Kürzlich hörte ich, dass man vorsichtig sein müsse. So mit den sozialen Medien. Wenn man schreibe, dass man in den Ferien sei, locke das Diebe an. Die Polizei warnt. Das ist nicht neu, natürlich wusste ich das. Aber doch. Ich fragte mich. Was mach ich denn nun? So bildtechnisch? Nehme ich hier Bilder auf, die ich dann reinstelle, wenn ich woanders bin, um dann dort Bilder von hier reinzustellen? Bin ich damit so klug, die potentiellen Diebe zu irritieren? Noch besser: Ich mache nur noch Blumenbilder – kein Mensch weiss, wo die Blume steht. Nur bin ich nicht Florist. Vielleicht sollte ich ganz aus den Sozialen Medien raus. Sind ja eh so virtuell und kaum real. Blöderweise habe ich ganz viele wunderbare Kontakte hier, die durchaus real sind. Auch in der Virtualität. Im Zeitalter der Digitalisierung ist die Unterscheidung virtuell – real sowieso ein wenig wie wenn man sagt, dass nur das ganz sauber ist, das man von Hand wäscht, nie die Maschinenwäsche.

Was mach ich denn nun? Klar: Gefahren gibt es, die Polizei warnt. Aber auch wenn mein Haus dunkel bleibt, wenn ich weg bin, sind das Zeichen. So reale. Wenn jemand vor Ort beobachtet, hat er Zeichen. Mehr als virtuell, denn ich bewege mich doch durchaus mehr zu Fuss als über die Tasten – man glaubt es kaum. Sicher ist es nicht ganz geschickt, öffentlich lesbar zu schreiben, dass man an dieser oder jener Adresse wohnt, nun von jetzt bis dann weg ist, um dann irgendwann wiederzukommen. Man könnte das als Einladung lesen als Dieb: Komm doch vorbei, es steht dir alles zur Verfügung, keiner greift ein.
Früher gab es ähnliche Warnungen. Es wurden Alarmanlagen, Lichtzeitschaltuhren, regelmässig vorbeischauende Nachbarn empfohlen, wenn man in die Ferien fuhr. Diebe beobachten Gewohnheiten und reagieren auf sich verändernde. Am besten wäre es, man hätte keine Gewohnheiten, sondern lebte sein Leben so ziemlich unnachvollziehbar – eine regelmässige Arbeit fiele da auch flach. Man hat sich selten an all die Ratschläge gehalten, sondern sein Leben gelebt und gehofft, dass nichts passiert. Und statistisch lag man damit gut. Es wird in weniger Haushalten nicht eingebrochen als eingebrochen wird.
Daran hat sich nichts geändert, allerdings sind halt die Möglichkeiten der Diebe durch die Digitalisierung andere geworden. Und damit änderten sich auch die Ratschläge. Nun würde ich natürlich niemandem zu einem leichtsinnigen Verhalten raten, nur: Wenn wir uns in allem, was wir tun und machen, einschränken, weil jemand das ausnutzen könnte, machen wir uns schon im Vorfeld zum Opfer eines Täters, von dem wir noch nicht mal wissen, ob er einer wird bei uns. Vorsicht ist geboten. Aber: Wenn diese das eigene Leben so einschränkt, dass man es nicht mehr leben kann, ist der Preis eventuell zu hoch.
Klar kann man sich aus den sozialen Medien zurückziehen. Klar kann man alles verschweigen, was das eigene Leben betrifft. Klar kann man zurück zu analog gehen oder aber Lügenkonstrukte aufbauen, um die Welt da draussen zu irritieren. Nur: Wo bleibt dann noch die Authentizität? Wo das eigene freie Leben?
Was man ins Netz stellt, steht da. Man muss sich also sicher klar sein, ob man das da haben will oder nicht. Und wieso. Im Zeitalter der Digitalisierung muss uns aber schlicht bewusst sein: Es ist kaum mehr was versteckt und privat. Wir hinterlassen Spuren und die werden getrackt. Wirklichen Schutz bringt da wohl nur eine abgelegene Alphütte ohne Empfang. Nur: Wollen wir so leben?
Das Leben ist und bleibt ein Risiko. Ich würde nun auch nicht alle Türen offen lassen, vor der Hütte eine Tafel mit der Aufschrift „Immer nur reinkommen und bedienen“ – aber: Ich möchte mein Leben weiter frei leben. Und ich mag meinen Austausch auf menschlicher Ebene im Netz, zumal daraus immer auch ganz wunderbare Beziehungen entstanden sind. In ganz unterschiedlichen Ausprägungen: Reichend von Schreib- und Herzensverbindungen, hin zu Freundschaften vor Ort bis hin zu Lebensbeziehungen. All das wäre wohl durch verschleiernde Bilder und kryptische Botschaften nicht passiert. Was für ein Verlust.
Drum: Es gilt sicher, achtsam zu sein, was man ins Netz stellt, aber: Die Authentizität darf nicht leiden. Wir müssen uns den neuen Gefahren stellen. Der Weg kann nicht Selbstverleugnung sein, sondern Reaktion auf neue Gefahren. Da sind wir heute gefordert. Wie gehen wir mit den Geistern um, die wir riefen.

