Möpse, Tierchen und Pläsierchen

Und dann war da noch der Fall der armen Sekretärin aus dem Bundeshaus, die höchst privat und zum eigenen Vergnügen Nacktfotos ins Netz stellte und sich nun wundert, dass das gesehen wird und nicht immer gut ankommt. Wie hätte man das auch ahnen können? Wenn man doch ein Bild von sich ins Netz stellt, dann tut man das doch immer nur, weil es grad Spass macht, weil man an der Technik interessiert und von der Möglichkeit des Hochladens fasziniert ist. Sieht ja keiner, ist ja nur privat.

Der Blick sah das Bild doch (neben 1000en anderen). Da wir grad Sommerloch haben, das schlechte Wetter nun auch bald Schnee von gestern ist, war das gefundenes Fressen. Bei der NZZ ist die Auftragslage nicht besser, das Wetter ist passé, der Gazakrieg stand schon auf Seite 1, spätestens ab Seite 2 herrscht gähnende Leere. Da kommen so ein paar Nacktbilder einer Bundesangestellten wie gerufen. Das Bundeshaus sieht seinen guten Ruf (war da einer?) in Gefahr, stellt die gute Dame (von nun an Opfer zu nennen?) frei. Der Aufschrei ist enorm. Wie kann man nur so prüde sein, das sei eine Privatangelegenheit (hätte es dann das Fotoalbum nicht auch getan?) und überhaupt.

Nun hält sich so ein Skandal um eine Frau nicht lange, man muss nachlegen. Als nächstes kam die Schweiz unter die Lupe und wurde als Pornonation enttarnt. Jedem Schweizer sein Filmchen, das Heidiland verkommt zur Pornosause. Was ich mich dabei frage ist nur: Wenn es so harmlos ist, wenn eine Bundesangestellte ein Filmchen und ein paar Bildchen ins Netz stellt, wieso ist es denn überhaupt noch eine Schlagzeile wert, wenn das die ganze Schweiz tut? Darauf sollte man unbedingt mal eine Studie ansetzen. Am besten mit Steuergeldern, da es ja so wichtig und relevant ist. Und wenn wir schon dabei sind, könnten wir das gleich international ausweiten, damit wir auch einen Vergleich haben, wo wir ungefähr stehen.

Am Schluss kommt immer dasselbe Argument: Wen interessiert das überhaupt? Lasst die gute Frau doch Bildchen machen und zeigen und schreibt nicht drüber. Das interessiert keinen. Das wage ich mal zu bezweifeln. Kaum ein Thema hat so viele Reaktionen auf verschiedenen Kanälen des Social Media verursacht wie Frau A und ihre Möpse (die keine Hunde sind). Das Interesse scheint also durchaus vorhanden. Vielleicht wäre auch eine Studie spannend, wieso dem so ist.

Mich interessieren weder Frau A noch ihre ins Bild ragenden Extremitäten. Ich finde das einfach alles nur witzig. Weil ich a) gerne unterhalten werde, b) Menschen mag und ihre Verhaltensweisen spannend finde (meine eigenen auch), und c) mir grad nach schreiben war. Was mich aber ehrlich erstaunt ist, dass man sich ernsthaft wundert oder aufregt, dass so ein Bild Konsequenzen hat. Jeder einigermassen denkende Mensch müsste wissen, dass das Internet öffentlich ist, dass Fotos, die ich hineinstelle, auch gesehen werde. Dass nicht jeder Arbeitgeber Freude hat (vor allem, wenn er nach aussen ein gewisses Image pflegt), seine Mitarbeiter in allen Lebenslagen und mit allen Intimitäten öffentlich zu sehen, dürfte nicht gar zu schwer zu erraten sein. Und so bleibt es jedem selber überlassen, was er denn nun wirklich will im Leben: Sternchen und iLikes für einen nackten Busen zu erhalten oder aber mit Ehr und ohne Tadel Bundesangestellte zu sein. Wer die Wahl hat, sollte sich nachher einfach nicht über die Konsequenzen wundern. Und all die, welche sich das Maul zerreissen, sollten sich mal fragen, was sie selber so im Internet preisgeben und ob das alles klug ist.

3 Comments

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  1. Es waren ja nicht nur Nippel. Eher was für Anatomiestudien spezieller Art. Analfisting… Eigentlich jede Körperöffnung wurde befüllt gezeigt. Die Dame bevorzugt wirklich das ganz Harte. 😉

    Und auch als Bundesangestellte darf man das in seiner Freizeit auch ausleben. Auch so exzessiv wie im vorliegenden Falle.

    Wenn man die Bilder ins Netz stellt muss man damit rechnen entdeckt zu werden. Besonders in dem Bereich. Sie produziert die Filmchen ja auch selbst. Auch das ist nichts verwerfliches an Sich.

    Und vermutlich hat sie damit auch niemandem geschadet.

    Und Nippel bei der Arbeit? Hab ich in meinem Berufsleben einige nackt gesehen. Und Sex bei der Arbeit oder im Büro des Chefs soll ja auch schon vorgekommen sein. Sogar in Bundesstellen. Und eigentlich überall wo anders auch.

    Ich seh da keinen Skandal. Ausser wie damit umgegangen wird. Medial mit der Doppelmoral eines erzkonservativen was auch immer.

    Mich stören Korruption und Vetternwirtschaft in Politik und Wirtschaft mehr. Doch das scheint keinen mehr zu interessieren.

    Xenophobie und miefige Sexualmoral. Und das nicht nur im Sommerloch. Immer mehr. Immer präsenter. Nur noch Boulevard. Fingerzeigjurnalismus. Aber es liegt wohl an der Sache selbst, dass darüber kaum jemand schreibt.

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  2. „Jeder einigermassen denkende Mensch müsste wissen, dass das Internet öffentlich ist, dass Fotos, die ich hineinstelle, auch gesehen werde.“ Und, dass das so genannt hoch, ja höchst qualifizierten erst so im Nachhinein zu wissen bekommen, das ist für mich das Erstaunliche.
    Genau so, wie höchst qualifizierte Manager nicht wissen, dass in ihren Banken Schwarzgelder lagern, äh, lagerten. Vergangenheit ist ja heute angebracht und allein richtig, hmm und viele viele andere, jedem Dümmsten längst geläufiges Wissen um gewisse Zustände, Prozesse etc.
    Und dieses Allgemeinwissen der Dummen führt dann eben dazu, dass man Kleine hängt und Grosse rein wäscht und mit goldenen Fallschirmen versieht.

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  3. „Nur noch Boulevard. Fingerzeigjurnalismus. Aber es liegt wohl an der Sache selbst, dass darüber kaum jemand schreibt.“
    Und das ist möglicherweise ein ganz wichtiger Faktor für den Rückgang der Presseabos, die zwar immer teurer, das Gebotene aber immer mehr nur noch Boulevard ist.

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