Mühlen des eigenen Denkens – eine Ode an die Freiheit…

BildEntscheidungen – sie fällen zu können bedeutet Freiheit. Freiheit der Wahl. In ihr bestünde die Würde des Menschen, sagte Max Frisch einst. Jeder will sie, jeder sucht sie, doch dann und wann kann sie auch zuviel werden. Wenn die verschiedenen Optionen drehen, man nicht mehr ein noch aus weiss. Wenn man abwägt und vergleicht, Gründe dafür und dagegen findet, die sich dann doch wieder im Wege stehen gegenseitig. Was hier gut ist, fehlt beim anderen, dafür mangelt es an etwas, das bei anderen gut wäre.

Am Schluss sitzt man da, das Hirn eine schmerzende und qualmende Mördergrube. Man geht dahin und holt sich Ratschläge von aussen – oder versucht es zumindest. Meist merkt man, dass jeder seine eigene Sicht der Dinge hat. Das ist grundsätzlich gut und erwünscht, allerdings bringt sie wenig, wenn die eigene dabei auf der Strecke und ungehört bleibt. Man wünscht sich einen Rat, was für einen selber gut wäre und hört nur, was andere sich für sich wünschen.

Am Schluss sitzt man mit noch mehr drehendem Kopf und noch weniger Plan. Man fühlt sich alleine und unfähig, überhaupt noch zu denken. Man weiss nicht mal mehr, wer man selber ist, was man selber will. Ist zerrieben zwischen den verschiedenen Möglichkeiten, die alle etwas für und viel gegen sich haben. Sieht bald nicht mehr, was überhaupt noch gut ist und was schlecht. Zurück bleibt ein Gefühl der eigenen Kleinheit und Unentschiedenheit. Man möchte die Decke über den Kopf ziehen und gar nichts mehr denken.

Leider schalten die Gedanken nicht ab. Sie verfolgen bis in den Traum. Man sieht sich verfolgt von den Männern der einen Option, flieht, versteckt sich, wird aufgestöbert. Man will sich schützen, verteidigen, sieht sich alsbald die Verfolger mit einer Waffe in die Flucht schlagen, um dann aufzuwachen und zu merken, dass sie noch immer da sind. Nun wieder als blosse Gedankenmühlen und nicht mehr in geträumter Personengestalt, damit aber nicht weniger bedrohlich.

Der Rat, mal drüber zu schlafen, hilft also nicht wirklich. Die Sache mal setzen zu lassen, ganz etwas anderes zu tun, lässt sich gut sagen, die Praxis stellt sich schwieriger an. Und so dreht man sich, kommt zum Schluss, verwirft ihn, denkt weiter, fühlt sich so gar nicht frei, sondern eher gefangen in den eigenen Gedanken und wünschte sich fast, die Freiheit setzte einmal aus und man wäre fast gezwungen, etwas zu tun. Der Wunsch ist kurzsichtig und wenig ernst, denn wenn man sich zwingen lassen wollen würde, könnte man auch einfach die eine Option wählen und denken, das sei so gemusst.

Was hilft bei Gedankendrehen? Wie finde ich die Lösung? Meine Lösung? Tipps herzlich willkommen.

4 Comments

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  1. Ich empfehle mir in solchen Situationen immer einen Perspektivenwechsel.

    Das gelingt nicht immer, aber wenn ich auch das Umfeld wechsele, also raus aus allem, ab in die Natur, dann klappt es regelmäßig.

    Die Gedanken eben Ferien machen lassen.

    Mit nassem Holz ein Feuer entzünden, das Zelt bei Regen aufschlagen und auf dem See oder Fluss von Wind und Regenschauern überraschen lassen………

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    • Irgendwie ist mein Hirn in solchen Situationen ferienabweisend, es ist wie ein Fleischhund verbissen in die Thematik und wehrt sich gegen Ablenkung. Ich habe aber gemerkt, dass sich, wenn man sich anderen Dingen zuwendet, die Entscheidung ab und an von selber zeigt, weil sich in allem, was man tut, gewisse, die eine Seite vertretende Dinge zeigen. Man zieht wohl unbewusst an, wofür man sich tief drin entscheiden möchte.

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  2. Vielleicht hilft doch die gute alte Liste, in der man jeder Option eine Spalte zuweist und dann die positiven und negativen Argumente auflistet? Am Computer kann man sie dann auch ohne viel Schreibarbeit hoch oder runter schieben, je nach Gewichtung oder ob sie sich gegenseitig aufheben. Dann muss man im Kopf nicht jedes Mal von vorne anfangen zu „drehen“. (Allerdings muss ich zugeben, dass ich das eigentlich nie mache – Männer sind ja immer sooo viel sicherer in ihren Entscheidungen … zumeist wohl, weil sie gar nicht alle Argumente sehen und mit einbeziehen. Unfähigkeit zum Multitasking hat also auch seine Vorteile 😉

    Dass die Ratschläge anderer eher deren Situation / Meinung widerspiegeln, sollte man aber nicht als Vorwurf begreifen, denn wir können nun mal nicht aus unserer Haut: In Deiner Welt bin ich vielleicht nur ein „sprechender Gegenstand“, Du dagegen der Mittelpunkt – in meiner ist es umgekehrt. Das sollte doch zwingend zu unterschiedlichen Perspektiven (im Wortsinne) auf die Welt führen, oder? 0;-)

    Also: Kopf hoch, Gedanken ausserhalb des Kopfes sortieren … dann klärt sich (hoffentlich) vieles bald von selbst, hm?

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    • Danke dir. Das mit den Spalten weiss ich grundsätzlich, vielleicht hilft es wirklich mal. Die Problematik ist doch auch, dass bei gewissen Entscheiden nicht nur man selber, sondern auch noch ein Rattenschwanz an anderen Personen dran hängt. Da wird die Entscheidung gleich noch vielschichtiger und das Abwägen zu einer weitreichenden Angelegenheit. Aber ich bleibe dran. Vielleicht hilft auch, erst mal die eigene Sicht zu finden und die dann mit denen der anderen Betroffenen abzugleichen.

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