Daraus müsste man ne Reihe machen, es gibt so viele. Eine, die mir heute grad wieder unterkam….

Die Unpackings. Das ist, wenn jemand ein Paket kriegt und das mit der Welt teilen will… also lässt er die Kamera laufen und holt dann… so ganz spontan… das Paket ins Bild.

Leute, ich habe das Paket gekriegt. Lasst uns gemeinsam schauen, was drin ist.

Die Leute dürfen dann zuschauen, wie besagter Mensch an der Verpackung rumnestelt, es schliesslich geöffnet kriegt und den ach so tollen Inhalt präsentiert. Aber he:

Was kümmern mich Pakete anderer Menschen? Und: Ich habe noch nie was abgekriegt. Wie egoistisch ist das denn? Nur neidisch machen wollen? Ne… geht ja gar nicht. Und überhaupt: Wenn ich was brauche, bestelle ich es gerne selber. Und packe es dann mit viel Freude ohne Kamera aus.

#sachegits

Man stelle sich ein grosses offenes Feld vor. Darauf stehen einzelne Krieger, die sich hinter Schutzschilden verstecken. Man sieht sie zwar da stehen, weiss aber nicht genau, wer oder was sich nun hinter dem Schild versteckt. Nun rufen die einzelnen Krieger hinter ihren Schutzschilden hervor. Die einen wollen nur spielen, die anderen sind ganz lieb, die dritten wollen geliebt werden und die vierten auffallen. Die fünften wissen, wie die Schlacht läuft, und wollen, dass alle das wissen, und die restlichen wissen nicht so ganz, was sie wollen, sind aber da, um es herauszufinden. Ob immer stimmt, was sie so rufen? Man weiss es nicht, man muss es hoffen und drauf vertrauen. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass immer einige sich nicht nur durch den Schutzschild tarnen, sondern diesen dazu nützen, ihre wahren Motive zu verbergen. Sie rufen Friede, Freude, Eierkuchen und gute Motive ins Feld und untergraben dieses dann im Versteckten mit ihren eigentlich anderen Absichten.

Etwa so kommt mir aktuell die Internetlandschaft vor. Menschen tummeln sich im weiten Feld des weltweiten Netzes, sitzen gut versteckt hinter ihren Bildschirmen und trauen sich Dinge, die sie im realen Leben nie täten. Jeder plötzlich ein Held, jeder lebt aus, was er sonst nicht schafft. Gefühle anderer? Egal. Sollen sich nicht so haben, ist ja nur Spass, ist ja nur Internet. Und wenn es doch nicht so toll ist: Kein Problem, sind ja alle weit weg und können einem nix anhaben. Was schon im realen Leben schwer rechtlich zu verfolgen ist – Stalking und Mobbing – floriert in der Cyberwelt noch ungestörter. Selbsternannte Traummänner belagern ihre Traumfrauen vollumfänglich auf allen nur erdenklichen Wegen und Kanälen. Von sich überzeugte Besserwisser und Rächer des selbst erstellten Wahrheitsanspruchs schiessen gegen andere mit allen nur erdenklichen Waffen – und schaffen es teilweise sogar, eine Hilfsarmee zu gruppieren, die mitschiesst. Und alle rufen immer wieder hinter ihrem Schutzschild hervor: „Ich bin ein Lieber, ich weiss es nur besser und meine es gut. Wer das nicht sehen will, den bringe ich mit Einsatz und Gewalt dazu.“ Zwar resultieren aus der Gewalt im Netz weder Dolchstoss noch Kugelloch, doch die Verletzungen gehen tiefer, sie treffen die Seele.

Problematisch am Ganzen ist, dass sich mangels wirklicher Mittel, solche Übergriffe einzudämmen, meist nicht die Täter zurückziehen, sondern die Angegriffenen. Was so über kurz oder lang zurückbleibt im Feld, kann jeder selber erahnen. Wichtig wäre, sich gegen solche Angriffe zu wappnen, sie nicht durchgehen zu lassen. Die aktuell wohl einzige Massnahme dazu ist pure Ignoranz. Wer um jeden Preis auffallen will – und ohne Aufmerksamkeit macht der selbstdarstellerische Kampf keinen Spass -, sitzt so hoffentlich bald auf dem Trockenen. Und wer weiss, vielleicht geht er dann bald mit seinem Spiegel sprechen, da das Gegenüber dort das einzige ist, das noch auf ihn reagiert.

Zu hoffen bleibt, dass auch die Möglichkeiten im Netz bald besser werden, aktiv gegen solche Übel vorzugehen, damit das Internet wieder mehr Spielfeld wird und bleibt, statt zum Schlachtfeld zu verkommen.

