Die Buchbranche weint. Sie weint um ihr Privileg, das sie seit Gutenberg ihr Eigen nennt. Sie weint um ihren Platz bei der Vermittlung von Texten. Sie hadert und schimpft, hält sich hoch, stampft E-Books in den Boden. Sie plädiert für Wert und Qualität, für Qualität. Von andern wird sie ab und an dem Untergang geweiht gesehen, wieder andere sehen sie noch lange lebendig. So oder so, die Buchbranche ist das grosse Opfer im Spiel der Zeit. Will sie überleben, muss sie sich was einfallen lassen.

Sie hat sich – wie es scheint – schon lange etwas einfallen lassen, um zu überleben. Unterm Strich zählt der Gewinn, dem wird alles untergeordnet. Will man viel Gewinn haben, muss man mehr einnehmen, als ausgeben. So einfach das klingt, so schwierig ist es oft. Der Markt ist nicht uneingeschränkt gross, die Verkäufe nehmen nicht zu, die Gefahren sind gross, dass sie sogar abnehmen. Was also tun? Die Kosten müssen gesenkt werden. Wie tut man das? Man spart. Am einfachsten bei Gehältern. Man setzt auf mies bis gar nicht bezahlte Praktikanten, die man in Jahresfrist auswechselt. Innerhalb des Jahres verspricht man ihnen Einblick in die Verlagswelt, was ihnen unglaublich viel bringt bei ihrer Zukunft im Verlagswesen. Die armen Geisteswissenschaftler – die sind es nämlich meistens – haben keine andere Wahl, als von der Hoffnung und dem Hungerlohn zu leben. Immerhin ein Jahr halbwegs gesichert.

Das könnte angehen, wäre so ein Praktikum wirklich ein Einblick in die Berufswelt, nach dem dann die Festanstellung wartet – im selben Verlag oder anderswo. Doch weit gefehlt. Auf Praktikum 1 folgt Praktikum 2 – die Reihe geht weiter. In Inseraten zu solchen Praktikumsstellen steht schon bei den Anforderungen, dass der Bewerber bevorzugt neben Hochstulabschluss, diesen und jenen Kenntnissen einer Eier legenden Wollmilchsau auch Praktikumserfahrung in anderen namhaften Verlagen vorweisen können sollte. Dann wäre man gewillt, die gute Person mal genauer anzuschauen, ob sie denn geeignet wäre, sie ein Jahr lang auszupressen, um sie dann zurück auf den Arbeitsmarkt zu werfen, wo sie nach einem neuen Praktikum Ausschau halten kann.

Ethik geht anders. Nun kann man sagen, dass Ethik leider brotlos ist, die Verlage überleben wollen. Die Frage wäre noch: Wozu? Um Bücher zu produzieren, die man durch E-Books ersetzen könnte, was man aber nicht tun möchte, weil Papierbücher wunderbar nostalgisch sind und für Wert und Qualität stehen?

Man verstehe mich nicht falsch. Ich liebe Bücher und zwar die aus Papier. Sie bevölkern mein Wohnzimmer, meine Essecke, mein Büro, mein Schlafzimmer, meine Küche und sogar das Kinderzimmer des nicht lesenden Kindes. Ich kann kein neues Buch lesen, ohne zuerst in ihm gerochen zu haben. Ich liebe es, die Seiten umzublättern, das Papier zu spüren. Der haptische Effekt beim Lesen gehört dazu. Ich mag es, mit dem Bleistift über die Seiten zu fahren, Notizen zu hinterlassen, meine Spuren des Lesens, des Analysierens. Nur: Wert und Qualität sieht anders aus. Nicht nur haben auch arbeitende Menschen ihren Wert, auch das Produkt sollte noch diesen aufweisen und sich nicht nur aus Nostalgie mit dem Prädikat „Wert“ versehen wollen. Lektoratspraktikanten für einen Hungerlohn mögen günstig sein, allerdings spricht das zu lesende Produkt in vielen Verlagen Bände. Die Argumente fürs Buch sind langsam überholt, da die Verlage sie selber zerstören in ihrem Sparwahn. Was bleibt also? Pure Nostalgie? Die wird nicht ewig halten. Qualität setzt sich durch, aber sie muss auch wirklich da sein, nicht nur propagiert. Sie nur als Argument gegen die bösen Anderen aufzurufen, wird nicht langfristig Erfolg bringen.

Anne Rueffer, Verlegerin
Anne Rüffer

Wozu braucht man in Zeiten des Internets und des Selfpublishing noch Verlage? Wie sehen die Verlage selber ihre Zukunft? Denkzeiten fragt nach. 

