BildEric Sandel, kam als Kind des jüdischen Spielwarenhändlers Hermann Kandel und dessen Frau Charlotte 1929 in Wien auf die Welt. Schon bald bekam er die antisemitische Gesinnung Österreichs zu spüren, indem zuerst in der Schule keiner mehr mit ihm sprach und er eines Tages aus heiterem Himmel mit seiner Familie umgesiedelt wurde. 1939 emigrierte die ganze Familie nach Amerika, genauer nach Brooklyn. Hermann Kandel eröffnet wieder ein Spielwarengeschäft und Eric besucht die Schule, bewirbt sich bei Harvard und startet so seine Karriere, die ihn bis zum Nobelpreis bringen soll. Dieser ist zwar der Höhepunkt seines Schaffens, nicht aber dessen Ende. Mit ungeminderter Leidenschaft, mit Ehrgeiz und Einsatz forscht Eric Kandel Zeit seines Lebens über das Gedächtnis und dessen Grundlagen und Funktionieren.

Der Film begleitet Eric Kandel zurück nach Wien, lässt ihn seine eigenen Wurzeln suchen und finden. Kandel spürt seinen Erinnerungen nach, welche immer wieder Emotionen in ihm wachrufen. Kandel sieht seine Geschichte mitverantwortlich für seinen Einsatz für das Gedächtnis. Was ist das Gedächtnis, wie entstehen Erinnerungen, welche für die menschliche Identität so fundamental sind? Dieser Frage widmet er sein Leben.

Wer nun glaubt, einen trockenen Film über einen verbohrten Wissenschaftler anschauen zu müssen, der irrt sich gewaltig. Eric Kandel besticht durch ein herzliches Lachen, das er oft erklingen lässt. Mit viel Humor und Witz erzählt er über sich, sein Leben, seine Forschung, lässt es aber trotz all dem Witz nie an Tiefe und Substanz mangeln.

Der Film gibt Einblicke in den Laboralltag des Forschers, der 1000e mühseliger und erfolgloser Stunden mit Versuchen, Enttäuschungen und neuen Versuchen verbringt, bis – teilweise nicht mehr erwartet – der Durchbruch gelingt, passiert, was erhofft und zu beweisen versucht wurde.

Fazit:
Kurzweiliger, anregender und informativer Film. Kandel erreicht Herz und Hirn der Zuschauer. Absolut sehenswert.

Angaben zum Film:
Dauer: 95 Min.
Extras 25 Min.
Land/Jahr: D 2008 (arte edition)
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Preis: EUR: 22.99 ; CHF 36.90
Auf der Suche nach dem…Gedächtnis. Der Hirnforscher Eric Kandel, Film von Petra Seeger, arte Edition.

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BildKant kam doch aus Königsberg heraus und nimmt im Berlin unserer Tage an einer Tagung von Neurowissenschaftlern teil. Begleitet wird er von einem jungen Studenten, welcher zwar angetan von Kant ist, diesen aber im Namen der Neurowissenschaft widerlegen will. Dies ist die Rahmenhandlung von Georg Northoffs Buch über die Suche nach dem Bewusstsein. Auf amüsante und gut lesbare Art stellt Northoff die heutigen Erkenntnisse der Hirnforschung dar, zeigt auf, was durch Experimente beobachtet werden kann und wo diese Experimente ihre Grenzen haben. Diese  Erkenntnisse werden quasi durch Kants Augen kritisch beäugt, indem die Begrifflichkeiten genau geprüft werden und darauf geachtet wird, dass es zu keinen falschen Zuordnungen kommt. Es soll ja alles seine Ordnung haben.

Wo aber findet sich nun das Bewusstsein? Im Gehirn? Im Verstand?

Unser Student würde jetzt wohl sagen: „Dann müssen wir im Gehirn selbst schauen, und das können wir am besten durch Beobachtung.“

„Da werden Sie nicht viel sehen“, würde Kant erwidern. „Nichts als Neuronen und Aktivität. Weder Einheit noch Bewusstsein.“

„Nein“, kontert der Student, „das lasse ich so nicht stehen. […]“

Northoff führt uns in seinem Buch in die moderne Neurowissenschaft ein, geht dabei auf Erkenntnisse durch Experimente von anerkannten Forschern ein und zeigt – vermittelt durch Kants kritischen Blick – deren Ergebnisse und auch deren Grenzen auf. Der Leser gewinnt so auf spielerische Weise Einblick sowohl in die Empirie des Gehirns wie auch in die transzendentale Philosophie Kants. Während man im Vorbeigehen noch einiges über die Lebensumstände und die Biographie des Königsbergers Philosophen erfährt, Gedanken seiner geistigen Vorgänger und Nachkommen kennenlernt, nähert man sich Schritt für Schritt dem Bewusstsein.