Und dann war da noch der Fall der armen Sekretärin aus dem Bundeshaus, die höchst privat und zum eigenen Vergnügen Nacktfotos ins Netz stellte und sich nun wundert, dass das gesehen wird und nicht immer gut ankommt. Wie hätte man das auch ahnen können? Wenn man doch ein Bild von sich ins Netz stellt, dann tut man das doch immer nur, weil es grad Spass macht, weil man an der Technik interessiert und von der Möglichkeit des Hochladens fasziniert ist. Sieht ja keiner, ist ja nur privat.

Der Blick sah das Bild doch (neben 1000en anderen). Da wir grad Sommerloch haben, das schlechte Wetter nun auch bald Schnee von gestern ist, war das gefundenes Fressen. Bei der NZZ ist die Auftragslage nicht besser, das Wetter ist passé, der Gazakrieg stand schon auf Seite 1, spätestens ab Seite 2 herrscht gähnende Leere. Da kommen so ein paar Nacktbilder einer Bundesangestellten wie gerufen. Das Bundeshaus sieht seinen guten Ruf (war da einer?) in Gefahr, stellt die gute Dame (von nun an Opfer zu nennen?) frei. Der Aufschrei ist enorm. Wie kann man nur so prüde sein, das sei eine Privatangelegenheit (hätte es dann das Fotoalbum nicht auch getan?) und überhaupt.

Nun hält sich so ein Skandal um eine Frau nicht lange, man muss nachlegen. Als nächstes kam die Schweiz unter die Lupe und wurde als Pornonation enttarnt. Jedem Schweizer sein Filmchen, das Heidiland verkommt zur Pornosause. Was ich mich dabei frage ist nur: Wenn es so harmlos ist, wenn eine Bundesangestellte ein Filmchen und ein paar Bildchen ins Netz stellt, wieso ist es denn überhaupt noch eine Schlagzeile wert, wenn das die ganze Schweiz tut? Darauf sollte man unbedingt mal eine Studie ansetzen. Am besten mit Steuergeldern, da es ja so wichtig und relevant ist. Und wenn wir schon dabei sind, könnten wir das gleich international ausweiten, damit wir auch einen Vergleich haben, wo wir ungefähr stehen.

Am Schluss kommt immer dasselbe Argument: Wen interessiert das überhaupt? Lasst die gute Frau doch Bildchen machen und zeigen und schreibt nicht drüber. Das interessiert keinen. Das wage ich mal zu bezweifeln. Kaum ein Thema hat so viele Reaktionen auf verschiedenen Kanälen des Social Media verursacht wie Frau A und ihre Möpse (die keine Hunde sind). Das Interesse scheint also durchaus vorhanden. Vielleicht wäre auch eine Studie spannend, wieso dem so ist.

Mich interessieren weder Frau A noch ihre ins Bild ragenden Extremitäten. Ich finde das einfach alles nur witzig. Weil ich a) gerne unterhalten werde, b) Menschen mag und ihre Verhaltensweisen spannend finde (meine eigenen auch), und c) mir grad nach schreiben war. Was mich aber ehrlich erstaunt ist, dass man sich ernsthaft wundert oder aufregt, dass so ein Bild Konsequenzen hat. Jeder einigermassen denkende Mensch müsste wissen, dass das Internet öffentlich ist, dass Fotos, die ich hineinstelle, auch gesehen werde. Dass nicht jeder Arbeitgeber Freude hat (vor allem, wenn er nach aussen ein gewisses Image pflegt), seine Mitarbeiter in allen Lebenslagen und mit allen Intimitäten öffentlich zu sehen, dürfte nicht gar zu schwer zu erraten sein. Und so bleibt es jedem selber überlassen, was er denn nun wirklich will im Leben: Sternchen und iLikes für einen nackten Busen zu erhalten oder aber mit Ehr und ohne Tadel Bundesangestellte zu sein. Wer die Wahl hat, sollte sich nachher einfach nicht über die Konsequenzen wundern. Und all die, welche sich das Maul zerreissen, sollten sich mal fragen, was sie selber so im Internet preisgeben und ob das alles klug ist.

Ich sitze vor meinem Computer, der Browser ist offen, auf einem Reiter sieht man den kleinen blauen Vogel von Twitter, auf dem anderen das blaue Quadrat mit dem F drin. Ich wechsle hin und her, twittere mit den einen, klicke „gefällt mir“ bei den anderen, überlege mir sinnige Sprüche, stelle Lieder ins Netz, damit sie jemandem gefallen mögen, ich wahrgenommen werde im ganzen Wirrwar der Gleiches tuenden Menschen vor ihren Bildschirmen. Vor mir ziehen Timelines durch, vieles übersehe ich, was bei einerseits über 1000 Freunden, andererseits bei über 600 Verfolgten nicht ausbleibt. Wie muss es erst denen gehen, die ein Vielfaches von meinen Kontakten haben? Und was bedeuten diese Kontakte überhaupt? Habe ich so viele Freunde? Verfolge ich so viele Menschen? Schliesslich und endlich nehme ich nur einen Bruchteil von allem wahr, mit den wenigstens komme ich in einen wirklichen Diskurs.