Anne Rüffer vom Verlag rüffer&rub hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten:

Wie ist ihr Verlag entstanden? Was ist ihr Schwerpunkt?

Bei rüffer&rub publizieren wir seit über 10 Jahren ausschliesslich Sachbücher zu Fragen, die eine Antwort verdienen. Daneben finden Sie im 2008 gegründeten Römerhof Verlag Biographien von interessanten Menschen.

Wieso wurden Sie Verleger, wie sah Ihr Weg dahin aus?

Als Journalistin habe ich mich vorwiegend Themen gewidmet, die im weitesten Sinne mit sozialen Fragen und gesellschaftlichen Zusammenhängen verknüpft sind und bei denen die wichtigste Überlegung lautete: Was ist die Qualität des nächsten Schritts? Mit der Zeit hatte ich jeweils derart viel Material recherchiert, dass es irgendwann hiess: Wieso machst du daraus nicht ein Buch? Der nächste Schritt folgte rasch: Da es viele relevante Themen gibt und ausgezeichnete Autoren, die fundiert recherchieren und kompetent den Inhalt darlegen können, zudem noch einen Stil beherrschen, den man literarisch nennen kann, brauchte es nur noch ein Gefäss, das alles zusammenhält. Dass es am Ende zwei Verlage werden würden, hat sich logisch ergeben: Im Jahr 2008 fiel mir auf, dass zwar nahezu jeder Verlag Biographien im Programm hat, aber dass sich niemand ausschliesslich darum bemüht, die Lebensgeschichten von Menschen zu publizieren, die eine aussergewöhnliche Leistung vollbracht haben.

Würden Sie den Weg wieder gehen?

Salto rückwärts – das ist nicht meine Sache, ich halte nichts vom Spekulieren über eine mögliche Vergangenheit.

Was fasziniert Sie an Büchern? Woher stammt die Liebe dazu?

Bücher sind wie beste Freunde: Wir wachsen mit ihnen auf, wir werden mit ihnen alt, mit manchen ziehen wir um, andere gehen verloren und/oder vergessen. Als Kind konnte ich mich in Büchern verstecken, mich von ihnen trösten lassen und vor allem ließen sie mich in Welten eintauchen, die mir sonst verschlossen geblieben wären.

Gibt es Bücher, Schriftsteller, die Sie persönlich geprägt haben, die Ihnen wichtig sind?

Das wechselt mit zunehmendem Alter und den persönlichen Umständen: Ganz früher Karl May (mit meiner Kinderbande habe ich seine Romane auf dem platten Land nachgespielt …), in der Phase, in der man seine Wurzeln sucht und sich verorten will, die Bücher von Elie Wiesel und die Existentialisten, im nächsten Lebens-Abschnitt und auf dem Weg zum eigenen Verlag vor allem Sozialreportagen wortgewaltiger Journalisten sowie die Bücher von Joan Didion. Und immer wieder Perlen aus der Literatur, die ich ohne »Anweisung von oben«, was man angeblich alles gelesen haben muss, durch Hinschauen, darin blättern und sich gefangen nehmen lassen, entdeckt habe.

Wie darf man sich den Alltag eines Verlages, eines Verlegers vorstellen?

Kommen Sie doch einfach mal einen Tag zu uns und schauen Sie uns über die Schulter.

Wie haben sich Ihr Verlag und ihr Beruf verändert in den letzten Jahren?

Durch die technischen Fortschritte sind viele Dinge einfacher geworden, doch das Wesentliche bleibt: Relevante Inhalte von kompetenten Autoren mit den richtigen Personen an das Publikum zu bringen.

Die Zeiten des Internets und damit die Möglichkeiten des Selfpublishing wirbeln die Bücherwelt auf. Was kann oder muss im Verlagswesen in Ihren Augen allgemein geschehen, damit nicht alles untergeht?

Vor allem nicht ständig das Mantra des Untergangs herbei zu beten! Im Grunde zählt die Fähigkeit, eine Geschichte brillant zu erzählen und ein Thema kompetent auszuschöpfen; wer das auf welchem Weg macht, ist am Ende irrelevant. Um das Buch ist mir nicht bange.

Welchen Vorteil hat ein Autor, der ein Buch bei Ihnen herausbringt, statt es in Eigenregie zu publizieren?

Wir sind dann immerhin zu zweit (und mit meinem Team gleich 7), die ihr Herzblut und ihre Fähigkeiten einsetzen, um dem Buch zum Publikum zu verhelfen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Bücher aus, die Sie veröffentlichen?

