Alles Gehirn, oder was?

Nachdem die Hirnforschung eine Zeit lang sehr dogmatisch verkünden wollte, dass wir unser Hirn seien und damit determiniert, ohne eigenen Willen und eigenes Selbst, rudern die meisten Wissenschaftler ein Stück zurück (sofern sie vorher so weit wie ihre Vorreiter gerudert waren) und  geben zu, dass die moderne Hirnforschung viel erreicht hat in letzter Zeit, trotzdem aber nicht alles erklären kann.

Der Hirnforscher Karl Zilles sagt es deutlich:

Die Vorstellung, wir seien nicht für unser Verhalten verantwortlich, sondern absolut determiniert, ist nicht haltbar.

Unser Verhalten ist ein Zusammenspiel von verschiedenen Dingen:

Es ist ein Zusammenspiel: Erziehung, Gesellschaft und Bildung prägen das Gehirn, und umgekehrt beeinflusst die Leistungsfähigkeit des Gehirns die Welt in und um uns.

Das gibt dabei die Rahmenbedingungen vor, innerhalb derer wir uns bewegen, es bestimmt unsere Fähigkeiten. Kommen nun Einflüsse von aussen hinzu, verändert sich unser Gehirn. So können Erziehung, Ausbildung, soziales Umfeld Einfluss nehmen auf unser Gehirn. Auf dieser Grundlage funktionieren auch Therapien, indem sie durch Gespräche und dadurch sich verändernde Gehirnstrukturen zu einer Veränderung des Verhaltens führen.

Eric Kandel, amerikanischer Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger, zu diesem Thema:

Bei jedem Gespräch verändert sich das Gehirn. Jeder lernt etwas anderes aus demselben Gespräch, so dass jedes Gespräch auch eine andere Veränderung durchläuft.

Dies drückt die Interaktion von Gehirn und Umwelt aus. Das Gehirn, das bei Gespräch schon durch vergangene Erfahrungen und Ereignisse entwickelt war, steuert teilweise das, was wir in einem Gespräch wahrnehmen, wie wir es wahrnehmen. Diese Wahrnehmung wiederum führt zu neuen Veränderungen im Gehirn, welche in der Folge wirksam sind im weiteren Verhalten.

Interessant in diesem Zusammenhang:

„Es gibt kein Mörderhirn“ (Tagesanzeiger, 4. Februar 2013)

„Auf der Suche nach dem Gedächtnis, Der Hirnforscher Eric Kandel“, Ein Film von Petra Seeger, Arte Edition (ISBN 9783898481465)

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