Andere  haben 100e von Reaktionen auf ihre Beiträge, bei mir befindet sich die Zahl meist im einstelligen Bereich und ab und an nicht mal das. Was sagt das über mich aus? Bin ich uninteressant? Unbeliebt? Kein sozialer Mensch? Im sogenannt realen Leben habe ich auch wenig Freunde, da stört es mich nicht, da meine Zeit für mehr nicht reichen würde. Meine Geduld schon gar nicht. Ich mag es nicht, ständig Menschen um mich zu haben, bin gerne zu Hause und für mich. Dass ich dann am Computer sitze und mit Menschen in der weiten Welt in Kontakt zu treten versuche, hat dabei eine etwas skurrile Note.

Ich könnte mal ein Bild von meinem Computer auf Instagram stellen, geht es mir durch den Kopf. Damit man auch noch mit Bild sieht, was ich gerade mache. Nicht dass es speziell wichtig und interessant wäre, aber man stellt sich ja dar. Leben im Jahr 2014. Immer öffentlich, immer präsent. Kaum jemand, der sich diesen Medien entzieht. Böse Zungen behaupten, die Menschheit verarme, da sie nur noch zu Hause sitzt und kein reales Leben mehr hat. Ich bezweifle das. Ich habe über Twitter und Facebook einige tolle Menschen kennengelernt, die ich nun auch im realen Leben treffe. Wir gehen Kaffee trinken, plaudern, wandern, ins Kino, zum Essen. Natürlich bleibt es nicht aus, dass das Ganze über Twitter, Facebook und Instagram verbreitet wird, schliesslich ist man sich und den anderen das schuldig und endlich hat man über diese Kanäle überhaupt zu diesem Vergnügen gefunden. Wenn man sich dann im realen Leben trennt, schickt man via SMS – oder gleich über die öffentlichen Kanäle – noch ein Dankeschön hinterher, soviel muss sein.

Es fällt leichter, übers Internet zu sagen, was man denkt. Man ist anonymer, freier, kann sich hinter den Tasten und Bildschirmen verstecken. War man zu frech, kann man es als Missverständnis auf die Schriftlichkeit schieben, war man zu böse, kreiert man einen ebensolchen Charakter und bildet sich als Kunstprodukt, war man zu romantisch, lief man ins Messer, verlor man gar sein Gesicht, so war es immerhin nur das des Avatars, nicht zwingend das wirkliche. Man rettet sich dann in den Gedanken, dass einen da aussen eh kaum einer kennt, es also egal ist. Eigentlich. Trotzdem brodelt es im Innern. Genauso wie die mangelnden „gefällt mir“-Klicks und Favorisierungen.

Sind wir wirklich den technischen Errungenschaften ausgeliefert? Kinder des Social Media, die sich im wahren Leben kaum mehr zu bewegen wissen, wenn sie nicht in ein Gerät starren, sich nicht der grossen Öffentlichkeit darbieten können? Was treibt uns an? Das Gefühl, unscheinbar, zu klein zu sein, so dass wir mehr Aufmerksamkeit suchen? Das quasi anerkannte und akzeptierte ADHS der Erwachsenengeneration? Wenn dies geschrieben ist, wird es auf WordPress, Facebook und Twitter erscheinen, wird verbreitet werden und eventuell sogar gelesen. Wird man es mögen? Wird es gefallen? Wird jemand was dazu schreiben? Wozu schrieb ich es? Wieso? Weil ich es nicht anders kann? Ein Zwang? Das Streben nach Output, der beim Schreiben am grösseren Text oder gar Buch zu wenig schnell kommt, so dass ich mich in kleinen Texten ergiesse, die sofortige Reaktionen bringen, nicht erst Jahre des Schaffens bedingen, um irgendwann vielleicht genauso wenig gelesen zu werden? Twitter und Facebook also nur Ablenkungsmanöver von den grossen Dingen des Lebens, an die wir uns kaum ran wagen oder aber ab und an an ihnen verzweifeln?

Schliesslich und endlich ist Social Media das, was wir draus machen. Der Sog, den es entwickeln kann, nimmt mitunter suchtähnliche Züge an, man taucht ein in eine Welt, fühlt sich bald getrieben, immer auf dem neusten Stand sein zu müssen, da das Leben im Netz, in der eigenen Timeline, an einem vorbeirauscht, wenn man nicht hinschaut und man so etwas verpassen könnte. Es ist wie im Kindesalter, wenn man nicht ins Bett wollte, weil man dachte, all die spannenden Dinge im Leben passieren dann, wenn man nicht dabei ist. So zögerte man das ins Bett Gehen hinaus und hinaus. Genauso scrollt man sich in allen Lebenslagen durch die verschiedenen Timelines, schaut, wo wer was schrieb, antwortet kurz, egal, ob man gerade auf dem Klo oder beim Mittagessen mit Freunden sitzt. So viel Zeit muss sein, schliesslich spielt da das wahre Leben – zumindest ein Teil davon. Und es ist wahres Leben, auch wenn es virtuell ist. Wenigstens zum Teil.

