Vertrauen ist gut…

…Kontrolle besser.

Nur wenn man kontrolliert, ist das Vertrauen meist dahin, denn würde man vertrauen, bräuchte man die Kontrolle nicht, man sässe da in seiner Sicherheit, dass alles so ist, wie es sein sollte, wie man denkt, dass es sei.

In einer Welt ohne Lügen gäbe es keine Zweifel. Leider ist eine solche Welt eine Utopie, wir begegnen wo wir gehen und stehen Lügen, belügen uns gar ab und an selber. Oft sogar unbewusst. Wenn wir also uns selber schon nicht immer und in allen Belangen trauen können, wem denn dann?

Beziehungen bauen auf Vertrauen. Fehlt es, obsiegt ein anderes Gefühl: Eifersucht. Ein Blick des anderen, ein Anruf, ein neues After Shake – alles könnte Anzeichen sein. Doch man will ja vertrauen. Könnte man lieben, wäre nicht wenigstens ein wenig Grund zu glauben, dass der andere ehrlich ist, dass er es ehrlich meint, sich an die gemeinsamen Regeln hält. Doch wenn das alle glauben, wo sind denn die vielen Fremdgänger? Sicher 50% müssen sich täuschen in ihrem Vertrauen.

Ist man im Wissen darum nicht naiv, wenn man denkt, dass ausgerechnet man selber verschont bleibt? Ist man nicht dumm, wenn man sich in Sicherheit wähnend zu Hause sitzt und den anderen tun lässt, was er nicht lassen kann, im Vertrauen darauf, dass es nichts ist, das er lassen sollte? Doch besser Kontrolle? Damit kommen wir zum nächsten Zitat:

Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.

Kann man sich den Betrug auch herbeireden? Quasi eine selbsterfüllende Prophezeiung daraus machen, indem man so lange misstraut, bis es begründet ist, oft aus einer Frustration heraus, doch kein Vertrauen geschenkt zu kriegen? Was war zuerst? Das Huhn oder das Ei? Der Fremdgeher oder das fehlende Vertrauen in ihn?

Oft war zuerst ein Fremdgeher, dem man auf den Leim kroch. Das machte vorsichtig. Der nächste sollte das nicht mehr schaffen, er sollte einen nicht mehr auf dem falschen Fuss erwischen, man will die Augen offen halten. Zwar lässt man diesen dann unter den Taten des letzten leiden, doch das ist wohl ein Stück Weit der Evolution geschuldet: Man erkennt Gefahren, lernt daraus und versucht, sie in Zukunft zu vermeiden. In der Natur kann man nur so überleben. Würde man jedes Mal in die gleiche Falle laufen, wäre man schneller tot als man das Wort denken könnte.

Was also tun? Immer wieder auf 0 Stellen, neu vertrauen? Die vergangenen Wunden vergessen, neu starten? Kann man das? Haben wir Menschen einen Reset-Knopf, mit dem man sein System neu aufsetzen kann und all die guten Dinge wie Vertrauen, Liebe, Gelassenheit, Selbstsicherheit, Unversehrtheit neu installieren? Der Knopf ging wohl bei der Erfindung der menschlichen Maschine vergessen. Und so ist man dazu verdammt, Altes mitzuschleppen und den eigenen Rucksack zu füllen.

Das Leben wird damit nicht leichter, vieles auch ab und an als Ballast empfunden, den man gerne los würde. Gewisse Dinge kann man über die Zeit wieder abwerfen, gewisse begleiten einen durchs Leben. Damit muss man wohl leben und das Umfeld mit. Dieses hat immer die Möglichkeit, zu gehen, was dem eigenen Misstrauen Wasser auf die Mühlen werfen würde. Doch die Mühle betreibt man selber. Dessen sollte man sich immer bewusst sein. Man selber bleibt immer da. Entkommen ist nicht.

Ein Kommentar zu „Vertrauen ist gut…

  1. Schwieriges Thema! Du sagst es gleich am Anfang: Ohne Vertrauen keine Liebe. Kontrolle und Eifersucht bringt Sicherheit – nämlich mit Sicherheit das Ende des Vertrauens und der Liebe. Aber Vertrauen heisst andererseits nicht, die Augen schließen oder blind vertrauen. Natürlich gilt es schon, mit offenen Augen durch die Welt und durch die Beziehung zu gehen.
    Die Welt ist nicht vollkommen und eine vollkommene Beziehung werden wir darin auch nicht schaffen. Aber Offenheit und Ehrlichkeit kann über viel Unvollkommenes hinweghelfen.

    Sehr oft ist das Problem, dass das Vertrauen in einer Beziehung ungleich verteilt ist. Und es scheint so, dass der, der vertraut, immer im Nachteil ist. Zu oft folgt die Enttäuschung. Der Fehler ist aber meist nicht das Vertrauen, sondern andere Probleme.

    Kann Eifersucht den Betrug herbeireden? Da scheint es zwei Kategorien von Menschen zu geben: jene, die schon prinzipiell offen für das Fremdgehen sind, und jene, die das für sich eher ausschliessen. Eifersucht und Kontrolle wird die Bereitschaft zum Fremdgehen beim ersteren Typ sicher beschleunigen. Der andere Typ wird wahrscheinlich trotzdem nicht fremdgehen, aber die Beziehung wird irgendwann unweigerlich zerstört sein.

    Was tun? Immer wieder von Null beginnen und voll vertrauen? Das scheint schwierig, wenn nicht unmöglich. Wenn man eines vergisst: der Mensch wird reifer. Er wird nicht nur nicht so schnell wieder in dieselbe Falle tappen, er wird vorsichtiger, er wird aber die Situationen auch schneller durchschauen, sich im Zweifelsfall nicht auf ein Abenteuer einlassen, und die Personen schneller erkennen, denen man tatsächlich vertrauen kann. Und wo es dann sogar viel besser als früher gelingt, sich vertrauensvoll fallen zu lassen. Was wiederum vertrauensfördernd für die ganze Beziehung wirkt.

    Was dabei hilft, sind immer wieder Auszeiten, in denen man sich mit sich selbst und mit dem Thema auseinandersetzen kann. Oft lernt man durch die Abwesenheit von etwas oder jemand weit mehr als wenn man eine Situation, eine Beziehung nach der anderen eingeht – die sich so verdächtig gleichen.

    Das ist wie bei den österreichischen Schispringern. Da ist ein intelligenter Trainer vor langer Zeit draufgekommen, dass es besser ist, einmal gar nicht zu springen, sondern es nur in Gedanken zu tun, immer wieder die Bewegungen zu verinnerlichen. Mentales Training nannte man das. Und wenn man dann wieder auf die Sprungschanze geht, funktioniert es im Idealfall (fast) so perfekt wie in der Vorstellung. Das war der Anfang des „österreichischen Springerwunders“.

    Viele Managementberater drehen das eingangs erwähnte Sprichwort für ihre Klienten bereits um: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser! Und was für Manager gilt, sollte für Beziehungen doch auch gut sein.

    Die Lösung liegt nicht in der immer größeren Angst vor einer neuen Beziehung, sondern in der zunehmenden Klarheit, worum es in einer Beziehung geht. Und diese Klarheit kommt oft in der (zeitweiligen) Einsamkeit.

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