Bei uns gilt die Regel: Packt uns das Thema, trauen wir dem Autor/der Autorin die Fähigkeiten (Kompetenz, Durchhaltewillen, Engagement über 8 to 5 hinaus) zu und können wir uns vorstellen, uns dafür lange, lange einzusetzen.

Was halten Sie von der Kontroverse Buch – E-Book?

Nicht besonders viel, denn unsere Aufgabe als Verleger ist es, den Inhalt mit den Autoren so zu polieren, dass der Leser zufrieden ist. In welcher Form er den Inhalt haben will, ist eine rein technische Frage. Warum sollte ich das dem Leser vorenthalten?

In Deutschland wurden in letzter Zeit immer wieder kritische Stimmen laut, Verlage nutzen ihre Praktikanten und Volontäre aus, indem so billige Arbeitskräfte ausgenutzt würden. Was ist dran? Wie sieht das in der Schweiz aus?

Wenn man eine Vollkostenrechnung macht, dann ist es schier unmöglich, mit dem Erlös aus einem Buchverkauf zu »überleben«, man muss als unabhängiger Verleger/Verlegerin schon sehr enthusiastisch sein und bereit zur persönlichen materiellen Reduktion – eine Art »Überlebenskitt«. Andererseits fasziniert die Bücherwelt und bietet eine inhaltliche Erfüllung, die man nicht in vielen Branchen findet. Will man in dieser Welt seine berufliche Erfüllung finden, ist klar, dass man finanziell – im Vergleich zur Finanzbranche – auf einem anderen (Finanz-)Planet unterwegs ist. Letztlich ist es eine Frage, wer einen denn zwingt, ein Praktikum anzunehmen. Wir ermöglichen einen vertieften Einblick in ein Berufsumfeld und dazu die Chance herauszufinden, ob die Bücherwelt wirklich die ist, in der man arbeiten möchte und ob es sich lohnt, sich dafür anzustrengen. Dass man dafür auch noch einen (kleinen) Lohn bekommt, ist doch fair, oder etwa nicht?

Auch von Seiten der Autoren hört man Klagen von zu viel Druck, zu viel Einmischung und drohenden Abgabeterminen seitens der Verlage. Wie sieht das von Verlagsseite aus? Sind Autoren heutzutage sensibler? Die Zeiten einfach härter?

Wir erleben das anders, es ist mehr die Frage: Wie kann man gemeinsam dem Buch im harten Konkurrenzumfeld zum Durchbruch verhelfen. Dass die Anforderungen grundsätzlich intensiver sind, versteht sich angesichts der Tatsache, dass man in den Medien inzwischen auch zum »Casting« antritt und der Text allein oft nicht mehr reicht, um dort anzukommen. Das kann man beklagen, doch schmollen hilft nicht. Dranbleiben und sich nicht entmutigen lassen, und ein klein wenig hoffen, dass das Glück uns schon findet.

Welchen anderen Verlag / Verleger würden Sie empfehlen für ein nächstes Porträt hier?

Daniel Puntas – der das grossartige Heft »Reportagen« verlegt und beweist, wie man mit einer tragfähigen Idee etwas Neues aufbauen kann.

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview!

logor & r: Fakten und Zahlen:
Gründungsdatum: Juli 2000
Anzahl Mitarbeiter: 7
Jährliche Publikationen: 8 – 12
Adresse: Konkordiastrasse 20, 8032 Zürich
Telefonnummer: ++ 044/381 77 30
Mail: info@ruefferundrub.ch
www: ruefferundrub.ch

bachletten1Am 16. September 1993 eröffnete Ursula Wernle Jenny die kleinste Buchhandlung Basels und führte diese bis zu ihrem Tod im Jahr 2007. Ihr Mann Matthyas Jenny führt sie seit dem Zeitpunkt weiter und hat neben dem normalen Tagesgeschäft einige innovative Ideen umgesetzt. In der Bachletten Buchhandlung kann man am Wochenende nach Ladenschluss gediegen zu Abend essen, zwischen Büchern übernachten und so Kindheitserinnerung vom nächtelangen Lesen und in Büchern Stöbern neu erleben.

MJ2Matthyas Jenny ist Autor, Verleger und Literaturliebhaber. 1976 gründete er den Verlag Nachtmaschine, er ist Initiator der Buchmesse BuchBasel, und des Basler Literaturhauses. Er lebt in einer Wohnung, die gleich an die Buchhandlung angrenzt, wobei die Grenzen wohl nicht wirklich starr sind, sondern alles ineinander übergeht. Ein literarisches Leben möchte man sagen. Ein Besuch lohnt sich definitiv!