Nun kann man diesen Teil – und das wird oft getan – mit moralischen und anderen Massstäben bewerten, sich darüber auslassen und alles verdammen. Schliesslich und endlich hat jedoch jede Generation ihre von der letzten Generation mit hochgezogener Augenbraue wahrgenommenen Auswüchse. Dies ist unserer, der nächste wird kommen. Wir werden dann immer noch in altangestammten Timelines scrollen, über die wiederum unsere Nachgeboren die Nase rümpfen ob ihrer Antiquiertheit, während diese schon viel weiter sind. Man darf gespannt sein.

Ich freue mich, bald mit einer neuen Reihe hier auf Denkzeiten zu beginnen. Denkzeiten gibt kleinen (und auch grösseren) Buchhandlungen und den Menschen, die ihr Herzblut in diese stecken, eine Plattform. Sie stellen sich vor und plaudern aus dem Nähkästchen des buchhändlerischen Alltags.

Ich bin gespannt, was im Zeitalter von elektronischen Medien und Internetbestellungen über grosse Plattformen die Läden und deren Betreiber bewegt, wie sie sich positionieren, was sie an- und umtreibt.

Den Anfang wird Matthyas Jenny von der Bachletten Buchhandlung in Basel machen, danach folgen regelmässig weitere. Wer eine Buchhandlung kennt, die unbedingt ein Porträt kriegen sollte, darf die gerne melden. Ebenso dürfen sich auch Buchhandlungen und Buchhändler selber melden, die von ihrem Alltag berichten wollen, die auch den Präsenzbuchhandel vor Ort im Netz präsentieren wollen.

Ich freue mich drauf!

Wer bin ich, was macht mich aus? Diese Frage ist wohl eine der zentralen im Leben. Oft kann man sie nicht abschliessend beantworten und beruft sich auf einzelne Rollen, die man spielt. Man ist Mutter, Hausfrau, Leseratte, Frau, Buchhalterin, Polizistin, heisst Corinne, vielleicht auch Chantal. Vielleicht ist man auch Mann und heisst Paul, ist Versicherungsvertreter, homosexuell oder Buddhist. Oder alles miteinander? Und was davon ist nun das Ich? Was zählt in all dem, worauf liegt der Schwerpunkt?

 

Wir alle entwerfen für uns selber ein Bild von uns, wie wir uns sehen und noch eines, wie wir gerne wären. Problematisch wird es, wenn die beiden Bilder weit auseinander klaffen und ebenso schwierig ist es, wenn eine der von uns als zentral erachteten Rollen wegfällt. Wenn die Arbeit aufhört, die Kinder ausfliegen – die Welt gerät ins Schwanken und man hat sich selber verloren mit dem Wegfall der Rolle. Was bleibt, wenn das Zentrale weicht?

 

Das nächste Bild, das wir zeichnen, ist das nach aussen. Wir stellen uns dar, geben gewisse Dinge preis, andere eher nicht. Wir stellen uns vor und zeigen uns dann von „unserer guten Seite“ – oder gerade umgekehrt, wenn wir im Sturm-und-Drang-Alter sind voller Rebellion und Aufstand. In irgendeiner Form positionieren wir uns zur Welt und machen so oder so immer dasselbe: Wir reagieren auf das Aussen in einer Form, die wir diesem Aussen angemessen erachten.

 

Im Zeitalter des Internets sind diese eingenommenen Rollen noch viel relevanter geworden. Man tummelt sich auf Plattformen und wird überall gefragt, wie man heisst, was man arbeitet, was man mal gearbeitet hat, ob man eine Beziehung hat und sogar, ob die schwierig ist. Man presst sich in Rollen, um dadurch in die dazugehörige Schublade zu passen. Wenn das eigene Bild nicht nach aussen soll, nimmt man sich ein Pseudonym und schreibt nicht mehr als Charlotte, sondern als Susanne. Von aussen erscheint ein neuer Mensch. Es lebe die Welt des Rollenspiels. Was echt ist, was nicht, die Grenzen sind schwimmend. Worauf kann man noch vertrauen? Sind wirklich alles nur noch gespielte Rollen? Schöne neue Welt.

