situationen sich ändern. Traurig daran ist, dass man schon in einer Beziehung denken muss, dass eine Beziehung enden könnte und alles, was man in der Beziehung in gegenseitigem Einverständnis und zur gegenseitigen Freude tut, danach gegen einen verwendet werden kann.

Aber weiter in der Geschichte. Herr Meier sah das Desaster und drohte Frau Gretchen mit der Polizei, wenn sie nicht unterliesse, was sie da tat. Dass er Beziehung zur Polizei hatte, half da sicher, so dass Frau Gretchen sich nun als Opfer fühlt und den Herrn Meier als bösen Mann, der sie bedroht hinstellt. Und die grosse Masse tut es ihr gleich. Keiner fragt sich, was sie eigentlich da tat. Ob das rechtens war. Wie eine Frau dazu kommt, private Bilder ihres Expartners an die Öffentichkeit zu geben und ihn damit blosszustellen.

Ich würde ja nie nie nie Nacktbilder von mir machen lassen, sie schon gar nicht verschicken. Die Bilder mögen peinlich sein, die fehlende Weitsicht des Herrn Meiers ebenso. Dass er nicht einfach dasitzt und sie mal machen lässt, liegt auf der Hand. Jeder würde versuchen, dem Tun von Frau Gretchen Einhalt zu gebieten, wären die Bilder von ihm und würden ihn und seine hormonell bedingte Doofheit (und noch einiges mehr) entblössen. Nur sollte man mal den moralinsauren Zeigefinger einziehen und sich fragen, wie viele Dummheiten man schon selber unter dem Deckmantel Liebe oder Hormone machte. Herr Meier mag peinlich sein, aber sind wir das nicht alle mal?

Und für alle, die nun denken…. sollen das gleich seinlassen. Ich mag Herrn Meier nicht, bin nicht in seiner Partei und würde da auch nicht reinpassen. Mir stösst einfach die Geschichte sauer auf. Und das massiv. Soll doch mal jeder vor seiner eigenen Tür kehren, bevor er gegen ihn den Finger richtet. Drüber lachen ist erlaubt, es ist absolut peinlich. Aber auch absolut menschlich. Wie ich finde.

4 Comments

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  1. So, hab jetzt kurz etwas zu den Hintergründen gelesen, auf die Du anspielst: Wer in der heutigen Zeit als 53jähriger so naiv ist zu glauben, dass eine „Beziehung“ – was für eine Beziehung soll das eigentlich sein, wenn nicht eine, die auf Geld, Macht und Status beruht? – zu einer 21jährigen so lange hält und auf „echtem“ Vertrauen aufbaut, dass man solche „Spielchen“ unbeschadet spielen kann, der ist m.E. so mega-naiv, dass er fast schon eine Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellt. Wer dann aber noch seine Diensträume und -mittel bzw. seinen Arbeitsplatz für solcherlei private „Spielereien“ nutzt, zeigt nicht nur Naivität, sondern eine gegenüber dem Arbeitgeber, in diesem Fall dem Souverän, so beängstigende Dreistigkeit i.S.v. „Ich kann mir das erlauben, mir passiert nix“, dass es einem die Sprache verschlägt. In jeder Firma (ausser vielleicht einer Porno-Produktion, die das als „Guerilla-Marketing-Taktik“ einsetzt ;-)) wäre so jemand schon hochkantig rausgeflogen. Als Volksvertreter ist der dreiste Naivling m.E. jedenfalls nicht (mehr) tragbar – und, sofern man nicht plötzliche Alterdemenz unterstellt – war es wohl auch noch nie wirklich. Aber so ist das Parteiensystem nun mal: Es spült immer die Typen nach oben, die man am wenigsten dort sehen möchte …

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  2. „Traurig daran ist, dass man schon in einer Beziehung denken muss, dass eine Beziehung enden könnte und alles, was man in der Beziehung in gegenseitigem Einverständnis und zur gegenseitigen Freude tut, danach gegen einen verwendet werden kann.“ den satz fand ich am bemerkenswertesten (und traurigsten).
    ansonsten ist wieder die frage nach der grenze, die den privatmann von der öffentlichen person trennen sollte und es wie so oft nicht tut.

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  3. Dem kann man schon vor der Beziehung vorbeugen. Das ist ganz einfach. Man zieht sich aus und macht vom gegenüber ganz schlüpfrige und unzweideutige Aufnahmen mit dem Smartphone. Damit haben beide gleich lange Spiesse. Danach kann man sich, nachdem die Fantasie durch genaues hinsehen verflogen ist, immer noch entscheiden zusammen ins Bett zu hüpfen. Aus was für Gründen auch immer und sich mehr oder weniger sicher sein, dass die Fotos danach einer breiteren Öffentlichkeit Stoff für mediales Gesabber liefern.

    Echt. Langsam denke ich die Bonobos sind uns in dem Bereich etwas voraus. Da begrüsst man sich auch mit Sex. Und es sind eher die Weibchen die darüber entscheiden. Was kein Nachteil ist. Denn meiner Erfahrung nach sind Weibchen unserer Primatenart in einer offenen Gesellschaft sehr offen dafür. Ich habe jedenfalls diesbezüglich keine negativen Erfahrungen gemacht. 😉

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  4. Man beachte folgenden Artikel:
    http://www.nzz.ch/schweiz/praezisierungen-der-polizei-in-sachen-geri-mueller-1.18365416

    Und ich bleibe dabei: Nach einer Liebelei Bilder öffentlich machen, die für den Privatgebraucht bestimmt sind, ist alles andere als fein, das ist geschmack- und charakterlos. Über den Altersunterschied muss man sich nicht auslassen, die beiden haben sich darauf eingelassen, sie wohl, weil er imponierte mit Status und Bekanntheit, er wohl, weil sie lockte mit Reizen und Jugend zur Männlichkeitsbestätigung. Dass sie sich da mehr auflud, als sie tragen konnte, mag so sein, aber wieso man sich dann so verhalten muss? Dass er die Polizei einschaltet bei solchem Verhalten, finde ich nicht abwegig, ihr Tun hat Züge von Rufschädigung und hat ihm, wie es aussieht, die Karriere kaputt gemacht. Wieso das ganze Theater nochmals? Weil er ihr privat Bilder schickte. Dumm, aber nicht strafbar. Vermutlich wächst ihr nun auch die Konsequenz von allem über den Kopf, ja, es muss erschütternd sein, Polizei so nah zu spüren. Aber irgendwann muss man auch erwachsen werden und lernen: Alles, was ich tue, hat Konsequenzen. Für ihn werden sie gravierend sein. Leider wird er das Ganze wohl nicht so leicht los, weil sich Herr und Frau Schweizer und vor allem die Schmierenkomödianten gewisser Medien in dem Leid suhlen. Ihr wünsche ich, dass sie was gelernt hat, dass sie etwas gelernt hat und in Zukunft besser überlegt, worauf sie sich einlässt und was sie davon erwartet….

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