Das Porträt

Wie würden Sie Ihre Buchhandlung beschreiben?

Kleine Quartierbuchhandlung mit breitem, allgemeinem Sortiment.

Wieso wurden Sie Buchhändler, wie sah Ihr Weg dahin aus?

War/bin Autor, Verleger, Buchdrucker, arbeitete bei Verlagsauslieferungen, in Verlagen, war Einkaufschef für Bücher bei der Kiosk AG und Ex Libris Dietikon, Buchmarketing für Verlage etc. Gründete die BuchBasel Messe Schweiz, Literaturfestivals etc. Nach dem Tod meiner Frau Mai 2007 führte ich ihre Buchhandlung weiter.

Würden Sie den Weg wieder gehen?

Ja!

 Wie haben sich Ihre Buchhandlung und ihr Beruf verändert in den letzten Jahren?

Grundsätzlich hat sich der Buchmarkt verändert: Erscheinungsrhythmus, Produktion, Marketing, Verbreitung, elektronische Bestellsysteme, Amazon, E-Book… Die Stammkundschaft gibt es kaum mehr – man muss ständig neue Kundschaft bewerben.

Onlinevertriebe wie Amazon.de, books.ch und andere sind bequem und gewinnen immer mehr Kunden. Wie spürbar ist das in Ihrer Buchhandlung? Was tun Sie, um Schritt halten zu können?

Auch auf der Website bachletten.ch kann man E-Books herunterladen (Bezhalung via PayPal), aber der Kunde bestellt lieber bei Grosshändlern, weil er das Gefühl hat, dass es dort besser und günstiger ist – was nicht zutrifft. Schritt halten mit den Konzernen ist für eine Kleinbuchhandlung rein finanziell nicht möglich.

Was kann oder muss der Buchhandel in Ihren Augen allgemein tun, um zu überleben?

Kenntnisse über Aktualitäten, Kenntnisse über wichtige oder spezielle AutorInnen, Veranstaltungen, unternehmerisches und unverkrampftes Flair verströmen – nie gegenüber der Kundschaft klagen. Die Kunden beim Namen begrüssen. Die Ladentüre für den Kunden öffnen… Höflichkeit.

Welchen Vorteil hat ein Kunde, der ein Buch bei Ihnen kauft, statt es übers Netz zu bestellen?

Es kostet oft weniger, keine Verpackungsrückstände, volles unkompliziertes Rückgaberecht auch ohne Kaufnachweis, oft viel schneller bei Bestellungen (innert 12 Stunden ist ein lieferbares bestelltes Buch in der Buchhandlung).

Was halten Sie von der Kontroverse Buch – E-Book?

E-Book ist bequem, aber auch langweiliger zu lesen. Es wird sich einpendeln wie damals mit den Hörbücher – allerdings wird es den stationären Buchhandlung nicht mehr unbedingt brauchen, weil man sowohl das Buch wie das E-Book beim selben Internet-Grossanbieter bestellen, respektive herunterladen kann.
Die nächste Generation wird nur noch ausnahmsweise zu einem Buch greifen.

Wie stehen Sie der Auseinandersetzung Verlage – Selfpublisher gegenüber? Hat ein Selfpublisher Chancen, bei Ihnen ausgestellt zu werden?

Nein – wenn die Publikationen nicht oder nicht richtig lektoriert werden, ist es sowieso schlecht. Und nicht der/die AutorIn sollte entscheiden, ob ein Buch erscheint, sondern VerlegerIn/LektorIn.

Wenn Sie je einen Wunsch frei hätten von Verlagen, Autoren, Lesern und von der Politik, wie sähen die aus?

Bücher lesen und schreiben!

Was würden Sie einem Jugendlichen sagen, der gerne Buchhändler werden möchte?

Wenn er/sie nicht an einen romantischen Irrtum bezüglich Bücher, Buchhandel etc. glaubt, dann sollte er nebst Buchhandel noch einen anderen Beruf erlernen. In einigen Jahren wird die Situation im Buchhandel eine ganz andere sein. Der stationäre Buchhandel wird möglicherweise, wie Drogerien und andere Geschäfte, verschwinden.

Gibt es noch etwas, das noch nicht zur Sprache kam, das Sie wichtig finden?

Welche andere Buchhandlung würden Sie empfehlen für ein nächstes Porträt hier?

Labyrinth, Nadelberg Basel

Herzlichen Dank, Matthyas Jenny, für dieses Interview.