 

Rollen geben Halt und bieten wohl auch Schutz. Indem ich mich zu einer Rolle bekenne, mich mit ihr identifiziere und mich nach aussen in ihr zeige, gebe ich den anderen etwas in die Hand, woran sie mich messen können. Ich weiss dadurch, was sie von mir erwarten, weil sie sich auf diese eine Rolle stürzen und mich als diese nehmen. Oft schmerzt das mit der Zeit, weil man sich nur einseitig wahrgenommen sieht und merkt, wie viel von einem selber dabei auf der Strecke bleibt. Auch Dinge, die einem wichtig wären, die aber nicht mehr zum Tragen kommen. Es kann auch schwierig sein, wenn man sich der eigenen Rolle dann und wann nicht gewachsen fühlt oder fürchtet, man könnte sie irgendwann nicht mehr ausfüllen. Was dann? Wer wird einen dann noch wahrnehmen? Das war doch das einzige, was man nach aussen kundtat, so wurde man gesehen. Was also, wenn die Schublade nicht mehr passt, man herausfällt? So gesehen können Rollen auch Druck erzeugen, sie können förmlich erdrücken. Schlussendlich ist jede Schublade auch nur eine bessere Holzkiste und man schafft sich damit quasi selber den Sarg, der irgendwann im selbst geschaufelten Grab versinkt.

 

Wer also bin ich? Sicher immer mehr als meine Teile und sicher etwas anderes als ein durch wenige Stichworte oder Rollen beschriebenes Bild. So lange ich mich hinter einer Rolle verstecke, mich mit Namen oder Berufsbezeichnungen verkaufe oder gar profiliere, muss ich mich nicht wundern, wenn keiner mich wirklich sieht. Das mag ab und an toll sein, oft gar eine Ahnung von Versteckspiel, Schauspielerei, vielleicht sogar Überlegenheit vermitteln, ob das tief drin wirklich ausfüllt, bleibt dahin gestellt.

Wir leben in einer wunderbaren Zeit. Ohne das Haus zu verlassen kriegen wir die ganze Welt nach Hause geliefert. Ob Zeitung, TV, Internet, Informationen und das, was sich dafür hält, fliesst herein in die gute Stube, der Bewohner der selbigen sitzt da und staunt. Meine heutige Reise durch die mediale Welt war eine abwechslungsreiche.

Angefangen hat alles mit Kartoffelbauer Clemens. Der gute Mann wohnte auf einem Hof so gross wie ein Schloss mit Land drumrum, das von blossem Auge nicht mehr zu überblicken war. Heute kriegte er Besuch von seiner Hofdame Sandra. Leider war das nicht ich, denn der Hof hätte mir auch gefallen. Ich sehe mich schon bildlich vor meinem geistigen Auge, wie ich im Liegestuhl sonnend selbst gebackene Chips esse und dem netten Bauer beim Ernten zusehe. Kleiner Makel: Kartoffeln machen dumm und treu. Treu ginge ja noch, aber dumm??

Weiter ging es mit Herrn Hitzfelds Sperre. Der gute Mann hatte den Stinkefinger gezeigt und das geht ja gar nicht. Ich erinnere mich, am Morgen noch etwas über „Caca in meine Hose“ von einem anderen Fussballer gelesen zu haben, Name und Gegebenheit habe ich vergessen. Weltbewegend scheint der Scheiss nicht gewesen zu sein. Lothars Trennung spielte auch noch dazwischen. Egal, nun ist Herr Hitzfeld also gesperrt wegen eines Fingers, Knigge hält Einzug auf dem Platz. Ich hoffe, auch in den Rängen. Dafür soll ein Alkoholverbot sorgen, das zumindest auf den billigen Plätzen ausgesprochen wird. Die VIP-Besucher dürfen weiter ihrer Cüplilust frönen, schliesslich sind sie ja die Privilegierten. Das sollen sie auch am Spielfeldrand spüren. Manche sind vor dem Gesetz halt doch gleicher als andere.

Weiter ging die Informationsflut mit dem begehrenswertesten Single der Schweizer TV-Welt. Der knutscht sich grad durch die Frauenreihen, badet in der Wanne mit Badehose, was ihm den Besuch einer mit Bikini bekleideten Um-die-Gunst-Bewerberin bescherte. Seien wir froh, hatte er die Hosen an, denn sonst hätte er sich den zweiten Korb in Serie eingefangen, kriegte er doch den ersten letzte Woche, als ihn eine Rosenempfängerin derbe abblitzen liess, da er weder intellektuell noch optisch ihrem Beuteschema entsprach. Wir sind froh, das Ego hat überlebt, die Sendung geht weiter. Wer am Schluss die endgültig Geküsste sein wird, steht noch aus. Ich werde es wohl nicht am TV mitkriegen, aber auch diese Info findet ihren Weg in mein Zuhause.

Den krönenden Abschluss machte die Meldung einer Frau, die Sex mit Skeletten hatte und deswegen unter Anklage steht. Ich fragte mich kurz, wie das aussehen könnte, beschloss dann ziemlich unmittelbar, mir das nicht wirklich vorstellen zu wollen (vielleicht aus Schutz, da ich sonst gemerkt hätte, dass meine Phantasie begrenzt ist). Zwar hat mir diese Nachricht offensichtlich nicht die Sprache verschlagen, doch ich frage mich, was sie mir genau bringt, wie krank die Welt eigentlich ist (sie zeigt keine abnormalen Tendenzen oder sonstigen psychischen Beeinträchtigungen) und ob es eigentlich noch irgend etwas gibt auf dieser grossen weiten Welt, das nicht möglich ist.

