Tunlichst

Ich will es schon lange tun. Der Wunsch, es zu tun, hat sich in mir festgesetzt, blieb sitzen, brannte sich ein. Erst eine vage Idee, ein Gespinst, dann immer grösser werdend, einnehmender. Ab und an zur Utopie erklärt, doch nie losgelassen, jagt es mich jetzt schon nachts. Ich träume davon, es zu tun oder es tun zu  müssen, mich nicht zu trauen. Werde davon verfolgt, werde es nicht los, fliehe, renne ihm wieder hinterher, weil es doch zu mir gehört. Und drum: Es ist soweit, ich werde es tun. Ich muss nur anfangen.

Vielleicht sollte ich zuerst Bücher darüber lesen, wie ich es genau anpacken muss. Es gibt so viele, die es tun, so viele, die es tun wollen und scheitern. Ich möchte es gut machen, wenn ich es tue. Also gehe ich auf Büchersuche. Ich recherchiere im Internet, bestelle Berge von Büchern, werfe dann alle wieder auf den Haufen, weil ich denke, dass ich alles, was ich lese, eigentlich schon weiss. Ich weiss, worauf es ankommt, weiss, was am Schluss dabei rauskommen sollte, weiss, wie es gut ist und wie nicht. Nur wie ich selber dahin komme, das weiss ich nicht.

Vielleicht hilft mir eine Schule? Vielleicht kann ich es da lernen? Vielleicht kann mir jemand sagen, was ich tun muss, ich ihm nur noch folgen und es gelingt? Ich gehe wieder auf Internetrecherche, sehe andere, die es tun und nun anleiten, wie ich es tun könnte. Ich sehe Schulen und Lehrgänge, ganze Studiengänge, die mich lehren wollen, das zu tun, was ich in der Theorie kann, in der Praxis nie begonnen habe. Ich verwerfe den Gedanken mit der Schule wieder, da ich denke, dass ich eigentlich selber weiss, wie es geht. Wozu dann Schule? Lieber Bücher lesen, das half immer.

Und so lese ich Bücher und stosse immer wieder auf die Bemerkung, es nun selber tun zu müssen, nicht nur zu lesen. Ich finde das gut, denn es heisst ja auch „learning by doing“. Ich denke, ich bin effizienter, wenn ich einfach mal weiter lese, das Tun auf später verschiebe, sonst komme ich nie ans Ziel. Ich klebe Post its in die Seiten, damit ich die Stelle mit den Anleitungen zum Tun wieder finde später. Später kommt nie, da ich das Buch meist vor Ende des Lesens auf die Seite lege und mich wieder anderem zuwende.

So beschliesse ich einmal mehr, es einfach zu tun. Mal im Kleinen, muss ja nicht gleich gross sein. Ich tu’s einfach, lasse mich ein auf dieses Tun, schaue, was dabei herauskommt. Ich finde den Gedanken schön, ich finde den Gedanken gut. Er fühlt sich richtig an. Doch wie soll ich es tun? Wo fang ich an? Was wird daraus? Ob ich mir da nicht zuerst mehr Gedanken machen müsste? Ich kann ja nicht einfach drauf los stürmen, sollte doch ein wenig wissen, wo das Tun durchgehen, wo es hinführen soll? Doch Schule? Da lerne ich, wie die Wege zum Ziel hin sind. Oder zumindest doch ein Buch, das ist günstiger und schneller gelesen. Nein, ich wollte es nun tun, nichts lesen oder lernen.

Ob ich noch zuerst aufräumen sollte hier? Einfach so drauflos zu tun, was ich tun will, alles andere stehen und liegen zu lassen, erscheint mir auch nicht richtig. Und all die Bücher, die ich gekauft habe, die hätte ich vielleicht doch zuerst lesen sollen. Ich meine, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und man lernt immer etwas dazu. Wieso auf all das Wissen verzichten und mich selber in eine Ecke zu manövrieren mit meinem Tun? Langsam wird es dunkel, ich merke, dass ich müde bin. Zu müde, um heute noch anzufangen. Aber morgen werde ich es tun. Ganz bestimmt.

4 Comments

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    • Recht hat er, dein Kollege. Ich kenne diese Phase bei mir in verschiedenen Bereichen. Es wächst in mir, ich möchte, raffe mich wie nicht auf, komme fast an den Punkt, ziehe mich in Selbstzweifel zurück… und plötzlich geht es los… Und dann kam es bislang auch immer gut. Aber jedes Mal in der ersten Phase befürchte ich, die nächste könnte nie kommen. Aber sie kam immer… bisher…

      Und sonst hilft wirklich nur: Anfangen. Einfach tun. 😉

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