Anhand von anschaulichen Beispielen wird deutlich gemacht, wie das Gehirn funktioniert, was im Gehirn abläuft, wenn wir etwas wahrnehmen, etwas in unser Bewusstsein dringt oder eben nicht. Man sieht das Gehirn als Teil einer Einheit mit der Umwelt, mit welcher es interagiert. Diese statische Umwelt-Gehirn-Einheit macht denn auch deutlich, dass es nicht nur Hirn oder Umwelt ist, sondern beide, dass es nicht nur Neurowissenschaften oder Philosophie braucht, sondern eine Verbindung der beiden, wenn man dem Bewusstsein auf die Schliche kommen will. Empirie und Erkenntnis in Verbindung und nicht im erbitterten Kampf um den Thron und die Herrschaft über die andere Wissenschaft.

Negativ aufgefallen an dem Buch sind mir einzig die vielen Wiederholungen, teilweise innerhalb eines Absatzes fast derselbe Satz zweimal. Auch hat der Übersetzer oder Korrektor nicht immer ganz sauber gearbeitet, da teilweise Wörter fehlen, wodurch der Sinn gerade umgedreht wird, sprich, das Falsche ausgesagt. Dass es das Falsche ist, ergibt sich aus der Logik des Textes, dazu müsste man nicht mal Kenntnis der Materie haben. Aus dieser heraus ist es aber offenkundig. Dies nur ein kleiner Makel an einem sonst herausragenden Buch.

Fazit:

Eine fundierte Einführung in ein komplexes Thema auf amüsante und lesbare Art. Wissenschaft kann unterhaltsam und muss gar nicht trocken sein. Absolut empfehlenswert.

Angaben zum Buch:

Gebundene Ausgabe: 312 Seiten

Verlag: Irisiana Verlag 2012

Preis: EUR: 22.99 ; CHF 36.90

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Nachdem die Hirnforschung eine Zeit lang sehr dogmatisch verkünden wollte, dass wir unser Hirn seien und damit determiniert, ohne eigenen Willen und eigenes Selbst, rudern die meisten Wissenschaftler ein Stück zurück (sofern sie vorher so weit wie ihre Vorreiter gerudert waren) und  geben zu, dass die moderne Hirnforschung viel erreicht hat in letzter Zeit, trotzdem aber nicht alles erklären kann.

Der Hirnforscher Karl Zilles sagt es deutlich:

Die Vorstellung, wir seien nicht für unser Verhalten verantwortlich, sondern absolut determiniert, ist nicht haltbar.

Unser Verhalten ist ein Zusammenspiel von verschiedenen Dingen:

Es ist ein Zusammenspiel: Erziehung, Gesellschaft und Bildung prägen das Gehirn, und umgekehrt beeinflusst die Leistungsfähigkeit des Gehirns die Welt in und um uns.

Das gibt dabei die Rahmenbedingungen vor, innerhalb derer wir uns bewegen, es bestimmt unsere Fähigkeiten. Kommen nun Einflüsse von aussen hinzu, verändert sich unser Gehirn. So können Erziehung, Ausbildung, soziales Umfeld Einfluss nehmen auf unser Gehirn. Auf dieser Grundlage funktionieren auch Therapien, indem sie durch Gespräche und dadurch sich verändernde Gehirnstrukturen zu einer Veränderung des Verhaltens führen.

Eric Kandel, amerikanischer Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger, zu diesem Thema:

Bei jedem Gespräch verändert sich das Gehirn. Jeder lernt etwas anderes aus demselben Gespräch, so dass jedes Gespräch auch eine andere Veränderung durchläuft.

Dies drückt die Interaktion von Gehirn und Umwelt aus. Das Gehirn, das bei Gespräch schon durch vergangene Erfahrungen und Ereignisse entwickelt war, steuert teilweise das, was wir in einem Gespräch wahrnehmen, wie wir es wahrnehmen. Diese Wahrnehmung wiederum führt zu neuen Veränderungen im Gehirn, welche in der Folge wirksam sind im weiteren Verhalten.

Interessant in diesem Zusammenhang:

„Es gibt kein Mörderhirn“ (Tagesanzeiger, 4. Februar 2013)

„Auf der Suche nach dem Gedächtnis, Der Hirnforscher Eric Kandel“, Ein Film von Petra Seeger, Arte Edition (ISBN 9783898481465)