Damit gehen meine Gedanken wieder zurück zum Kartoffelkönig mit dem Schloss. Ich spinne gedanklich Phantasien von Mord an der anderen Sandra. Das Skelett könnte ich zur dahingehenden Fetischistin schicken und danach auf dem Liegestuhl an Sandras Stelle Platz nehmen. Den treuen (wir erinnern uns: Die Kartoffeln) Bauern nähme ich dann auch, die Doofheit (immer noch die Kartoffeln) kämen mir entgegen: Ich wäre zufrieden, tagein, tagaus neben einem ungeliebten Bauern im Liegestuhl zu liegen und Chips zu essen.

Der gläserne Mensch ist schon lange eine bekannte Tatsache, man hat sich fast schon damit abgefunden. Kameras filmen uns bei alltäglichen Gängen zur Post, Bank oder beim Einkaufen, die Cumuluskarte und neu auch die Supercard helfen, mein Einkaufsverhalten kennenzulernen und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, Amazon schickt mir Büchervorschläge anhand der Auswertungen meiner vergangenen Einkäufe, Facebook und Twitter schlagen mir neue Freunde vor, da sie meine alten kennen. Alle kennen sie mich, mein Verhalten, meine Gewohnheiten. Das ist nicht toll, wohl aber nicht zu ändern. 

Eine ganz neue Dimension dieses Spiels entdeckte ich aber in den letzten Jahren, seit mein Kind in der Schule ist. Das Kind kam eines Tages mit einem Blatt nach Hause, auf dem ich feinsäuberlich meine Geburt und die nachfolgenden Stillerfahrungen notieren sollte, inklusive Stilldauer und weiteren Informationen. Ich bin sonst durchaus ab und an kooperativ, mitunter auch mitteilungsfreudig, aber ich suche mir gerne aus, wann ich was wem erzähle und eine mir unbekannte Lehrerin gehört nicht zu dem Kreis, der an meinen intimsten Details teilhaben sollte. Das Kind verstand zum Glück meine Beweggründe und trug das Blatt mit meiner Antwortverweigerung brav zur Schule. Ich dachte, damit sei die Sache gegessen. Der nächste Anschlag kam: Unsere Ernährungsgewohnheiten in Bezug auf Milchprodukte sollten in einer Wochentabelle notiert werden: Wann isst Familie Cosima wie viele Einheiten welches Milchprodukts. Mit der Aufforderung zur Offenlegung kam auch noch die klare Anweisung, wie viele Einheiten es zu sein hätten. Damit die Kinderchen sich auch wirklich dran halten, erzählte die gute Frau Lehrerin, wie wichtig das sei, dass sie sonst alle krank würden, wenn nicht heute, so sicherlich morgen. Zudem würde man unweigerlich dick, verzichtete man auf diese Milchprodukte. Nun vertrage ich Milchprodukte eher schlecht, früher noch schlechter als heute. Ich mied diese also früher ganz, heute esse ich sie in Massen. In der chinesischen Medizin lernte ich zudem, dass Milch den Körper verschleimt. Diesen Effekt sah ich bei meinem Sohn auch mal ziemlich deutlich, als er mit einer Erkältung kämpfte. Zuerst wollte ich brav schweigen und überlegte sogar kurz, die Tabelle zu fälschen. Doch dann schrieb ich ihr eine lange und ausführliche Stellungnahme zu dem Ganzen (ernährungstechnisch). 

Heute nun kriegte ich ein Schreiben der städtischen Gesundheitsdienste. Schlularzttermin fällt an. Dazu wollten sie alles über vergangene (wenn es ginge auch zukünftige, ich bin mir sicher) Krankheiten, Unfälle und sonstigen Gebrechen wissen. Dazu noch eine Kopie der bisherigen Impfungen. Danach musste man ankreuzen, wozu man sein Einverständnis gibt, die Auswahl war so, dass man kaum um die Impfung beim Schularzt herum kommt. Nun darf man mich nicht falsch verstehen, ich bin selber Wissenschaftler und bis zu einem gewissen Grad der Wissenschaft angetan. Ich impfe, weil ich davon ausgehe, dass die, welche die Impfungen erfinden, ihre Sache gut machen und mehr von der Materie verstehen als ich. Diesen Mehrverstand spreche ich den meist nicht medizinisch ausgebildeten Impfgegnern einfach mal ab. Ich weiss, reine Spekulation, meine eigene Hypothese, ich stehe dazu und baue darauf. Trotzdem möchte ich mein Kind nicht im Rahmen einer Schulkontrolle impfen lassen, das tut unser Kinderarzt, mit dem ich das angeschaut habe und dem ich vertraue.