Bachletten4

Eckdaten:
Bachletten Buchhandlung

Matthyas Jenny
Bachlettenstrasse 7
4054 Basel
Tel: +41 (0)61 281 81 33
E-Mail: bachletten@bachletten.ch
Web: www.bachletten.ch

 

Öffnungszeiten:
Montag: geschlossen
Dienstag-Freitag: 09.00-12.30 / 14.00-18.30
Samstag: 09.00-16.00

Unlängst hat SteglitzMind einen Artikel mit dem Titel „Statt Schriftsteller ist man Schreib-maschine“ ins Netz gestellt. Die Kommentare waren zahlreich. Nun legte sie einen Artikel nach, in dem Angela Charlotte Reichel von ihren Gedanken zum Thema, ihren Zweifeln am Schreiben ohne Verlag, welche schlussendlich auch Selbstzweifel sind, erzählt. Ein sehr offener und nachdenklich stimmender Artikel: „Dabei will ich nur Bücher schreiben“

Was mich wundert? Wieso sich diese Zuschussverlage noch halten.

Was ist so unersetzlich bemerkenswert an einem sogenannten namhaften Verlag? Ich muss jetzt einfach mal aussprechen, wie sehr mich erschüttert, dass sich die Häupter des Suhrkamp öffentlich versuchen gegen selbst errichtete Mauern zu schlagen.

Bestimmt wirklich Geld was wie wann geschrieben wird?

Die Fragen, die ACR aufwirft, sind nicht neu, sie liegen auf der Hand und wurden so vermutlich auch von anderen schon gedacht. Und doch bleibt schlussendlich vieles beim Alten. Aber wie ist es wirklich? Bestimmt wirklich Geld und ein namhafter Verlag, ob etwas geschrieben wird oder nicht, ob etwas taugt oder nicht? Wenn ich all das lese, was momentan so den Markt überflutet, ist vor allem eines klar: Vieles, was von sogenannt namhaften Verlagen gedruckt wird, ist das Papier ( in meinen Augen) nicht wert, auf dem es steht und es ist vor allem meine Zeit nicht wert, die das Lesen mich kosten würde. Literarisch schwach, sprachlich noch schwächer, möglichst neumodisch geplottet und chronifiziert kommt eine Geschichte daher, die nie das hält, was die Kurzfassung zu versprechen scheint. Wer hat das lektoriert? Aus welchem Grund ging das durch die Schere durch und anderes wird zerschnitten, weggeworfen, ignoriert? Ich denke, da ist viel Glück dabei, viel von persönlichen Stimmungen und auch Vitamin B abhängig.

Schaut man auf früher, auf all die grossen Namen der Literatur, fällt auf, dass viele entweder einen Brotberuf hatten oder aber gar nicht etwa auf Rosen gebettet waren. Viele waren von Gönnern abhängig oder lebten am Rande des finanziellen Ruins. Wieso sollte das heute anders sein? Man verklärt das Ganze wohl auch und hält sich an ein paar wenige, die doch recht gut von ihren Büchern leben – oft steckt da auch noch anderes dahinter und sie konnten von einem finanziellen Polster aus losschreiben. Aber ja, die anderen gibt es immer und ab und an denke ich, sie sind wie Lottogewinne und Casinomillionen: Eher selten. Aber sicher machbar.

So oder so wünschte ich mir, dass jeder sich traut, zu schreiben, wonach ihm ist und dem Schreiben an sich den Wert beimisst, den es hat. Klar schreibt sich das hier leicht, denn leben muss jeder und überleben kostet in der heutigen (wie in der früheren) Welt doch was. Und da beisst sich die Ratte in den Schwanz und die Zweifel und Ängste kommen auf: Kann ich wirklich schreiben ohne Verlag? Was, wenn niemand es liest? Was, wenn niemand es kauft? Was, wenn mich alle verachten, weil kein Verlag mich haben wollte?

Eigentlich schade! Und doch so menschlich. Man denkt, wenn einen wer annimmt, dann ist man gut. Man gibt damit dem anderen mehr Wert und misst den eigenen an der Akzeptanz von aussen. Wer bräuchte die nicht? Identität und was wir darin sehen bestimmt sich immer auch durch die Resonanz von aussen. Und ein angesehener Verlag ist dabei nicht die schlechteste Resonanz, die man sich vorstellen könnte. Wie in jedem anderen Beruf auch, wo man auf die „Oberen“ schaut.

Ich hoffe sehr, dass nicht zu viele Bücher nicht geschrieben werden, weil sie ob der oft quälenden Fragen verworfen wurden.