Aus Fehlern lernen

Man geht durchs Leben und möchte eigentlich alles richtig machen. Ich denke, niemand sagt sich, ich mache es mal genau falsch. Vielleicht macht man ab und an Dinge, von denen man denkt, sie seien auf die eine Seite vielleicht nicht ganz sauber, aber auf einer anderen eben doch. Das nennt sich dann Interessenkonflikt und den muss man irgendwie lösen – meist auf die Weise, dass die höher gestellte Option in der eigenen Wertung zum Zug kommt.

Nicht selten zeigt sich im Nachhinein, dass etwas, das man vorher gut und richtig fand, der Weg, den man vorher wert fand, zu gehen, in einer Sackgasse mündet oder zu einem Ziel führte, das man so nicht wollte. Umdrehen ist selten möglich und wenn, hat man mindestens Zeit verloren. Doch was hat man gewonnen?

Es heisst, aus Fehlern werde man klug. Man sieht, dass das, was man beschlossenerweise tat, nicht das Richtige war. Man lernt daraus, dass a) die Beweggründe falsch gewesen sein müssen, b) man etwas übersehen haben muss, c) man vielleicht gar nicht dahin wollte, es sich nur einbildete oder d) was weiss ich der Fall war. Auf alle Fälle: Es war FALSCH.

Was nun? Die Vergangenheit wird man nicht ändern können. Man kann nur in die Zukunft nehmen, was man aus ihr lernte. Ab und an kann man gewisse Dinge zurecht biegen, manchmal ist es verloren, man muss damit leben und das Ergebnis als Lehrgeld nehmen. Nach dem Motto: Shit happens.

Ich kriegte kürzlich den Rat: Vergiss es. Kann man das? Einfach drüber gehen, vergessen, was war, weiter gehen? Würde man damit nicht einen Teil der eigenen Geschichte verneinen und die Möglichkeit, eine Lehre zu ziehen? Es gibt wohl Menschen, die einfach vergessen können. Die weiter gehen, als ob nichts gewesen wäre, auf zu neuen Taten, auf zu neuen Ufern. Das ist sicher eine Möglichkeit. Und vermutlich die einfachste, da man nie in sich hinein schauen muss, nie sich hinterfragen muss, was man selber falsch machte. Im besten Fall schiebt man beim Vergessen den Schwarzen Peter dem anderen zu und vergisst dann mit triumphierendem Gefühl. Verlockend eigentlich.

Was ist dabei gewonnen? Wohl wenig. Die Situation wird nicht anders, man schaut nur nicht mehr hin. Das ist zwar für den aktuellen Fall erlösend, allerdings liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, dass es einen nächsten, ähnlich gelagerten geben wird. Das Leben richtet es so ein, dass man gewisse Lehren ziehen muss. Es führt einen so lange in ähnliche Situationen, bis man sie bewältigt hat. Der Buddhismus richtet dazu die Wiedergeburt ein, weil er nicht glaubt, dass man es in einem Leben schaffen kann. So oder so: Wir sind wohl da, um zu lernen. Lernen heisst, dem Leben standzuhalten, es zu überleben – bis zum Tod. Der ist unvermeidbar. Ob er einmal oder gar zweimal geschieht, wie James Bond sagt, weiss man nicht so genau. Aus den eigenen Fehlern zu lernen kann dabei aber sicher nicht schaden.

Und damit danke ich all meinen Lehrern, die mein Leben um viele Gedanken bereicherten, danke den Gedanken, die mich ab und an im Kreis drehen, immer aber auch weiter kommen liessen und danke den Kräften, die dazu beitrugen, dass ich alles aushielt und den Weg weiter ging.

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