Heute hatten wir Ärger mit dem Internet. Ein Anruf mit dem Kundencenter des Anbieters kam sogar über die Warteschlaufe hinaus, bis hin zu einem Mitarbeiter. Am Telefon führte er uns durch gewisse Schritte, sah dabei, wann unser Modem an war, wann aus. Mein Iphone weiss, wo ich wann bin, mein Facebookaccount schreibt, wo ich welchen Status schreibe, Twitter weiss das auch, Google kennt meine Bilder, hat auf dem Drive meine Dokumente, managt meinen Kalender, die Cloud synchronisiert den anderen Kalender sowie meine Kontakte und Lesezeichen. Bei diversen Seiten kann ich mich gleich mit dem Facebookaccount anmelden, der nun auch meine privaten Adressen und Telefonnummern freigibt. Ich bin umstellt, durchleuchtet, ein gläserner Mensch. 

 

Vom Begriff her hörte ich das schon ein paar Mal, in Tat und Wahrheit erschreckt es mich bei jedem Mal, wenn es akut bewusst wird, erneut. Meist verdränge ich es, denke nicht dran. Wozu auch, es lässt sich nicht ändern. Und doch: Will ich das? Eigentlich nicht. In diesem Zusammenhang kommt mir immer der Ausspruch meines Sohnes in den Sinn:

Mama, ich will nie zu Facebook, Facebook ist doof. Ich will mal ein Mann mit Geheimnissen sein. 

Der Junge hat Jim den Rücken zugewandt, er starrt gebannt auf den Monitor.
Jeffrey. Er war nicht immer ein Computerkid. Erst seit Donalds Tod. Vielleicht war es der jähe Verlust oder das Leichentuch, das sich danach auf die Familie gelegt hat und nie wieder gelüftet wurde. Jedenfalls hat Jeff sich, genau wie Jim auch, vom Familienleben zurückgezogen.

Familie Delpe lebt in London, Vater, Mutter, zwei Söhne. Das Leben ist angenehm, bewegt sich in der besseren Gesellschaft, bis der Tod des jüngeren Sohnes alles verändert. Jeder der drei zurückbleibenden Familienmitglieder geht anders mit der Trauer um und jeder scheint den anderen vorzuwerfen, dass diese nicht richtig trauern. So driften sie alle langsam auseinander, es gibt immer weniger Verbindendes. Wo einst eine Familie war, sind heute drei verzweifelte Individuen, die jeder für sich den Forderungen des Lebens nicht mehr nachkommt, sich in eine eigene Welt zurückzieht.

Als Jeffrey merkt, dass er auch durch seine Präsenz die Eltern weder trösten noch wieder versöhnen kann, verschwindet er eines Tages ohne ein Wort und lässt seine Eltern verzweifelt zurück. Auch mit diesem Verlust gehen die beiden unterschiedlich um, so dass dieser einen noch grösseren Keil zwischen sie schiebt.

Die Rückzugswelten sind bei allen drei Delpes mehr oder minder virtueller Natur. Jeffrey spielt sich in einem Computerspiel durch die Phantasiewelten, wo ihn sein Vater findet und entgegen seiner Abneigung gegen das Internet einsteigt, um seinem Sohn nahe zu kommen. Die Mutter reflektiert ihre Probleme im Internet mit einer Figur, die sich Gott nennt und lebt sonst nur für ihre Trauer. Der Computer spielt nicht nur in der Familie eine zentrale Rolle, er hält auch als Metapher für das reale Leben immer wieder sein Vokabular bereit.

…der aufsässige Junge, der lebte, als hätte er permanent die FESTSTELLTASTE GEDRÜCKT, alles war ÜBERTRIEBEN UND SUPERDRINGEND UND ZU GROSS GESCHRIEBEN, GEFÜHLE WICHTIGER ALS DER VERSTAND, TRÄUME WICHTIGER ALS DAS GEWISSEN, ANGETRIEBEN VON SO VIEL ÜBERZEUGUNGSWILLEN UND HYPE, DASS DIE GRENZE ZWISCHEN KRAFT UND FITKION SCHLIESSLICH…VERPUFFTE.

Überhaupt geizt der Roman nicht an Metaphern, die teilweise etwas weit hergeholt erscheinen. Auch Klischees werden häufig bemüht, was etwas platt wirkt.

Der Leser pendelt zwischen der realen Welt der Delpes oder spielt im Computerspiel mit, in welchem er über viele Seiten der strategischen Kriegsführung und den Dialogen beiwohnen muss. Dies macht den Roman zeitweise sehr langatmig und nimmt die Spannung, welche in der „realen“ Geschichte der Delpes durchaus immer wieder wie aus dem Lehrbuch aufgebaut wird.

Fazit:
Ein lesenswerter Roman, bei dem man wissen möchte, wie er ausgeht. Weniger (virtuelle Welt sowie Metaphern und Klischees) wären mehr gewesen.

(Antony McCarten: Ganz normale Helden, Diogenes Verlag, Zürich 2012.)

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Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 454 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (September 2012)
Preis: EUR: 22.90 ; CHF 38.90

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